Der pädagogische Umgang mit Sterben, Tod und Trauer


Diplomarbeit, 2013
190 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung und Eingrenzung
2.1 Literatur zum Thema pädagogischer Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
2.2 Notwendigkeit von Pädagogik und der pädagogischen Felder im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
2.3 Pädagogische Felder - ihre Fundierung und Inhalte
2.3.1 Das Feld der Vermittlung / WISSEN
2.3.2 Das Feld der Beratung / ERFAHRUNG
2.3.3 Das Feld der Begleitung / AUSHALTEN

3 Zusammenstellung
3.1 Zweites Inhaltsverzeichnis
3.1.1 Die gesellschaftliche und historische Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer
3.1.2 Die bisher pädagogisch affinen Bereiche im Thema Sterben, Tod und Trauer
3.1.3 Der geschichtliche Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und die daraus resultierende Begründung von Pädagogik
3.1.4 Die pädagogischen Felder
3.1.4.1 Die Selbstreflexion und Offenheit des Lehrenden, Beratenden oder Begleiters
3.1.4.2 Das Feld der Vermittlung
3.1.4.3 Das Feld der Beratung
3.1.4.4 Das Feld der Begleitung

4 Ausarbeitung
4.1 Gesellschaftliche und historische Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer
4.1.1 Die Themenbreite als Chance der Pädagogik
4.2 Bisher pädagogisch affine Bereiche im Thema Sterben, Tod und Trauer
4.2.1 Death Education
4.2.2 Thanatagogik/Sterbeerziehung
4.2.3 Trauerberatung
4.2.4 Friedhofspädagogik
4.2.5 USTT (Unterricht Sterben Trauer Tod)
4.2.6 UBB/STT und Friedhofspädagogik als Leitbegriffe für den pädagogischen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
4.3 Geschichtlicher Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und die daraus resultierende Begründung von Pädagogik
4.3.1 Sterben, Tod und Trauer „früher“
4.3.1.1 „Der gezähmte Tod“
4.3.1.2 „Der eigene Tod“
4.3.1.3 „Der nahe und der lange Tod“
4.3.1.4 „Der Tod des Anderen“
4.3.1.5 „Der ins Gegenteil verkehrte Tod“
4.3.1.6 Antikes Friedhofs- und Bestattungswesen
4.3.1.7 Frühchristliches Friedhofs- und Bestattungswesen
4.3.1.8 Mittelalterliches Friedhofs- und Bestattungswesen
4.3.1.9 Die Konfessionalisierung des Friedhofs in der frühen Neuzeit
4.3.1.10 Die Enteignung der kirchlichen Friedhöfe in der Neuzeit
4.3.1.11 Die Säkularisierung des Friedhofs im 20. Jahrhundert
4.3.2 Sterben, Tod und Trauer „heute“
4.3.3 Die Begründung und die Ziele pädagogischer Arbeit aus dem geschichtlichen Umgang
4.4 Pädagogische Felder
4.4.1 Die Selbstreflexion und Offenheit des Lehrenden, Beratenden oder Begleiters
4.4.2 Das Feld der Vermittlung
4.4.2.1 Vermittlung / WISSEN
4.4.2.2 Der Lehrberuf
4.4.2.3 Der Unterricht
4.4.2.3.1 Planung des Unterrichts
4.4.2.3.2 Lernziele der Unterrichtung
4.4.2.3.3 Lernprozess und Sprachkompetenz
4.4.2.3.4 Methoden und Unterrichtsformen
4.4.2.3.5 Teilnehmer und Betroffenheit
4.4.2.4 Zusammenfassung
4.4.3 Das Feld der Beratung
4.4.3.1 Beratung / ERFAHRUNG
4.4.3.2 Allgemeines Beratungswissen
4.4.3.2.1 Beratung - Definition, Einordnung und Abgrenzung
4.4.3.2.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Beratung
4.4.3.2.3 Ziel von Beratung
4.4.3.2.4 Methoden der Beratung
4.4.3.2.5 Der Berater
4.4.3.2.6 Der Beratungsprozess
4.4.3.2.7 Pädagogik und Beratung
4.4.3.3 Handlungsspezifisches Wissen
4.4.3.3.1 Trauerberatung
4.4.3.3.2 Inhalte von handlungsspezifischem Wissen
4.4.3.4 Zusammenfassung
4.4.4 Das Feld der Begleitung
4.4.4.1 Begleitung / AUSHALTEN
4.4.4.2 Die Todes- und Trauererfahrung und ihre allgemein menschlichen Konsequenzen
4.4.4.3 Der Trauerweg / Die Wegentscheidung
4.4.4.4 Die Arten der Begleitung
4.4.4.4.1 Die konsolatorisch-verstehende Begleitung
4.4.4.4.2 Die stimulierend-provokative Begleitung
4.4.4.4.3 Die reflektierend-verstehende Begleitung
4.4.4.4.4 Die evaluierend-nachgehende Begleitung
4.4.4.4.5 Die eisagogisch-hinführende Begleitung
4.4.4.5 Der Begleiter
4.4.4.6 Der Pädagoge als Begleiter / die Pädagogik als Begleitung
4.4.4.7 Zusammenfassung

5 Zusammenfassung
5.1 Pädagogik im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer Thesenhafte Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis
6.1 Wissenschaftliche Literatur
6.2 Nicht-wissenschaftliche Literatur
6.3 Sonstige Medien

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist von ihrer Entstehung und Ausführung her die Darstellung eines „Annäherungsprozesses“. In diesem Prozess will ich mir Klarheit darüber ver­schaffen, welche Aufgaben die Pädagogik im Bereich von Sterben, Tod und Trauer besitzt und wie sie diese zu erfüllen hat. Dabei dokumentiert die Arbeit die einzelnen Etappen und Auseinandersetzungen. Sie ist eine erste Fundierung, kein fertiges Konzept.

Begonnen hat das Unternehmen mit einer Art „Missverständnis“. Als Pädagoge war ich immer auf der Suche nach Literatur in diesem Fachgebiet, landete aber regelmäßig vor den Regalreihen der Psychologie und anderer Wissenschaften. Ebenso erwiesen sich in der Regel solch pädagogisch anmutende Begriffe wie Thanatagogik, Friedhofs­päda­gogik, Death Education usw., die kurz vorzustellen sind, als pädagogische Sackgassen, handelt es sich doch wesentlich um als Pädagogik deklarierte Psychologie.

So musste ich einsehen, dass Ausarbeitungen zum Thema im Bereich der Pädagogik nicht direkt, sondern nur über Umwege zu erlangen waren. Aufbauend auf das, was mir im Lauf der Recherche von der Pädagogik zum Thema bekannt wurde, konnten dann drei Felder bestimmt werden, welche für das Vorhaben relevant und damit zu bearbeiten waren. Die gefundenen Bereiche Vermittlung, Beratung und Begleitung werden in ihrem allgemeinen Charakter dargestellt, um darauf aufbauend zu der jeweiligen Schwerpunktsetzung im Bereich von Sterben, Tod und Trauer zu gelangen. Daneben war es wichtig, mein Selbstverständnis als Pädagoge in diesem Bereich durch eine historische und eine philosophisch-pädagogische Argumentation zu stärken.

Damit sind das allgemeine und das spezielle Ziel der Arbeit umrissen. Ich will dem eigenen Selbstverständnis und Handeln als Pädagoge im Bereich von Sterben, Tod und Trauer sowohl Begründung, Rechtfertigung als auch Kontur verleihen, um die Pädago­gik als eine der Professionen zu sehen, die selbstverständlich, neben und auf Augenhöhe mit der Psychologie dort tätig ist. Denn die Pädagogik organisiert nicht das Warte­zimmer der Psychotherapeuten und Psychologen - die Pädagogen haben ihre eigene Sprechstunde. Was sie darin treiben, versucht diese Arbeit näher zu beschreiben.

Dieses Unterfangen darf gerne auch als „molekularer“ Beitrag dafür angesehen werden, auf dem Gebiet von Sterben, Tod und Trauer, insbesondere der Trauerbegleitung, das Feld der Pädagogik[1] gegenüber der Psychologie etwas klarer in Position zu bringen. Die bis heute eindeutig psychologische Inanspruchnahme eines sowohl historisch ableit-baren, philosophisch begründbaren und praktisch bearbeiteten Tätigkeitsfeldes der Pädagogik führt meines Erachtens durch die Psychologisierung gerade im Bereich der Trauer zu einer gewissen Fehlverortung von ihr und ihren Folgen. Denn die Trauer ist nicht pathologischer Natur, sie ist keine Krankheit. Sie ist eine menschliche Ressource, die in der Regel eine menschliche Begleitung, eine Beratung oder - auch mit etwas mehr innerem Abstand - Vermittlung benötigt. In den meisten Fällen muss dies nicht einmal eine professionelle Hilfe sein - hier reichen in vielen Fällen die noch in unserer Gesellschaft vorhandenen allgemein-menschlichen Kompetenzen aus. Wird dennoch professionelle Hilfe benötigt, dann bringt die Pädagogik die besten Voraussetzungen dafür mit, da sie über alle notwendigen und passenden Ressourcen verfügt.

2 Einführung und Eingrenzung

2.1 Literatur zum Thema pädagogischer Umgang mit Sterben, Tod und Trauer

Die Recherche nach dem Thema Sterben, Tod und Trauer führt in den verschiedenen Disziplinen wie Psychologie, Medizin, Geschichte, Kulturgeschichte, Volkskunde, Rechtswissenschaft, Theologie, Philosophie oder Soziologie den Suchenden vor ganze Bücherregale - nur die dazu erhoffte „imaginäre Bibliothek der Pädagogik“[2] macht eine Ausnahme.[3] Das wundert umso mehr, da diese Disziplin als „professionelle Lebensbe-gleitung“ (Gudjons 2008, S. 26) bei vielen anderen wichtigen Themen des Lebens wie zum Beispiel in der Sexual- oder Medienpädagogik sehr präsent ist.

Bei Sterben, Tod und Trauer ist die Pädagogik - was den deutschsprachigen Raum angeht - recht still geblieben. Die Disziplin hat sich dem Thema immer wieder einmal angenommen, im Prinzip das Feld aber Anderen, insbesondere der Psychologie, über­lassen. Umgekehrt formuliert spricht man in vielen anderen Disziplinen von Erziehung, Pädagogik und Unterrichtung, ohne aus der Pädagogik selbst zu sein.[4]

Die Literaturrecherche zu der vorliegenden Arbeit erfolgte im ersten Schritt im KVK (Karlsruher Virtueller Katalog), im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek sowie im Katalog der Spezialbibliothek des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. Dabei hatte die Recherche unter den Schlagworten bzw. den Schlagwortkombinationen wie Pädagogik und Tod, Erwachsenenbildung und Sterben, Erziehung und Tod etc. kaum zu nennenswerten Ergebnissen geführt. Der allerdings dort gefundene Begriff der „Fried­hofspädagogik“ (Wolf, 2011) war für das Thema ein erster Gewinn - hat aber in der Folge nicht zu weiteren Hinweisen geführt. Im direkten Kontakt mit der Bibliothek in Kassel kristallisierte sich dann der amerikanische Begriff der „Death Education“ als zweiter für das Thema relevante heraus. Er führte zu einer reichen Trefferquote. Der Erfolg mit diesem Begriff war im weiteren Verlauf allerdings so „umfassend“[5], dass der Rat eines Spezialisten auf diesem Feld vonnöten war, um die Recherche über gegebe­nenfalls andere Begriffe oder Begriffskombinationen wieder einengen zu können. Der Psychologe Prof. Dr. Wittkowski von der Universität Würzburg verwies mich dankens­werter Weise auf die entsprechende aktuelle amerikanische Literatur und die sich darin befindlichen Anmerkungen und Literaturverweise. Damit bekam der Begriff der „Death Education“ eine klare Kontur.

Der dritte Begriff, der das Thema charakterisieren sollte, ist direkt von Prof. Wittkowski geprägt worden. Er umschreibt das gesuchte Feld mit dem Begriff der USTT (Unter­richtung über Sterben, Tod und Trauer) (Wittkowski 2012, S. 111-123).

Der vierte Begriff fand sich im Lauf der Recherche im Bereich der Beratung. Hier ist der Begriff der „Trauerberatung“ als Beratungsfeld in der Pädagogik verankert (vgl. Nestmann/Engel/Sickendiek 2007, S. 1139-1149). Ein weiterer Fund war der Begriff „Thanatagogik“ (Petzold/Huck 1984, S. 501-576) der durch seine Zusammensetzung der „Death Education“ ähnelt und auch direkt Bezug dazu nimmt. Als Eindeutschung von Thanatagogik findet sich parallel dazu noch der Begriff der „Sterbeerziehung“.

Mit diesen fünf Begriffen (Friedhofspädagogik, Death Education, USTT, Trauerbera­tung und Thanatagogik/Sterbeerziehung) ausgestattet, nahm die Literatursuche einen neuen Anlauf. Bezeichnenderweise führten die Begriffe aber in den meisten Fällen immer noch aus dem rein pädagogischen Feld heraus oder zumindest in Zwischen­be­rei­che von Pädagogik und einem anderen Feld - in der Regel in das Feld der Psychologie. Für diesen Zustand bezeichnend ist die Tatsache, dass im ersten Kapitel des interdiszi­plinären Handbuchs „Sterben und Tod“ aus dem Jahre 2010 die Sicht der Geschichts- und Religionswissenschaft, der Philosophie, Medizin, Psycholo­gie und Soziologie zum dem Thema aufgezeigt wird, aber nicht die der Pädagogik (Wittwer/Schäfer/Frewer 2010). Das hat im übrigen Tradition: in dem über 600 Seiten starken Buch über Theorie und Praxis der Thanatotherapie aus dem Jahre 1984 wird ebenfalls die Pädagogik als Wissenschaft charakterisiert, die bis dato keinen wesentlichen Beitrag zum Thema

geleistet hatte.[6]

So müssen sich Pädagogen/Innen noch heute über weite Strecken den Zugang zum Thema über die wissenschaftliche Literatur anderer Disziplinen verschaffen. Erst daraus können die für die Pädagogik wichtigen Arbeitsfelder zusammengestellt werden. Darüber hinaus sollten meiner Meinung nach in der Forschung auch eine Vielzahl von weiteren Quellen erschlossen werden: Erlebnisberichte Betroffener, sowie die in Gedichten, Romanen und Erzählungen, aber auch in Karikaturen, in den Selbstdar­stellungen verschiedenster Institutionen oder in der Kinder- und Jugendliteratur ausgedrückten Erfahrungen.

