Ertuğrul Fırkateyni. Ein türkisches Schiff in Japan


Projektarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Japanisch-Türkische Beziehungen

2. Ertuğrul Fırkateyni
2.1. Vorbereitungen und Komplikationen
2.2. Die Fahrt nach Japan
2.3. In Japan
2.4. Der Untergang
2.4.1. Die Überlebenden
2.4.2. Die Hilfsaktion

3. Nachwirkungen
3.1. Das Denkmal
3.2. Beziehungen bis heute
3.3. Die Bergungsaktion

4. Fazit

Nachwort

Literaturverzeichnis

Vorwort

Im September 2007 habe ich im Japanischen Kultur- und Informationszentrum in Istanbul (Japon Kültür ve Enformasyon Merkezi) ein zweiöchiges Praktikum im Rahmen des Projektmoduls gemacht. Das Zentrum wurde von dem türkischen Japanologen (*1961) im Jahre 1994 gegründet und führt seitdem in immer stabiler werdender Form seine Dienste vor allem in Bezug auf das Lehren der japanischen Sprache. Über 100 Schüler und Schülerinnen aus verschiedenen Alters- und Gesellschaftsklassen nehmen an den Japanischrsen teil.

Zudem befindet sich die türkeiweit größte japanbezogene Bibliothek mit 7- bis 8-Tausend Werken in diesem Kulturzentrum und besteht vorwiegend aus der jahrelangen Ansammlung des Gründers.

Genau diese Bibliothek lieferte mir durch die großzügige Hilfestellung von Herrn Demirci vielerlei Informationen über mein Bachelorarbeitsthema. Ertuğrul vor der Küste Japans, das am Ende des 19. Jahrhunderts vom Osmanischen Reich nach Japan delegiert wurde.

Diese Projektarbeit dient als Vorbereitung auf meine Bachelorarbeit und kann als angesehen werden. Das Geschehen soll hier detailliert vorgestellt werden, Zudem dient mir ein türkisches Buch über diese Thematik[1] als Hauptquelle und stellt mir die schwer erreichbaren Informationen und Berichte zur Verfügung.

Erst in meiner Bachelorarbeit werde ich mich auch auf japanische Arbeiten stützen und dieses Geschehen aus den Blickwinkeln beider Länder und Sprachen betrachten und analysieren.

Einleitung

Das Kriegsschiff Ertuğrul Fırkateyni[2] ist in der Geschichte der Türkei das berühmteste und legendärste Schiff, das durch das Untergehen in den Gewässern Japans einen unwiderruflichen Ruhm gewonnen hat und auch dort zulande bekannt ist. Fast 600 Männern kostete dieses Schiffsunglück das Leben und bildete somit sowohl in der Vergangenheit einen Verknüpfungspunkt zwischen beiden Ländern, als auch in der Gegenwart durch die erneute Aktualität der damaligen Ereignisse.

In dieser schriftlichen Ausarbeitung wird die Geschichte dieses Schiffes in den Mittelpunkt gestellt und anschließend mit verschiedenen Aspekten und Punkten verknüpft dargestellt.

Begonnen wird mit einer kurzen Zusammenfassung der Japanisch-Türkischen Beziehungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Anschließend werden das Schiff und die Vorgeschichte, die Fahrt, der Aufenthalt in Japan und der Untergang behandelt. Zum Schluss soll eine Beschreibung der Nachwirkungen und der heutigen Situation die vorliegende Arbeit abrunden.

Wie auch im Vorwort erwähnt, dient diese Arbeit mit all ihren Einzelheiten als Wissensgrundlage und versteht sich als Vorarbeit zur Bachelorarbeit, welche auf dieser Basis aufbauend, sich gestalten und entwickeln wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Japanisch-Türkische Beziehungen

Die ersten Kontakte Japans mit dem Osmanischen Reich sind erst seit der Meiji-Zeit nachweisbar. Die durch die amerikanische Flotte, die sogenannten „Schwarzen Schiffe“, unter Commodore Matthew C. Perry erzwungene Öffnung Japans im Jahre 1854 führte zum Modernisierungsbewusstsein und war der hauptsächliche Grund für die „Iwakura-Mission“.[3] Die von 1871 bis 1873 dauernde Reise einer aus fünf hochrangigen japanischen Politikern bestehenden Gruppe unter der Leitung von Iwakura Tomomi nach Nordamerika und Europa, um den Stand der westlichen Länder zu untersuchen, führte den Schreiber des Außenministers, Genichiro Fukuchi, 1871 nach Istanbul, in die Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Er analysierte dort die industrielle und wirtschaftliche Situation.[4]

Nach diesem ersten Besuch fanden in den nächsten Jahren weitere wichtige Besuche und Exkursionen von japanischer Seite aus statt. Der mitunter wichtigste war der vom Prinzen Komatsu und seiner Ehegattin abgestattete Besuch.[5] Sultan Abdülhamid empfing sie in seinem Dolmabahçe saray genannten Palast als Ehrenbesucher und erhielt vom Prinzen die japanische Medaille Kikuki Daijusho.[6]

Zudem wurden viele Handelsverträge von den Japanern angeboten, die die freundschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern verstärken sollten, jedoch wurden diese immer mit der Begründung, die Aufmerksamkeit Russlands dadurch nicht auf sich zu ziehen, abgelehnt.[7] Mütermcimler bewertet es wie folgt: „Somit kann man sagen, dass die Japaner am Anfang des Japan-Türkei-Verhältnisses eine aktive Rolle spielten, während die Türken eine passive Stellung innehatten.[8]

Und genau dieses Geschenk des japanischen Prinzen an den türkischen Sultan ist der Auslöser der Idee, ein Schiff nach Japan zu schicken und dem Tenno ebenfalls als Geschenk eine Medaille, die Nişan-ı ali-i imtıyazı, zu überreichen. Dieser Schritt wurde im Jahr 1889 unter dem Vorwand einer Exkursionsfahrt der derzeitigen Marine-Absolventen in Angriff genommen.

