Die vorliegende Arbeit ist von ihrer Entstehung und Ausführung her die Darstellung eines „Annäherungsprozesses“, um sich Klarheit darüber verschaffen, welche Aufgaben die Pädagogik im Bereich von Sterben, Tod und Trauer besitzt.Dabei dokumentiert die Arbeit die einzelnen Etappen und Auseinandersetzungen. Sie ist eine erste Fundierung, kein fertiges Konzept.
Aufbauend auf das, was mir im Lauf der Recherche von der Pädagogik zum Thema bekannt wurde, konnten drei Felder bestimmt werden, welche für das Vorhaben relevant waren. Die gefundenen Bereiche Vermittlung, Beratung und Begleitung werden in ihrem allgemeinen Charakter dargestellt, um darauf aufbauend zu der jeweiligen Schwerpunktsetzung im Bereich von Sterben, Tod und Trauer zu gelangen. Daneben war es wichtig, mein Selbstverständnis als Pädagoge in diesem Bereich durch eine historische und eine philosophisch-pädagogische Argumentation zu stärken.
Damit sind das allgemeine und das spezielle Ziel der Arbeit umrissen. Ich will dem eigenen Selbstverständnis und Handeln als Pädagoge im Bereich von Sterben, Tod und Trauer sowohl Begründung, Rechtfertigung als auch Kontur verleihen, um die Pädagogik als eine der Professionen zu sehen, die selbstverständlich, neben und auf Augenhöhe mit der Psychologie dort tätig ist. Denn die Pädagogik organisiert nicht das Warte¬zimmer der Psychotherapeuten und Psychologen - die Pädagogen haben ihre eigene Sprechstunde. Was sie darin treiben, versucht diese Arbeit näher zu beschreiben.
Dieses Unterfangen darf gerne auch als „molekularer“ Beitrag dafür angesehen werden, auf dem Gebiet von Sterben, Tod und Trauer, insbesondere der Trauerbegleitung, das Feld der Pädagogik gegenüber der Psychologie etwas klarer in Position zu bringen. Die bis heute eindeutig psychologischedurch die Psychologisierung gerade im Bereich der Trauer zu einer gewissen Fehlverortung von ihr und ihren Folgen. Denn die Trauer ist nicht pathologischer Natur, sie ist keine Krankheit. Sie ist eine menschliche Ressource, die in der Regel eine menschliche Begleitung, eine Beratung oder - auch mit etwas mehr innerem Abstand - Vermittlung benötigt. In den meisten Fällen muss dies nicht einmal eine professionelle Hilfe sein - hier reichen in vielen Fällen die noch in unserer Gesellschaft vorhandenen allgemein-menschlichen Kompetenzen aus. Wird dennoch professionelle Hilfe benötigt, dann bringt die Pädagogik die besten Voraussetzungen dafür mit, da sie über alle notwendigen und passenden Ressourcen verfügt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung und Eingrenzung
2.1 Literatur zum Thema pädagogischer Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
2.2 Notwendigkeit von Pädagogik und der pädagogischen Felder im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
2.3 Pädagogische Felder - ihre Fundierung und Inhalte
2.3.1 Das Feld der Vermittlung / WISSEN
2.3.2 Das Feld der Beratung / ERFAHRUNG
2.3.3 Das Feld der Begleitung / AUSHALTEN
3 Zusammenstellung
3.1 Zweites Inhaltsverzeichnis
3.1.1 Die gesellschaftliche und historische Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer
3.1.2 Die bisher pädagogisch affinen Bereiche im Thema Sterben, Tod und Trauer
3.1.3 Der geschichtliche Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und die daraus resultierende Begründung von Pädagogik
3.1.4 Die pädagogischen Felder
3.1.4.1 Die Selbstreflexion und Offenheit des Lehrenden, Beratenden oder Begleiters
3.1.4.2 Das Feld der Vermittlung
3.1.4.3 Das Feld der Beratung
3.1.4.4 Das Feld der Begleitung
4 Ausarbeitung
4.1 Gesellschaftliche und historische Themenbreite in Bezug auf Sterben, Tod und Trauer
4.1.1 Die Themenbreite als Chance der Pädagogik
4.2 Bisher pädagogisch affine Bereiche im Thema Sterben, Tod und Trauer
4.2.1 Death Education
4.2.2 Thanatagogik/Sterbeerziehung
4.2.3 Trauerberatung
4.2.4 Friedhofspädagogik
4.2.5 USTT (Unterricht Sterben Trauer Tod)