In dieser Phase der Annäherung an das Thema wurde deutlich, an wie vielen gesell­schaftlich relevanten Stellen Diskussionen um Leben und Tod geführt werden. Sie lassen sich mit Begriffen wie Hirntod, lebensverlängernde Maßnahmen, Patienten­verfü­gung, Sterbehilfe, Hospiz und Palliativmedizin, Abtreibung, Euthanasie, Selbstmord und Todesstrafe - um nur einige wichtige und aktuelle zu nennen - umreißen (vgl. Wittwer/Schäfer/Frewer 2010).

Da im Lauf der Recherche immer wieder Bücher und Artikel auftauchten, welche genau das gesuchte Spannungsfeld von Pädagogik, Sterben, Tod und Trauer behandelten, wurde die Trefferquote der Gesamtrecherche schließlich so hoch, dass das Thema wieder in das Feld der Pädagogik zurückzuführen war. Das hieß, nach den „Umwegen“ einer Annäherung - ohne dies negativ, sondern im Gegenteil nur zustimmend als Berei­cherung zu werten - war die Möglichkeit geschaffen, das Thema für die Pädagogik auf einer breiten und interdisziplinären Basis stehend erfassen und bearbeiten zu können.

Konkret hat sich diese Vorgehensweise in der Literaturliste dieser Arbeit niederge-schlagen. Sie ist in die Bereiche der „wissenschaftlichen“ und der „nicht-wissenschaft­lichen“ Literatur unterteilt. Zusätzlich werden die jeweilig zugehörigen Fachge-biete genannt und die Literatur damit sichtbar mit ihrem Fachgebiet verortet. Die Schlag­wörter befinden sich neben der Signatur des eigenen Handapparats.

Bei der gelegentlichen Heranziehung von nichtwissenschaftlichen Werken liegt in der Folge dann keine argumentative, sondern eine illustrative Intention zugrunde, was sich aus dem hohen Gehalt an reflektiertem Eigenerleben der z.B. unmittelbar Betroffenen rechtfertigen lässt.[7]

Für den deutschsprachigen Raum finden sich folgende Werke und Artikel, die das Thema von Sterben, Tod und Trauer als Aufgabe für die Pädagogik sehen - im Lauf der Zeit werden sicherlich noch einige dazukommen - die Liste hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, reicht aber für den gewünschten Zweck aus. Es sind dies in zeitlicher Reihenfolge:

vor 1945:

- Starke, G.W.E. (1794): Über Verhütung und Milderung der Todesfurcht durch Erzie-
hung. In: Deutsche Monatsschrift. 1790-1800. 1. Bd. S. 41-55[8]
von 1970 bis 1980:
- Bloching, Karl-Heinz (1973): Tod, Mainz. Aus der Reihe: Projekte zur theologischen
Erwachsenenbildung[9]
von 1981 bis 1990:
- Petzold, Hilarion und Huck, Karin (1984): Death Education, Thanatagogik - Modelle
und Konzepte. In: Spiegel-Rösing, Ina und Petzold, Hilarion (Hrsg): Die Begleitung
Sterbender. Theorie und Praxis der Thanatotherapie. Ein Handbuch. Paderborn,
S. 501-576[10]
- Brommer, Jürgen (1989): Sterben und Tod als Lernbereich der Erwachsenenbildung.
Europäische Hochschulschriften, Reihe 11, Pädagogik Bd. 376. Frankfurt/M.[11]
- Hummer, Hubert (1989): Sterben lernen? Der Tod als Thema der Erwachsenenbil-
dung. In: Sterben, Tod, Trauer. Linz, S. 7-28[12]
von 1991 bis 2000:
- Hinker, Wolfgang und Metelmann, Volker (1992): Ein Kinderlachen verstummt.
Stuttgart[13]
- Karusseit, Karl-Heinz (1994): Konfrontation der Sozialpädagogik mit Sterben und
Tod. Frankfurt/M[14]
- Deutsche Leukämie-Forschungshilfe (Hrsg) (1998): Was tun! Ein Leitfaden für krebs-
kranke Jugendliche und ihre Freunde. Bonn[15]
- Student, Christoph (1998): Trauer über den Tod eines Kindes. Hilfen für verwaiste
Eltern. Bad Krotzingen[16]
von 2001 bis 2010:
- Freese, Susanne (2001): Umgang mit Tod und Sterben als pädagogische Herausforde-
rung. Reihe Ethik in der Praxis, Hrsg Hans-Martin Sass, Bd.9. Münster[17]
- Deutsche Leukämie-Forschungshilfe (Hrsg) (2005): Pfeifer, Renate und Wiemann,
Claudia: Wenn ein Schüler Krebs hat. Ein Leitfaden für Lehrer. Bonn[18]
- Brathuhn, Sylvia (2006): Trauer und Selbstwerdung. Eine philosophisch-pädagogische
Grundlegung des Phänomens Trauer. Würzburg[19]
- Nestmann, Frank, Engel, Frank und Sickendiek, Ursel (Hrsg) (2007): Das Handbuch
der Beratung, Bd. 1 und 2. Tübingen[20]
- Ministerium für Kultus, Jugend und Sport BW (Hrsg) (2008): Vom Umgang mit
Trauer in der Schule. Baden-Baden[21]
- Schroeter-Rupieper, Mechthild (2009): Für immer anders. Das Hausbuch für Familien
in Zeiten der Trauer und des Abschieds. Ostfildern[22]
- Tausch-Flammer, D. und Bickel, L. (2009): Wenn Kinder nach dem Sterben fragen.
Ein Begleitbuch für Kinder, Eltern und Erzieher. Freiburg/Br.[23]
- Gruschwitz, Melanie (2009): Yoga als ein Konzept zur Trauerbewältigung in der
Erwachsenenbildung. Diplomarbeit, Johannes Gutenberg Universität Mainz,
Fachbereich Sozialwissenschaften, Medien und Sport. Pädagogisches Institut[24]
- Hospizbewegung Düren-Jülich e.V. (Hrsg) (2010): Hospiz macht Schule. Wuppertal[25]
- Deutsche Leukämie-Forschungshilfe und Bode, Gerlinde (Hrsg) (2010): Mein Kind
hat Krebs. Ein Ratgeber für Eltern krebskranker Kinder. Bonn[26]
von 2011 bis Heute
- Franz, Margit (2011): Tabuthema Trauerarbeit. München[27]
- Schwendemann, Wilhelm und Stahlmann, Matthias (2011): Ethik für das Leben,
Sterben - Sterbehilfe - Umgang mit dem Tod. Stuttgart[28]
- Warning, Sophie (2011): Krankheit - Sterben - Trauer. Ludwigsburg[29]
- Wolf, Michael (2011): Friedhofspädagogik. Wien[30]
- Eckardt, Jo (2011): Wohnst du jetzt im Himmel? Ein Abschieds- und Erinnerungsbuch
für trauernde Kinder. Gütersloh[31]
- Wittkowski, Joachim (2012): Sterben für alle? In: Schäfer, Daniel/Müller-Buch,
Christof und Frewer, Andreas (Hrsg): Perspektiven zum Sterben. Stuttgart, S. 185-
190[32]
- Wittkowski, Joachim (2012): Ars moriendi durch Erziehung? Zur Unterrichtung über

Sterben, Tod und Trauer. In: Schäfer, Daniel/Müller-Buch, Christof und Frewer,

Andreas (Hrsg): Perspektiven zum Sterben. Stuttgart[33]

Signifikant erscheint mir (nicht nur, aber auch) aufgrund der Liste, dass die Pädagogik - und nicht die Psychologie! - das Thema erst ab Ende der 1990er Jahre für sich ent-deckte. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es vorher keine Seminare oder Programme zu Sterben, Tod und Trauer gegeben hat. Besonders in den USA sind seit Anfang der 60er Jahre große Anstrengungen unternommen worden, die „Sterbeerziehung“ auf allen Bereichen - universitär, berufsbezogen oder schulisch - zu etablieren (vgl. Huck/Petzold 1984, S. 501ff.). Weniger gut ist dies in der BRD gelungen. Hier wird Mitte der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts die defizitäre Entwicklung konstatiert[34] und vorhandene Veranstaltungen als unsystematisch und auf das Ergebnis von Einzel­initiativen zurückgeführt (vgl. Huck/Petzold 1984, S. 504). Im Bereich von Schule hat sich dieser Mangel in Deutschland anscheinend bis in das beginnende 21. Jahrhundert fortgesetzt.[35]

Erst einige Jahre vor dieser Zeit wurden die sporadischen Bearbeitungen aus dem Feld der Pädagogik von einer kontinuierlicheren Beschäftigung abgelöst. Diesen Trend kann man auch beobachten, indem man die Publikationsdaten von Kinderbüchern[36] zum Thema betrachtet.[37] Da diese Literaturgattung oft in der pädagogischen Arbeit einge­setzt wird, ist sie ein guter Indikator für das gesellschaftliche Bedürfnis des Themas und damit verbunden für die pädagogische Intensität auf diesem Feld.[38]

2.2 Notwendigkeit von Pädagogik und der pädagogischen Felder im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer

Um die bisher in der Literatur bearbeiteten Fragen und damit die pädagogischen Felder aus den gefundenen Veröffentlichungen herauszuarbeiten und ein einigermaßen deut-liches Bild der pädagogisch relevanten Arbeitsfelder zum Thema Sterben[39], Tod und Trauer zu erhalten, wurde in einem weiteren Schritt die oben genannte Literatur mit Hilfe von übergeordneten Sachbegriffen zusammengefasst und gruppiert.

Folgende Begrifflichkeiten, die sich am Ende der jeweiligen Fußnote in eckigen Klam­mern zu den einzelnen Titeln befinden, wurden für diesen Analysenschritt entwickelt:

- „Begründung“

Titel, in denen die Wichtigkeit des Themas für die Pädagogik erklärt wird, fallen unter diese Kategorie.

- „Theorie“

Titel, die theoretisch den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer (auch) aus pädagogischer Sicht zum Thema haben, fallen hierunter. Lerntheoretische und didaktische Überlegungen sind hier ebenfalls inbegriffen.

- „Konzept“

Hierunter fallen mehr oder minder breit ausgearbeitete Seminar- oder Unter­richtskonzepte für Schule, Seminare, Ausbildung usw.

- „Methode“

Hierzu zählen Methoden, die für den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer vorgeschlagen werden oder sich bereits darin bewährt haben.

- „Begleitung“

Sowohl als Methode zu verstehen als auch philosophisch gesetzt.

- „Vorschlag“

Dieser Begriff steht für praktische Vorschläge zum Umgang mit dem Thema im privaten oder schulischen Bereich – er ist weniger komplex und ausgearbeitet als die unter „Konzept“ fallenden Titel und weniger stringent und zwingend als die Titel unter „Ratgeber“.

- „Material“

Hier wird konkretes Unterrichtsmaterial zur praktischen Arbeit angeboten.

Hinter dem Material steht (sollte stehen) ein Konzept.

- „Arbeitsbuch“

Dieser Begriff umfasst Titel, die selber das Arbeits- oder Unterrichtsmaterial sind. Insofern bezeichnet der Begriff eine Sonderform von „Material“.

- „Beratung“

Hier werden Titel aufgeführt, die das Thema der Trauerberatung explizit zum Gegenstand haben.

- „Ratgeber“

Diese Begrifflichkeit wurde für Titel gewählt, welche mit Informationen und Ratschlägen für Betroffene und Betreuer/Eltern aufwarten.

Es zeigt sich, dass die Pädagogik im Bereich von Sterben, Tod und Trauer immer noch das Bedürfnis nach Begründung besitzt, da die Notwendigkeit von organisierten Lern-prozessen heute nicht ungefragt evident ist. Der Ursache für diesen Zustand kann durch eine historische Betrachtung in Bezug auf den gesellschaftlich veränderten Umgang mit Sterben, Tod und Trauer nachgegangen werden. Das sollte auch zu einer Begründung der Notwendigkeit von Pädagogik auf dem Gebiet führen. Zudem lassen sich durch den historischen Vergleich zwischen früheren und gegenwärtigen Formen sicherlich die Ziele und Lernprozesse besser und genauer bestimmen, welche die heutige Pädagogik erreichen beziehungsweise in Gang setzen will. Dabei sind zum Beispiel folgende Fragen zu stellen:

1. Wie wurde früher mit Sterben, Tod und Trauer umgegangen?
2. Wie wird heute damit umgegangen?
3. Was hat sich verändert?
3. Was begründet die pädagogische Arbeit aus diesen Veränderungen?
4. Welche Ziele will die Pädagogik hier erreichen?
5. Welche Lernprozesse will die Pädagogik in diesen Themenbereichen auslösen?[40]

Wenn man sich zur Erkenntnis der Notwendigkeit von Pädagogik in den Themenfeldern erst einmal durchgerungen hat, dann sind die Felder zu benennen, in denen die Pädago­gik arbeiten soll. Die Beschäftigung mit der bisher gefundenen pädagogischen Literatur zeigt, dass schon Konzepte, Methoden und Vorschläge mit dementsprechenden Material und Arbeitsbüchern auf der einen Seite sowie Beratung und Ratgeber auf der anderen Seite vorliegen. Somit sind schon zwei pädagogische Felder definiert - das der Vermitt­lung und das der Beratung. Über die Theorie und die Methode lässt sich als drittem das Feld der Begleitung herleiten.

Damit sind die drei pädagogischen Felder im Bereich von Sterben, Trauer und Tod mit

- Vermittlung, Beratung und Begleitung zu benennen.[41]

Allen drei Feldern kann man noch ein zweites beschreibendes Wort zur Seite stellen, welches das Feld näher beleuchtet und eine innere Haltung dazu verdeutlicht.

Dem Feld der Vermittlung kann man das Wort WISSEN zur Seite stellen.

Der Umgang in diesem Feld erlaubt eine eher rationale Haltung, da seine Inhalte auch objektiv und ohne großen emotionalen Bezug betrachtet werden können.

Dem Feld der Beratung kann man das Wort ERFAHRUNG zur Seite stellen.

Der Umgang in diesem Feld erlaubt eine eher nachdenkliche Haltung, da seine Inhalte sowohl objektiv wie subjektiv und mit einem inneren Bezug betrachtet werden können.

Dem Feld der Begleitung kann man das Wort AUSHALTEN zur Seite stellen.

Der Umgang in diesem Feld erlaubt eine eher emotionale Haltung, da seine Inhalte nicht ohne inneren Bezug betrachtet werden können.

2.3 Pädagogische Felder - ihre Fundierung und Inhalte

Da die einzelnen pädagogischen Felder mehr oder weniger auch auf den Fundamenten anderer wissenschaftlicher Fächer wie zum Beispiel der Philosophie, der Psychologie oder der Geschichte stehen beziehungsweise interdisziplinär verknüpft für die Pädago-gik am besten nutzbar werden, sind jetzt die großen inhaltlichen Bereiche zu benennen, um darzustellen, was sich die Pädagogik in den Bereichen von Sterben, Tod und Trauer aneignen muss, um ihre Arbeit dort zu leisten. Antworten sind daher auf folgende Fragen zu finden:

1. Auf welchen Fundamenten ruhen die einzelnen pädagogischen Felder?
2. Wie sehen davon ausgehend die einzelnen Inhalte aus?
3. Wie müssen die Grundlagen und die Inhalte unter dem speziellen Gesichtspunkt von

Sterben, Tod und Trauer aus pädagogischer Sicht gesehen werden?

2.3.1 Das Feld der Vermittlung / WISSEN

Die Themen Sterben, Tod und Trauer sind im Feld der Vermittlung in der Literatur zum einen in Form von Unterrichtskonzepten oder Arbeitsbüchern aufgetreten, zum anderen als Vorschlag zu konkretem Umgang, als methodischer Ratschlag oder als Arbeits­material.

Die Fundamente:

Die Fundamente liegen im Bereich der Pädagogik auf dem Gebiet der Didaktik und Methodik. Hier sind sowohl der Lehrberuf mit seinen Anforderungen, die Unterrichtung mit Unterrichtsplanung, Lernziel und Lernprozess, die Unterrichtsformen sowie die Teilnehmer zu betrachten. Darüber hinaus sind historische Kenntnisse zu Sterben, Tod und Trauer Voraussetzung für eine allgemeine Verortung und Begründung der Pädago­gik in diesem Bereich.

Die Inhalte:

Die konkreten Inhalte, die in der Vermittlung zur Sprache kommen, sind angesichts der vielen Anknüpfungspunkte in den einzelnen Wissenschaften sehr breit gestreut und lassen sich kaum aufzählen. Sie stammen vornehmlich aus der Psychologie, der Ge­schichte, aber auch aus Kunstgeschichte, Volkskunde und Ethnologie, aus der Medizin, der Anthropologie, aus Jura oder Soziologie. Die Inhalte hängen somit stark von der gewünschten und spezialisierten Ausrichtung der Vermittlung ab, die zum Beispiel von den Adressaten und deren gewünschtem Themenkanon bestimmt werden. Die meisten sind daher für die Pädagogik nicht essentiell und können in der praktischen Arbeit zum Beispiel über Fachreferenten zugeführt werden. Allerdings müssen die Inhalte pädago­gisch behandelt, aufgearbeitet, unterrichtet oder in Seminaren gestaltet werden.

Für die Pädagogik anzueignende Inhalte:

In Bezug auf das allgemeine Selbstverständnis der Pädagogik und ihrer historischen Begründung aus der Geschichte heraus sollte ein allgemeines Wissen über die gesell­schaftliche und historische Breite des Themas sowie über den historischen und gegen­wärtigen Umgang damit vorhanden sein.

Darüber hinaus stehen bei der Vermittlung die Themen von Emotionalität und mögli­cher Betroffenheit durch das Thema, die Sprachfähigkeit und die aktive Selbstreflexion des Lehrenden zum Thema[42] zusätzlich neben Didaktik und Methodik. Dazu sind die unter „Fundamente“ genannten Bereiche unter dem speziellen Gesichtspunkt von Sterben, Tod und Trauer zu betrachten und mit eigener Schwerpunktsetzung darin zu bewerten.

2.3.2 Das Feld der Beratung / ERFAHRUNG

Die Themen Sterben, Tod und Trauer sind im Feld der Beratung bei der Literatur in Form von Ratgebern und in der Form von Trauerberatung als existierendes Praxisfeld im allgemeinen Bereich der Beratung aufgetreten.

Die Fundamente:

In der Pädagogik gehört Beratung zu den Grundformen pädagogischen Handels und ist eine ihrer grundlegenden Kommunikationsformen (Nestmann/Engel/Sickendiek 2007, S. 103). Die theoretischen Grundlagen liegen dabei aber in der Psychologie und der Psychotherapie. Beide Bereiche liefern sowohl die Handlungskonzepte als auch die Problem- und Ursachenmodelle (ebd., S. 109) . Das handlungsspezifische Wissen findet sich vielfach in den psychologischen Bereichen von Sterben, Tod und Trauer.

Die Inhalte:

Bei der Beratung ist zwischen einem handlungsspezifischen Wissen und einem allgemeinen Beratungswissen zu unterscheiden (vgl. Nestmann/Engel/Sickendiek 2007, S. 35). Im allgemeinen Beratungswissen sind die gesellschaftlichen Bedingungen von Beratung zu klären sowie die Ziele, Ansätze, Methoden, Prozesse und die Beratungs­beziehung. Im handlungsspezifischen Bereich der Beratung, der so genannten Trauerbe­ratung, die sich sowohl an Hinterbliebene als auch an Menschen, die in den verschie­denen Berufsfeldern Hinterbliebenen oder Betroffenen begegnen, sind alle Inhalte relevant, die den Prozess und die Verarbeitung von Verlust, Sterben, Tod und Trauer zum Inhalt haben. Dies sind zum Beispiel:

- Kenntnis von den Einflussfaktoren auf die Trauer
- Kenntnis von Trauersymptomen und Trauerverhalten; Wissen um die kognitiven,
affektiven, somatischen und sozialen Ausdrucksformen von Trauer
- Kenntnis von normaler und pathologischer Trauer
- Kenntnis von Traueraufgaben und Trauerprozessen
- Kenntnis von religiös-weltanschaulichen Fragen im Themenbereich[43]

Für die Pädagogik anzueignenden Inhalte:

Die speziellen Kenntnisse und Erfahrungen aus der für die Pädagogik in diesem Bereich arbeitenden Trauerberatung sowie der Transfer von Inhalten und Methoden aus der allgemeinen Bildungsberatung mit der besonderen Berücksichtigung und Schwerpunkt-setzung für den Bereich Sterben, Tod und Trauer bieten für die Pädagogik geeignete Inhalte.

2.3.3 Das Feld der Begleitung / AUSHALTEN

Die Themen Sterben, Tod und Trauer sind im Feld der Begleitung bei der Literatur im Rahmen von philosophisch-pädagogischer Betrachtung aufgetreten.

Die Fundamente:

Die philosophischen Überlegungen einer Todes- und Trauererfahrung und ihre allge-mein menschlichen Konsequenzen bilden das Fundament dieses Feldes. Zudem wird neben der historischen Begründung[44] ein zweiter Strang sichtbar, der die Pädagogik bei diesem Thema begründet. Denn die Begleitung ist aufgrund des Drucks existentieller Fragen in Verbindung mit dem Gefühl der Fremdheit, als auch durch das Gefühl des Identitätsverlustes durch den Tod eines geliebten Menschen für den Hinterbliebenen zu einer Notwendigkeit geworden. Der als Selbst-Werdung zu beschreibende Prozess im Lauf der normalen Trauer kann eben zwingend nicht allein gegangen werden. Er wird aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen immer mehr zu einer pädagogischen Aufgabe. Dies trifft sich mit der generellen Beschreibung der Aufgabe von Pädagogik - sie wird darin gesehen, als professionelle Lebensbegleitung (vgl. Gudjons 2008, S. 26) den Menschen an die Hand zu nehmen.

Die Inhalte:

Im philosophischen-pädagogischen Bereich bilden die Tatsache des Todes und die menschlichen Konsequenzen daraus - im Rahmen des dabei stattfindenden Prozesses der Selbst-Werdung - die wesentlichen Grundlagen in diesem Feld.

Für die Pädagogik anzueignende Inhalte:

Hier stehen die Praxis der „Begleitung“ mit den verschiedenen Begleitmodi sowie der Begleiter selbst im Fokus der Betrachtungen. Aufgrund der Nähe von Begleitmodi und Traueraufgaben gehören auch letztere zu den anzueignenden Inhalten.

Ab diesem Punkt sollte es nun möglich sein, die für eine Pädagogik im Bereich von Sterben, Tod und Trauer als notwendig erachteten Themen zusammenzutragen und zu einer inhaltlichen Vertiefung fortzuschreiten. Die Übersicht dazu führte im Arbeits-prozess zu dem „Zweiten Inhaltsverzeichnis“.

3 Zusammenstellung

Nachdem die über die Literaturrecherche und Literaturanalyse gefundenen Felder ihren jeweiligen pädagogischen und nicht-pädagogischen Bereichen zugeordnet und damit die für einen pädagogischen Umgang mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer notwendi-gen Inhalte abgesteckt werden konnten, ergibt sich das folgende „zweite Inhaltsver-zeichnis“.

3.1 Zweites Inhaltsverzeichnis

3.1.1 Die gesellschaftliche und historische Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer

3.1.2 Die bisher pädagogisch affinen Bereiche im Thema Sterben, Tod und Trauer

3.1.3 Der geschichtliche Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und die daraus resultierende Begründung von Pädagogik

3.1.4 Die pädagogischen Felder

3.1.4.1 Die Selbstreflexion und Offenheit des Lehrenden, Beratenden oder Begleiters
3.1.4.2 Das Feld der Vermittlung
3.1.4.3 Das Feld der Beratung
3.1.4.4 Das Feld der Begleitung

4 Ausarbeitung

4.1 Gesellschaftliche und historische Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer

Sterben, Tod und Trauer sind bei den Menschen schon so lange existentiell bedeutsam, solange sich der Mensch seiner Existenz bewusst ist (vgl. Feldmann 2010, S. 62). Das Sterben, der Tod und das „Leben danach“ gehören zu den „Urproblemen der Mensch­heit“ (Cipolletti 1989, S. 5). Für einen bewussten Umgang mit den Toten und damit wohl auch für eine Todesvorstellung lassen sich schon früh archäologische Funde nachweisen.[46] In den meisten Kulturen findet sich auch die rituell geregelte Beschäfti­gung mit den Toten und dem Tod, mit Sterben und Trauer. Dabei wird der Tod „als Übergang in einen anderen Zustand […] definiert, er ist Teil eines Lebenslaufs“ (Feldmann 2010, S. 65).[47] Von daher kann man konstatieren, dass das Problem Tod „für jeden Menschen und jedes Volk das gleiche [ist, nur] die Lösungsversuche“ (Cipolletti 1989, S. 5f)[48] und „Vorstellungen, die sich auf den Körper, die Seelenreise des Verstorbenen und auf die Trauerden beziehen“ (Feldmann 2010, S. 65), variieren.[45]

In einer vereinfachten Gegenüberstellung von „traditioneller“ und „moderner“ Gesell-schaft ergeben sich für die „westliche Lebenswelt“ signifikante Unterschiede und Entwicklungen, die sowohl für gewisse Unsicherheiten bis hin zu Verdrängungen, aber auch für Diskussionen und aktive Auseinandersetzung ursächlich sind. Genährt und beschleunigt wird dieser Prozess durch drei Faktoren: einen „beschleunigten Wandel der Umgangsweisen mit Sterben und Tod, [ein] rapides Wachstum der naturwissen­schaftlich-technischen Erkenntnisse und Eingriffsmöglichkeiten am Ende des Lebens sowie [der] Diskrepanz, die zwischen dem Stand der technologischen Entwicklung und dem Status der allgemein akzeptierten Moral besteht“ (Wittwer/Schäfer/Frewer 2010, S. VII).

- Während in der „traditionellen“ Gesellschaft der kulturelle Schwerpunkt auf der Zeit nach dem physischen Tod lag, findet er in der „modernen säkularen Gesellschaft dominant vor dem physischen Tod“ statt (Feldmann 2010, S. 65). Der „prämortale Sterbeprozess [ist] ins öffentliche Zentrum und der postmortale Lebens- und Sterbe­pro­zess an die privatisierte Peripherie gerückt“ worden (ebd.). Hieraus resultieren Themen wie Hirntoddebatte, lebensverlängernde Maßnahmen, Sterbehilfe, Sterbeprozess, Palliativmedizin, Todesdefinition und Organspende im medizinischen Bereich, sowie Sterbebegleitung, Trauerarbeit, Trauerbegleitung und Hospizarbeit im psychosozialen Bereich.[49]
- Während in der „traditionellen“ Gesellschaft die Bedeutung des Todes eines Einzelnen einen wichtigen Einfluss hatte, „ist in heutigen Staaten das Sterben Einzelner fast immer ein gesellschaftliches Nullereignis“ (ebd., S. 66). In dieser Tendenz zur Vereinzelung und Individualisierung wird vom Einzelnen zunehmend die Verantwortung für das Sterben in die eigene Hand genommen (ebd., S. 67). Hieraus resultieren Themen wie Sterbemanagement, Sterblichkeitsuntersuchungen und anonyme Bestattung im soziolo­gischen Bereich, sowie Patientenverfügung, Sterbehilfe und Testamentfragen im juristischen Bereich und Suizid im philosophischen, juristischen und psychologischen Bereich.
- Während das Sterben, der Tod und die Trauer in der „traditionellen“ Gesellschaft durch Rituale kanalisiert wurden, ist in der modernen Gesellschaft die drastische „Verminderung des Ritualapparates“ (Wittwer/Schäfer/Frewer 2010, S. 66) zu ver­zeichnen. Hieraus resultieren Themen wie Trauerbegleitung, Bestattungsformen und Trauerrituale im psychologischen Bereich, Trauerberatung im pädagogischen Bereich, der Wandel traditioneller Werte und Konventionen im soziologischen Bereich, sowie Sterbekunst und Todesfurcht im philosophisch und psychosozialen Bereich und Fragen nach Transzendenz im theologischen und philosophischen Bereich.
- Während in der „traditionellen“ Gesellschaft Tod und Trauer rituell begleitet und das Wohlergehen der Überlebenden betroffen hat, wird die Trauer heutzutage fast schon in die Nähe einer Krankheit, namentlich der Depression, gerückt (ebd., S. 70). Hieraus resultieren Themen wie Trauerarbeit, Trauerbegleitung im psychologischen und psycho­sozialen Bereich, kreative Trauerarbeit im Bereich der Kunst.
- Während früher Primärerfahrungen mit Sterben und Tod schon ab frühester Kindheit die Regel waren, haben sich heute diese Erfahrungen drastisch verringert (ebd., S. 71), wenn nicht sogar schon aufgehoben. Dadurch, dass sich das Sterben aus dem häuslichen Bereich in die Institutionen Krankenhaus und Altenheim verlagert, sind die mittelbaren Erfah­rungs­möglichkeiten des Sterbens entfallen. Die Folge ist eine „weit­verbrei­tete Sprach­losigkeit beim Thema Sterben und eine weitgehende Handlungs­unfähigkeit in der Umgebung von Sterbenden“. Dazu kommt noch, dass die Begrenztheit des Lebens aus dem Blickfeld gerät und der Mensch ein Selbstbild aufbaut, bei dem die „Endlichkeit des menschlichen Lebens außer Betracht bleibt“. Die Integration der Sterblichkeit in die Persönlichkeit wird erschwert (vgl. Brommer 1989, S. 59ff.). Nur noch über die Medien sind die Individualisierten integriert - die kollektive Trauer wird im medialen Zeitalter als zentrales Ritual in der Fernsehdarstellung „in der eigenen, von Gefühlen und Körperlichkeit geschwängerten Wohnung“ ermöglicht und erschafft somit „eine kurzfristige risikoarme Vereinigung von Privatem und Öffentlich­keit“ (Feldmann 2010, S. 71). Hieraus resultieren Themen wie Individualisierung und Vereinzelung im soziologischen und philosophischen Bereich, Trauerpädagogik im psycho-sozialen und pädagogischen Bereich sowie alle Fragen im Umkreis der media­len Darstellung und Verarbeitung von Sterben, Trauer und Tod im soziologischen und psychologischen Bereich. Der historische Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und all den darin eingeschlossenen Themen wie Friedhofsgeschichte, Sitten und Gebräuche usw. kann sich hier anschließen.
- Während in der „traditionellen“ Gesellschaft die Einheit von physischem, psychi-schem und sozialen Tod in der Regel gegeben war, wird das vermehrte soziale und psychische Sterben erst heute zum Problem (Feldmann 2010, S. 63). Hieraus resultieren Themen wie Lebensqualität und Lebenswert im medizinischen, philosophischen und psychologischen Bereich, Lebenspartizipation und Mündigkeit im juristischen Bereich.

