Den Kämpfen der Städte um Unabhängigkeit von ihren Stadtherren folgte zu Beginn des 14. Jahrhunderts mehr und mehr eine Zeit der innerstädtischen Auseinandersetzungen. Früher sprach die Forschung in diesem Zusammenhang noch gerne allgemein von "Zunftkämpfen" oder gar "Zunftrevolutionen", doch haben dieser und ähnliche Termini seit den sechziger Jahren immer weiter an Akzeptanz verloren und wurden - ausgehend von der Erkenntnis, dass die Zünfte in den Auseinandersetzungen in Wirklichkeit selten die entscheidende, tragende Kraft gewesen sind - durch den Begriff "Bürgerkämpfe" ersetzt.
Mit diesen neuen Prämissen änderten sich auch die Vorzeichen, unter denen das Thema dieser Hausarbeit, der Aueraufstand, im Laufe der Zeit untersucht worden ist. Der Aueraufstand kann als Beispiel dafür gelten, wie Handwerkern und Zünften in der frühen Forschung intuitiv eine Rolle zugewiesen wurde, die nach dem Zeitgeist der "Zunftkämpfe" konstruiert, aber nicht durch Quellen belegt war. So geschehen etwa schon in Carl Theodor Gemeiners Regensburgischer Chronik aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Für die neuere Forschung grundlegend ist immernoch die mit umfangreichen Datenmaterial versehene Arbeit von Fritz Morré aus dem Jahre 1935, auf die sich bis heute berufen wird. Eine Bibliographie zum Aueraufstand bis 1995 findet sich in einem Aufsatz von Johann Schmuck. Am ehesten einer Gesamtdarstellung entspricht dann auch Schmucks Monographie "Ludwig der Bayer und die Reichsstadt Regensburg". Für die Zeit nach 1995 ist noch die Arbeit von Sandra Lehner über das Regensburger Patriziat im frühen 14. Jahrhundert zu nennen. In dieser Arbeit versuchte Lehner eine Neubewertung des Aueraufstands, ausgehend von der Infragestellung von Forschungsprämissen bezüglich der Gliederung des städtischen Patriziats.
Gegenstand dieser Hausarbeit wird es sein, den Aueraufstand und die Entwicklungen, die zu ihm geführt haben, anhand der städtischen Urkunden Regensburgs nachzuvollziehen. Ein Augenmerk wird hierbei auf die oben beschriebenen Streitfragen nach der Rolle der organisierten Handwerker und dem Verlauf der Konfliktlinien innerhalb des Regensburger Patriziats gelegt. Dazu soll das Ereignis in einen Bezug zu den innerstädtischen Auseinandersetzungen und Unruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts gesetzt werden.
Den Untersuchungen dieser Hausarbeit liegt als Quellenbasis das Regensburger Urkundenbuch zugrunde - eine Edition der städtischen Urkunden Regensburgs, die bis in das Jahr 1378 reicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Städteunruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts
3 Der Aueraufstand in Regensburg 1330-1334
3.1 Die Verschwörung von 1330
3.2 Die Herrschaft der Auerpartei
3.3 Unruhen in der Stadt
3.4 Ende der Auerherrschaft
4 Schluss: „Aufstand“ der Auer?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den sogenannten Aueraufstand in Regensburg (1330–1334) als Resultat innerstädtischer Auseinandersetzungen und Fraktionskämpfe des Patriziats. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Bezeichnung „Aufstand“ gerechtfertigt ist und welche Rolle die Handwerker in diesem Machtkonflikt tatsächlich spielten, wobei die städtischen Urkunden als primäre Quellenbasis dienen.
- Analyse der Machtstrukturen im Regensburger Patriziat
- Untersuchung der Rolle organisierter Handwerker in städtischen Konflikten
- Einordnung des Aueraufstands in den reichsweiten Kontext von Städteunruhen
- Kritische Würdigung bisheriger Forschungsansätze zum Aueraufstand
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Verschwörung von 1330
Im April 1330 regte sich in Regensburg Unmut gegen den Patrizier Konrad Prunnhofer. Der Grund ist nicht überliefert, doch scheint es zu einem Auflauf unter den Bürgern gekommen zu sein. In der Folge wurden Prunnhofer und seine Söhne bestraft und mussten Fehdeverzicht gegenüber dem Propstrichter Friedrich von Aue, dem Hansgrafen Bertold Paulsær, dem Hansrat, dem Stadtrat sowie den Kaufleuten und den Handwerkern schwören. Der amtierende Bürgermeister Berthold von Ergoldsbach tritt in der Urkunde nicht als Vermittler auf, was sehr wahrscheinlich auf instabile Machtverhältnisse innerhalb der Stadt hindeutet. Möglicherweise ist die Ursache für die Bestrafung Prunnhofers sogar in einem gescheiterten Putschversuch desselben zu suchen.
