Allgemeiner Sozialer Dienst des Jugendamtes


Praktikumsbericht / -arbeit, 2013

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Analyse der Praxisstelle
1.1 Zielgruppe und Zielsetzung des Bereichs „Hilfen zur Erziehung“
1.2 Methoden im Bereich „Hilfen zur Erziehung“
1.3 finanzielle Rahmenbedingungen
1.4 rechtliche Rahmenbedingungen
1.5 Aufgabenfelder im Bereich „Hilfen zur Erziehung“
1.6 Personelle und sachliche Ausstattung
1.7 Kooperationspartner
1.8 Organisationsstruktur

2. Darstellung der eigenen Arbeitsbereiche und des eigenen Alltagshandeln
2.1 Darstellung der Bereiche und methodisches Vorgehen
2.2 Reflexion

3. Reflexion und Gesamtauswertung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Mein Praktikum absolvierte ich im Sachgebiet „Allgemeiner Sozialer Dienst“ des Jugendamtes Senftenberg. Jene Mitarbeit innerhalb dieses Arbeitsfeldes sollte sich als lohnende Entscheidung herausstellen.

Auf der Suche nach einer geeigneten Praxisstelle weckten speziell die Institutionen behördlicher Sozialarbeit mein Interesse. Schnell stand für mich fest, dass ich meine Tatkraft einer gerichtlichen respektive staatlichen Einrichtung zur Verfügung stellen wollte. Während meiner Vorstellungsgespräche und der Vorbereitung auf ebendiese kristallisierte sich für mich heraus, dass beinahe jede dieser Institutionen systemisch ausgerichtet arbeitete. Da diese Herangehensweise im bisherigen Studium kaum Erwähnung fand, schaffte ich mir Zugang zu entsprechender Literatur und mein Ziel, im dritten Semester innerhalb einer solchen Arbeitsstelle tätig zu werden, festigte sich.

Dass ich mich letztendlich für das Jugendamt in Senftenberg entschied, hing von diversen Faktoren ab: Ich erhielt zeitnah eine positive Rückmeldung sowie eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Relativ unkompliziert wurden während diesem alle Vereinbarungen getroffen, Fragen beantwortet sowie der Vertrag unterzeichnet. Die Vielseitigkeit meines Aufgabenbereiches bestätigte mich sofort in der Richtigkeit meiner Entscheidung. Auch fiel mir das freundliche Miteinander der Kollegen auf.

Letzten Endes wurde ich vor allem durch meinen immensen Lernerfolg in dieser Zeit in der Richtigkeit meiner Entscheidung für diese Institution bestätigt. Stets und ständig, so gesehen an jedem Arbeitstag, lernte ich etwas Neues über den Umgang mit Klienten, die Anwendung der Gesetze sowie der systemischen Theorie in der Praxis und die Schwierigkeiten dieses Sachgebietes. Über meine Erfahrungen konnte ich während der wöchentlichen Praxisbegleitung berichten und sie innerhalb dieses Berichtes niederschreiben. Letzterer wurde ständig von mir editiert, damit möglichst viele dieser Erfahrungen in jenem wiedergespiegelt werden.

1. Analyse der Praxisstelle

1.1 Zielgruppe und Zielsetzung des Bereichs „Hilfen zur Erziehung“

Hilfen zur Erziehung richten sich an Familien, in denen Kinder beherbergt sind und welche im Einsatzgebiet des jeweiligen Sozialarbeiters leben, sozusagen dort ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben.

Als ebendiese Erziehungshilfen definieren sich „diejenigen beratenden, begleitenden oder betreuenden sozialpädagogischen Hilfe-Arrangements unterschiedlicher Intensität verstanden, die im […] Kinder- und Jugendhilfegesetz[…] differenziert beschrieben werden“ (Birtsch/Münstermann/Trede in: Trede 2001, S.9).