Diesen Entwicklungen entsprechend untersucht die Forschung in den verschiedenen Disziplinen das Thema auf ihre jeweilige Weise und Fragestellung; so beschäftigen sich Biologie und Medizin mit Sterben und Tod im naturwissenschaftlichen Bereich, auf empirischem Weg nähern sich die Psychologie und die Soziologie, historisch-anthro­pologische Disziplinen wie Geschichts- und Religionswissenschaften sowie die Ethno­lo­gie „zielen darauf ab, die Ursprünge, Formen und geschichtlichen Veränderung im Thema zu erfassen“ (Wittwer/Schäfer/Frewer 2010, S. IX), während normative Fragen in die Bereiche der Philosophie und der Rechtswissenschaften fallen (ebd.).

4.1.1 Die Themenbreite als Chance der Pädagogik

Das Thema Sterben, Tod und Trauer ist mitnichten nur ein Thema der in der aktuellen Situation jeweils Betroffenen und ihrer unmittelbaren medizinischen oder psycholo­gischen Betreuer, sondern es ist ein Lebensthema von Anbeginn der Menschheit, das sich in allen Kulturen und mit den verschiedensten Vorstellungen finden lässt. Die gesellschaftliche Entwicklung, verkürzt als „traditionelle“ und „moderne“ Gesellschaft gefasst, fügt noch eine Vielfalt an neuen Themen zu dem „Urproblem“ hinzu, die in den verschiedensten Wissenschaftsfeldern bearbeitet werden.

Es zeigt sich, dass die Beschäftigung im Bereich von Sterben, Tod und Trauer im Rahmen der Pädagogik sich der heutigen Themenbreite und interdisziplinären Dimen­sion bewusst sein sollte (vgl. Wogrin/Thornton/Meagher, 2007, S. Xf.). Die Pädagogik muss sich für ihr Handeln auch aus diesen Disziplinen und ihren Fundi Themen und Methoden aneignen, wenn sie über die pädagogische Betreuung Betroffener im Warte­raum für andere Disziplinen, vornehmlich der Psychologie, hinausgehen will. Dann kann die aufgezeigte Themenvielfalt der Pädagogik die Tür für mögliche andere Arbeitsfelder öffnen und zur einer Bereicherung für das Fach werden.

4.2 Bisher pädagogisch affine Bereiche im Thema Sterben, Tod und Trauer

4.2.1 Death Education

Die amerikanische „Death Education“ (DE) ist der historische Ausgangspunkt und bis heute sowohl Referenz als auch Bezugspunkt aller pädagogisch affinen Bereiche im Themenkreis von Sterben, Trauer und Tod. Die nachfolgend vorgestellten Begriffe von Thanatagogik/Sterbeerziehung (4.2.2) und USTT (Unterricht Sterben Trauer Tod) (4.2.5) sind im Prinzip der Versuch einer direkten Übertragungen des Wortes „Death Education“ in einen europäischen oder deutschen Begriff unter Mitnahme der entspre­chen­den Inhalte. Auch die Friedhofspädagogik (4.2.4) kann der Arbeit und dem Inhalt nach dazugestellt werden, während die Trauerberatung (4.2.3) thematisch nur einen Teilbereich der „DE“ abdeckt.

Die Menschen, die im Bereich von „DE“ arbeiten, werden Thanatologen, die Wissen­schaft dahinter wird Thanatologie[50] genannt.

Historisch hat sich die Thanatologie in den späten fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts etabliert. In der Zeit davor charakterisierte man das Thema „Tod“ als gesellschaftliches Tabuthema.[51] Als einer der wenigen Vorläufer auf dem Gebiet wird der russische Wissen­schaftler Elie Metchnikoff angesehen, der schon im Jahre 1903 Forschungen zum Thema Sterben und Tod anmahnte.[52] Der als „Klassiker der Thanatologie“ ange­sehene Band „The Meaning of Death“ (Feifel 1959) wird als der eigentliche Ausgangs­punkt dieser Wissenschaft angesehen.[53] Von diesem Zeitpunkt an hat sich die thanatolo­gische Literatur sprunghaft vervielfacht und die Thanatologie als veritable Wissenschaft konstituiert. Die Herausgabe eigener Kommunikationsorgane , die soziale und kognitive Institutionalisierung[54] sind schon in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts soweit und so schnell fortgeschritten, dass man die Thanatologie, was die Situation in den Vereinigten Staaten anging, zu dieser Zeit als etablierte Wissenschaft betrachten konnte (vgl. Spiegel-Rösing 1984, S. 12f.).

Mit dem zunehmenden Interesse an einer pädagogisch-psychologischen Umsetzung dieser Thematik kristallisierte sich Ende der 60er, Anfang der 70er Jahren die „DE“ in diesem Zusammenhang heraus. Dabei sah man den Bereich „Sterben und Tod“ ebenso wie das Thema „Sexualität“[55] von sozialen Tabus umgeben und erhoffte sich von der DE erst einmal einen besseren und humaneren Umgang mit Sterbenden (Spiegel-Rösing 1984, S. 501). „1963 wurde von Robert Fulton an einer amerikanischen Universität (University of Minnesota) zum ersten Mal ein regelmäßiger Kurs zum Thema „Tod“ angeboten. 1965 brachten die Artikel von Quint und Folta die Notwendigkeit einer Sterbeerziehung des Pflege­perso­nals ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. […] Eine größere Popularität und Aufmerksam­keit der Öffentlichkeit für die Probleme Sterbender konnte dann Kübler-Ross (1969) mit ihren Beiträgen und interdisziplinären Seminaren erreichen. 1969 gründete Fulton das „Center of Death Education and Research“ an der University of Minnesota mit dem Ziel, relevante Informationen zu den Themen „Sterben und Tod“ zu sammeln und die Erkenntnisse dieser Forschungen einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen (The Past, Present and Future of Death Education, o.A.).[56] 1970 wurde die erste wissenschaftliche Konferenz zum Thema „Death Educa­tion“ in der Hamline University (St. Paul, Minnesota) abge­halten“ (Spiegel-Rösing 1984, S. 502). In demselben Jahr wurde auch das erste Hospiz nach englischem Vorbild gegründet. Diese und nachfolgend andere Einrichtungen begannen bald darauf, eigene Programme zum Thema „Sterben und Tod“ anzubieten. „Weitere wichtige Etappen auf dem Weg der Etablierung der Sterbeerziehung waren das Erschei­nen eines Spezialheftes zu diesem Thema in der Zeitschrift „Omega“ (1975, Vol. 6,3) und das Treffen der „International Work Group in Dying, Death and Bereavement“ im Juni 1976“ (Spiegel-Rösing 1984, S. 502).

Seit dem Beginn der 1970er Jahre begannen Death-Education-Programme an High Schools, Colleges und Universitäten sowie in den Ausbildungsinstitutionen von Medizinern und Pflegepersonal Fuß zu fassen und breiteten sich immer weiter aus (ebd., S. 503). Zu der gleichen Zeit fand „mit der Ausweitung des Materials vom mehr akademischen Erziehungsniveau hin zu den populären Medien […] die Sterbeerziehung (=DE) damit auch Eingang in die Unterrichtsformen der Elementary und Secondary Schools. 1976 wurde in den USA das „Forum for Death Education and Counseling Inc.“ gegründet, das DE-Programme fördert und weiterentwickelt und zugleich versucht, die Qualität der DE zu verbessern. 1977 erschien zum ersten Mal eine Spezialzeitschrift mit dem Titel „Death Education“, die von [Hannelore] Wass und einem internationalen „Editorial Board“ herausgegeben wird“ (ebd.).

Seit dieser Zeit und bis heute haben sich in den USA viele Organisationen rund um das Thema Sterben, Tod und Trauer etabliert. Zu einer der wichtigsten gehört die im Jahre 1976 gegründete “ADEC“ (Association for Death Education and Counseling).[57] Ihr vorrangiges Ziel ist es, Professionelle und Ehrenamtliche für die Arbeit im Bereich von DE und Trauerberatung zu unterstützen und ihre Fähigkeiten darin auszubauen.[58]

Die wichtigsten Zeitschriften im Bereich der DE sind zum einen das Magazin „Omega – Journal of Death and Dying“[59] und die „Death Studies“[60], von 1977 bis 1984 „Death Education“ genannt.

Die Inhalte der Death Education sind weit gefasst und korrespondieren mit der unter 4.1. genannten gesellschaftlichen und historischen Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer. Eine sehr gute Übersicht findet sich darüber hinaus als sogenannte „Body of Knowledge (BOK) Matrix“ im „Handbook of Thanatology“ (Wogrin/ Thornton/Meagher, 2007, S. Xf.). Dabei ist die DE eine Untergruppe der Thanatologie. Für sie werden folgende Inhalte folgenden Feldern zugeordnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ziele der „Death Education“ werden wie folgt beschrieben:

„1. Bereicherung des eigenen Lebens durch ein umfassenderes Selbstverständnis, das
die Akzeptanz von Stärken und Schwächen als endliches Wesen einschließt.
2. Informieren und Anleiten des Individuums bei seinem Umgang mit der Gesell-
schaft (z.B. die Betreuung am Lebensende betreffend).
3. Vorbereitung des Individuums auf seine öffentliche Rolle als Bürger (z.B. mit
Blick auf Patientenverfügung, assistiertem Suizid, Organspende).
4. Vorbereitung und Unterstützung des Individuums in seiner beruflichen Rolle/
Tätigkeit (z.B. als Krankenschwester).
5. Verbesserung der Fähigkeit, offen und unbefangen über todbezogene Themen zu
sprechen.
6. Unterstützung des Individuums bei der Erkenntnis, dass und in welcher Weise die

Entwicklung während der gesamten Lebensspanne in Wechselwirkung mit todbe-

zogenen Themen steht“ (Wittkowski 2012, S. 65)[61]

Weitere Festlegungen von Inhalt, Weg und Ziel der DE können direkt aus Punkt 4.2.2 Thanatagogik/Sterbeerziehung und aus 4.2.5 USTT (Unterricht/Sterben/Tod/Trauer) ent­nommen werden, da sich beide in die Traditionslinie der DE einordnen. Bei der Thanatagogik sind die vier Zugänge zum Thema Sterben und Tod eine systematische und nützliche Umschreibung der zu behandelnden Inhalte, und die „hilfreiche Funktion“[62] durch DE kann zu den Zielen und Wirkungen hinzugenommen werden. Bei USTT beschreibt die Definition auch die DE, ebenso wie die Ziele und die „vier Vermittlungsweisen“ für die DE übertragbar sind.[63]

4.2.2 Thanatagogik/Sterbeerziehung

Der Begriff der „Thanatagogik“ ist der Versuch aus dem Jahre 1965, für das amerika­nische „Death-Education“ ein entsprechendes Wort für den europäischen Kulturkreis zu finden.[64], Dabei ergab sich die Notwendigkeit einer systematischen Auseinandersetzung mit dem Themen ‚Sterben und Tod’ aus den gleichen Gründen wie in Amerika.[65] Dass diese Wortschöpfung nicht sonderlich erfolgreich war, zeigt sich zum einen an der bereits früh geäußerten Kritik am Wort selber, der damals gleich-zeitigen Verwendung des Begriffes „Sterbeerziehung“ an Stelle von Thanatagogik[66] und der heutigen Null­menge an Treffern bei Google, wenn man das Wort Thanatagogik eingibt.[67] Für die Sterbeerziehung wird im Übrigen heute eine ähnliche Treffermenge angezeigt, sodass beide Begriffe als obsolet gekennzeichnet werden müssen.

Der Überbegriff der Thanatagogik ist die Thanatologie - ihr ist auch die Thanato-Therapie untergeordnet.

Die Thanatologie sieht sich als „Forschung über Sterben und Tod“ (Spiegel-Rösing 1984, S. 10). Dabei geht es ihr nicht nur um den Abschluss des Lebenszyklus eines Einzelnen (Rituale, institutioneller Rahmen des Sterbens, Aussehen und Erleben des Endes), sondern auch darum, wie Menschen einer bestimmten Gesellschaft mit Sterben und Tod umgehen. Dies kann sich auf den “erlebten Tod (Sterben des anderen, Trauer), […] den vorgestellten Tod (Todes­einstellungen und Todesbilder) und [den] herge­stellten Tod (Selbstmord, Gewalt, Krieg)“ (ebd.) beziehen.

