Um dem Spannungsfeld des zügellosen Konsums, verkürzter Produktlebenszyklen
und Nachhaltigkeit zu begegnen, bedarf es keinem großen Aufwand.
Es genügt bereits ein kurzer Blick auf einen typischen Büroarbeitsplatz.
Das Handy, der Laptop, die Schreibtischlampe oder der eigene Drucker
gehören wie selbstverständlich zu unserer modernen Lebenswirklichkeit.
Ebenso selbstverständlich geworden ist deren ständige Verfügbarkeit
und Ersetzbarkeit zu einem günstigen Preis. Wie nebenbei verkürzt sich
dabei ihre Lebens- und Nutzungsdauer immer weiter.
Es scheint so zu sein, als ob Langlebigkeit und Wertigkeit nicht mehr gefragt
sind. Produzieren und Kaufen für den Müll ist in vielen Bereichen unserer
Konsumgesellschaft offenbar zur Maxime geworden.
Dabei liegt auf der Hand, dass der steigende Konsum des einzelnen Weltbürgers
einerseits und die parallel insgesamt strak zunehmende Weltbevölkerung
andererseits, zu erheblichen Problemen führen werden. Viele der
Ressourcen, die zur Befriedigung der unstillbaren Nachfrage nach Konsumgütern
jeglicher Art verbraucht werden, sind vergleichsweise in nur sehr
begrenztem Maße vorhanden.
Erschwerend kommt hinzu, dass seitens der produzierenden Unternehmen
die Lebensdauer der Konsumgüter künstlich verkürzt wird oder eine Reparatur
erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht wird.
Werden diese „Träger“ von begrenzten Ressourcen und Energie nun zu Abfall
und im Zuge dessen beispielsweise verbrannt, gehen sie zu großen Teilen
unwiederbringlich verloren.
Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung
2 Wege zur Nachhaltigkeit
2.1 Begriff der Nachhaltigkeit
2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.2.1 Ökologische Nachhaltigkeit
2.2.2 Ökonomische Nachhaltigkeit
2.2.3 Soziale Nachhaltigkeit
2.2.4 Kritik am „Drei-Säulen-Modell“
2.3 Nachhaltigkeit in der Verantwortung von Konsumenten, Herstellern und Regierungen
3 Der zügellose Konsum
3.1 Der kritische Konsument
3.1.1 Moralisch motivierter verantwortlicher Konsum
3.1.2 Politisch motivierter verantwortlicher Konsum
3.1.3 Von nachhaltiger Entwicklung motivierter verantwortlicher Konsum
3.2 Der verantwortliche Konsument
4 Verkürzte Produktlebenszyklen – Geplante Obsoleszenz
4.1 Geplanter Verschleiß als medialer Aufhänger für Themen nachhaltiger Entwicklung
4.2 Historische Hintergründe
4.3 Kürzer werdende Produktlebenszyklen bei Konsumgütern
4.4 Dimensionen der geplanten Obsoleszenz
4.4.1 Bewusst herbeigeführter vorzeitiger Verschleiß
4.4.2 Obsoleszenz durch Modezyklen
4.4.3 Billigend in Kauf genommener Verschleiß
4.5 Konkrete Beispiele für geplante Obsoleszenz
4.6 Geplante Obsoleszenz und ihre Nutznießer
5 Die Abfallproblematik
5.1 Möglichkeiten der Entstehung von Abfall
5.2 Historische Dimensionen
5.2.1 Umgang mit Fäkalien seit dem Mittelalter
5.2.2 Anfänge der Mülltrennung und Verwertung
5.2.3 Hauptformen der Müllbeseitigung: Deponierung und Verbrennung
5.2.4 Entwicklung der deutschen Kreislaufwirtschaft und Abfallgesetzgebung
5.3 Abfallaufkommen in der Bundesrepublik Deutschland
5.4 Aktueller Umgang mit Hausmüll
5.4.1 Hausmüllbeseitigung in Deutschland
6 Der „Cradle to Cradle“- Ansatz
6.1 Bedeutung und Möglichkeiten von „Cradle to Cradle“
6.2 Erste Erfolge und konkrete Anwendungen von „Cradle to Cradle“
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der modernen Konsumgesellschaft, der Problematik verkürzter Produktlebenszyklen und der daraus resultierenden Abfallproblematik, um Wege zu einer nachhaltigeren Ressourcennutzung aufzuzeigen. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die Möglichkeiten und Schwächen des aktuellen linearen Wirtschaftssystems sowie die Identifizierung zukunftsfähiger, ganzheitlicher Ansätze.
- Analyse des Nachhaltigkeitsbegriffs und der verschiedenen Dimensionen (Ökologie, Ökonomie, Soziales).
- Untersuchung von Konsummustern und der Verantwortung verschiedener Marktakteure.
- Kritische Auseinandersetzung mit der geplanten Obsoleszenz und ihren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.
- Bewertung der historischen und aktuellen Abfallwirtschaft in Deutschland.
- Gegenüberstellung des linearen Abfallmodells mit dem ganzheitlichen „Cradle to Cradle“-Ansatz.
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Bewusst herbeigeführter vorzeitiger Verschleiß
Für diese schwerwiegendste Art der geplanten Obsoleszenz gibt es verschiedene mehr oder weniger aktuelle Belege.
