„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frißt auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.“
Dieses Zitat von Theodor W. Adorno hat innerhalb der Literaturgeschichte eine große Bedeutung eingenommen und wurde vielfach rezipiert, wie beispielsweise von Hans Magnus Enzensberger, dem Schüler Adornos:
„Der Philosoph Theodor W. Adorno hat einen Satz ausgesprochen, der zu den härtesten Urteilen gehört, die über unsere Zeit gefällt werden können: Nach Ausschwitz sei es nicht mehr möglich, ein Gedicht zu schreiben. Wenn wir weiterleben wollen, muß dieser Satz widerlegt werden. Wenige vermögen es. Zu ihnen gehört Nelly Sachs. Ihrer Sprache wohnt etwas Rettendes inne. Indem sie spricht, gibt sie uns selber zurück, Satz um Satz, was wir zu verlieren drohten: Sprache.“
Hans Magnus Enzensberger nimmt demnach die Gegenposition zu Adorno ein und vertritt die Auffassung, dass gerade nach und über Ausschwitz Gedichte verfasst werden sollten. Doch auch Adorno hat in der „Negativen Dialektik“ [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die Unterrichtsplanung
1.1 Begründung des Themas
1.1.1 Begriffsklärungen
1.2 Relevanz der Thematisierung des Holocaust in der Schule
1.3 Relevanz der Thematisierung des Holocaust im Deutschunterricht
1.4 Relevanz der Thematisierung des Holocaust in lyrischen Texten
2. Unterrichtspraktische Umsetzung
2.1 Methodische Analyse/ Unterrichtsentwurf
2.2 Begründung der Themenauswahl für die jeweilige Jahrgangsstufe (Rahmenplan)
2.3 Tabellarischer Überblick über die Unterrichtsreihe:
2.3 Ausführliche Darstellung und Reflexion der Unterrichtsstunden 1 und 5
2.3.1 Die Einstiegsstunde
2.3.2 Die fünfte Stunde
2.3.3 Erwartungshaltung
3. Kritische Auswertung der Unterrichtsreihe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Relevanz der Holocaust-Thematik für den Deutschunterricht aufzuzeigen und ein methodisch-didaktisches Konzept zur Auseinandersetzung mit Holocaust-Lyrik zu entwickeln, das Schülern einen unvoreingenommenen und produktiven Zugang ermöglicht. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die Holocaust-Thematik durch lyrische Texte sensibel und kompetenzorientiert im Unterricht umgesetzt werden kann.
- Die didaktische Begründung der Thematisierung des Holocaust in der Schule und im Deutschunterricht.
- Die methodische Analyse und der Unterrichtsentwurf am Beispiel von Paul Celans "Todesfuge".
- Die Verknüpfung von historischem Hintergrundwissen mit subjektiver literarischer Rezeption.
- Die Förderung von Diskussionsfähigkeit, sozialer Kompetenz und kreativen Ausdrucksformen durch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren.
Auszug aus dem Buch
1.1 Begründung des Themas
„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frißt auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.“ 1
Dieses Zitat von Theodor W. Adorno hat innerhalb der Literaturgeschichte eine große Bedeutung eingenommen und wurde vielfach rezipiert, wie beispielsweise von Hans Magnus Enzensberger, dem Schüler Adornos:
„Der Philosoph Theodor W. Adorno hat einen Satz ausgesprochen, der zu den härtesten Urteilen gehört, die über unsere Zeit gefällt werden können: Nach Ausschwitz sei es nicht mehr möglich, ein Gedicht zu schreiben. Wenn wir weiterleben wollen, muß dieser Satz widerlegt werden. Wenige vermögen es. Zu ihnen gehört Nelly Sachs. Ihrer Sprache wohnt etwas Rettendes inne. Indem sie spricht, gibt sie uns selber zurück, Satz um Satz, was wir zu verlieren drohten: Sprache.“ 2
Hans Magnus Enzensberger nimmt demnach die Gegenposition zu Adorno ein und vertritt die Auffassung, dass gerade nach und über Ausschwitz Gedichte verfasst werden sollten. Doch auch Adorno hat in der „Negativen Dialektik“
„dann sein Verdikt vollends zurückgenommen, als er eingestand: „Das perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu brüllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Ausschwitz ließe kein Gedicht mehr sich schreiben.““ 3
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Unterrichtsplanung: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit der Holocaust-Thematisierung im schulischen Kontext und definiert grundlegende Begriffe sowie die spezifische Relevanz der Holocaust-Lyrik.
2. Unterrichtspraktische Umsetzung: Hier wird der detaillierte methodische Unterrichtsentwurf präsentiert, inklusive einer tabellarischen Übersicht der acht Unterrichtsstunden und einer vertiefenden Reflexion zu ausgewählten Phasen.
3. Kritische Auswertung der Unterrichtsreihe: Im letzten Abschnitt erfolgt eine kritische Bilanzierung des methodischen Ansatzes, wobei die Balance zwischen subjektivem Textzugang und historischer Sachanalyse im Fokus steht.
Schlüsselwörter
Holocaust, Lyrik, Todesfuge, Paul Celan, Deutschunterricht, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, handlungsorientierter Unterricht, produktionsorientiertes Verfahren, Shoa, Gedenken, literarisches Lernen, didaktische Analyse, Sprachbewusstsein, Schuldfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und die Bedeutung der Thematisierung des Holocaust durch lyrische Texte im Deutschunterricht der Oberstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Erinnerungskultur, die didaktische Begründung von Holocaust-Lyrik, die methodische Umsetzung im Unterricht sowie die Verknüpfung von historischen Fakten und subjektiver ästhetischer Rezeption.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das primäre Ziel ist es, den Schülern durch eine produktionsorientierte Herangehensweise die Hemmschwelle gegenüber Holocaust-Lyrik zu nehmen und ein vertieftes Verständnis für die Thematik zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein methodisch-didaktischer Ansatz gewählt, der sich auf rezeptionsästhetische Grundlagen stützt und handlungs- sowie produktionsorientierte Verfahren in den Literaturunterricht integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Holocaust-Lyrik und einen konkreten, methodisch strukturierten Unterrichtsentwurf zur „Todesfuge“ von Paul Celan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Holocaust, Lyrik, Todesfuge, Erinnerungskultur, handlungsorientierter Unterricht und didaktische Analyse.
Warum ist Paul Celans „Todesfuge“ das zentrale Beispiel der Unterrichtsreihe?
Die „Todesfuge“ gilt als das bekannteste Beispiel der Holocaust-Dichtung und eignet sich aufgrund ihrer komplexen sprachlichen Gestaltung und Metaphorik hervorragend, um die Paradoxien des Erinnerns und Verschweigens mit Schülern zu erarbeiten.
Welche Bedeutung kommt kreativen Schreibaufgaben zu?
Kreative Aufgaben wie das Verfassen eines Akrostichons oder Elfchens sollen den Schülern einen subjektiven und aktiven Zugang zum Thema ermöglichen, der über eine rein kognitive Analyse hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Dana Michaelis (Autor:in), 2011, Erinnern und Verschweigen. Die Holocaustlyrik im Deutschunterricht am Beispiel der Todesfuge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233474