Strukturiert gefasst hat die Thanatologie vier Zugänge zum Thema Sterben und Tod:[68] einen intrapersonellen, einen interpersonellen, einen institutionellen und einen ideellen (ebd., S. 16). Bei dem intrapersonellen Zugang geht es darum, „was „innerhalb“ eines Individuums abläuft, welche Wahrnehmungen, Einstellungen, Entwicklungen, Erleben, Verarbeitung in Bezug auf Sterben und Tod“ (ebd.) vorherrschen. Bei dem inter­personellen Zugang steht der Umgang mit dem Sterbenden im Vordergrund (ebd., S. 19f.). Der institutionelle Zugang befasst sich mit der Untersuchung der Institutionen, mit kollektiven Todeseinstellungen, dem gesellschaftlich legitimierten Umgang mit Tod sowie den Todes- und Trauerriten und -ritualen während der ideelle Zugang „Todes­konzeptio­nen nach ihrer inhaltlichen Struktur und ihrem Zusammenhang mit anderen Konzeptio­nen sowie Fragen der Werte und der Ethik untersucht (ebd., S. 20-22).

Die Thanatotherapie[69] arbeitet auf dem Gebiet der Thanatologie im Bereich der intra­personellen und interpersonellen Zugänge, während die Thanatagogik ohne eigenen Zugang zum Thema gleichsam mit dem Aufgabenfeld der Vermittlung für die Themen der Thanatologie betraut wird (Huck/Petzold 1984, S. 501).[70] Darüber hinaus soll sie mit den Themen über die Betroffenen und in dem Feld arbeitenden Berufsgruppen hinaus in die allgemeine Erziehung und Aufklärung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hineinwirken. Dieser Auseinandersetzung mit dem Thema wird eine hilfreiche Funktion auf drei Ebenen[71] zugesprochen: auf der persönlich-individuellen, auf der institutionellen und auf der gesellschaftlichen Ebene. Auf der persönlich-individuellen Ebene wird davon ausgegangen, dass das Individuum durch die „Integra­tion von Sterben und Tod ins Leben […] Auswirkungen auf das Leben und die eigene Lebensvorstellung und -führung“ erfährt. „Eine Sterbeerziehung könnte dem Individu­um helfen, eine persön­liche Lebensphilosophie zu entwickeln und durch das Bewuss­twerden eigener Todes­ängste und -vorstellungen mit der Hilf- und Sprachlosig­keit angesichts des Todes besser umzugehen“ (ebd., S. 505). Auf der institutionellen Ebene soll eine Sterbeerziehung den mit dem Thema Sterben und Tod befassten Berufs­gruppen „einerseits Unterstützung und Entlastung geben und andererseits helfen, offen für das Leid sterbender Menschen und deren Angehörigen zu werden“ (ebd.). Auf der gesellschaftlichen Ebene „könnte eine Sterbeerziehung zu einem allmählichen Abbau des Tabu-Aspektes, zu einer freieren Kommunikation über den Tod und damit eventuell zu mehr Initiativen für einen selbstverständlicheren und verantwortlicheren Umgang in der Betreuung von Sterbenden und Trauernden in den Familien und in Institutionen führen“ (ebd., S. 505).

4.2.3 Trauerberatung

Die Trauerberatung existiert in Deutschland seit 1987, als an der Universität Essen die erste deutsche Trauerberatungsstelle als Modellversuch eingerichtet wurde (Lamp/ Smith 2007, S. 1147).[73] Mittler­weile kann sie als etabliert gelten, obwohl es bis heute in „keinem Ausbildungsgang der betroffenen Berufe Standards für die Qualifizierung zur Trauerbegleitung gibt“ (ebd., S. 1146). Um dieses Feld bemüht sich seit 2002 das Trauer­institut Deutschland e.V. Mit seiner Hilfe wurden im Jahre 2007 bundes­einheitliche Standards für Qualifizierungskurse zur Trauerbegleitung eingerichtet.[74][72]

Für die Trauerberatung werben vor allem Psychologen und Psychotherapeuten, Seel-sorger und Bestattungsunternehmer mit ihren Dienstleistungen.[75]

Die Trauerberatung wendet sich an zwei verschiedene Zielgruppen: zum einen an die Hinterbliebenen in einem Trauerfall, zum anderen an Menschen, „die in den verschie­denen Berufsfeldern Hinterbliebenen begegnen“ (Lamp/Smith 2007, S. 1144).[76].

Die Angebote der Trauerberatung umfassen je nach Problemlage die Bereiche von Information, Krisenbewältigung, Unterstützung und Begleitung, Verstehen und Bewäl­tigung, Sinnfindungsprozesse und diagnostische Funktionen (Ebenda, S. 1144.)

Sie sieht für sich eine präventive und eine heilende Rolle, sowie zum einen eine entwicklungs- und wachs­tums­fördernde Funktion, zum anderen eine kommunikations­fördernde und unter­stütze­n­de Funktion (vgl. Lamp/Smith 2007, S. 1144f.).[77]

Die Trauerberatung ist derzeit (2012) noch ohne rechtlich abzuleitenden Anspruch. Sie wird nicht als präventive Gesundheitsfürsorge anerkannt. Nur im therapeutischen Rahmen kann eine solche Dienstleistung abgerechnet werden. Diese Tatsache verfestigt allerdings das Verständnis von Trauer als Krankheit und widerspricht der Einsicht, dass Trauer eine existentielle Lebenserfahrung ist, die oft, aber nicht immer die Unter­stürzung durch Begleitung und Beratung braucht (ebd., S. 1148). Diese Tatsache drängt auch die Pädagogik an den Rand der Arbeit mit Sterbenden und Trauernden und lässt sie nicht als adäquate Profession in diesem Feld erscheinen.

4.2.4 Friedhofspädagogik

Der Begriff der Friedhofspädagogik ist ein recht junger Begriff.[78] Er hat vor allem durch die Veröffentlichung „Friedhofspädagogik“ von Michael Wolf (Wolf 2011) sowohl eine theoretische Basis als auch ein praktisches Konzept zu seiner Durchführung bekom­men (ebd., S. 203).[79] Die Friedhofspädagogik kommt aus dem kirchlichen Bereich und hat eine dezidiert religiöse Intention.[80] Von daher ist der Begriff vor allem in kirchlichen Kreisen verbreitet. Er bezeichnet oft kirchlich-pädagogische Veranstal­tungen mit Bezug zum Besuch auf dem Friedhof.[81] Die Friedhofspädagogik sieht sich als Ergänzung zu der bereits existierenden Kirchenpädagogik.[82]

Die seit Mitte der 1990er Jahre bestehende Kirchenpädagogik bezeichnet sich als einen neuen Arbeitszweig der Religionspädagogik. Sie versucht, die Funktionen, Zeugnisse und Zeichen christlicher Kultur, die in Form von Kirchenbauten im Mittelpunkt von Dörfern und Städten stehen, Interessierten jeden Alters wieder verständlich und damit zugänglich zu machen (vgl. Wolf 2011, S. 55). Für diese Aufgabe hat sich die Kirchen­pädagogik eine eigene Methodik erarbeitet, die sie mit den „folgenden vier metho­dischen Grundelementen: Verlangsamung - Versinnlichung - Fokussierung - Elemen­ta­ri­sierung“ (ebd., S. 24) beschreibt.

Steht der Kirchenbau nach christlichem Verständnis nun gleichsam als Ort, „sich des Lebens als eines Lebens vor und mit Gott zu vergewissern“ (ebd., S. 9), so wird der Friedhof, oft räumlich neben der Kirche gelegen, Symbol für die Vergänglichkeit allen Lebens. Er bietet sich für dieses Thema gleichsam an - als Lernort für den Umgang mit dem Tod, um zu erfahren, „wie christliche Religion sich gegenüber Toten und den Hinterbliebenen verhält“ (ebd., S. 125). Somit ergeben „beide Orte zusammen­ge­nom­men […] die Fülle des Lebens, eines ganzheitlich verstandenen menschlichen Daseins (ebd., S. 9). Indem die Friedhofspädagogik auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweist (ebd., S. 10), gerät sie zu einem Akt der Lebensvergewisserung. Die Men­schen, die sich auf die Friedhofspädagogik einlassen, werden zuerst die Zugänge zu den am Lernort vorhandenen religiösen Bezügen gezeigt und erklärt (ebd., S. 203)[83] und darüber „mit dem Tod in seiner Endgültigkeit und der Endlichkeit eines jeglichen Lebens“ (ebd., S. 123) konfrontiert. Dies soll die „Sinne dafür schärfen, das uns von Gott geschenkte Leben mit all seiner Zerbrechlichkeit als ein Geschenk zu erleben, welches durch den Glauben noch eine besondere Dimension erfährt“ (ebd.). Nach einer friedhofs­päda­gogischen Veranstaltung besteht die Hoffnung, „den Fragen nach erfüll­tem Leben, dem eigenen Tod und der eigenen Vorstellung von ewigem Leben“ (ebd.) neu nachzu­gehen.[84]

Methodisch fügt die Friedhofspädagogik den kirchenpädagogischen Methoden eine neue Kategorie hinzu, die der Begehung. Dies wird als eine „versinnbildlichte Gedanken­­prozession“ (ebd., S. 124) gefasst.

Wichtig für den Lernort Friedhof ist zudem die Stimmung, die sich durch die „Personen und Objekte, die diesen bevölkern“ (ebd., S. 128), ergibt. Als „Reich der Toten, der Stille, der Besinnung und der Erinnerung“ (Henn 2007, S. 185) geschieht hier Lernen anders, unmittelbarer und persönlicher (ebd.).[85] Eine aktive und ganzheitliche Erschlie­ßung der Phänomene bedeutet hier, die Wahrnehmung zu schärfen, um dann zu passenden Deutungen zu gelangen.[86]

4.2.5 USTT (Unterricht Sterben Trauer Tod)

Der neueste Begriff, der sich für den pädagogischen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer anbietet, lautet „USTT“.[87] Die Kürzel stehen für „Unterricht Sterben Trauer Tod“. Der Begriff wurde von dem Würzburger Psychologieprofessor Joachim Wittkowski geprägt (Wittkowski 2012, S. 63-75).

USTT bezeichnet[88] für ihn „im weitesten Sinne […] alle erzieherischen Maßnahmen und Erfahrungen mit Bezug zu Sterben, Tod und Trauern, durch die ein Lernender in irgendeiner Weise ein Verständnis davon erhält, was es mit diesen Vorgängen bzw. Sachverhalten auf sich hat. […] Im engeren Sinne steht USTT für alle planvollen und zielgerichteten Veranstaltungen, die den Teilnehmenden Kenntnisse über die Todes­thematik vermitteln und/oder ihren Umgang mit Sterbenden und Trauernden durch den Abbau von Ängsten erleichtern (sollen)“ (Wittkowski 2012, S. 64).[89]

Als Ziel von USTT[90] wird die „Verbesserung der Lebensqualität des Individuums und seiner Bezugspersonen“ (ebd., S. 65) gesehen, indem diese eine persönliche Lebens­anschauung, welche das Wissen um die (eigene) Endlichkeit einschließt, in der Auseinandersetzung mit dem Thema entwickeln (ebd.).[91] Als Prämissen von USTT werden drei Annahmen vorangestellt:

[...]


[1] Der Begriff des Feldes ebenso wie der Kampf um die Autonomie der Felder ist hier nach den Vor-

stellungen Bourdieus gefasst worden (vgl. Forneck/Wrana 2005, S. 89ff.).

[2] „Die Pädagogik griff diesen Themenbereich erst auf, als er von anderen wissenschaftlichen Disziplinen

bereits intensiv bearbeitet worden war.“ (Brommer 1989, S. 72.) Bei diesen Veröffentlichungen

handelte es sich größtenteils um allgemeine Überlegungen zur Notwendigkeit einer pädagogischen

Behandlung des Themas, um didaktische Überlegungen oder um Unterrichtsmodelle. Dieser Stand aus

dem Jahre 1988 entspricht der auch in dieser Arbeit durch die Auflistung der diesbezüglichen Literatur

belegten Fest­stellung, dass sich die Pädagogik erst ab Ende der 1990iger Jahre kontinuierlich dem

Thema ange­nommen hat.

[3] Im Teilbereich „Kinderhospiz“ findet sich 2011 die Aussage „Zu der Arbeit von Pädagogen in statio-­

nären Kinderhospizen gibt es bisher jedoch keine Literatur“ (Mader 2011, S. 4) und: „Den Pädagogen

wird also offenbar eine wichtige Rolle in der stationären Kinderhospizarbeit zugeschrieben. Dennoch

existieren bisher keine ausführlichen Beschreibungen zu ihrem Berufsfeld.“ (Mader 2011, S. 14).

[4] Siehe dazu Kapitel 4.2. Death Education, Sterbeerziehung, Thanatagogik sowie USTT sind vorwiegend

im Bereich der Psychologie verortet.

[5] Sowohl in Google Scholar, in Google Books und in Google Web waren die Treffermengen sechs- oder

mehrstellig.

[6] „Die wichtigsten Beiträge zur Thanatologie kommen aus den klinischen Fächern Medizin […] und der

Pflegeforschung, den sozialwissenschaftlichen Fächern Psychologie, Soziologie und Ethnologie sowie

den humanistischen Fächern der Philosophie, Theologie und Geschichte.“ (Spiegel-Rösing/Petzold

1984, S. 12)

[7] In dieser Arbeit ist die Anzahl der Zitate aus der nichtwissenschaftlichen Literatur sehr überschaubar

geblieben.

[8] Der Verfasser vertritt die Ansicht, dass das tradierte „erschreckende“ Bild vom Tod durch Erziehung

gemildert werden kann, indem die „richtige“ Vorstellung vom Tod in Form von beruhigenden

Begriffen und Gedanken durch die Erziehungspersonen den zu Erziehenden nahe gelegt wird. Als

Beispiel hierfür dienen Bilder aus der Natur.

[Theorie] [Begründung] [Methode]

[9] Der Verfasser macht Arbeitsvorschläge zum Thema Tod und Sterben für die Durchführung von

Seminaren in der Erwachsenenbildung. Dabei gliedert er das Thema nach vier verschiedenen thema-

tischen Einheiten: medizinisch, philosophisch, literarisch und christlich. Ziel seiner Seminare soll

sein, zu einem vertieften Verständnis von Tod und Sterben zu gelangen. Den Seminarteilnehmern soll

geholfen werden, ihre jeweils eigene Antwort darauf zu finden.

