Was ist Demokratie? Ludwig von Mises und Karl R. Popper im Vergleich.


Seminararbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ludwig von Mises’ Verständnis von Demokratie

2. Karl R. Popper’s Verständnis von Demokratie

3. Vergleich beider Theorien

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Was ist Demokratie?“ lautet die Leitfrage dieser Arbeit. Zur Beantwortung sollen in dieser Arbeit die Ideen und Thesen von Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises und dem Philosophen Karl. R. Popper untersucht werden.

Zieht man ein Lexikon zu Rate, wird Demokratie als eine Staatsform definiert, in der alle Staatsgewalt von der Mehrheit des Volkes ausgeht.[1] Das heißt, eine von der Wählermehrheit bestimmte Regierung hat für die Zeit einer Wahlperiode die gesetzgebende Gewalt und kann notfalls Mittel und Wege anstrengen, um geltende Gesetze und Regeln durchzusetzen. Unter diesem Gesichtspunkt drängt sich die Frage auf, wie sich die Idee der Mehrheitsregierung in Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder den USA noch halten kann. Ist die Tatsache, dass sich bei den Bundestagswahlen in der BRD seit ihrer Gründung 1949 die Wahlbeteiligung stets bei rund 70 bis 80% der Wahlberechtigten eingepegelt hat ein Argument gegen eine Demokratie? Immerhin scheinen sich 35% der Ostdeutschen bei der Bundestagswahl 2009 gegen eine Teilnahme entschieden zu haben.[2] Kann man diese Entscheidung auch als eine Entscheidung gegen das „System Demokratie“ sehen? Und wenn ja, was würde das über die Demokratie und ihre Bedeutung aussagen?

Schaut man einmal über den „großen Teich“ und zu den gerade stattgefundenen US-Präsidentschaftswahlen 2012, zeichnet sich ein noch stärkerer Trend ab. Obwohl sich die USA immer als eines der demokratischsten Länder der Welt darstellt und Kriege führt um, eigenen Aussagen zufolge, diktatorische Systeme abzuschaffen und die Demokratie in diesen Ländern zu etablieren, zeigen die Zahlen der Wahlbeteiligungen scheinbar ein anderes Bild. Mit zwischenzeitlichen Hochs von bis zu 82% seit Einführung der Präsidentschaftswahlen in 1828, pendelt sich die durchschnittliche Wahlbeteiligung hier im gleichen Beobachtungszeitraum bei nur rund 56% ein.[3] Auch bei Obama’s Wiederwahl dürften Prognosen zufolge nur ungefähr 57% der wahlberechtigten Amerikaner an die Wahlurnen getreten sein.[4] Ist dies ein Zeichen mangelnden Rückhalts für die Demokratie im Volk oder einfach nur politische Verdrossenheit? Braucht die Demokratie nicht einen höheren Zuspruch im Volk, um bestehen zu können? Besteht eventuell sogar die Gefahr, dass die Demokratie sich selber abschaffen könnte?

Um diese Fragen klären zu können, werde ich in dieser Arbeit die Denkweisen von Mises und Popper zum Thema „Demokratie“ erörtern. Im ersten Kapitel werden die Standpunkte und Thesen Mises dargelegt. Welche Ansichten hatte er zum Thema Regierungsform und was war ihm dabei wichtig? Worauf legte er besonderen Wert und worauf weniger? Im anschließenden Teil wende ich mich den Auffassungen Poppers zu. In seinem Werk Die offene Gesellschaft und ihre Feinde erläutert er seine Vorstellungen zum Thema Demokratie, indem er Aussagen Platon’s teils widerlegt und revidiert.

Nachdem in Kapitel 1 und 2 die jeweiligen Standpunkte erläutert wurden, werde ich diese im 3. Kapitel vergleichend betrachten. Wo finden sich Unterschiede und wo Gemeinsam-keiten? Haben beide Theorien Anknüpfungspunkte? Waren beide Autoren grundsätzlich gleicher Auffassungen oder haben sie zwei verschiedene Vorstellungen von Demokratie gehabt? Mit einer abschließenden kurzen Zusammenfassung der gefundenen Erkenntnisse wird meine Arbeit enden.