4.2.6 UBB/STT und Friedhofspädagogik als Leitbegriffe für den pädagogischen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
4.3 Geschichtlicher Umgang mit Sterben, Tod und Trauer und die daraus resultierende Begründung von Pädagogik
4.3.1 Sterben, Tod und Trauer „früher“
4.3.1.1 „Der gezähmte Tod“
4.3.1.2 „Der eigene Tod“
4.3.1.3 „Der nahe und der lange Tod“
4.3.1.4 „Der Tod des Anderen“
4.3.1.5 „Der ins Gegenteil verkehrte Tod“
4.3.1.6 Antikes Friedhofs- und Bestattungswesen
4.3.1.7 Frühchristliches Friedhofs- und Bestattungswesen
4.3.1.8 Mittelalterliches Friedhofs- und Bestattungswesen
4.3.1.9 Die Konfessionalisierung des Friedhofs in der frühen Neuzeit
4.3.1.10 Die Enteignung der kirchlichen Friedhöfe in der Neuzeit
4.3.1.11 Die Säkularisierung des Friedhofs im 20. Jahrhundert
4.3.2 Sterben, Tod und Trauer „heute“
4.3.3 Die Begründung und die Ziele pädagogischer Arbeit aus dem geschichtlichen Umgang
4.4 Pädagogische Felder
4.4.1 Die Selbstreflexion und Offenheit des Lehrenden, Beratenden oder Begleiters
4.4.2 Das Feld der Vermittlung
4.4.2.1 Vermittlung / WISSEN
4.4.2.2 Der Lehrberuf
4.4.2.3 Der Unterricht
4.4.2.3.1 Planung des Unterrichts
4.4.2.3.2 Lernziele der Unterrichtung
4.4.2.3.3 Lernprozess und Sprachkompetenz
4.4.2.3.4 Methoden und Unterrichtsformen
4.4.2.3.5 Teilnehmer und Betroffenheit
4.4.2.4 Zusammenfassung
4.4.3 Das Feld der Beratung
4.4.3.1 Beratung / ERFAHRUNG
4.4.3.2 Allgemeines Beratungswissen
4.4.3.2.1 Beratung - Definition, Einordnung und Abgrenzung
4.4.3.2.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Beratung
4.4.3.2.3 Ziel von Beratung
4.4.3.2.4 Methoden der Beratung
4.4.3.2.5 Der Berater
4.4.3.2.6 Der Beratungsprozess
4.4.3.2.7 Pädagogik und Beratung
4.4.3.3 Handlungsspezifisches Wissen
4.4.3.3.1 Trauerberatung
4.4.3.3.2 Inhalte von handlungsspezifischem Wissen
4.4.3.4 Zusammenfassung
4.4.4 Das Feld der Begleitung
4.4.4.1 Begleitung / AUSHALTEN
4.4.4.2 Die Todes- und Trauererfahrung und ihre allgemein menschlichen Konsequenzen
4.4.4.3 Der Trauerweg / Die Wegentscheidung
4.4.4.4 Die Arten der Begleitung
4.4.4.4.1 Die konsolatorisch-verstehende Begleitung
4.4.4.4.2 Die stimulierend-provokative Begleitung
4.4.4.4.3 Die reflektierend-verstehende Begleitung
4.4.4.4.4 Die evaluierend-nachgehende Begleitung
4.4.4.4.5 Die eisagogisch-hinführende Begleitung
4.4.4.5 Der Begleiter
4.4.4.6 Der Pädagoge als Begleiter / die Pädagogik als Begleitung
4.4.4.7 Zusammenfassung
5 Zusammenfassung
5.1 Pädagogik im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer Thesenhafte Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der Arbeit ist es, die Rolle der Pädagogik im Bereich von Sterben, Tod und Trauer theoretisch zu fundieren, ihr eine professionelle Kontur zu verleihen und sie auf Augenhöhe mit der Psychologie als eigenständige Profession zu etablieren, wobei insbesondere die Felder Vermittlung, Beratung und Begleitung in den Fokus rücken.
- Historische und soziologische Einordnung des Umgangs mit Sterben, Tod und Trauer
- Differenzierung pädagogischer Arbeitsfelder (Vermittlung, Beratung, Begleitung)
- Kritische Auseinandersetzung mit psychologischen und therapeutischen Vormachtstellungen in diesem Themenbereich
- Entwicklung didaktischer und methodischer Ansätze für die pädagogische Arbeit
- Begründung der Notwendigkeit einer professionellen pädagogischen Trauer- und Sterbebegleitung
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Das Feld der Vermittlung
Die Vermittlung von Inhalten in Unterricht, Seminar und Weiterbildung stellt eine der häufigsten pädagogischen Aufgaben dar. Dies gilt auch für die Themen von „Sterben, Tod und Trauer“, im folgenden „STT“ genannt. Auf den historischen Hintergrund und damit auf eine inhaltliche Grundlage bei der Vermittlung von STT sowie zur Begründung dieser Tätigkeit im Bereich der Pädagogik ist schon im Kapitel 4.3 hingewiesen worden.