[Konzept] [Material]

[10] Nach einer kurzen historischen Zusammenfassung der bisherigen pädagogischen Bemühungen im

Bereich von Sterben und Tod begründet der Verfasser zuerst die Notwendigkeit dieser Erziehung.

Danach erfolgt eine Übersicht und Analyse bestehender oder einzurichtender amerikanischer und

deutscher Fortbildungsprogramme zum Thema. Dabei werden sowohl das dahinter stehende

Menschenbild konkretisiert, als auch Ziele und verwendbare Methoden vorgestellt.

[Begründung] [Konzept] [Methode]

[11] Der Verfasser versucht die Notwendigkeit organisierter Lernprozesse zum Thema Sterben und Tod mit

philosophischen, psychologischen, soziologischen und pädagogischen Argumentationssträngen zu

begründen. Das Lernen in diesem Bereich wird - vom symbolischen Interaktionismus ausgehend -

lerntheoretisch untermauert; aus verschiedenen anderen Lerntheorien werden Einzelaspekte in diesem

Prozess herausgearbeitet. Zusammen mit einer Auswertung verschiedener Seminare analysiert der

Verfasser zum Schluss das Lehr- und Lerngeschehen im Thema, zeigt didaktische Konsequenzen auf

und wertet aus. Insgesamt soll mit der Arbeit eine Antwort auf die Kernfrage gegeben werden: „Wie

können Menschen mehr Autonomie und Kompetenz gegenüber Sterben und Tod erreichen?“

[Begründung] [Theorie] [Konzept]

[12] Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen (1989) Verleugnung von Sterben und Tod und der daraus

folgenden Isolation der Individuen, die immer mehr ohne jenseitsbezogene Sinngebung alleingelassen

und voller Angst vor dem Tod stehen, plädiert der Verfasser für die Unterrichtung des Themas im

Rahmen der Erwachsenenbildung. Denn eine Erwachsenenbildung, die Emanzipation und Unterstüt-

zung der Menschen für die Lebensbewältigung zum Programm hat, muss sich dem Thema annehmen.

Drei Ansatzpunkte werden dafür konstatiert: ein Bewusstsein vom menschenwürdigen Sterben schaf-

fen, Einfordern von Rechten und Bedürfnissen sowie berufsbegleitende Maßnahmen. Gleichzeitig

werden Argumente aufgegriffen, die vor einer Pädagogisierung und Therapeutisierung des Sterbens

warnen.

[Begründung] [Theorie]

[13] Die Verfasser wollen die Fragen, welche Eltern beim Tod eines Kindes bedrängen, aufnehmen und vor

christlichem Hintergrund beantworten. Zwischen Trost spenden und Rat geben bewegen sich die

Inhalte von Trauerreaktionen und Gefühlen in der Trauer, insbesondere dem Schuldgefühl und dem

Gefühl der Befreiung.

[Ratgeber]

[14] Der Verfasser sieht aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen im Bereich von Sterben und Tod, aber

auch von Drogenmissbrauch und Aids etc. die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung der Sozial-

pädagogik mit dem Thema Sterben und Tod. Sie soll zu einer sozialpädagogisch verstandenen Sterbe-

begleitung oder „Sterbesolidarität“ führen. Beides soll in das theoretische Selbstverständnis der Sozial-

pädagogik integriert werden. Dabei macht der Verfasser deutlich, dass sich ein sozialpädagogisch

verantworteter Umgang dabei nicht durch Erfahrungswissen absichern lässt, sondern auf Grundhal-

tungen fußen muss.

[Begründung]

[15] Der Leitfaden für krebskranke Jugendliche und ihre Freunde ist sowohl Ratgeber als auch Arbeitbuch

für die Zielgruppe. Er enthält als Ratgeber viele Informationen, um mit der Situation „Krebs“ klar zu

kommen - Sachinformationen zur Krankheit und Behandlung sowie Informationen zum Umgang mit

der Situation im Krankenhaus, in der Schule oder in einer Beziehung. In seinem Bereich als Arbeits-

buch findet sich neben Kochrezepten (Chemotherapie und Essen!) viel Unterhaltsames.

[Ratgeber] [Arbeitsbuch]

[16] Die Broschüre will betroffenen Eltern konkrete Hilfestellung leisten und Informationen darüber geben,

wie mit dieser Situation umgegangen werden kann. Dabei geht es sowohl um das Thema der auftreten-­

den Gefühle und Gedanken der Eltern als auch um die Art des Umgangs der Kinder im allgemeinen

und der Geschwisterkinder im besonderen.

[Ratgeber]

[17] Die Verfasserin hat die pädagogische Betrachtung des Umgangs mit Sterben und Tod zum Ziel. Dafür

will sie neue Wege eines angstfreien Umgangs mit dem Tod aufzeigen. Ausgehend von der Situation

der heutigen Sterbebegleitung und einem historischen Exkurs auf den traditionellen Umgang mit dem

Tod geht sie weiter zur Vorstellung neuer Ansätze im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Eine

Unterrichtsplanung zum Thema im schulischen Kontext sowie für Krankenpflegeschüler beendet die

Darlegung.

[Begründung] [Konzept] [Material]

[18] Die Verfasser haben einen Ratgeber für Lehrer verfasst, in deren Klasse sich ein krebskranker Schüler

befindet. Der Text ist in die Bereiche medizinische Information, Auswirkungen der Krankheit und

Behandlung, Schule und Unterricht während der Therapie, Rückkehr in die Schule, Thema Krebs im

Unterricht, Geschwister krebskranker Kinder und Tod eines Schülers gegliedert. Das vorrangige Ziel

der Broschur ist, den erkrankten Schülern durch Aufklärung der Lehrer die Reintegration in die Schule

zu erleichtern.

[Ratgeber]

[19] Dadurch, dass die [normale/C.M.] Trauer den Menschen zur Wandlung und Selbsterkenntnis zwingt,

wird die Trauer zum „spezifischen Modus“ im Prozess der Selbst-Werdung. Dieser Prozess kann aber

nicht mit sich alleine, sondern nur durch ein Gegenüber, durch einen Begleiter gelingen. Diese

Begleitung ist pädagogische Aufgabe. Insofern verfolgt und beantwortet das Buch die beiden Fragen:

„Inwiefern berührt die Trauer den Prozess der Selbst-Werdung?“ und: „Wie beziehungsweise was kann

Begleitung dazu beitragen, dass dieser Selbst-Werdungsprozess des Trauernden gelingt?“

[Begründung] [Theorie] [Begleitung]

[20] Ausgangspunkt im Handbuch ist die Behauptung, dass Sterben und Tod aus dem Alltag verbannt sind

und daher Unterstützungsangebote für die Zeit der Trauer notwendig geworden sind. Diese Hinter­blie-­­

benenberatung erfolgt in unterschiedlichsten Settings und für unterschiedlichste Problemlagen.

Daneben hat die Trauerberatung aber auch mit Menschen zu tun, die in den verschiedensten Berufs-­

feldern Hinterbliebenen begegnen. Der Trauerberatung werden vier Funktionen oder Rollen zuge-­

sprochen: eine präventive Rolle, eine entwicklungs- und wachstumsfördernde Funktion, eine heilende

Rolle sowie eine kommunikationsfördernde und Unterstützungsfunktion. Zum Schluss werden die

Anforderungen für die Profession der Trauerberatung sowie der aktuelle Stand der Trauerbera­tung in

Deutschland dargestellt.

[Beratung] [Begründung]

[21] Der Ratgeber für Lehrkräfte und Erzieher/Innen hat die Zielsetzung, die Auseinandersetzung mit dem

Thema Tod und Trauer zu fördern und Mut zu machen, sich dem Thema zu stellen. Dazu werden die

Trauerreaktionen und das Trauerverhalten von Kindern und Jugendlichen erklärt, werden Vorschläge

gemacht, wie man im Todesfall und danach agieren sollte, wie man mit trauernden Kindern und

Jugendlichen umgehen könnten und wie mit Schuldgefühlen umzugehen sei.

[Ratgeber]

[22] Die Verfasserin hat einen Ratgeber zum Thema Trauer, Abschied und Tod für die ganze Familie

verfasst. Die Hilfestellungen und Anleitungen sollen Erwachsene, Eltern und Pädagogen dazu

befähigen, Kinder bei diesen Themen besser zu verstehen, zu begleiten und zu unterstützen. Die

Abschnitte behandeln die Begegnung mit dem Tod, Traueranlässe, Trauerreaktionen, Leben mit der

Trauer und Neuorientierung.

[Ratgeber] [Arbeitsbuch]

[23] Das zweiteilig aufgebaute Begleitbuch besitzt einen Teil für Erwachsene, explizit auch für Lehrer

und Erzieher, und einen Teil für Kinder und Jugendliche. Ausgehend von der konstatierten

Schwierigkeit, sich mit Sterben und Tod auseinander zu setzen sowie der vorhandenen Ignoranz des

Themas in der Schule, wollen die Verfasser zeigen, wie man Kinder beim Thema praktisch begleiten

kann. Sie hoffen darüber hinaus zu einer vertieften „Sinngebung“ im Leben, einer „Kultur des

Miteinander-Lebens“ und der „Achtung vor dem Leben“ anzuregen. Die Begriffe wie Eigenreflexion,

Anregungen zur Begleitung, Todeskonzepte bei Kindern, Anregungen für Gespräche sowie praktische

Vorschläge stehen für die wichtigen Kapitel des Buches.

[Ratgeber] [Arbeitsbuch] [Vorschlag]

[24] Die Verfasserin stellt Yoga als eine Methode im Rahmen von Seminaren zur Erwachsenenbildung

dar, in denen durch Selbsterfahrung in der jeweiligen Lebenssituation Handlungskompetenzen

entwickelt und Ressourcen erweckt werden können. An diesen Punkten wird der Bezug zu Trauer,

Trauerarbeit und Trauerbegleitung hergestellt. Die Autorin stellt die Frage, was die Erwachsenen­bil-

dung bereitstellen kann, um die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen aufzufangen. Dabei

kommt sie zu der Erkenntnis, dass sich Bildung im Lernprozess der (nichtpathologischen) Trauer

einstellt. Yoga wird dann zu einem Angebot in der Gesundheitsbildung, das in Trauersituationen zur

Trauerbewältigung eingesetzt werden kann.

[Methode]

[25] Das Buch will Arbeitsmaterialien und Konzepte für den Schulunterricht an der Grundschule zur

Verfügung stellen. Die im Vorwort angesprochenen Kinder und Jugendlichen (Grundschule?) sollen an

das Thema „Hospiz“ bzw. an Sterben und Tod herangeführt werden. Die Arbeit wird dabei als

präventiv gesehen; durch die Beschäftigung mit dem Thema - auch ohne akuten Sterbe- oder Todesfall

- soll den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, sich dem Thema Tod und Trauer anzunähern.

Dies soll Ängste verhindern und eine neue Sterbens- und Lebenskultur begründen – zur Grundlage für

eine humanere Gesellschaft werden. Aufgebaut ist der Text in die Einheiten „Vorstellung über Tod bei

Kindern“, Begleitung von Kindern, Projektvorstellung, Kurs- oder Arbeitsplan sowie Materialsamm-lung.

[Konzept] [Material]

[26] Der Ratgeber wurde für Eltern geschrieben, deren Kind an Krebs erkrankt ist. Denn „wenn Eltern

ausreichend informiert sind, können sie sich besser auf ihre Kinder einstellen und ihnen bei der

Bewältigung ihrer Probleme behilflich sein.“ Nach den Informationen über die Krankheit, über

diagnostische Maßnahmen und über die Therapie geht es um den psychischen Umgang mit der

Krankheit und innerhalb der Familie. Abschließend wird der Trauerfall angesprochen.

[Ratgeber]

[27] Das Buch möchte Erzieher/Innen dazu ermutigen, dem Thema Sterben, Trauer und leidvolle

Situationen nicht länger auszuweichen, sonders sie als pädagogische Herausforderung anzunehmen.

Das Buch ist in die Teile „Selbsterfahrung“ für Erzieher/Innen, in „Theorie“ und in einen „praktischen

Teil“ gegliedert. Während bei der „Selbsterfahrung“ die Reflexion zum Thema Sterben und Tod im

Mittelpunkt steht, versucht die „Theorie“, den gesellschaftlichen Kontext und die entwicklungspsycho-

logischen Grundlagen darzustellen. Der „praktische Teil“ stellt zuerst die Arbeit mit den trauernden

Eltern, dann die Arbeit mit der Trauer im Beziehungsfeld von Pädagoge/in, Eltern und Kind dar. Zum

Schluss wird eine Projektarbeit zum „Umgang mit Abschied, Verlust und Tod“ vorgestellt.

[Konzept] [Theorie]

[28] Das Buch bietet Arbeitsmaterialien zum Thema Sterben, Sterbehilfe und Umgang mit dem Tod für

Schule und Ausbildung. Nach einer Einführung in das Thema aus medizinischer und religiöser Sicht

werden die Kapitel Begegnung mit dem Tod, Sterben und Sterbephasen, Sterbebegleitung und

Sterbehilfe, Patientenautonomie und Patientenverfügung, Sterben im Hospiz und „Aufbruch in ein

neues Leben“ angeboten.

[Material]

[29] Zur Unterstützung und Information für Betroffene und professionell in diesem Bereiche Arbeitende hat

die Verfasserin Informationen und Hintergründe zum Thema Sterben, Tod und Trauer zusammen-

gestellt. Das auch als Begleitungshandbuch titulierte Werk hat eine Einteilung in Hospizkunde, Beglei-

tung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen, Trauerfall, Bestattung und Trauerfeier, die Trauer-

zeit und spezifische Gruppen von Trauernden vorgenommen. Die Wichtigkeit des Handbuchs ergibt

sich für die Verfasserin daraus, dass die Beschäftigung mit dem Sterben, Tod und Trauer zwar zuge-

nommen habe, die Verdrängung des Todes aber eher nicht. Von daher ergebe sich der besondere

Informations- und Unterstützungsbedarf.

[Ratgeber]

[30] Ausgehend von der Behauptung, dass uns heute die Vertrautheit mit dem Tod abhanden gekommen ist,

versucht der im christlichen Glauben fest verankerte Verfasser, den Menschen durch seine Friedhofs-

pädagogik wieder stark zu machen. Die Betrachtung und Auseinandersetzung mit der Vergänglich­keit

und der christlichen Tradition, wie in Kirche und Friedhof sichtbar dargestellt und geboten, soll zu

einer neuen „Lebensvergewisserung“, zu einem „sinnerfüllten Leben vor dem Tod“ führen. Die

Schritte seiner Darlegung gehen dabei von der „Aufarbeitung der Kirchenpädagogik und ihrer Metho-

dik“, der Darstellung des Wandels in der Friedhof- und Bestattungskultur zur Friedhofspädagogik über.