In dieser aufgeladenen Situation konstituierte sich eine Woche später, am 7. Mai 1330, eine Verbindung von 37 Bürgern unter Führung Friedrichs von Aue gegen die bestehende Stadtverwaltung. Dieses Bündnis tat sich mit „allen handwerchen“ zusammen und forderte eine Rechnungslegung über die Finanzen der Stadt „um armer und reycher notdurft willen“.
Wie war es dazu gekommen, dass die Auer und ihre Verbündeten ein Bündnis mit den Zünften eingingen? Die Regensburger Chronik schildert, wie die Handwerker gegen Konrad Prunnhofer in „schreckliche Bewegung“ geraten seien. Rat und Gemeinde hätten sich daraufhin über die Ereignisse in gegensätzliche Parteien gespalten, wodurch der Grundstein für die Verschwörung gelegt war. Unabhängig von der Bedeutung, die man Gemeiners Wortwahl beimessen mag, scheint große Unzufriedenheit unter den Handwerkern geherrscht zu haben. Dafür spricht die Forderung nach Rechenlegung der Stadtfinanzen an den Stadtrat, die – wie sich in anderen Städten vergleichend beobachten lässt – das gängigste Motiv für Zunftunruhen jener Zeit war. Von den Auern war diese Forderung nun energisch und sicher nicht uneigennützig aufgegriffen worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt den Aueraufstand in den historischen Kontext der städtischen Auseinandersetzungen des 14. Jahrhunderts und erläutert die quellenkritische Herangehensweise der Arbeit.
2 Städteunruhen zu Beginn des 14. Jahrhunderts: Dieses Kapitel verortet Regensburg innerhalb der reichsweiten Unruhephasen und beleuchtet die Rolle der verschiedenen Stadtherrschaften.
3 Der Aueraufstand in Regensburg 1330-1334: Dies ist das Hauptkapitel, das die Entstehung, die Herrschaftsphase der Auerpartei, die Unruhen in der Stadt sowie das Ende der Auerherrschaft detailliert chronologisch nachzeichnet.
3.1 Die Verschwörung von 1330: Hier wird der unmittelbare Auslöser der Verschwörung gegen Konrad Prunnhofer und die anschließende Konstituierung der Auerpartei beschrieben.
3.2 Die Herrschaft der Auerpartei: Das Kapitel behandelt die machtpolitische Konsolidierung der Auereinung, die Verbannung politischer Gegner und die Einbindung der Handwerker.
3.3 Unruhen in der Stadt: Hier wird die angespannte Lage und die Vernehmung der Handwerker durch den Rat aufgrund von Machtdemonstrationen der Kontrahenten analysiert.
3.4 Ende der Auerherrschaft: Dieses Kapitel beschreibt den Machtverlust der Auerpartei und die Beendigung des Kleinkriegs durch kaiserliche Vermittlung.
4 Schluss: „Aufstand“ der Auer?: Die Schlussbetrachtung hinterfragt die Bezeichnung „Aueraufstand“ und resümiert die Bedeutung der Ereignisse für das städtische Machtgefüge.
Schlüsselwörter
Aueraufstand, Regensburg, Patriziat, Stadtgeschichte, Zunftunruhen, Hansgraf, Stadtrat, Mittelalter, Machtkampf, Handwerk, Urkundenbuch, Reichsstadt, 14. Jahrhundert, Bürgerkämpfe, Friedrich von Aue.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den sogenannten Aueraufstand im Regensburg der Jahre 1330 bis 1334 unter Berücksichtigung der komplexen Machtverhältnisse zwischen den verschiedenen Patrizierfraktionen.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Aueraufstand anhand städtischer Urkunden neu zu bewerten und zu klären, ob die Bezeichnung „Aufstand“ historisch treffend ist oder ob es sich primär um einen innerpatrizischen Fraktionskampf handelte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Rolle des Patriziats, der Einfluss der aufstrebenden Handelsfraktionen, die Rolle der Handwerker sowie die Einbettung der Regensburger Ereignisse in das reichsweite Geschehen des 14. Jahrhunderts.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse der Regensburger Urkundenbücher unter Einbeziehung relevanter historiographischer Forschungspositionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Aueraufstand in seine chronologischen Phasen: von der ursprünglichen Verschwörung 1330 über die Machtergreifung und deren Auswirkungen bis hin zum Scheitern der Bewegung 1334.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aueraufstand, Patriziat, Regensburger Urkundenbuch, Zunftunruhen und städtisches Reglement.
Welche Rolle spielte die Handwerkerschaft im Aueraufstand?
Die Handwerker fungierten zwar als eine eigenständige Kraft, blieben aber zumeist in der Gefolgschaft patrizischer Anführer und nutzten ihre neue politische Teilhabe lediglich als Werkzeug innerhalb der Konflikte.
Wie endete die Herrschaft der Auerpartei in Regensburg?
Die Herrschaft endete 1334 durch die Entmachtung des Rats und die Vertreibung der Auerpartei, was schließlich 1335 durch kaiserliche Vermittlung zu einer Befriedung führte.
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- Felix Zimmermann (Author), 2011, Der Aueraufstand in Regensburg 1330-1334, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233210