Besonders dramatisch stellt sich ein frühes Beispiel dar. Mit der Erfindung der Glühbirne ging zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch ihre industrielle Herstellung und Vermarktung einher. Die Lebensdauer einer konventionellen Glühbirne betrug zirka 2500 Stunden. Diese Zeitspanne erschien den Herstellern zu lang. Die Reduzierung der Lebensdauer versprach höheren Gewinn und größeren Einfluss auf die Verbraucher. Die damals den betreffenden Markt beherrschenden Konzerne Osram, Philips und General Electric verständigten sich darauf, die Lebensdauer ihrer Glühlampen auf 1000 Stunden zu begrenzen. Daraufhin wurden die Birnen so modifiziert, dass sie eine Lebensdauer von 1000 Stunden nicht überschritten. Die Firmen kontrollierten sich hier gegenseitig und belegten sich mit Vertragsstrafen, wenn die Glühbirnen länger hielten als verabredet. Das Kartell flog allerdings auf und wurde aufgelöst.
Neben diesem recht frühen Beispiel findet sich im Zusammenhang mit der Firma „Apple“ ein umso aktuelleres. Ein sehr eindeutiges Indiz für geplanten Verschleiß ist es, den Akkumulator eines Gerätes in einer untrennbaren Einheit mit dem Produkt zu verbinden. Im Laufe der Zeit, vorzugsweise der Zeitspanne der gesetzlichen Garantie, verliert der Akku zunehmend an Leistung und stellt dann seinen Betrieb ein.
Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Gerät um eine untrennbare Einheit handelt, ist es von dem Hersteller nicht vorgesehen, dass der Akku getauscht werden kann. Weil die Firma „Apple” eben diese Praktik bei einem ihrer ersten „iPods“ anwendete, wurden sie im Jahre 2003 in Form einer Sammelklage in den USA auf die Einrichtung eines Austauschservices für ihre Akkus verklagt. Aktuelle Berichte über die neueren Produkte dieser Firma lassen vermuten, dass sich an dieser Praktik jedoch nicht viel geändert hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hinführung: Diese Einleitung führt in das Spannungsfeld von zügellosem Konsum, verkürzten Produktlebenszyklen und der daraus entstehenden Abfallproblematik ein.
2 Wege zur Nachhaltigkeit: Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte und die Dimensionen des Nachhaltigkeitsbegriffs sowie die Verantwortung der verschiedenen Marktakteure.
3 Der zügellose Konsum: Hier wird das Bedürfnis nach modernem Konsum kritisch diskutiert und die verschiedenen Motivationen des verantwortlichen Konsumenten klassifiziert.
4 Verkürzte Produktlebenszyklen – Geplante Obsoleszenz: Das Kapitel analysiert die Strategien der Industrie, Produkte künstlich in ihrer Lebensdauer zu verkürzen, und zeigt deren mediale sowie praktische Relevanz auf.
5 Die Abfallproblematik: Eine Untersuchung der historischen und aktuellen Abfallwirtschaft in Deutschland, inklusive des Umgangs mit Müll und der gesetzgeberischen Ansätze.
6 Der „Cradle to Cradle“- Ansatz: Dieser Teil stellt den ganzheitlichen Ansatz von Braungart und McDonough als Gegenentwurf zur linearen Abfallwirtschaft vor.
7 Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, unser lineares System zugunsten ganzheitlich nachhaltiger Konzepte zu verändern.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Konsumgesellschaft, geplante Obsoleszenz, Abfallproblematik, Cradle to Cradle, Kreislaufwirtschaft, Umweltbelastung, Ressourcenknappheit, Produktlebenszyklen, Verbraucherverhalten, Ökologie, Ökonomie, Soziales, Nachhaltige Entwicklung, Abfallwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die negativen Auswirkungen der modernen Konsumgesellschaft auf Mensch und Umwelt, wobei der Fokus auf dem linearen Lebenszyklus von Produkten und der daraus resultierenden Abfallproblematik liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition und Dimensionen der Nachhaltigkeit, die verschiedenen Ausprägungen des Konsums, die Praktiken der geplanten Obsoleszenz sowie Strategien zur Müllvermeidung und ganzheitliche Konzepte wie „Cradle to Cradle“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie verkürzte Produktlebenszyklen unsere Umwelt belasten, und anhand von Beispielen sowie Alternativkonzepten Wege für ein verantwortungsvolleres Wirtschaften zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, der Auswertung bestehender Studien sowie der Heranziehung aktueller Beispiele aus der Wirtschaft und der Medienberichterstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des zügellosen Konsums, die Analyse der geplanten Obsoleszenz mit ihren verschiedenen Dimensionen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der deutschen Abfallproblematik und Kreislaufwirtschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Nachhaltigkeit, geplante Obsoleszenz, Konsumgesellschaft, Abfallproblematik, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
Wie definiert der Autor das Konzept der „geplanten Obsoleszenz“?
Der Autor versteht darunter die bewusste und teils manipulative Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch Hersteller, um den Konsum künstlich anzuregen und Kunden zu Neukäufen zu bewegen.
Was unterscheidet den „Cradle to Cradle“-Ansatz vom herkömmlichen Recycling?
Im Gegensatz zum klassischen linearen Abfallkonzept, das lediglich versucht, den Prozess effizienter zu gestalten, zielt „Cradle to Cradle“ darauf ab, Produkte von Beginn an so zu designen, dass sie in biologischen oder technischen Kreisläufen ohne Qualitätsverlust verbleiben.
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- Hannes Buschenlange (Author), 2013, Konsumgesellschaft und Wege zur Nachhaltigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233432