Hier folgt nach der theoretischen Reflexion die Darstellung der Praxis und Didaktik.

[Theorie] [Konzept] [Vorschlag]

[31] Das Abschieds- und Erinnerungsbuch für trauernde Kinder ist als Arbeitsbuch konzipiert, um sowohl

durch die Trauer der Kinder zu führen als auch das Geschehen durch Reflexion besser zu verarbeiten.

Ein „Brief“ mit Ratschlägen für Eltern, Verwandte oder Freunde zum Umgang mit dem Thema und

dem Buch ist beigefügt.

[Material] [Ratgeber]

[32] In dem Artikel setzt sich der Verfasser kritisch mit der Sterbepädagogik auseinander, insbesondere mit

der dort oft implizierten Annahme einer allgemeinen Verbesserung der Lebensbedingungen oder der

Optimierung von Lebensqualität durch die pädagogische Arbeit mit Sterben, Tod und Trauer. Neben

der Frage nach dem Bedarf und dem Bedürfnis nach dieser Pädagogik verweist er auf den Verdacht

einer ideologischen Einfärbung aufgrund eines konstatierten pauschalen Heilsversprechens dement­-

sprechender Angebote.

[Begründung] [Theorie]

[33] Der Artikel bezeichnet unter USTT (Unterricht Sterben, Tod und Trauer) „alle erzieherischen Maßnah-

men und Erfahrungen mit Bezug zu Sterben, Tod und Trauern, durch die ein Lernender in irgendeiner

Weise ein Verständnis davon erhält, was es mit diesen Vorgängen bzw. Sachverhalten auf sich hat.“

(ebd. S. 64) Dazu werden die Kernthemen, Dimensionen, Ziele und Nutzen von USTT aufgeführt

sowie die Arten der Unterrichtung, der Stand der deutschsprachigen Veranstaltungen und die

Wirkungsweise angerissen. Zum Schluss erfolgt eine kritische Reflexion von USTT in der Zielsetzung,

das Bewusstsein der Endlichkeit zu intensivieren.

[Begründung] [Theorie]

[34] 1987 wurde in einem Modellversuch an der Universität Essen die erste deutsche Trauerberatungsstelle

eingerichtet. Sie wurde Anfang der 1990er Jahre aus finanziellen Gründen wieder eingestellt. 1997

wurde an der Universität Regensburg am Lehrstuhl für Pastoraltheologie das Projekt Trauerforschung/

Trauerbegleitung eingerichtet (vgl. Huck/Petzold 1984, S. 1147f.).

[35] Hier muss eingeräumt werden, dass ein einigermaßen vollständiger Überblick über die Vermittlung des

Themas in Form von Seminaren, Unterricht und Weiterbildungsveranstaltungen in Deutschland von

den 60er Jahren bis heute nicht gegeben werden kann. Das Urteil über diese Entwicklung leitet

sich von Veröffentlichungen wie z.B. „Hospizbewegung Düren-Jülich e.V. (Hrsg.) (2010): Hospiz

macht Schule, Wuppertal“ ab.

[36] Siehe dazu den Artikel der Verfassers: Maywald/Franz 2012, S. 54-56.

[37] Hier hat keine systematische Recherche und Erfassung durch den Verfasser stattgefunden. Allerdings

hat das persönliche Interesse des Verfassers an dieser Literaturgattung ihn zu umfangreichen Recher-

chen im Buchhandel sowie im Antiquariat geführt.

[38] Chronologie der Bücher zum Thema schwere Krankheit, Sterben, Tod und Trauer nach den Erkennt-

nissen des Verfassers und nach der Analyse von Barbara Cramer, welche die meisten bekannten

Titel zusammengesucht, analysiert und kategorisiert hat:

1958 1 Buch 1959 1 Buch

1960 2 Bücher 1961 0 Bücher

1962 0 Bücher 1963 1 Buch

1964 0 Bücher 1965 1 Buch

1966 0 Bücher 1967 0 Bücher

1968 0 Bücher 1969 2 Bücher

1970 1 Buch 1971 5 Bücher

1972 0 Bücher 1973 1 Buch

1974 0 Bücher 1975 0 Bücher

1976 1 Buch 1977 1 Buch

1978 3 Bücher 1979 4 Bücher

1980 2 Bücher 1981 2 Bücher

1982 3 Bücher 1983 2 Bücher

1984 11 Bücher 1985 6 Bücher

1986 7 Bücher 1987 12 Bücher

1988 7 Bücher 1989 11 Bücher

1990 9 Bücher 1991 9 Bücher

1992 16 Bücher 1993 12 Bücher

1994 13 Bücher 1995 10 Bücher

1996 6 Bücher 1997 13 Bücher

1998 23 Bücher 1999 25 Bücher

2000 23 Bücher 2001 27 Bücher

2002 22 Bücher 2003 29 Bücher

2004 19 Bücher 2005 30 Bücher

2006 21 Bücher 2007 25 Bücher

2008 42 Bücher 2009 28 Bücher

2010 37 Bücher 2011 32 Bücher

Hierin sind zusammengefasst: Bilderbücher zu Sterben und Tod, Bebilderte Kinderbücher zu Sterben

und Tod, Bilder, Comic und Fotobücher für Jugendliche, Erinnerungsbücher für Kinder und Erwach-

sene sowie Jugendliteratur zu Sterben und Tod.

Im Zeitraum von vor 1970 sind 9 Bücher bekannt.

Im Zeitraum zwischen 1971 und 1980 sind 17 Bücher bekannt.

Im Zeitraum zwischen 1981 und 1990 sind 71 Bücher bekannt.

Im Zeitraum zwischen 1991 und 2000 sind 160 Bücher bekannt.

Ab dem Jahre 2001 sind 312 Bücher bekannt.

Somit stehen 97 Büchern vor dem Jahr 1991 472 Bücher nach diesem Zeitraum gegenüber (vgl.

Cramer 2012).

[39] Ratgeber für krebserkrankte Kinder und Jugendliche fallen auch in diese Kategorie - meist wird

Sterben und Tod in einem besonderen Kapitel behandelt. In der Regel ist dieses Thema in Ratgebern

für schwer Erkrankte immer unterschwellig dabei.

[40] Die Antworten auf die ersten Fragen finden sich in Kapitel 4.3, die Antworten auf die beiden

letzten Fragen finden sich in den Kapiteln der pädagogischen Felder (4.4).

[41] Bei Wittkowski 2012, S. 72 werden diese Bereiche unter dem Stichwort „Veranstaltungen“ auch

genannt. Während die Vermittlung (=Unterricht) darunter planvolle und zielgerichtete Veranstaltungen

versteht, wird die Begleitung dem unauffällig verlaufenden Trauerprozess und die Beratung Trauernder

bei hohem Risiko eines abnormen Trauerverlaufs zugeordnet. Die letzte Zuordnung ist meiner Mei­-

nung nach zu eng gefasst. Die Trauerberatung hat in ihrer Funktion als Beratung auch wahrzunehmen,

ob beim Klienten ein „abnormer“ Trauerverlauf vorliegt und dann den Klienten an den Psychologen

oder Psychotherapeuten weiterzuleiten. In allen anderen Fällen, d.h. im normalen Trauerverlauf arbeitet

die Beratung in ihrem Feld mit dem Klient weiter. Selbst die pädagogische Begleitung kann bei abnor-

mem Trauerverlauf als assistierende Maßnahme der Psychotherapie angezeigt sein.

[42] Diese Forderung gilt für alle Felder. Siehe dazu auch: Nestmann/Engel/Sickendiek 2007, S. 1145:

„Beratende müssen sich mit eigenen Verlust- und Trauererfahrungen auseinandergesetzt haben und in

der Lage sein, eigene Trauer, die durch die Beratungs- [...] Inhalte ausgelöst werden“ können,“ zu

erkennen und damit umzugehen.

[43] Ideen dazu aus Nestmann/Engel/Sickendiek 2007, S. 1141f. und aus eigener Kenntnis.

[44] Zu den Veränderung des Umgangs mit Sterben und Tod und ihren Konsequenzen siehe Kapitel 4.3.3.

[45] Diese Forderung gilt für alle Felder. Siehe dazu auch Nestmann/Engel/Sickendiek 2007, S. 1145:

„Beratende müssen sich mit eigenen Verlust- und Trauererfahrungen auseinander gesetzt haben und in

der Lage sein, eigene Trauer, die durch die Beratungs- [...] Inhalte ausgelöst werden“ können, zu

erkennen und damit umzugehen.

[46] „Nach heutigen Erkenntnissen besteht kein Zweifel daran, dass die Neandertaler […] verstorbene

Angehörige bestattet haben. […]. Inwieweit ein Begräbnis schließlich die Vorstellung eines Lebens

nach dem Tod voraussetzt [...] wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. […] Angesicht der verschie-

denartigen Erscheinungsformen menschlicher Überreste aus dem Paläolithikum muss offenbar von

differenzierten Praktiken der Totenbehandlung ausgegangen werden“ (Wahl 2011 S. 47). Weitere

Beispiele zum Totenkult des modernen Homo sapiens ab dem Paläolithikum finden sich dort.

[47] Dort wird auf die „rites des passage“ [Übergangsriten/C.M.] des französischen Ethnologen Arnold

van Gennep (1873-1957) verwiesen. Bei ihm ist der Übergang durch eine drei­stufige Struktur gekenn-

zeichnet:

1. Trennung von einem Status (Separation);
2. Übergangszustand (Transition);
3. Eingliederung in einen neuen Status (Inkorporation).

Im Bereich der Trauerliteratur wird diese Struktur wieder aufgegriffen. Dort spricht man von der

Trauer als Übergangs- und Wandlungserfahrung: „So, wie der Trauernde sich von ihm [dem Toten/

C.M.] lösen muss und die lebendige Beziehung in Erinnerung verwandeln muss, so muss der Tote

sich in der Vorstellung der Völker aus der Welt der Lebenden lösen und in einer jenseitigen Welt

seinen Ort finden“ (Gösken 2003, S. 47).

[48] Vergleiche dazu auch: Dezernat 1990, Klimkeit 1978 sowie Schopf 2007.

[49] Die Zuordnungen zu den einzelnen Bereichen sind nicht immer eindeutig. Oftmals berührt ein Thema

zwei oder gar mehrere Bereiche. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern

gibt nur Beispiele und zeigt Verknüpfungen auf.

[50] Wikipedia Artikel “Death Education und Thanatology” vom 4.10. 2012 (www.wikipedia.com): “Death

education is education about death that focuses on the human and emotional aspects of death. Though it

may include teaching on the biological aspects of death, teaching about coping with grief is a primary

focus. A specialist in this field is referred to as a thanatologist”.

[51] “[…] death was commonly said to be a taboo topic […]. Gorer (1965) went so far as to say that death

had changed places with sex, and that death was the “new pornography” (Corless/Germino/Pittmann

2003, S. 103).

[52] Wikipedia Artikel “Thanatologie” / www.wikipedia.com vom 6.10. 2012.

[53] „DE arose along with an academic interest in death in the mid-1950s, specifically with Herman Feifel’s

1959 Book, The Meaning of Death” (The Past, Present and Future of Death Education, o.A., am

8.8. 2012 unter: www.JBLearning.com/samples/0763743267_17_Pass1.PDF.)

[54] „Soziale Institutionalisierung meint die (im weitesten Sinne) organisatorischen Strukturen: Forschungs-

organisation, Institutionalisierung von Lehre, Kommunikation, Interaktion. Die kognitive Institutionali-

sierung meint die inhaltliche Struktur: Konzepte, Fragestellungen, theoretische Ansätze, methodische

Vorgehensweisen“ (Spiegel-Rösing 1984, S. 13).

[55] Mit der „Bewegung des Todesbewusstseins (death awareness movement) in den USA wurde „eine

Spezialisierung und Professionalisierung der Todesthematik analog der Entwicklung in den Bereichen

Sexualität, Gesundheit, Ernährung u.a.“ angestrebt (Wittkowski 2012, S. 72f.).

[56] „[…] Daniel Leviton (The Scope of Death Education 1977) identified the goals of death education and

defined Death education as a developmental process in which death-related knowledge and the

implications resulting from that knowledge are transmitted. He identified the following goals of death

education: primary prevention (preparing individuals for eventual death events), intervention (helping

people face personal aspects of death) and rehabilitation (understanding and learning from death-

related crises. More specific goals included promoting comfortable interactions with the dying,

removing taboos, and reducing anxiety” (The Past, Present and Future of Death Education, o.A.

am 8.8. 2012 unter: www.JBLearning.com/samples/0763743267_17_Pass1.PDF).

[57] Dies ist eine der Referenzen zu Organisationen beim Stichwort „Death Education“ in

www.wikipedia.com (vom 6.10. 2012). Die andere ist das „National Center for Death Education.“

[58] “In 1976, a group of interested educators and clinicians organized the Forum for Death Education and

Counseling. Over the years, the organization grew to become the Association for Death Education and

Counseling® (ADEC). ADEC is the oldest interdisciplinary organization in the field of dying, death

and bereavement. ADEC’s primary goal is to enhance the ability of professionals and laypeople to be

better able to meet the needs of those with whom they work in death education and grief counseling.

As a nonprofit organization, the membership is made up of educators, counselors, nurses, physicians,

hospital and hospice personnel, mental health professionals, clergy, funeral directors, social workers,

philosophers, psychologists, sociologists, physical and recreational therapists, health well-being

specialists and volunteers. All persons are welcome to join regardless of color, national origin, creed

or gender. ADEC works to promote and share research, theories and practice in dying, death and

bereavement” (http://www.adec.org//AM/Template.cfm?Section=Home# (4.10.2012)). Siehe auch:

Wogrin/Thornton/Meagher 2007, S. 395. Darin finden sich ab S. 387 weitere wichtige Organisationen

in den USA.

[59] „Omega - Journal of Death and Dying provides articles on terminal illnesses, dying, and the grief pro-

cess. […] this journal is recognized for scholarship on issues related to death and dying and serves to

assist mental health professionals in working in crisis management.” (Wogrin/Thornton/Meagher,

2007, S. 398).Webseite siehe unter: http://www.baywood.com/journals/PreviewJournals.asp?Id=0030-

2228 (9.10. 2012).

[60] „Death Studies is a professional journal that publishes articles on bereavement counseling, research,

education, Care of the dying, an ethics. Contributors include professors, clinicians, nurses, and

medical doctors” (Wogrin/Thornton/Meagher, 2007, S. 399). Webseite siehe unter:

http://www.tandfonline.com/action/aboutThisJournal?journalCode=udst20 (9.10.2012).

[61] Übersetzung direkt nach: Corr,/Nabe/Corr 2006, S. 9f .

[62] Die hilfreiche Funktion wird auf der persönlich-individuellen, auf der institutionellen und auf der

gesellschaftlichen Ebene gesehen (Huck/Petzold, 1984, S. 504).

[63] Definition: USTT bezeichnet „im weitesten Sinne […] alle erzieherischen Maßnahmen und

Erfahrungen mit Bezug zu Sterben, Tod und Trauern, durch die ein Lernender in irgendeiner Weise

ein Verständnis davon erhält, was es mit diesen Vorgängen bzw. Sachverhalten auf sich hat.

(Wittkowski 2012, S. 64).

Ziele: Als Ziel von USTT wird die „Verbesserung der Lebensqualität des Individuums und seiner

Bezugspersonen gesehen (ebd. S. 65).

Vermittlungsweisen: Bei der Unterrichtung im Rahmen der USTT selber können vier Vermittlungs-

weisen beschritten werden: eine kognitive bzw. rationale Vermittlung, eine affektive Vermittlung,

eine verhaltensrelevante und eine wertorientierte Vermittlung (ebd.).

[64] Der Begriff der Thanatagogik wurde 1965 von Hilarion Petzold eingeführt (Huck/Petzold, 1984,

S. 502).

[65] „Die Notwendigkeit einer systematischen Auseinandersetzung mit den Themen „Sterben und Tod“ in

allen Bereichen der Pädagogik lässt sich nur vor dem Hintergrund komplexer sozialer Entwicklungen

verstehen, die unsere Gesellschaften in den letzten beiden Jahrhunderten zutiefst verändert haben.

Diese Prozesse haben dazu geführt, dass Sterben und Tod an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt,

funktionalisiert und in spezifisch dafür eingerichtete Institutionen abgeschoben wurden. Erst in den

50er Jahren begann sich in Amerika eine Reaktion auf diese Entwicklung abzuzeichnen.“

(Ebd., S. 501).

[66] Selbst die Koautorin von Hilarion Petzold, Karin Huck, hält den Begriff wegen der „Probleme

des entlegenen Fremdwortes“ für ungeeignet. Sie verwendet stattdessen lieber den Begriff der

„Sterbeerziehung“ (ebd., S. 501ff.).

[67] Recherche am 2.10. 2012, die Treffermenge war gleich Null. Der Verweis erfolgte gleich auf die

Thanatologie. Auch der Begriff der Sterbeerziehung ist nicht von Treffermengen verwöhnt. Beide

Begriffe sind m.E. nicht mehr in Gebrauch.

[68] Unterstreichung dient als Hinweis auf den Bezug zu „DE“ unter Punkt 4.2.1.

[69] Der Begriff der Thanatotherapie wird als „Kurzbezeichnung für alle Formen der psycho-sozialen

Intervention bei Menschen, die von Sterben und Tod betroffen sind“, benutzt. (Spiegel-Rösing/Petzold

1984, S. 9).

[70] Schließlich entstand zunehmend auch Interesse an einer pädagogisch-psychologischen Umsetzung

dieser Thematik“ (Huck/Petzold 1984, S. 501).

[71] Unterstreichung dient als Hinweis auf den Bezug zu „DE“ unter Punkt 4.2.1.

[72] Trauerberatung und Trauerbegleitung werden in der Literatur und in den Bildungsangeboten oftmals

fast gleichgesetzt. Meist ist dann die Trauerberatung ein Unterfeld der Trauerbegleitung oder wird

ganz einfach nur als die allgemeine Beratung zu einem weitergehenden Angebot und nicht als eigen-

ständiger Bereich gesehen.

[73] Im Jahre 1997 wurde an der Universität Regensburg am Lehrstuhl für Pastoraltheologie das Projekt

Trauerforschung/Trauerbegleitung etabliert. Neben der universitären Forschung bestehen hier auch

Fortbildungsmöglichkeiten für Pastoralberufe und Bestatter. (Lamp/Smith 2007, S. 1148).

[74] www.trauerinsitut.de (1.10.2012) „Das TID sieht sich als Schnittstelle verschiedener Institutionen in

Deutschland, die sich mit dem Thema Trauer befassen und Trauerbegleiter ausbilden. Wir versuchen

zwischen den verschiedenen Einrichtungen zu vermitteln und sehen die Kooperation mit diesen als

notwendigen und wichtigen Bestandteil unserer Arbeit an. Als Initiator und Mitglied der "Bundes-

arbeitsgemeinschaft Qualifizierung zur Trauerbegleitung" (2002-2008), der heute Bundesverband

Trauerbegleitung heißt, hatte das TID Anteil an den im Januar 2007 verabschiedeten bundeseinheitli-

chen Standards für Qualifizierungskurse zur Trauerbegleitung. Die TID-Curricula waren unter

anderem Grundlage für diese Standards und entsprechen ihnen selbstverständlich.“

[75] So bietet zum Beispiel ein Bestatter aus Bitburg seine Dienstleistung unter den Begriffen „Trauer-

beratung & Bestattung“ an. In den verschiedenen Leistungen wird auch das Beratungsgespräch extra

aufgeführt. Hier wird also die Trauerberatung an die natürliche Dienstleistung eines Bestatters

angefügt, der selbstverständlich seine Dienstleistung dem Kunden in einem Beratungsgespräch anbie-

ten muss. Link unter: http://www.leuschen.de/startseite.html (1.10.2012).

Im Bereich der Seelsorge findet sich zum Beispiel am Medizinischen Zentrum Städteregion Aachen

das Angebot der Trauerberatung bei der evangelischen Seelsorge. Sie beschreibt ihre Hilfe mit

folgenden Worten: „ . Die Trauerberatung von Pfr. Maas ist eine Hilfe für Menschen, die aus unter-

schiedlichen Gründen mit dem Tod eines nahestehenden Menschen - auch nach Jahren - nicht fertig

werden und deren Leben seitdem von der Suche und der Sehnsucht nach dem/der Verstorbenen

bestimmt ist. Trauerberatung soll nicht die Trauer nehmen, sondern sie versucht, die Lebenskrise und

den Übergang in ein anderes Leben ohne den verlorenen Partner während der Trauer zu begleiten und

zu erleichtern, sowie zu verhindern, dass sie zu ernsten Erkrankungen führen.“

Link unter: http://www.mz-ac.de/de/seelsorge/evangelische-krankenhausseelsorge/trauerberatung

(1.10. 2012).

Im psychotherapeutischen Bereich gibt es Trauerberatungsangebote, die sich zum Beispiel

folgendermaßen vorstellen: „Trauern ist eine elementare menschliche Fähigkeit wie lieben, hassen.

[…] Trauer ist keine Krankheit, sondern der psychische Prozess nach dem Verlust eines geliebten

Menschen. Der Ausdruck von Trauer ist individuell sehr unterschiedlich, dennoch vergleichbar. Der

Weg durch die Trauer ist bei jedem Menschen einzigartig so wie er selbst. Trauer ist Schwerstarbeit

für Psyche und Körper. Ich kann Sie unterstützen, Ihren eigenen Weg durch die Trauer zu finden und

diese mit Ihnen auszuhalten.“ Link unter: http://www.meier-braun.eu/trauer.htm (2.10.2012).

[76] Dies sind zum Beispiel ErzieherInnen, Krankenschwestern, Pfleger, Altenpfleger/Innen etc. (ebd.).

Beratungskontexte für Trauer finden sich auch beim Mediziner in seiner Sprechstunde, beim Bestatter,

Seelsorger, Erziehern, Sozialarbeitern usw. (ebd., S. 1142f.).

[77] Bei der präventiven Rolle ist die Hauptfunktion, dabei behilflich zu sein, die bevorstehenden

Veränderungen in der persönlichen und sozialen Welt zu antizipieren. Bei der heilen den Rolle kann

die Beratung Krankheiten verhindern oder der erhöhten Krankheitsanfälligkeit entgegenwirken.

[78] Pädagogische und didaktische Überlegungen, den örtlichen Friedhof in den Schulunterricht als Lernort

und unter Verwendung des Begriffs der Friedhofspädagogik zu benutzen, sind mir in meiner Recher-

che seit dem Jahre 2007 vorgekommen.

Unter:http://www.erinnern.at/bundeslaender/wien/unterrichtsmaterial/der-judische-friedhof-als-

lernfeld findet sich das Projekt „Der jüdische Friedhof als Lernfeld - Wie kann der jüdische Friedhof

in den Unterricht eingebaut werden. Didaktische Überlegungen von Robert Streibel, August 2007.

[79] Michael Wolf beschreibt die Friedhofspädagogik als ein „religionspädagogisch verantwortetes Konzept

für eine Praxis der Friedhofsbegehung“ (Wolf 2011, S. 203).

[80] „Der innere Leitfaden der Untersuchung sind die Fragen nach erfüllten Leben, Tod und Ewigkeit“.

Michael Wolf in: http://etf.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/fak_etf/Newsletter/newsletter-nachlese/

2011-7/Newsletter_07-2011.pdf (27.9. 2012). Newsletter der Universität Wien. Juli 2011.

[81] Zwei Beispiele sollten dafür stehen. Erstens das Angebot des Kirchenkreises Ploen-Segeberg „Unsere

Friedhöfe sind Lernorte für das Leben und die Grenzen des Lebens. Wir möchten Ihnen ihre Zeichen-

sprache erschließen. Wir bieten für Schulklassen und andere Gruppen Führungen an.“ Text unter:

http://www.kirchenkreis-ploen-segeberg.de/glaube/friedhofspaedagogik/index.html (27.9.2012);

zweitens das inhaltlich gleichartige Angebot des Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen

und Lippe e.V.; Text unter: http://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/nachrichtenportal/

nachricht.jsp?nid=186697 (27.9. 2012).

[82] Die Friedhofspädagogik hat mittlerweile auch die Universität erreicht. Am Institut für Theologie

und Religionswissenschaften der Leibniz Universität Hannover wird im SS 2012 ein Seminar zum

Thema Friedhofspädagogik angeboten. Angekündigt wird es mit u.a. den Worten: „Dabei gibt es auch

hier viele Ausdrucksformen gelebter Religion zu entdecken, besondere Atmosphäre zu erspüren und

existentielle Fragen zu beantworten.“ Text unter: http://www.uni-hannover.de/imperia/md/content/

dezernat6/downloadvv/sose2012/luh_vv_20121_institut_fuer_theologie_und_ religionswissen

schaft.pdf (27.9.2012).

[83] Die religiösen Bezüge sind in der Architektur, in den Grabanlagen, Grabsteinen, Symbolen, Bepflan-

zungen, Beschriftungen auf dem Friedhof vorhanden.

[84] „In der Wahrnehmung von und durch die Beschäftigung mit den Fragen nach Leben und Tod, Sterben,

Auferstehung und ewigem Leben können Einsichten zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer

gewonnen werden und kann etwas erkennbar und einsichtig werden von dem, was erfülltes Leben im

christlichen Verständnis meint“ (ebd., S. 203).

[85] „Man merkt das bei Besuchen an einer anderen Sprache und Körperhaltung. Weniger das Reden über

die Details des Friedhofs als das Wahrnehmen und Aufnehmen der Stimmung und der Eigenart des

Ortes prägen das Verhalten“ (Henn 2007, S. 185).

[86] Die Friedhofspädagogen sehen in heutiger Zeit überwiegend die „Fremdheit religiöser Inhalte und

Formen“ […]. Sie gehen aus von anschaulichen und begreifbaren Gegenständen und Zeichen

christlichen Glaubens und suchen diese zu lesen und zu verstehen. Im Unterschied zu einer historisch-

genetisch angelegten, überwiegend monologischen Führung geht es Kirchen- und Friedhofspädagogik

um eine aktive und ganzheitliche Erschließung der Phänomene. Eine entscheidende Rolle spielt das

Wahrnehmen. Verstehen - so dieser Ansatz - gründet in Sehen, Tasten, Hören, Befühlen, Bewegen,

Erleben, Beschreiben, Experimentieren. Soll es zum Verstehen kommen, müssen Deutungen und

Wahrnehmungen konvergieren.“ Rupp, Hartmut: Evangelische Bildungsarbeit in Schule und

Gemeinde. Vortrag auf dem Theologischen Forum Pastoralkolleg, Loccum 6.8.2010.

Text unter: (29.9.2012). http://www.ekiba.de/download/Bildung_und_ Gemeindeentwicklung_

Ergebnis_Loccum_06-08-10.pdf.

[87] Für den Begriff USTT findet man bei Google noch keine Treffer. (3.10.2012)

[88] Unterstreichung dient als Hinweis auf den Bezug zu „DE“ unter Punkt 4.2.1.

[89] „Kernthemen sind die Einstellungen zu Sterben und Tod, der Prozess des Sterbens einerseits und des

Trauerns andererseits sowie die Begleitung und Betreuung von Menschen, die von Sterben und Tod

direkt oder indirekt Betroffen sind, aber auch Euthanasie, Abtreibung, künstliche Verlängerung des

Lebens und Suizid.“ (Ebd.).

[90] Unterstreichung dient als Hinweis auf den Bezug zu „DE“ unter Punkt 4.2.1.

[91] „Diesen Zielen entsprechend wird der (erhoffte) Nutzen der USTT darin gesehen, den Teilnehmenden

ihre Kontrollmöglichkeiten und deren Grenzen, ihre Verletzlichkeit versus Widerstandsfähigkeit sowie

die Frage nach dem Sinn ihres Lebens und seiner Qualität bewusst zu machen.“ (Ebd.).

Ende der Leseprobe aus 190 Seiten

Details

Titel
Der pädagogische Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
190
Katalognummer
V233232
ISBN (eBook)
9783656499114
ISBN (Buch)
9783656499893
Dateigröße
2309 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trauerberatung, Trauerbegleitung, Unterricht, Geschichte des Todes, Death Education, Thanatagogik, Friedhofspädagogik, Unterricht Sterben Trauer Tod, Unterricht Beratung Begleitung Sterben Trauer Tod UBB/STT, USTT, UBBSTT
Arbeit zitieren
Claus Maywald (Autor), 2013, Der pädagogische Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233232

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der pädagogische Umgang mit Sterben, Tod und Trauer


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden