Anglizismen in der Jugendsprache


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

29 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe:

1 Einleitung

2 Begriffsklärungen
2.1 Entlehnungen
2.1.1 Äußeres Lehngut
2.1.2 Inneres Lehngut
2.1.3 Geschichte der Entlehnungen
2.2 Anglizismen

3 Jugendsprache
3.1 Sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Jugendsprache
3.2 Was ist die „Jugend“ und wer gehört dazu?
3.3 Kennzeichen für die Entstehung einer Jugendsprache
3.4 Merkmale der Jugendsprache im deutschen Sprachraum
3.5 Anglizismen der Jugendsprache

4 Zusammenfassung

5 Anhang
5.1 Literaturverzeichnis

Anglizismen in der Jugendsprache

1 Einleitung

Innerhalb einer Sprache gibt es ebenso viele Wortschätze, wie es soziale Gruppierungen innerhalb einer Gesellschaft gibt. Die Sprache bildet unter anderem das Instrument der Verständigung und kann damit Gedankliches, Wahrgenommenes und Empfindungen kommunizieren.[1] Insgesamt erfüllt die Sprache drei Funktionen, wie die „Verständigungsfunktion, die Ausdrucksfunktion, […]“ und „die Wirkfunktion.“[2] Außerdem ist die Sprache an unterschiedliche geographische und gesellschaftliche Bedingungen geknüpft. So sind sowohl Nationalsprachen als auch Soziolekte und Dialekte das Ergebnis gemeinschaftlicher Kommunikation.[3]

Mit dem Beginn der Industrialisierung bildete sich auch eine Umgangssprache heraus, die an alltägliche Situationen angepasst ist. Neben einer breiten Trägerschaft der Umgangssprache gibt es noch spezielle Gruppierungen, denen eine geringfügigere Bedeutung zukommt. Zu nennen sind diesbezüglich beispielsweise die Sprache der Armee, die Fachsprachen oder die Jugendsprache, um die es mir in dieser Hausarbeit gehen soll. Sie alle üben einen enormen Einfluss auf die Umgangssprache aus.[4]

Ebenso nehmen Sprachentlehnungen schon seit längerer Zeit eine bedeutende Rolle ein, unabhängig in welcher Epoche, in welchem Land oder in welcher Sprache. Im Deutschen kommt es größtenteils zu Entlehnungen aus dem Englischen, die sogenannten Anglizismen, die jedoch meistens gar nicht mehr befremdlich wirken. Dazu gehört beispielsweise der gern in Anspruch genommene Wellness-Urlaub, der über das Last-Minute-Angebot gebucht wurde. Im Urlaub gönnt man sich dann einen Cocktail, während dessen man die Live-Übertragung der Fussball-Frauen-WM im TV verfolgt und nebenbei im Computer seine E-Mails checkt.

Um mich in meiner Hausarbeit mit den Anglizismen in der Jugendsprache auseinandersetzen zu können, werde ich zunächst die Begriffe „Entlehnungen“ (vgl. 2.1 ff.) und „Anglizismen“ (vgl. 2.2) näher erläutern. Ich werde darauf eingehen, was Entlehnungen überhaupt sind, welche Formen von Entlehnungen es gibt und warum es hauptsächlich zu Entlehnungen aus dem Englischen, zu den sogenannten Anglizismen kommt.

Des Weiteren werde ich mich damit auseinandersetzen, inwieweit Anglizismen sowohl positive als auch negative Konsequenzen mit sich ziehen können. Im Anschluss daran werde ich näher erläutern, warum Anglizismen insbesondere in der Jugendsprache eine entscheidende Bedeutung einnehmen.

Vorerst soll dabei geklärt werden, was die „Jugend“ überhaupt ist und wer zum Personenkreis der Jugend gehört (vgl. 3.1). Des Weiteren werde ich mich damit auseinandersetzen, ob es überhaupt diese sogenannte „Jugendsprache“ gibt und welche Kennzeichen bei der Entstehung einer Jugendsprache mitwirken (vgl. 3.2). Im Anschluss daran werde ich mich den Merkmalen der Jugendsprache im deutschen Sprachraum (vgl. 3.3) und speziellen Anglizismen, wie beispielsweise den Begriffen der Jugendsprache „cool“ oder „chillen“, zuwenden (vgl. 3.4).

Zum Abschluss werde ich die wichtigsten Ansätze noch einmal zusammenfassen und persönlich Stellung beziehen.

2 Begriffsklärungen:

Um mich intensiver mit der Jugendsprache auseinandersetzen zu können, muss zunächst geklärt werden, wie es zu Entlehnungen in der Sprache kommt und was diese überhaupt beinhalten. Im Anschluss daran werde ich den Begriff des „Anglizismus“ näher erläutern, der ebenso eine bedeutsame Rolle für die Sprache der Jugend spielt.

2.1 Entlehnung

Der Begriff „Entlehnung“ steht für die Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks, sprachlicher Elemente, Regeln und Merkmale von einer Sprache in die andere Sprache.[5] Die Gründe für Entlehnungen können vielfältig sein, wie beispielsweise aufgrund von politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Sprachkontakt.[6] Neuwörter werden entweder als Fremd- oder Lehnwörter übernommen oder in Form von Lehnbildung an die eigene Sprache angepasst. Das Erbgut, welches den Grundwortschatz einer Sprache beinhaltet, steht demnach dem Lehngut gegenüber, das sich in verschiedenen Arten aufteilen lässt:

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

Das Lehngut teilt sich demnach in das äußere und innere Lehngut auf. Im Folgenden werde ich, beginnend mit dem äußeren Lehngut, einige Anmerkungen zu den einzelnen Ausdifferenzierungen machen:

2.1.1 Äußeres Lehngut

Fremdwort

Das Fremdwort behält dessen ursprüngliche Gestalt in Form von Orthographie, Lautform und Flexion.[8]

„Als Fremdwort versteht man ein aus einer fremden Sprache entnommenes Wort, dass Gegenstände, Eigenschaften, Tätigkeiten oder Begriffe bezeichnet, die die eigene Sprache nicht genug ausdrücken kann oder nicht kennt oder die sie aufnimmt, obwohl häufig gleichwertige Wörter oder solche mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung zur Verfügung stehen.“[9]

Lehnwort

Das „Lehnwort ist ein mehr oder weniger assimiliertes Fremdwort.“[10] Im Gegensatz zum Fremdwort passt sich das Lehnwort der Orthographie, Morphologie und/ oder Phonologie im Deutschen an.[11] Dennoch kann nicht eindeutig gesagt werden, wo das Fremdwort aufhört und das Lehnwort anfängt.[12]

Scheinentlehnung

Scheinentlehnungen sind Wörter der deutschen Sprache, die scheinbar mit englischen Sprachmaterialen gebildet wurden, dem Englischen aber gar nicht entstammen.[13]

2.1.2 Inneres Lehngut

Lehnbildung

Bei der Lehnbildung kommt es mit den Mitteln der deutschen Sprachen und nach den Vorbildern lateinischer und griechischer Wörter zur Neubildung.[14]

Lehnbedeutung

Die Lehnbedeutung beinhaltet „die Übertragung der Bedeutung eines englischen auf ein im Deutschen bereits vorhandenes Wort oder eine Kombination von Lexemen.“[15]

„Die Pille“ im Deutschen entstammt beispielsweise der Bezeichnung „the pill“ aus dem Englischen.[16] Probleme in Hinblick auf eine eindeutige Lehnbedeutung ergeben sich beispielsweise bei dem Begriff „Wasserbett“, der einerseits eine Lehnübersetzung darstellt, da er aus der englischen Bezeichnung „water-bed“ entstammt.[17] Doch andererseits kann es in seiner Lehnbedeutung „die Bodenvertiefung, in der ein gewässer flieszt“ oder „eine mit wasser gefüllte wanne“ bezeichnen.[18] Das „Wasserbett“ könnte demnach sowohl eine Lehnübersetzung als auch eine Lehnbedeutung beinhalten.[19]

Lehnformung

Die Lehnformung bezeichnet die „formale Anlehnung an das Vorbild“.[20]

Lehnschöpfung

Die Lehnschöpfung stellt die „freie, formal vom Vorbild unabhängige Wiedergabe des fremdsprachlichen Vorbildes“[21] dar, sodass ein englisches Vorbild nicht eindeutig vorausgesetzt wird. Stattdessen wird angenommen, dass „ein englisches Sprachzeichen einen Prozeß auslöst, der zu einem deutschen Sprachzeichen führt.“[22]

Lehnübersetzung

Bei der Lehnübersetzung kommt es zu einer Glied-für-Glied-Übersetzung.[23]

Lehnübertragung

Bei der Lehnübertragung kommt es zu einer Teilübertragung, bei dem beispielsweise ein mehrgliedriges englisches Wort zum Teil wörtlich und zum Teil frei übersetzt wird.[24]

Doch wie kam es nun überhaupt zu den unterschiedlichen Entlehnungstypen?

2.1.3 Geschichte der Entlehnungen

Wie bereits erwähnt, kam es schon frühzeitig zu Berührungspunkten der deutschen Sprache mit anderen Sprachen, sodass dies natürlicherweise auch zu einem Austausch untereinander führte. Die Wörter „Sabbat“, „Satan“ oder die Namen „Maria“ und „Josef“ stammen beispielsweise aus dem Hebräischen, „Pfingsten“ und „Kirche“ aus dem Griechischen, „Kaiser“, „Krone“ und „Mönch“ aus dem Lateinischen, „Matratze“ und „Alkohol“ aus dem Arabischen und die Wörter „Basar“ und „Schach“ aus dem Persischen.[25]

Besonders in der Fachsprache sind Entlehnungen aus dem Lateinischen und Alt-Griechischen häufig auffindbar. Die ersten Entlehnungen gab es bereits während des Prozesses der Entstehung der deutschen Sprache von etwa 750 bis 1650 nach Chr.. Zu dieser Zeit entwickelte sich das sogenannte Althochdeutsch in unser gegenwärtiges Neuhochdeutsch. Als sich zu Zeiten des Mittelalters die deutsche Sprache herausbildete, war Latein die Sprache der Wissenschaften und Gelehrten. Im 12. Jahrhundert kam es in Deutschland außerdem in vielerlei Hinsicht zum französischen Einfluss, wie zum Beispiel in Bezug auf Kleidung, Turniere, Ritterkult und Rituale und es wurden Begriffe wie „Tanz“, „Abenteuer“, „Preis“, „Lanze“ und „Turnier“ (vgl. Polenz 1977. S. 53) aus dem Französischen ins Deutsche entlehnt.[26]

Im Anschluss daran folgten Entlehnungen aus dem Italienischen, die zum Teil aus dem Bankwesen stammten. In diese Reihe einzuordnen sind beispielsweise die Wörter „brutto“, „netto“, „Giro“, „Saldo“ und „Kasse“.[27]

In der Zeit der Renaissance wollte man die antiken Werte wiederbeleben, sodass das Streben der Menschen nach Bildung zunahm und die lateinischen und altgriechischen Begriffe der Wissenschaften nach und nach in die deutsche Volkssprache mit aufgenommen wurden.

Als im 19. Jahrhundert das Französische nach und nach vom Englischen abgelöst wurde, kam es zu einem umfangreichen Anstieg der Entlehnungen aus dem Englischen. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte England darüber hinaus zu den bedeutendsten Industrieländern, was die Zahl der Entlehnungen aus dem Englischen noch weiter ansteigen ließ.

[...]


[1] Vgl.: Schützeichel, Rainer 2004. S. 34.

[2] Schützeichel, Rainer 2004. S. 34-35.

[3] Vgl.: Schützeichel, Rainer 2004. S. 34.

[4] Vgl.: Fix, Ulla; Gardt, Andreas u. a. 2009. S. 2276.

[5] Vgl.: Müller-Dittloff, Stefan 2001. S. 33.

[6] Vgl.: Bußmann, Hadumod 2002. S. 193.

[7] Betz, Werner S. 135-163.

[8] Vgl.: Stedje, Astrid 2007. S. 28.

[9] Bohmann, Stephanie 1996. S. 22-23.

[10] Stedje, Astrid 2007. S. 28.

[11] Vgl.: Bohmann, Stephanie 1996. S. 23.

[12] Vgl.: Bohmann, Stephanie 1996. S. 24.

[13] Vgl.: Bohmann, Stephanie 1996. S. 25.

[14] Vgl.: Ernst, Peter 2006. S. 83.

[15] Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 56.

[16] Vgl.: Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 56.

[17] Vgl.: Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 56.

[18] Vgl.: Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 57.

[19] Vgl.: Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 57.

[20] Ernst, Peter 2006. S. 84.

[21] Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 57.

[22] Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 58.

[23] Vgl.: Ernst, Peter 2006. S. 84.

[24] Vgl.: Carstensen, Broder; Busse, Ulrich 2001. S. 55.

[25] Vgl.: Vater, Heinz 1994. S. 90.

[26] Vgl.: Vater, Heinz 1994. S. 91.

[27] Vgl.: Vater, Heinz 1994. S. 91.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Anglizismen in der Jugendsprache
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Fremdes und Eigenes
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V233477
ISBN (eBook)
9783656501060
ISBN (Buch)
9783656501671
Dateigröße
974 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anglizismen, jugendsprache
Arbeit zitieren
Dana Michaelis (Autor), 2011, Anglizismen in der Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233477

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