Die betriebliche Altersversorgung verzeichnet eine lange geschichtliche Entwicklung. Im Jahre 1891 wurde eine gesetzliche Absicherung der Arbeiterschaft für den Fall der Invalidität eingeführt, aber schon in der Mitte des 19. Jahrhundert wurde ehemaligen Arbeitnehmern
Altersleistungen vom Betrieb gezahlt. Dennoch sind die von den Unternehmen, wie Siemens und Krupp, gezahlten Leistungen nicht mit denen von heute vergleichbar. Die Vorsorge war damals lediglich zur Absicherung der Arbeitnehmer in Notfällen gedacht.
Durch die fortschreitende Industrialisierung und die damit verbundene Verlagerung der Arbeit vom Heim in die Fabrik, stieg das Risiko von Unfällen, die zu Invalidität oder Tod führten. Die dadurch wachsende Verantwortung der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern und
dessen Hinterbliebenen führte zu der Geburt der betrieblichen Versorgungsleistungen.(Buttler, 2012, S. 17).
Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland ist älter als die gesetzliche Rentenversicherung. Die Satzungen in der von den Unternehmen eingerichteten Hilfs- und Unterstützungskassen haben das Gesetz zur Alters- und Invaliditätssicherung, welches 1889
in Kraft trat, beeinflusst. Zu dieser Zeit wurde nicht zwischen Pensionskasse und Unterstützungskassen unterschieden. Die gesetzliche Rentenversicherung hat den Katalog der Invaliditäts-, Hinterbliebenen- und Altersversorgung von der betrieblichen Altersversorgung
übernommen. Neu war allerdings die Pflicht sich in der Rentenversicherung versichern zu müssen und der daraus resultierende Rechtsanspruch auf die Leistungen. Die staatlich organisierte Rentenversicherung wurde erst 1911 geschaffen.
Nach der großen Inflation und der Wirtschaftskrise in den 20er Jahren gewann die betriebliche Altersversorgung an großer Bedeutung, sogar unter den Nationalsozialisten. Auch sie waren es, die die Betriebsrente durch Steuergesetze regelten. Die 1934 eingeführte Reform begrenzte die Zuwendungen in die Pensionskasse, damit war die Unterscheidung
zwischen Pensionskasse und Unterstützungskasse geschaffen.
Trotz der betrieblichen Zusatzversorgung gab es dafür keinen gesetzlichen Rahmen. Bei Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber musste das Gericht rechtliche Normen setzen und die Betriebsrente immer weiter entwickeln (Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V., 2005, S. 11ff.). [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Problematik
1.3 3-Säulen der Altersversorgung
1.3.1 Gesetzliche Rentenversicherung
1.3.2 Betriebliche Altersversorgung
1.3.3 Private Altersversorgung
1.4 3-Säulen versus 3-Schichten Modell
1.4.1 Basisversorgung
1.4.2 Zusätzliche Versorgung
1.4.3 Kapitalanlageprodukte
2. Rechtliche Rahmenbedingungen
2.1 Begriff der betrieblichen Altersversorgung
2.2 Merkmale der betrieblichen Altersversorgung
2.3 Geltungsbereich
2.4 Leistungsarten
2.5 Verjährung und Gestaltungsfreiheit
2.6 Unisex-Tarife
3. Vertragsformen
3.1 Einzelzusage
3.2 Vertragliche Einheitsregelung
3.3 Gesamtzusage
3.4 Betriebliche Übung
3.5 Tarifvertrag
3.6 Betriebsvereinbarung
3.7 Gleichbehandlungsgrundsätze
4. Zusagearten
4.1 Leistungszusage
4.2 Beitragsorientierte Leistungszusage
4.3 Beitragszusage mit Mindestleistung
4.4 Reine Beitragszusage
4.5 Höhe der Leistung
5. Finanzierungsformen
5.1 Arbeitgeberfinanzierung
5.1.1 Unverfallbarkeit dem Grunde nach
5.1.2 Unverfallbarkeit der Höhe nach
5.1.3 Vor- und Nachteile Arbeitgeber
5.1.4 Vor- und Nachteile Arbeitnehmer
5.2 Arbeitnehmerfinanzierung
5.2.1 Entgeltumwandlung
5.2.1.1 Unverfallbarkeit dem Grunde nach
5.2.1.2 Unverfallbarkeit der Höhe nach
5.2.2 Eigenbeträge
5.2.3 Vor- und Nachteile Arbeitgeber
5.2.4 Vor- und Nachteile Arbeitnehmer
5.3 Mischfinanzierung
5.3.1 Vor- und Nachteile Arbeitgeber
5.3.2 Vor- und Nachteile Arbeitnehmer
6. Durchführungswege
6.1 Unmittelbare Versorgungszusage
6.2 Mittelbare Versorgungszusage
6.3 Riester-Förderung
7. Direktzusage
7.1 Steuer- & bilanzrechtliche Behandlung beim Arbeitgeber
7.1.1 Anwartschaftsphase
7.1.2 Leistungsphase
7.2 Steuer- & sozialversicherungsrechtliche Behandlung beim Arbeitnehmer
7.2.1 Anwartschaftsphase
7.2.2 Leistungsphase
7.3 Vor- und Nachteile der Direktzusage
7.3.1 Arbeitnehmersicht
7.3.2 Arbeitgebersicht
8. Direktversicherung
8.1 Steuer- & bilanzrechtliche Behandlung beim Arbeitgeber
8.1.1 Anwartschaftsphase
8.1.2 Leistungsphase
8.2 Steuer- & sozialversicherungsrechtliche Behandlung beim Arbeitnehmer
8.2.1 Anwartschaftsphase
8.2.2 Leistungsphase
8.3 Vor- und Nachteile der Direktversicherung
8.3.1 Arbeitnehmersicht
8.3.2 Arbeitgebersicht
9. Pensionskasse
9.1 Steuer- & bilanzrechtliche Behandlung beim Arbeitgeber
9.1.1 Anwartschaftsphase
9.1.2 Leistungsphase
9.2 Steuer- & sozialversicherungsrechtliche Behandlung beim Arbeitnehmer
9.2.1 Anwartschaftsphase
9.2.2 Leistungsphase
9.3 Vor- und Nachteile der Pensionskasse
9.3.1 Arbeitnehmersicht
9.3.2 Arbeitgebersicht
10. Unterstützungskasse
10.1 Steuer- & bilanzrechtliche Behandlung beim Arbeitgeber
10.1.1 Anwartschaftsphase
10.1.2 Leistungsphase
10.2 Steuer- & sozialversicherungsrechtliche Behandlung beim Arbeitnehmer
10.2.1 Anwartschaftsphase
10.2.2 Leistungsphase
10.3 Vor- und Nachteile der Unterstützungskasse
10.3.1 Arbeitnehmersicht
10.3.2 Arbeitgebersicht
11. Pensionsfonds
11.1 Steuer- & bilanzrechtliche Behandlung beim Arbeitgeber
11.1.1 Anwartschaftsphase
11.1.2 Leistungsphase
11.2 Steuer- & sozialversicherungsrechtliche Behandlung beim Arbeitnehmer
11.2.1 Anwartschaftsphase
11.2.2 Leistungsphase
11.3 Vor- und Nachteile des Pensionsfonds
11.3.1 Arbeitnehmersicht
11.3.2 Arbeitgebersicht
12. Änderungsmöglichkeiten & Anpassungspflicht
12.1 Rahmen für Änderungen
12.2 Zusagen verschlechtern
12.3 Einseitiger Widerruf
12.4 Betriebsrat
12.5 Anpassungspflicht
13. Insolvenzrechtliche Besonderheiten
13.1 Verbraucherinsolvenz
13.2 Arbeitgeberinsolvenz
13.3 Versorgungsträgerinsolvenz
14. Sonstige Besonderheiten
14.1 Vorzeitige Altersleistung
14.1.1 Voraussetzungen
14.1.2 Höhe der Leistung
14.1.3 Wegfall der Leistung
14.2 Arbeitswechsel
14.3 Abfindung
14.4 Rente mit 67 & Hartz IV
15. Ausblick & Zusammenfassung
15.1 Zukunftsprognose
15.2 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch die betriebliche Altersversorgung (bAV) in Deutschland vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der schwindenden Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung. Ziel ist es, die verschiedenen Durchführungswege, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die steuerlichen Vor- und Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer fundiert darzustellen, um Entscheidungshilfen für eine ergänzende Altersvorsorge zu bieten.
- Demografischer Wandel und Notwendigkeit der Altersvorsorge
- Rechtliche Grundlagen und Vertragsformen der bAV
- Durchführungswege (Direktzusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse, Pensionsfonds)
- Finanzierungsformen (Arbeitgeberfinanzierung, Entgeltumwandlung, Mischfinanzierung)
- Steuerliche und insolvenzrechtliche Aspekte der Altersversorgung
Auszug aus dem Buch
1.2 Problematik
Obwohl im Vergleich zum Jahr 2010 die Einwohnerzahl um 92.000 (+0,1 %) Personen gestiegen ist, ist die demogarfische Entwicklung in Deutschland ein weit diskutiertes Thema. Die Problematik liegt darin, dass die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen immer mehr übersteigt und dieses Geburtendefizit führt zu einem Abnehmen der Bevölkerung, welches auch nicht durch Einwanderungen kompensiert werden kann. So wurden im Jahr 2011 663.000 Kinder geboren, das sind 15.000 (-2,2 %) Babys weniger als im Jahr zuvor und es sind 852.000 Menschen gestorben, das sind 6.000 weniger als im Vorjahr. Dies führt dazu, dass das Geburtendefizit auf rund 190.000 steigt, d.h. es sind 190.000 mehr Menschen gestorben als geboren wurden (Statistisches Bundesamt online, 2012). Dieses Problem wird weiter anhalten. Da die Geburtenhäufigkeit von etwa 1,4 Kindern pro Frau bereits sehr niedrig ist und man annimmt, dass das in der Zukunft konstant bleibt, fällt jede neue Generation um ein Drittel kleiner aus als die vorherige. (Statistisches Bundesamt, 2009, S. 13).
Die eben aufgeführten Gründe führen dazu, dass die Erwerbstätigen, definiert von 20 bis 65 Jahren, kontinuierlich weniger werden, die gegenwärtig stark ausgeprägte Generation jedoch ein höheres Lebensalter erreichen. So werden Männer eine Lebenserwartung von durchschnittlich 85 Jahren und Frauen von ca. 89,2 Jahren haben (Statistisches Bundesamt, 2009, S. 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland und erläutert die demografische Problematik, die das Rentensystem unter Druck setzt.
2. Rechtliche Rahmenbedingungen: Hier werden der Begriff, die Merkmale sowie die rechtlichen Voraussetzungen und Leistungsarten der betrieblichen Altersversorgung definiert und abgegrenzt.
3. Vertragsformen: Das Kapitel erläutert die verschiedenen individual- und kollektivrechtlichen Begründungsakte, durch die ein Rechtsanspruch auf betriebliche Altersversorgung entstehen kann.
4. Zusagearten: Hier werden die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten der Zusage, von der klassischen Leistungszusage bis zur Beitragszusage, detailliert beschrieben.
5. Finanzierungsformen: Das Kapitel analysiert die Finanzierung durch den Arbeitgeber, den Arbeitnehmer (Entgeltumwandlung) sowie Mischformen und deren Auswirkungen.
6. Durchführungswege: Es werden die fünf gesetzlich vorgesehenen Wege der bAV vorgestellt, unterteilt in unmittelbare und mittelbare Versorgungszusagen.
7. Direktzusage: Eine detaillierte Betrachtung der Direktzusage inklusive steuerlicher Behandlung in Anwartschafts- und Leistungsphase sowie der Vor- und Nachteile.
8. Direktversicherung: Dieses Kapitel behandelt die Struktur, die steuerliche Einordnung sowie die Perspektiven für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Direktversicherung.
9. Pensionskasse: Vorstellung des Durchführungswegs Pensionskasse, der Ähnlichkeiten zur Direktversicherung aufweist, sowie dessen steuerliche Implikationen.
10. Unterstützungskasse: Analyse der Unterstützungskasse als Versorgungseinrichtung, insbesondere der Unterschiede zwischen rückgedeckten und pauschaldotierten Modellen.
11. Pensionsfonds: Darstellung der Charakteristika des Pensionsfonds als kapitalmarktorientiertem Durchführungsweg und dessen rechtliche Rahmenbedingungen.
12. Änderungsmöglichkeiten & Anpassungspflicht: Dieses Kapitel erörtert, unter welchen Voraussetzungen Arbeitgeber bestehende Zusagen anpassen oder reduzieren dürfen.
13. Insolvenzrechtliche Besonderheiten: Erläuterung der Insolvenzsicherung der bAV-Anwartschaften durch den PSVaG sowie der Behandlung bei Verbraucherinsolvenz.
14. Sonstige Besonderheiten: Behandlung von Spezialthemen wie vorzeitige Altersleistungen, Arbeitsplatzwechsel, Abfindung von Anwartschaften sowie Rente mit 67.
15. Ausblick & Zusammenfassung: Abschluss der Arbeit mit einer Zukunftsprognose zur Verbreitung der bAV und einer Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Betriebliche Altersversorgung, bAV, Rentenversicherung, demografischer Wandel, Entgeltumwandlung, Direktzusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse, Pensionsfonds, Insolvenzsicherung, PSVaG, Betriebsrentengesetz, Altersvorsorge, Sozialversicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit?
Die Arbeit analysiert die betriebliche Altersversorgung (bAV) als wichtige zweite Säule der Alterssicherung in Deutschland aus der Sicht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern unter besonderer Berücksichtigung rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit behandelt die demografische Notwendigkeit der bAV, die fünf verschiedenen Durchführungswege, die steuerliche Behandlung, die Möglichkeiten der Finanzierung sowie insolvenzrechtliche Schutzmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Analyse der bAV-Strukturen, um aufzuzeigen, wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer die verschiedenen Modelle zur Schließung der Versorgungslücke nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literatur- und Gesetzesanalyse, ergänzt durch statistische Daten und Berechnungsbeispiele, um die Vor- und Nachteile der verschiedenen bAV-Modelle darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen, der verschiedenen Vertrags- und Zusagearten, der Finanzierungsformen sowie einer tiefgehenden Analyse der fünf Durchführungswege inklusive steuerlicher und insolvenzrechtlicher Besonderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind: bAV, Entgeltumwandlung, Pensionsfonds, Direktversicherung, betriebliche Altersversorgung und Insolvenzsicherung.
Was ist die 3-Stufen-Theorie im Kontext der bAV?
Die 3-Stufen-Theorie ist ein vom Bundesarbeitsgericht entwickeltes Modell zur Verhältnismäßigkeitsprüfung, das festlegt, unter welchen Bedingungen Arbeitgeber in bestehende Versorgungszusagen eingreifen dürfen, wobei zwischen erdienten Anwartschaften und zukünftigen Ansprüchen differenziert wird.
Warum ist die Insolvenzsicherung durch den PSVaG so wichtig?
Der Pensionssicherungsverein auf Gegenseitigkeit (PSVaG) schützt Arbeitnehmer vor dem Verlust ihrer bAV-Anwartschaften oder laufenden Renten, falls der Arbeitgeber zahlungsunfähig wird, was für die Sicherheit der betrieblichen Altersvorsorge zentral ist.
- Citation du texte
- Susanne Mahler (Auteur), 2013, Zur kritischen Analyse der betrieblichen Altersversorgung aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerperspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233191