Wie es der Titel meiner Hausarbeit bereits anspricht, wird es mir in dieser Arbeit um die politische Spruchdichtung von Walther von der Vogelweide am Beispiel des Reichstons gehen. Eingangs werde ich mich mit dem Leben und Wirken von Walther von der Vogelweide auseinandersetzen. In diesem Kapitel wird es mir darum gehen, zu klären, in was für eine Welt und Gesellschaft Walther von der Vogelweide hineingeboren wurde. Demnach werde ich kurz auf die politischen Ereignisse zurzeit von Walther von der Vogelweide eingehen und die Besonderheiten seines Lebens hervorheben.
Des Weiteren werde ich mich mit seinem Dasein als Minnesänger und Spruchdichter auseinandersetzen, denn sowohl die historischen Ereignisse als auch seine Vortragskünste haben erst zur Entstehung seiner politischen Spruchdichtung und dem Reichston beigetragen. Daran anschließend wird es mir in Kapitel 3 um die Klärung der Begrifflichkeit „politische Spruchdichtung“ gehen. In diesem Zusammenhang werde ich mich zunächst allgemein mit der politischen Spruchdichtung im Mittelalter auseinandersetzen und bekannte politische Spruchdichter vorstellen.
Um das Ganze dann auch fassbar zu machen, werde ich in Kapitel 4 meiner Hausarbeit das Allgemeine zur politischen Spruchdichtung an dem Reichston von Walther von der Vogelweide präzisieren. Des Weiteren werde ich in diesem Zusammenhang ausführlich auf die historischen Hintergründe und die Bedeutung der einzelnen Reichsstrophen eingehen. Ich habe mich für den Reichston entschieden, weil er als Ganzes sowohl die Idealvorstellungen von Walther von der Vogelweide als auch die Probleme im deutschen Reich selbst und mit der Kirche umfassend darstellen kann. Des Weiteren verdeutlichen die Sprüche zum Einen die Eingeschränktheit des Autors und zum Anderen seine Möglichkeiten, sich politisch zu äußern.
Ich werde mich demnach gezielt den politischen Inhalten und den Besonderheiten der drei Strophen zuwenden und diese im Einzelnen analysieren. Zum Abschluss werde ich in Kapitel 5 die wichtigsten Ansätze noch einmal zusammenfassen und persönlich Stellung beziehen. Der umfangreichste Teil meiner Hausarbeit wird folglich der Reichston mit der Analyse und Deutung der drei Reichssprüche ausmachen. Meine Hausarbeit gestaltet sich somit stets vom Allgemeinen hin zum Speziellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben und Wirken von Walther von der Vogelweide
2.1. Das Leben im Mittelalter
2.2. Walther von der Vogelweide – Ein Minnesänger oder ein Spruchdichter?
3. Spruchdichtung im Mittelalter
3.1. Politische Spruchdichtung und politische Spruchdichter
3.2. Die politische Spruchdichtung von Walther von der Vogelweide
3.2.1. Auftragsdichtung oder persönliches Engagement?
3.2.2. Eine Neuschöpfung?
4. Der Reichston
4.1. Entstehung und Begriffsklärung
4.2. Strophen des Reichstons
4.2.1. Der erste Reichsspruch (1198)
4.2.2. Der zweite Reichsspruch (1198)
4.2.3. Der dritte Reichsspruch
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Spruchdichtung von Walther von der Vogelweide mit einem spezifischen Fokus auf den sogenannten "Reichston". Ziel ist es, die Entwicklung Walthers vom Minnesänger zum politischen Spruchdichter vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse des Jahres 1198 zu analysieren und die Funktion seiner Autorrolle sowie die Intention hinter seinen drei Reichssprüchen zu ergründen.
- Historischer Kontext und Lebensumstände von Walther von der Vogelweide
- Differenzierung und Verschränkung von Minnesang und Spruchdichtung
- Analyse der "Walther-Rolle" als literarische Autoritätsrolle
- Interpretation des Reichstons als politisches Sprachrohr und Weisheitslehre
- Untersuchung der drei Reichssprüche hinsichtlich ihrer politischen Kernaussagen
Auszug aus dem Buch
Der erste Reichsspruch (1198)
„Ich saz ûf einem steine, dô dahte bein mit beine, dar ûf sazte ich mîn ellenbogen, ich hete in mîne hant gesmogen daz kinne und ein mîn wange. dô dâhte ich mir vil ange, wie man zer werlte solte leben, deheinen rât kunde îch mir geben, wie man driu dinc erwurbe, der keines niht verdurbe: diu zwei sint êre und varnde guot, diu îetwêders dem ândern schaden tuot. daz dritte ist gotes hulde, der zweier übergulde. die wolte ich gerne in einen schrîn, jâ, leider dêsn mac niht gesîn, daz guot und weltlich êre und gotes hulde mêre in einen schrîn mûgen komen.“
Der erste Reichsspruch des Reichstons, die sogenannte Reichsklage, ist das erste politische Spruchgedicht von Walther von der Vogelweide. Der Spruch entstand 1198, als Walther von der Vogelweide, wie bereits erwähnt, den Babenberger Hof in Wien verlassen und den Weg als fahrender Dichter antreten musste. Er setzte sich fortan mit den politischen Widersprüchlichkeiten der Zeit auseinander, da das Land nach dem Tod Heinrichs VI. herrenlos war und vom Thronstreit und Bürgerkrieg erschüttert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung und den Aufbau der Arbeit vor, wobei der Fokus auf Walther von der Vogelweide als Schöpfer der mittelhochdeutschen Spruchdichtung und seinem Reichston liegt.
2. Leben und Wirken von Walther von der Vogelweide: Dieses Kapitel beleuchtet die feudale Gesellschaftsstruktur des Mittelalters und thematisiert den Übergang Walthers vom höfischen Minnesänger zum fahrenden Spruchdichter.
3. Spruchdichtung im Mittelalter: Hier werden Definition und Merkmale der politischen Spruchdichtung definiert und die Frage erörtert, ob Walther von der Vogelweide aus persönlichem Engagement oder als Auftragsdichter handelte.
4. Der Reichston: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Entstehung, Form und inhaltliche Bedeutung der drei Reichssprüche (Reichsklage, Weltklage, Kirchenklage) von Walther von der Vogelweide.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der Ergebnisse, wobei betont wird, dass Walther durch die Verbindung von Minnesang und Spruchdichtung eine neue, autoritäre Dichterrolle schuf.
Schlüsselwörter
Walther von der Vogelweide, Reichston, politische Spruchdichtung, Mittelalter, Minnesang, Reichsklage, Weltklage, Kirchenklage, Philipp von Schwaben, Staufer, Milte, Autorrolle, Sangspruch, Feudalismus, Literaturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Dimension der Spruchdichtung von Walther von der Vogelweide, insbesondere dem sogenannten Reichston, und analysiert seine Rolle als Dichter in einer politisch krisengeprägten Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die feudale Gesellschaftsordnung, die Bedingungen des fahrenden Dichtertums, das Spannungsfeld zwischen Minnesang und politischem Sangspruch sowie die Auseinandersetzung mit den Machtkämpfen des deutschen Thronstreits.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Walther von der Vogelweide durch seine Dichtung politisch Stellung bezog und welche Funktion er seiner Rolle als Spruchdichter in Bezug auf die gesellschaftlichen Missstände um 1198 beimaß.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und literaturwissenschaftliche Analyse des Quellentextes, ergänzt durch historische Kontexteinordnung und interpretative Zugänge zur Symbolik und Struktur der Strophen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der tiefgehenden Analyse der drei Reichssprüche (Reichsklage, Weltklage, Kirchenklage), deren Genese, formaler Beschaffenheit und politischer Intention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Reichston, Walther von der Vogelweide, politische Spruchdichtung, höfische Ethik, Milte, Staufer und die soziologische Rolle des fahrenden Sängers.
Wie deutet Walther das "Ich" in seinen Sprüchen?
Walther nutzt das Ich-Subjekt in seinen Sprüchen als eine Art Seher- oder Interpretationsinstanz, die über die persönliche Befindlichkeit hinausgeht und als moralische Instanz kritische Stellung zur Gesellschaft bezieht.
Welche Rolle spielt die "Milte" im Reichston?
Die "Milte" (Freigebigkeit) ist ein zentrales Thema, da sie als Maßstab für die Qualität eines Herrschers dient und dem Spruchdichter die notwendige Autorität verleiht, um politische Forderungen gegenüber dem Adel zu legitimieren.
Wie steht Walther zur Kirche in seinen Sprüchen?
In der "Kirchenklage" (dem dritten Reichsspruch) übt Walther deutliche Kritik an der Einmischung der Geistlichkeit in die politische Machtsphäre, da er die Sorge um das geistliche Heil als deren eigentliche Aufgabe sieht.
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- Dana Michaelis (Autor), 2012, Die politische Spruchdichtung am Beispiel des Reichstons von Walther von der Vogelweide, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233478