2. Ertuğrul Fırkateyni

2.1. Vorbereitungen und Komplikationen

Am 14. Februar 1889 wurde die Neuigkeit, dass ein Schiff nach Japan geschickt werden soll, öffentlich verkündet und führte zu Spekulationen unter den 70 Offizieren und den Admirälen, welches denn von den seit Jahrzehnten in den Häfen Istanbuls ruhenden Schiffen dafür ausgesucht werden würde.[9] Die Meerespolitik des Sultans Abdülhamid II. (1842-1918) war nämlich bei weitem sehr schwach und der Grund für die Verrottung der aus Europa eingeführten Schiffe. Die Auswahl fiel auf das Kriegsschiff Ertuğrul, das sowohl ein Segel- als auch ein Dampfschiff war und welches von 1854 bis 1864 von den Türken gebaut, von den Engländern ausgestattet und kurz nach dem Eintreffen in Istanbul im Hafen verankert wurde.

Ein paar Autoren wie Mütercimler oder Hee-Soo Lee sind der Auffassung, dass der damalige Marineminister Hasan Hüsnü Paşa (1832-1903) die eigentliche Hauptrolle bei der Entscheidung für das Ertuğrul-Schiff spielte. Er soll dieses Schiff als das günstigste und am wenigsten Kohle verbrauchende angesehen und den Sultan beeinflusst haben und als Beweis dafür, dass er dieses Schiff als reisefähig ansieht, sogar den eigenen Schwiegersohn Osman Emin als Kapitän ausgesucht haben.[10]

Die Autorin Petek Kitamura hingegen behauptet, dass der Hauptgrund für die Auswahl des Ertuğrul Fırkateyni darin liegt, dass es das einzige von den Türken gebaute Schiff war.[11] Somit ginge es um Stolz und Patriotismus.

Kitamuras Argumentation erscheint fundierter, denn es gibt überlieferte Dokumente, die die Reiseunfähigkeit des Ertuğrul Fırkateyni bezeugen, die aber vom Sultan nicht beachtet worden sind. Nur die gefälschte Urkunde vom Marineminister wurde ernst genommen[12] und somit stand der Fahrt mit dem Ertuğrul Fırkateyni nichts mehr im Weg.

Wieso sonst würde Hüsnü Paşa das Leben des eigenen Schwiegersohnes riskieren, wenn nicht aus starken emotionalen Hintergründen? Berichte über seine sehr ausgeprägten Hochmuts- und Stolzgefühle würden diese Meinung bekräftigen.

[...]


[1] Mütercimler, Erol (1993). Ertuğrul Faciası ve 21. Yüzyıla doğru Türk-Japon ilişkisi, İstanbul: Anahtar Kitaplar.

[2] Fırkateyn ist Osmanisch und bedeutet „Schiff“.

[3] Pohl, Manfred (2005). Geschichte Japans, München: C. H. Beck, S. 59.

[4] Lee, Hee-Soo (1988). Islam ve Türk Kültürünün Uzak Doğu´ya Yayılması, Ankara: Türkiye Diyanet Vakfı Yayınları, S. 208.

[5] Ebd., S. 211.

[6] Ebd., S. 211.

[7] Ebd., S. 210.

[8]Böylece Türk-Japon münasebetlerinde, başlangıçta Japonlar´ın aktif, Türkler´in ise pasif intibaları vardır.“

Mütercimler, Erol (1993). Ertuğrul Faciası ve 21. Yüzyıla doğru Türk-Japon ilişkisi, İstanbul: Anahtar Kitaplar, S. 87.

[9] Mütercimler, Erol (1993). Ertuğrul Faciası ve 21. Yüzyıla doğru Türk-Japon ilişkisi, İstanbul: Anahtar Kitaplar, S. 98-100.

[10] Vgl. Ebd., S. 100-102 & Lee, Hee-Soo (1988). Islam ve Türk Kültürünün Uzak Doğu´ ya Yayılması, Ankara: Türkiye Diyanet Vakfı Yayınları, S. 212-215.

11 Kitamura, Petek (2006). Hayaller ülkesi Japonya, Istanbul: Erko Yayıncılık, S. 40.

12 Mütercimler, Erol (1993). Ertuğrul Faciası ve 21. Yüzyıla doğru Türk-Japon ilişkisi, İstanbul: Anahtar Kitaplar, S. 270.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ertuğrul Fırkateyni. Ein türkisches Schiff in Japan
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Modernes Japan)
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V233152
ISBN (eBook)
9783656502814
ISBN (Buch)
9783656503651
Dateigröße
1160 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ertuğrul, fırkateyni, schiff, japan
Arbeit zitieren
M.A. Cigdem Gedik (Autor), 2008, Ertuğrul Fırkateyni. Ein türkisches Schiff in Japan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233152

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ertuğrul Fırkateyni. Ein türkisches Schiff in Japan



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden