Das Fachkonzept zur Ausbildungsreife


Hausarbeit, 2009

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung.

2. Einleitung

3. Diskussion um das Konstrukt Ausbildungsreife
3.1 Entwicklung und Lage auf dem Lehrstellenmarkt
3.2 Akteure und Positionen
3.3 Attribution bei mangelnder Ausbildungsreife
3.4 Notwendigkeit einer definierten Ausbildungsreife

4. Entwicklung der Bewerberqualifikation
4.1 Expertenbefragung zur Ausbildungsreife
4.1.1 Leistungsfähigkeit der Lehrstellenbewerber
4.1.2 Gründe und Ursachen der Entwicklung
4.2 Ansatzpunkte zur Steigerung der Ausbildungsreife

5. Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife.
5.1 Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs
5.2 Definition und Abgrenzung
5.2.1 Ausbildungsreife
5.2.2 Berufseignung
5.2.3 Vermittelbarkeit
5.3 Merkmale und Kriterien
5.4 Kritische Punkte zum Ansatz

6. Beurteilung von Ausbildungsreife und beruflicher Eignung.
6.1 Beurteilungsgrundlage in der beruflichen Beratung
6.2 Anwendung des Kriterienkatalogs
6.3 Förderungsmöglichkeiten

7. Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichni

1. Zusammenfassung

Jugendlichen wird bei erfolglosen Bewerbungsversuchen oft mangelnde Ausbildungsreife unterstellt. Die Begrifflichkeit der Ausbildungsreife scheint aber dabei verschieden verstanden zu werden, denn die Gründe für einen erfolglosen Übergang von der Schule in den Beruf sind facettenreich. Die veränderten Bedingungen und Anforderungen auf dem Lehrstellenmarkt sowie die geforderte Verbesserung der Bewerberqualifikation seitens der Betriebe veranlassten den Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs zu einer schwer-punktmäßigten Untersuchung des Themas Ausbildungsreife. Dabei entstand ein Kriterienkatalog, der die verschiedenen Stufen der beruflichen Eignung klar definiert und dazu mögliche Mängel bei Jugendlichen aufzeigen soll. Obwohl mit diesem Kriterienkatalog Einigkeit zwischen allen beteiligten Akteuren erzielt wurde, stellt die Beurteilung der beruflichen Eignung weiterhin eine große Herausforderung dar. Die Anwendung dieses Konzepts innerhalb der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit wurde bereits erprobt. Weil sie aber abhängig von der Akzeptanz der Arbeitgeber und der Bewerber ist und der spezielle Nutzen noch nicht klar bewiesen werden konnte, sollte die praktische Handhabung des Kriterienkatalogs zur Ausbildungsreife vorerst offen und weiterentwicklungsfähig bleiben.

2. Einleitung

Die Probleme von nicht vermittelnden Lehrstellenbewerbern werden von Arbeitgeberseite meist auf die mangelnde berufliche Eignung zurückgeführt. Eine Argumentation über zu wenige Lehrstellen wird dagegen von Arbeitnehmervertretern vorgenommen, was bereits zu heftigen Debatten über den Begriff der Ausbildungsreife führte (vgl. Eberhard, 2006, S. 12). Unterschiedliche Schuldzuweisungen ergeben sich daher als ein Resultat verschiedener Interessen und nicht vergleichbaren Interpretationen der Definition von Ausbildungsreife. Die über die Jahre gestiegenen Anforderungen für Berufsausbildungen werden durch das problematische Abschneiden deutscher Schüler in PISA-Studien zusätzlich verschärft, weshalb sich der Fokus noch mehr auf die betroffenen Jugendlichen und ihre Kompetenzen richtet. Der Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland (2008) sollte die Diskussion über die Ausbildungsmisere bereits seit 2006 entzerren und Ansatzmöglichkeiten für eine Verbesserung der Ausbildungschancen von Jugendlichen schaffen. Die Anerkennung einer Definition von Ausbildungsreife durch Wirtschaft und Bildungsverantwortliche konnte zunächst grundlegend erreicht werden. Eine Verbesserung der Bewerberqualifikation kann sich aus der Ableitung des Katalogs jedoch nicht zwangsläufig ergeben, da er lediglich unzureichende Merkmale aufdeckt, die eventuell durch Förderungen ausgeglichen werden können. Die konzeptionelle Umsetzung ist durch ihren festen Rahmen nicht auf eine genaue Einhaltung der Kriterien angelegt, da das theoretische Expertenergebnis die offene und fallangemessene Eignungsbeurteilung zulässt (vgl. Schober, 2007, S. 19). Dadurch fallen die Entscheidungen über die Eignungsbeurteilung maßgeblich den Berufsberatungskräften zu, die dazu zusätzlich auch gesetzlich verpflichtet sind (vgl. §§ 31,32 und 35 SGB III).

In dieser Arbeit wird zunächst die Diskussion über den Begriff der Ausbildungsreife vertiefend durch Hintergründe der derzeitigen Ausbildungssituation dargestellt. Dabei wird auch in Kapitel 3.3 auf die Verwendung unterschiedlicher Attributionstheorien eingegangen, die auch mangels gültiger Definitionen von beruflicher Eignung vorherrschen. In Kapitel 4 werden das Konstrukt der Ausbildungsreife aus Sicht des Expertenmonitors des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) genauer erläutert und Möglichkeiten zur Verbesserung des Reifeprozesses bei Jugendlichen geschildert. In Kapitel 5.1 wird die Gründung des Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs behandelt, welcher auch für den im Folgenden beschriebenen Kriterienkatalog verantwortlich ist. In 5.4 werden problematische Punkte des Konzepts beschrieben, die bei der genannten Anwendung in Kapitel 6 zum Tragen kommen könnten. Nachdem in 6.3 mögliche berufsvorbereitende Maßnahmen vorgestellt werden, folgt abschließend eine Zusammenfassung mit einer Einordnung des Konzepts durch eine gegen-überstellende Darstellung von geforderten und definierten Merkmalen zur Ausbildungsreife.

3. Diskussion um das Konstrukt Ausbildungsreif

Die vielschichtige Debatte über die Begrifflichkeit der Ausbildungsreife gewann durch den Wandel der Perspektive an erheblicher Bedeutung. Wurde Ausbildungsreife anfänglich noch als eine „(...) zertifizierte Fähigkeit eines ausbildenden Betriebs“ (Eberhard, 2006, S.17) beschrieben, so fallen heutzutage zweifellos Bewerbereigenschaften von Jugendlichen unter diesen Begriff. Durch diese geänderte Blickrichtung werden notwendige Kompetenzen betrachtet, welche für die Aufnahme von Berufsausbildungen vorhanden sein müssen. Doch welche Merkmale müssen von Jugendlichen berücksichtigt werden, damit eine Aussage über den Reifegrad getroffen werden kann und was kann mit der Ausbildungsreife eigentlich genau erfasst werden? Diese Punkte wurden von Bildungs- und Arbeitsmarktexperten, aber vor allem von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern heftig umstritten, weil teils differenzierte Annahmen über das Entstehen von mangelnder Reife bei Jugendlichen und dem eingeschränktem Ausbildungsplatzangebot vorherrschten (vgl. Ulrich, 2004, S. 15).

3.1 Entwicklung und Lage auf dem Lehrstellenmarkt

Konnte zu Beginn der 1990er-Jahre noch eine gute Versorgung von Jugendlichen mit Ausbildungsverträgen festgestellt werden, so nahm dieser zufriedenstellende Ausgleich von Ausbildungsplatznachfrage und -angebot seitdem bis zum Jahr 2005 stetig ab (vgl. Eberhard, 2006, S. 9). Seit dem Jahr 2006 ließ sich jedoch ein positiver Trend bei der Einmündung von Absolventen[1] aus allgemeinbildenden Schulen in Berufsausbildungen erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil der in Ausbildung mündenden Schulabsolventen 2001-2008.

Die Abbildung zeigt eine ansteigende Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit allgemeinbildendem Schulabschluss über die letzten drei Jahre, welche sich trotz des um 1,3 Prozent verringerten Ausbildungsplatzangebotes[2] im Jahre 2008 positiv entwickelt (vgl. BMBF, 2009, S.14). Demgegenüber wurde die Ausbildungsplatznachfrage durch einen stärkeren Bewerberrückgang um 4,2 Prozent beeinflusst, wodurch der Ausbildungsmarkt 2008 insgesamt einen zahlenmäßigen Ausgleich von Bewerbern und Ausbildungsplätzen erfahren konnte[3]. Die rechnerische Einmündungsquote stellt somit den Zusammenhang zwischen Ausbildungsplatznachfragern und -angeboten her[4]. Dabei entsteht eine vereinfachte Berechnungsgrundlage, da sich die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen aus den tatsächlich in Ausbildung eingemündeten Bewerbern plus den nicht vermittelten Jugendlichen aus der Statistik der BA ergibt. Erfolglose Bewerber, die vorerst eine Alternative zur Ausbildung gefunden haben, zählen nicht zu den unvermittelten Jugendlichen (vgl. Eberhard, 2006, S.10). Dadurch werden beispielsweise Schulabsolventen, die sich wegen mangelnder Bewerbungserfolge für eine weitere schulische Qualifizierung entschieden haben, nicht in der Statistik der unvermittelten Bewerber registriert. Dadurch entsteht eine ungenaue Einmündungsquote, da der Eintritt in das Übergangssystem zunächst keine Ausbildungsplatznachfrage darstellt, obwohl die Jugendlichen infolge eines beibehaltenen Vermittlungswunsches höchstwahrscheinlich im nächsten Jahr zu Altbewerbern werden (vgl. BMBF, 2009, S.15).

Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ist derzeit zwar hauptsächlich positiv zu bewerten, jedoch besteht weiterhin in bekannten und zukünftigen Bereichen Handlungsbedarf. Denn obwohl den meisten Schulabgängern Berufseinstiegsmöglichkeiten in Aussicht gestellt werden können, bauen sich für eine nicht unerhebliche Anzahl von Jugendlichen Hürden für einen erfolgreichen und direkten Übergang von der Schule in einen Beruf auf (vgl. BMBF, 2009, S.14). Dazu bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt, da Betriebe dort qualifiziertes Bewerberpotenzial vermissen. Zusätzlich sorgt die demografiebedingte Entwicklung für einen Rückgang bei den Schulabsolventen und verstärkt somit den zukünftigen Mangel an Fachkräftenachwuchs (vgl. BMBF, 2009, S.19).

3.2 Akteure und Positionen

Die tiefgreifende Diskussion über mangelnde Ausbildungsreife wurde hauptsachlich von Arbeitgebervertretern aufgebracht, da die Wirtschaft auf eine Entwicklung von unzureichend qualifizierten Nachwuchskräften hinweisen wollte (vgl. Müller-Kohlenberg, Schober, Hilke, 2005, S.19). Die Vereinbarkeit von beruflichen Anforderungen und vorhandenen Bewerberkompetenzen wurde von Arbeitgeberseite mit Sorge betrachtet. Dementgegen wirkten die Standpunkte der Arbeitnehmer, die überwiegend durch Gewerkschaften vertreten wurden. Sie erkannten ebenfalls einen Handlungsbedarf, der sich insbesondere während des Höhepunkts der Ausbildungskrise im Jahr 2005 abzeichnete, da der Weg in eine Ausbildung vielen Jugendlichen wegen einer zu geringen Anzahl an Ausbildungsplätzen verwehrt blieb (vgl. Eberhard, 2006, S.12). Das entstandene Spannungsfeld zwischen diesen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerpositionen über das Konstrukt der Ausbildungsreife verbunden mit der betrieblichen Personalpolitik wird außerdem teilweise verstärkt durch bildungspolitische Diskussionen, die maßgeblich von Bildungsverantwortlichen und Fachleuten eingebracht werden.

[...]


[1] In dieser Arbeit wird aus Platzgründen bei speziellen Bezeichnungen auf die Nennung der weiblichen Form verzichtet. Daher beinhaltet eine einfache Nennung jeweils beide Geschlechter.

[2] Im Vergleich zu 2007 ergibt sich ein Rückgang des Ausbildungsplatzangebotes um 8.478 Plätze auf insgesamt 635.766 (BMBF, 2009, S.14).

[3] Für 2008 ergibt sich ein Rückgang der Ausbildungsplatznachfrage um 27.807 Bewerber auf insgesamt 630.738 (BMBF, 2009, S.14). Durch den rechnerischen Überschuss von 5.028 Ausbildungsplätzen konnte die Lage am Ausbildungsmarkt als günstig beschrieben werden.

[4] Die im Berufsbildungsbericht angegebenen Zahlen müssen nach den Vorgaben des § 86 Berufsbildungsgesetz (BBiG) berechnet werden, wobei sich die Ausbildungsplatznachfrage aus den bereits abgeschlossenen Verträgen zuzüglich den unversorgten und bei der BA gemeldeten Bewerbern ergeben muss.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Fachkonzept zur Ausbildungsreife
Hochschule
Hochschule der Bundesagentur für Arbeit - Mannheim/Schwerin
Veranstaltung
Berufliche Eignungsdiagnostik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V233207
ISBN (eBook)
9783656503583
ISBN (Buch)
9783656503880
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausbildungsreife, Eignungsdiagnostik, Profiling, Stärkenanalyse, Human Resource Management, Fachkräftemangel, Berufspädagogik
Arbeit zitieren
Thomas Röser (Autor), 2009, Das Fachkonzept zur Ausbildungsreife, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233207

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