1. Ludwig von Mises’ Verständnis von Demokratie

Ludwig von Mises, Vertreter der Österreichischen Schule, war ein Theoretiker des klassischen Liberalismus. Die Erfahrungen des ersten Weltkrieges hatten seine „Aufmerksamkeit auf ein Problem gelenkt, das mir (Mises, Anm.d.Verf.) von Tag zu Tag immer wichtiger erscheint, ja, das ich als das Haupt- und Grundproblem unserer Kultur bezeichnen will.“[5] Anfang des 20. Jahrhunderts erarbeitete er durch und mit seinen Werken Die Gemeinwirtschaft und Liberalismus ein Konzept, um den klassischen Liberalismus, so wie er bis dato bekannt war, in einen den aktuellen Sozialproblemen gerecht werdenden Neoliberalismus umzuformen. Immer die Leitfrage im Hinterkopf wie ein Staat aufgebaut sein müsste, damit eine Gesellschaft gut mit ihm leben könnte, äußerte er sich auch über die Bedeutung von Eigentum, Freiheit und Frieden für die Gesellschaft als Ganzes.[6] Vor allem den Punkt Frieden betreffend argumentiert Mises laut Hielscher vor allem für die Demokratie als Mittel zur Zielerreichung. Neben der Toleranz stelle sie einen Grundstein für den zu erhaltenden Frieden dar.[7] Was genau verstand Mises aber unter Demokratie und weshalb sei es seiner Meinung nach so erstrebenswert, die Demokratie in einem Staat zu etablieren und zu erhalten?

Hauptaugenmerk im Sinne einer gesellschaftlich kooperierenden Gemeinschaft müsse die Erhaltung des äußeren, aber insbesondere auch des inneren Friedens sein. Ihn zu wahren muss allein schon aus eigenem Antrieb heraus im Interesse aller Gesellschaftsmitglieder liegen. Nur durch Frieden lasse sich nicht nur der Schutz der Sondereigentümer an Produktionsmitteln, sondern auch alles bisher erreichte, wahren. Herrscht Sicherheit um besagte Eigentumsrechte, so ist es nicht nur gesellschaftlich erwünscht sondern auch für Geschäftsleute vorteilhaft, wenn sie diese ihre Mittel in den Dienst der Wertschöpfung stellen. Leistungen können erbracht und Menschen in Lohn und Brot gebracht werden. Die Wertschöpfung des Landes steigt und all seine Einwohner können von der steigenden Wohlfahrt profitieren. Sind diese Rechte aber nicht gesichert und lauert stets die Gefahr Eigentum durch z.B. kriegerische Auseinandersetzungen zu verlieren, wird der Wohlstand des Landes zurückgehen. Gemäß von Mises’ Ansichten sollten drohende Missstände, Hungersnöte und die Zerstörung aller bisher geschaffenen gesellschaftlichen Fortschritte als Folgen militärischer Konfrontationen allein schon reichen, um von deren Gebrauch Abstand zu nehmen.[8]

Um obenerwähnten (v.a. inneren) Frieden zu erhalten, ist es laut Mises erforderlich, eine bestehende Regierung an die Wünsche der Regierten ohne gewaltsame Kämpfe anpassen zu können. Dies realisiert die Demokratie durch ihre gesellschaftliche Funktion – Wahlen. Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Parteien oder Strömungen, Bürgerkriege und blutige Revolten seien mit ihr nicht mehr nötig, um ein bestehendes System absetzen zu können. Der zu installierende Wahlapparat und Parlamentarismus sorgen für einen Machtwechsel ohne gewaltsame Ausschreitungen.[9]