Oben aufgeführten Familien können Unterstützung von Jugendamt erwarten, wenn diese sich freiwillig mit einem Antrag auf Hilfen zur Erziehung an dieses wenden. Demgegenüber erhalten Familien, auf die das Amt mittels (anonymer) Hinweise aus der Bevölkerung, sei es von Nachbarn, Verwandten oder auch Institutionen wie der Schule oder der Kindertagesstätte, Erziehungshilfen. Dies geschieht, sollte das Jugendamt den Hilfebedarf geprüft haben (durch einen unangekündigten Hausbesuch) und Hinweise auf „Nichtgewährleistung einer dem Wohl des Kindes entsprechenden Erziehung“ vorfinden (Internetquelle 1). Ist also eine mögliche Gefährdung des Kindeswohles nachweisbar, welche nicht eine sofortige Inobhutnahme erfordert, wird den sorgeberechtigen Personen die Auflage erteilt, Erziehungshilfen zu beantragen und anzunehmen. Sollten die Eltern zu keinerlei Kooperation bereit sein und dadurch eine Gefahr in Verzug für das Kindeswohl vorliegen, müssen sofort weitere Maßnahmen ergriffen werden. Ein derartiger Fall würde vor dem Familiengericht geklärt, welches unter anderem auch dazu befähigt ist, eine Inobhutnahme für rechtsgültig zu erklären und durchführen zu lassen. Bei dringender Kindeswohlgefährdung, bei der eine familiengerichtliche Entscheidung nicht schnell genug einholbar ist, muss das Jugendamt die Kinder bzw. Jugendlichen sofort in Obhut nehmen.

„§ 27 gewährt jedem Personensorgeberechtigten einen – einklagbaren – Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung“ (Struck in: Trede 2001, S.727). Ein derartiger Anspruch besteht, falls, wie bereits erwähnt, „eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist“ (§ 27). Überdies muss die Hilfe für dessen „Entwicklung geeignet und notwendig“ sein (§ 27).

Dies führt zum, in § 5 geregelten, Wunsch- und Wahlrecht, dem „zentralen Steuerungsinstrument bei der Auswahl der Leistungsangebote aus einem pluralen Angebotsspektrum“ (Struck in: Trede 2001, S. 737). Die Klienten können nur eine für sie, geeignete und notwendige Maßnahme wählen, wie in § 27 festgeschrieben (Skript Dr. Fischer).

Gilt beispielsweise für einen Leistungsberechtigten eine sozialpädagogische Familienhilfe als die entsprechend notwendige als auch geeignete Maßnahme, kann er diese ohne Probleme beantragen. Wünscht er sich dennoch einen Tagesgruppenbesuch als Maßnahme, wird diese Hilfe auf Grund von Nichteignung und Unnötigkeit nicht gewährt.

Einzig die Inobhutnahme ist hoheitlich geprägt, was bedeutet, dass die Betroffenen in diesem Fall kein Mitbestimmungsrecht besitzen (Skript Dr. Fischer).

1.2 Methoden im Bereich „Hilfen zur Erziehung“

Der mannigfaltige Bereich der Hilfen zur Erziehung besitzt vielförmige Arbeitsmethoden. Diese „konzeptionell verankerte[…] Ganzheitlichkeit und Vielfältigkeit“ macht es unmöglich, das Schaffen innerhalb des ASD in einem allgemeinen Konzept zusammen zu fassen oder gar die fiktive Verfahrensweise „ASD-Arbeit“ darzulegen (Güthoff/Meyer in: Noack 1993, S.35).

Es existieren jedoch einige „fachliche Standards“, welche in der Praxis als „Leitlinien“ dienen, sodass davon ausgegangen werden kann, dass diese, trotz verschiedener Arbeitsschwerpunkte bedingt durch lokale Begebenheiten, deutschlandweit als Handlungsmaxime dienen (Güthoff/Meyer in: Noack 1993, S.35):

„1. Partizipation
2. Transparenz
3. KlientInnenorientierung
4. sozialräumliche Orientierung
5. Prävention
6. Ursachenbekämpfung (Güthoff/Meyer in: Noack 1993, S.35)“

Beachtenswert ist hierbei, dass auch insbesondere die freien Träger, welche eng mit dem ASD kooperieren, diese Richtlinien in ihre tägliche Arbeit mit den Klienten einfließen lassen.

Ferner ist das lebensweltorientierte Arbeiten Konsens in den Jugendämtern Deutschlands.

Lebensweltorientierung steht hierbei stellvertretend für das Unterfangen, „die Aufgaben, Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer institutionell und professionell praktizierenden Arbeit im Horizont […] von Lebenswelt und Lebensbewältigung zu bestimmen“ (Thiersch in: Trede 2001, S. 222). In diesem Punkt vereinen sich alle 6 oben erwähnten Handlungsmaximen. Nebenher sei das stetige Besinnen auf die in seiner Lebenswelt verfügbaren Ressourcen des Klienten als wichtiger Blickpunkt aufgeführt. Auf ebendiese muss beispielweise in den Formularen zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung eingegangen werden.

Überdies wird die lebensweltorientierte Theorie praktisch wie folgt angewandt:

„die Lebensschwierigkeiten“ der Adressaten sollen gestützt und begleitet werden, eine neue Struktur soll „im Lebensfeld" geschaffen werden und es sollen „neue Lebensräume – kompensierend oder ersetzend“ inszeniert werden, letzteres etwa in Form der vom ASD genehmigten und organisierten stationären Hilfe der Heimunterbringung (Thiersch in: Trede 2001, S. 223).

