Die geringe Selbständigkeitsquote von Akademikern in Deutschland wird schon seit längerem von unabhängigen Experten diskutiert. Ein Diskussionspunkt ist die Anzahl der Unternehmensgründungen nach dem Besuch von hochschulischen Unterstützungsmaßnahmen für studentische Existenzgründer. Hier besteht eine hohe Diskrepanz zu der Zahl der Studenten, die diese Maßnahmen tatsächlich wahrnehmen. Die Ursache für diese Diskrepanz wird bisher in der Fachliteratur nur andeutungsweise aufgezeigt und führt u.a. zu folgenden Fragestellungen.
Was für Faktoren beeinflussen die an den Hochschulen angebotenen Maßnahmen zur
Unterstützung von Existenzgründungen? Wie können bei den Studenten gute
Gründungsideen generiert werden? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das informelle Wissen? Warum sollte zusätzlich zu den bestehenden
Qualifizierungsmaßnahmen eine Wissenswerkstatt angewendet werden?
Eine Antwort auf alle diese Fragen liefert die vorliegende Masterarbeit. Sie enthält sowohl aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse als auch ausgewählte Modelle führender Wissenschaftler in den drei Fachbereichen Gründungsforschung, Wirtschaftspädagogik und Wissensmanagement, die im weiteren Verlauf der Arbeit sukzessiv miteinander verknüpft werden.
Anhand der zahlreichen Verknüpfungen der Fachgebiete untereinander werden derzeit noch bestehende Defizite innerhalb der Existenzgründerausbildung an Hochschulen aufgezeigt und ein theoretisch fundierter Denkansatz offengelegt, der das Potential besitzt, die Nachhaltigkeit der hochschulischen Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen und perspektivisch die Selbständigkeitsquote von Akademikern in Deutschland anzuheben.
Inhaltsverzeichnis
0 Kurzbeschreibung
1 Einleitung
1.1 Kontext der Untersuchung
1.2 Problematik
1.3 Zielsetzung und Aufbau
2 Äußerer Bezugsrahmen: Gründerqualifizierung an Hochschulen
2.1 Wirtschafts- und hochschulpolitische Bedeutung
2.2 Rahmenbedingungen
2.2.1 Ebenenanalyse
2.2.2 Institutionenebene
2.2.3 Managementebene
2.2.4 Makroebene
2.2.5 Individualebene
2.3 Mikroebene
2.4 Kritische Betrachtung des äußeren Bezugsrahmens
3 Innerer Bezugsrahmen: Die Gründungsidee
3.1 Bedeutung und Definition von Gründungsideen
3.2 Quellen von Gründungsideen
3.3 Informell erworbenes Wissen – begriffliche Abgrenzung
3.4 Generierung von Gründungsideen aus informell erworbenem Wissen
3.5 Grenzen des inneren Bezugsrahmens
4 Zwischenfazit
5 Die Wissenswerkstatt
5.1 Begriffliche, historische und inhaltliche Abgrenzung
5.1.1 Zukunftswerkstatt
5.1.2 Lernstatt
5.1.3 Wissenswerkstatt
5.1.4 Abschließende Betrachtung
5.2 Ablauforganisation
5.2.1 Vorbereitungsphase
5.2.2 Beschwerde- und Kritikphase
5.2.3 Utopie- und Phantasiephase
5.2.4 Realisierungs- und Verwirklichungsphase
5.2.5 Nachbereitungsphase
5.3 Implementierung
5.3.1 Implementierungsphasen
5.3.2 Erfolgskontrolle
6 Abschließende Betrachtung
6.1 Kernpunkte der Konzeption
6.2 Grenzen der Konzeption
6.3 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die geringe Selbständigkeitsquote von Akademikern in Deutschland durch gezielte Verbesserungen der hochschulischen Existenzgründerqualifizierung erhöht werden kann. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und wie die Einführung einer „Wissenswerkstatt“ als innovative Veranstaltungsform dazu beitragen kann, informelles Wissen von Studenten effektiv in tragfähige Gründungsideen zu transformieren.
- Analyse der Rahmenbedingungen für Existenzgründungen an Hochschulen
- Untersuchung des Ideenprozesses im Kontext der Gründungsqualifizierung
- Theoretische Fundierung von informell erworbenem Wissen
- Konzeptionelle Entwicklung der „Wissenswerkstatt“
- Strategien zur Implementierung und Erfolgskontrolle von Lehrveranstaltungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedeutung und Definition von Gründungsideen
Der Gründungsidee wird in der Fachliteratur eine gewichtige Bedeutung beigemessen. Schließlich ist es nur mit einer guten Idee möglich, ein langfristig erfolgreiches Unternehmen aufzubauen (vgl. Vahs 2003, S. 1). Dass nicht jede Gründungsidee eine gute Idee ist, konnte bereits in Ansätzen bei der Verbleiberate von Unternehmen erahnt werden. Nach nur drei Geschäftsjahren hat sich statistisch gesehen die Zahl der noch existierenden Unternehmen nahezu halbiert (vgl. BMWi 2008, S. 14). Ein anderes Beispiel aus dem Bereich Forschung und Entwicklung zeigt ein noch drastischeres Bild. Demnach belegen empirische Untersuchungen, dass von 100 Produktideen nur durchschnittlich 3,7 Ideen zu Markterfolgen werden (vgl. Vahs & Burmester 1999, S. 74).
Ist eine Gründungsidee hingegen gut, besteht die Möglichkeit, dass mit dem Unternehmen alle erwünschten wirtschaftspolitischen Ziele erreicht werden. Doch was genau ist eine (Gründungs-)Idee? Und was zeichnet eine gute Gründungsidee aus?
Eine Idee wird in der Fachliteratur meist mit den Begriffen Einfall, Gedanke, Vorstellung oder Konzept gleichgesetzt (vgl. Quadbeck-Seeger 1998, S. 100/ Vahs & Burmester 1999, S. 141). Dieses Gleichnis entspricht auch sinngemäß der griechischen Herkunft des Begriffes. So steht „idein“ ursprünglich für „erkennen“ oder „erblicken“ (vgl. Köbler 1995, S. 194). Vor allem durch die Gelehrten Seckendorff (1685) und Descartes (1641) gelangte der Begriff „Idee“ im 17. Jahrhundert zu neuer Blüte und steht seit dem für Vorstellung oder Gedanke (vgl. Köbler 1995, S. 194).
Ein Begriff, der in der Fachliteratur in diesem Zusammenhang sehr eng neben der Idee steht, ist die „Innovation“. Im Gegensatz zur „Idee“ handelt es sich bei der „Innovation“ um einen eher jungen Begriff, der erst in der Renaissance in die europäische Sprache Einzug nahm (vgl. Quadbeck-Seeger 1998, S. 101). Mittlerweile sind sich aufgrund einer bisher fehlenden wissenschaftlichen Innovationstheorie viele unterschiedliche Definitionen des Begriffs (vgl. Reichert 1994, S. 38).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Kurzbeschreibung: Einführung in das Problem der geringen Gründungsaktivitäten unter Akademikern und Skizzierung des Lösungsansatzes der Wissenswerkstatt.
1 Einleitung: Darstellung des Kontextes, der Problematik und der Zielsetzung der Forschungsarbeit im Bereich der Gründungsqualifizierung.
2 Äußerer Bezugsrahmen: Gründerqualifizierung an Hochschulen: Analyse der wirtschafts- und hochschulpolitischen Bedeutung sowie der Ebenen, die Rahmenbedingungen für Gründungsangebote definieren.
3 Innerer Bezugsrahmen: Die Gründungsidee: Untersuchung der Bedeutung und Quellen von Gründungsideen sowie der Rolle von informellem Wissen bei deren Generierung.
4 Zwischenfazit: Zusammenfassende Betrachtung der ersten Forschungserkenntnisse zu Rahmenbedingungen und Ideenprozessen.
5 Die Wissenswerkstatt: Detaillierte begriffliche Abgrenzung und Konzeption der Wissenswerkstatt sowie Darstellung ihrer Ablauf- und Implementierungsorganisation.
6 Abschließende Betrachtung: Zusammenfassung der Kernergebnisse, Diskussion der Grenzen der Konzeption und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Existenzgründung, Hochschulen, Wissenswerkstatt, Gründungsqualifizierung, informelles Wissen, Gründungsidee, Ideenprozess, Innovationsmanagement, Wissensmanagement, Didaktik, Entrepreneurship Education, Selbständigkeit, Rahmenbedingungen, Implementierung, Erfolgskontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung der akademischen Existenzgründerqualifizierung an deutschen Hochschulen durch die Einführung einer neuen, praxisorientierten Veranstaltungsform.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Gründungsforschung, die Wirtschaftspädagogik und das Wissensmanagement, deren Schnittstellen zur Verbesserung von Gründungsprozessen genutzt werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Defizite bei der Ausbildung von Gründern aufzudecken und ein theoretisch fundiertes Konzept (die Wissenswerkstatt) zu entwickeln, um Gründungsideen besser generieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretisch-analytischen Literaturrecherche und der Synthese bestehender Modelle (z. B. Berliner Modell, Innovationsprozess-Schema, SECI-Modell) zur Entwicklung einer neuen methodischen Konzeption.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der äußeren Rahmenbedingungen, eine Untersuchung des internen Ideenprozesses und die detaillierte Vorstellung des Wissenswerkstatt-Konzepts inklusive seiner Implementierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Existenzgründung, Wissenswerkstatt, Gründungsqualifizierung, informelles Wissen und Entrepreneurship Education aus.
Warum ist die „Wissenswerkstatt“ als Methode besonders für Studenten geeignet?
Sie adressiert die Notwendigkeit, informelles Wissen der Studierenden durch soziale Interaktion und kreative Techniken in reale Geschäftskonzepte zu überführen, was klassische frontale Lehrmethoden oft nicht leisten.
Wie trägt das SECI-Modell zur Entwicklung der Gründungsidee bei?
Es dient dazu, den Wissensumwandlungsprozess (Sozialisation, Externalisierung, Kombination, Internalisierung) zu systematisieren, um implizites Wissen in explizite Gründungskonzepte zu transformieren.
Welche Rolle spielt das „Business Modell Canvas“ in diesem Konzept?
Es wird als handlungsorientiertes Werkzeug in der Realisierungsphase vorgeschlagen, um komplexe Geschäftskonzepte visuell einfach und strukturiert für Studenten planbar zu machen.
Was unterscheidet die Wissenswerkstatt von einer klassischen Lehrveranstaltung?
Im Gegensatz zu dozentenzentrierten Vorlesungen ist die Wissenswerkstatt handlungsorientiert, themenflexibel und basiert auf der aktiven Mitarbeit der Teilnehmer, um deren intrinsische Motivation und Gründungskompetenz zu stärken.
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- B.Sc. Marion Pohl (Author), 2013, Generierung von Gründungsideen im Hochschulkontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233446