Allgemeines zur besonderen Haltung der Lehrenden im Bereich von STT wurde im Abschnitt 4.4.0 erwähnt.
In diesem Abschnitt soll nun von grundsätzlichen Elementen oder Annahmen im Bereich der Vermittlung, der Didaktik und der Methodik ausgegangen werden, wie sie für Schulunterricht und Weiterbildung entwickelt wurden. Im Anschluss daran soll jeweils die Gültigkeit oder die Besonderheit für die Themen von STT betrachtet und in einem kurzen Resümee zusammengefasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor beschreibt seinen persönlichen Annäherungsprozess an das Thema und definiert das Ziel, die Pädagogik als eigenständige Profession neben der Psychologie im Bereich Sterben, Tod und Trauer zu verorten.
Einführung und Eingrenzung: Es wird die Literaturrecherche dargelegt, die verdeutlicht, dass das Thema lange Zeit primär psychologisch besetzt war und die Pädagogik erst spät eigene Begrifflichkeiten und Arbeitsfelder entwickelte.
Zusammenstellung: Die Ergebnisse der Literaturanalyse werden systematisiert und in einem „zweiten Inhaltsverzeichnis“ gegliedert, das als Grundlage für die weitere Ausarbeitung dient.
Ausarbeitung: Dieser Hauptteil analysiert die gesellschaftliche Themenbreite, die historischen Entwicklungsphasen des Todesverständnisses und des Bestattungswesens sowie die pädagogischen Arbeitsfelder Vermittlung, Beratung und Begleitung im Detail.
Zusammenfassung: Eine thesenhafte Aufbereitung fasst die zentralen Erkenntnisse über die Notwendigkeit, Historizität und Professionalisierung der Pädagogik im Themenfeld zusammen.
Schlüsselwörter
Sterben, Tod, Trauer, Pädagogik, Vermittlung, Beratung, Begleitung, Thanatagogik, Death Education, Friedhofspädagogik, Trauerbegleitung, Trauerberatung, Sterbeerziehung, Selbstreflexion, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle und Aufgaben der Pädagogik im Bereich Sterben, Tod und Trauer und plädiert für eine eigenständige professionelle Positionierung der Erziehungswissenschaft in diesem Feld.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder sind die Vermittlung von Wissen, die Beratung von Betroffenen und die Begleitung in Trauerprozessen, eingebettet in einen historischen und soziologischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, dem pädagogischen Handeln in diesem Bereich Begründung, Rechtfertigung und Kontur zu verleihen, damit Pädagogen auf Augenhöhe mit Psychologen tätig werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse, einer historischen Betrachtung der „Phasen des Todes“ sowie einer systematischen Ableitung pädagogischer Interventionsformen aus bestehenden erziehungswissenschaftlichen Didaktik- und Beratungsmodellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der gesellschaftlichen Themenbreite, die Analyse historischer Wandlungsprozesse im Bestattungswesen und die detaillierte Darstellung der drei pädagogischen Felder Vermittlung, Beratung und Begleitung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den zentralen Begriffen der Trauerbegleitung und -beratung stehen „Death Education“, „Friedhofspädagogik“ und das neu vorgeschlagene Kürzel „UBB/STT“ für das pädagogische Fachspektrum.
Warum ist die Abgrenzung zur Psychologie so wichtig für den Autor?
Der Autor sieht durch die alleinige Psychologisierung des Themas die Gefahr einer Pathologisierung, während die Pädagogik als professionelle Lebensbegleitung die menschliche Ressource Trauer stützen kann, ohne sie als Krankheit zu definieren.
Welche Rolle spielt die historische Entwicklung für die pädagogische Arbeit?
Die historische Entwicklung zeigt, dass der Verlust traditioneller Rituale und die Verlagerung des Sterbens in Institutionen eine Lücke hinterlassen haben, die heute durch formelle pädagogische Lernprozesse und Begleitung gefüllt werden muss.
- Citation du texte
- Claus Maywald (Auteur), 2013, Der pädagogische Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233232