Als Revision dieser Lebensweltorientierung geltend, findet auch die Systemische Familienarbeit Anwendung im Bereich der Erziehungshilfen im ASD. Bei den Hilfeplangesprächen muss es dem Mitarbeiter gelingen, systemisch zu denken (Helmig in: Trede 2001, S. 551). Das bedeutet er muss die „Familien innerhalb der größeren sozialen Systeme wahrnehmen“, beispielweise im Zusammenspiel mit der Justiz oder der Gesellschaft und „das System der Familie selbst erkennen“ (Helmig in: Trede 2001, S. 551). In Bezug auf seine Wahrnehmungen dieser Aspekte sollte er seine Fragen stellen. Die Mitarbeiter des BSD in Senftenberg, welche den Bereichen „Beratung Umgangs-/Sorgerecht“ und „Trennung/Scheidung“, unterstellt sind, ebenfalls systemisch und besitzen zum Teil eine systemische Ausbildung.

Hinzukommend erfordert auch dieser Bereich eine Ausrichtung auf Ressourcen. Dies zeigt sich in der Praxis unter anderem beim Aufstellen einer Familiendiagnose. Jene Charakteristik des aktuellen Familiengefüges sowie der dort existierenden Probleme beinhaltet auch das Erstellen eines Genogramms. So können Familieninformationen geordnet werden und „die gegenwärtigen Schwierigkeiten in einem übergeordneten Rahmen“ erfasst werden (Erler 2003, S. 35). „Es soll auch als Hilfe dienen, komplexe Familienstrukturen zu visualisieren und dem Sozialarbeiter im ASD eine Möglichkeit des Überblicks über familieninterne Ressourcen in Form anderer Familienmitglieder geben (Burnham 1995, S.48).

Mehr Informationen zur Familiendiagnostik im Kontext des Hilfeverlaufes im Kapitel „Darstellung des eigenen Aufgabenbereiches und des eigenen Alltagshandeln“.

Auch das Verfassen eines Hilfeplanes nach § 36, im Jugendamt Senftenberg im Regelfall jedes halbe Jahr, gehört in allen Jugendämtern zu den unabdinglichen Pflichten. Darin sollen „die verschiedenen Standpunkte und Auffassungen der Beteiligten“ sowie der „Hilfeplanprozess“ niedergeschrieben werden (Struck in Trede 2001, S. 728).

Genaueres zum Hilfeplan und seinem Kontext im Hilfeverlauf im Kapitel „Darstellung des eigenen Aufgabenbereiches und des eigenen Alltagshandeln“.

Weiterhin deckt jeder Sozialarbeiter des Bereiches der Erziehungshilfen einen Zuständigkeitsbereich ab. In größeren Jugendämtern bezieht sich die Zuständigkeit auf Stadtgebiete, in kleineren, wie den hiesigen, auch auf ganze Kleinstädte und Gemeinden. Eine solche Aufteilung hat den Vorteil, dass der Sozialarbeiter die Begebenheiten des Lebensraumes „seiner“ Klienten verinnerlicht und so auch besseres Verständnis für die dort herrschenden Problemsituationen entwickelt.

1.3 finanzielle Rahmenbedingungen

Das Jugendamt als öffentlicher Träger der Jugendhilfe finanziert die Hilfen zur Erziehung durch Mittel aus verschiedenen Finanzquellen. Die Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 1990 benennen die „Städte und Gemeinden“ als Träger der „Hauptlast der Jugendhilfekosten“ (Jordan/Sengling 1988, S. 243).

60% der Gelder werden von „kommunalen Geisteskörperschaften“, also den Kommunalverbänden, Gemeinden, Bezirken und Landkreisen beigesteuert. Die Länder decken 30% der Kosten ab, der Bund trägt die übrigen 10% der Finanzen bei (Jordan/Sengling 1988, S. 243).

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Allgemeiner Sozialer Dienst des Jugendamtes
Hochschule
Fachhochschule Lausitz in Senftenberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
34
Katalognummer
V233528
ISBN (eBook)
9783656506553
ISBN (Buch)
9783656507710
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialarbeit, Praktikum, Praxis, Praxisbericht, Allgemeiner Sozialer Dienst, ASD, Jugendamt, SGB, SGB VIII, Kinderschutz, Hilfen zur Erziehung
Arbeit zitieren
Lisa Schröter (Autor), 2013, Allgemeiner Sozialer Dienst des Jugendamtes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233528

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