Auch von den Regierungsführern hat von Mises klare Vorstellungen. Eine Regierung kann nur so lange das Heft in der Hand halten, so lange sie „ auf die Zustimmung der Beherrschten rechnen kann.“[10]. Zwar sollte in einer Demokratie ähnlich wie in anderen Konstrukten auch der Beste herrschen, stellt sich hier aber dessen Findung anders dar. Anders als zum Beispiel im Zuge einer Revolution durch seine Gönner an die Macht gebracht, solle der demokratisch Erwählte durch seine Argumentations- und Redegewandtheit die Massen dazu bewegen können, ihm ihr Vertrauen zu schenken und entsprechend zu unterstützen. Auf diese Art würde ihm die Regierungstätigkeit freiwillig angedacht werden und es bedürfe keiner durch Gewalt aufgezwungenen Diktatur mehr. Wohl bringt Mises hier zwar den theoretisch möglichen Fall zur Sprache, dass eine die Gesellschaft bedrohende Gefahr die Notwendigkeit eines vor Tatendrang strotzenden und nur dem Allgemeinwohl dienenden weisen Mannes auf den Plan rufen könnte, der in dieser Notlage mit Tyrannen-ähnlichen Mitteln das Unheil abwenden und so das Volk retten möchte. Wenn diese Tat aber so sehr rechtschaffen wäre und er dafür nachträglich sogar den Rückhalt im Volke erhalten würde – warum sollte er sich dann im Vorhinein die Macht gewaltsam aneignen?[11] „Wer die Welt nach seinem Sinne regiert sehen will, muß trachten, die Herrschaft über die Geister zu erlangen.“[12] Denn man könne die Menschen nicht dauerhaft unterdrücken und ihnen ein System aufzwingen, dass sie nicht wollen. Wer dies versuche und auf dessen Basis seine Macht baue, wird so sehr viel mehr Schaden anrichten, als er Gutes bewirken könne. Stattdessen sei an Stelle des durch Gewalt an die Macht gekommenen und durch heroische Ziele geleiteten Tyrann eine schlecht arbeitende Regierung vorzuziehen, derer man sich aber ohne weiteres unkompliziert entledigen könne. Sofern die Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugt ist, dass die derzeitige demokratische Regierung und deren Ämter begleitende Personen ab- und ersetzt werden müssten, seien deren Tage gezählt. Durch demokratische Abwahl wäre hier eine unblutige Auswechslung möglich. Den Tyrann aber kann man nur durch härtere Mittel wie etwa eine Revolution oder Revolte ablösen, was wiederum Unfrieden und letztendlich Rückschritt für die Gesellschaft bedeutet.[13]

Begründet wird diese These durch von Mises unter anderem mit dem damaligen Stand der Arbeitsteilung. Noch vor dreihundert Jahren produzierten Menschen hauptsächlich für den Eigenbedarf. Jeder erledigte alles so gut er konnte. Keiner spezialisierte sich auf ein bestimmtes Gebiet. Erst mit Beginn der gesellschaftlichen Kooperation und dem arbeitsteiligen Zusammenwirken der Menschen entstanden Kräfte, die den Wohlstand der Menschen spürbar anhoben. Grundlage dessen sind aber Vertrauen in bestehende rechtliche Rahmenbedingungen und die Beständigkeit des Status quo. Werden diese wiederum durch vorgenannte Unruhen und Machtkämpfe gestört, kann eine Gesellschaft schlimmstenfalls in eine Wirtschaftssituation zurückfallen, wie sie vor der industriellen Revolution herrschte. Jedes Dorf und jede Stadt müsste sich wieder auf eine autarke Versorgung einstellen und somit auch auf Außenhandel und z.B. Luxusgüter verzichten.[14] „Die moderne arbeitsteilige Wirtschaft kann nur im ständigen Frieden aufrecht erhalten werden.“[15]

[...]


[1] Vgl. Gabler Verlag (o.J.)

[2] Vgl. Bartsch (2009; S. 1)

[3] Vgl. Peters (o.J.)

[4] Vgl. Financial Times Deutschland (2012)

[5] Mises (1978; S. 41)

[6] Vgl. Pies (2009a; S. 1)

[7] Vgl. Hielscher (2009; S. 3f)

[8] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 37)

[9] Vgl. ebd.

[10] Mises (1927, 2006; S. 40)

[11] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 40)

[12] Ebd., S. 41

[13] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 36 und S. 41) und Mises (1978; S. 43)

[14] Vgl. Mises (1927, 2006; S. 39)

[15] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Was ist Demokratie? Ludwig von Mises und Karl R. Popper im Vergleich.
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Lehrstuhl für Wirtschaftsethik)
Veranstaltung
Bachelorseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V233445
ISBN (eBook)
9783656501114
ISBN (Buch)
9783656501503
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
demokratie, ludwig, mises, karl, popper, vergleich
Arbeit zitieren
Matthias Schulz (Autor), 2012, Was ist Demokratie? Ludwig von Mises und Karl R. Popper im Vergleich., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233445

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