Es bestehen große Unterschiede zwischen den Konzepten des Lernens in Vietnam und Deutschland. Im Fokus dieser Arbeit sind Probleme in der Schulbildung Vietnams aufzuzeigen und deren Lösungen durch das konstruktivistische Lernkonzept darzustellen.
Im ersten Teil wird die Wichtigkeit des Lernens für die Vietnamesen dargelegt. Darauf aufbauend wird im zweiten Teil gezeigt, dass das schulische Lernen in Vietnam stark vom Konfuzianismus, die chinesischen Philosophien, die tausende Jahre auf das vietnamesische Gesellschaftsleben sowie Bildungswesen einen starken Einfluss ausübt und geprägt wird. Danach wird die Problematik des Lernens in vietnamesischen Schulen dargestellt. Als eine mögliche Lösung zur Bildungsreform in Vietnam würde ich das konstruktivistische Lernkonzept nehmen. Aus den Merkmalen des Lernens im Sinne des Konstruktivismus werden abschließend die Konsequenzen für das schulische Lernen in Vietnam gezogen, die nämlich die Veränderung der Lehrerrolle, die Eigenverantwortung des Schülers und die Einführung vom Lernen-lernen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie wichtig ist das Lernen für die Vietnamesen?
2.1 Vietnamesen in Deutschland
2.2 Kinder in Vietnam
3. Das Lernen in vietnamesischen Schulen
3.1 Die Beeinflussung des Konfuzianismus
3.2 Passivität im Unterricht
3.3 Autorität des Lehrers
4. Neue Definition vom Lernen im Konstruktivismus
4.1 Vertreter des Konstruktivismus
4.2 Empirische Befunde
4.2.1 Aus biologischer Sicht (Maturana/Varela)
4.2.2 Aus informationstheoretischer Sicht (Förster)
4.2.3 Aus psychologischer Sicht (Glasersfeld)
4.2.4 Aus soziologischem Aspekt (Luhmann)
4.3 Grundlagen des Konstruktivismus
4.4 Konsequenzen des Konstruktivismus für das schulische Lehren und Lernen
5. Die Notwendigkeit der Bildungsreform in Vietnam
5.1 Veränderung der Lehrerrolle
5.2 Eigenverantwortung der Schüler
5.3 Wichtigkeit der Vermittlung vom Lernen lernen
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Probleme des traditionellen Bildungswesens in Vietnam, das stark konfuzianisch geprägt ist, und erörtert, inwiefern das konstruktivistische Lernkonzept als Lösungsansatz für eine notwendige Bildungsreform dienen kann.
- Bedeutung des Bildungserfolgs in der vietnamesischen Kultur
- Einfluss konfuzianischer Traditionen auf das vietnamesische Schulwesen
- Grundlagen und zentrale Ansätze des Konstruktivismus
- Konsequenzen für die pädagogische Praxis: Lehrerrolle und Eigenverantwortung
- Wichtigkeit der Vermittlung von Lernstrategien ("Lernen lernen")
Auszug aus dem Buch
3.2 Passivität im Unterricht
Es ist eine oft beschriebene Charakteristik asiatischer Schüler. Aufgrund mangelnder Argumentationsfertigkeiten sind die Schüler im Unterricht übervorsichtig. Sie sprechen so wenig wie möglich, um das Risiko, Fehler zu begehen, so gering wie möglich die zu halten.
Oft wird dieses passive Verhalten damit begründet, dass für einen asiatischen Schüler das Gesichtsbewahren existenziell ist und das Herausragen aus der Gruppe eben die Harmonie stört und einen Gesichtsverlust nach sich zieht. So verhindern Respekt für den Lehrer und einer unbestimmte Scheu dem Lehrer gegenüber freie Lerneräußerungen.
Viele Schüler vertreten die Meinung, dass Schüler durch Zurückhaltung dem Lehrer Respekt zollen und durch dieses Verhalten eine Art sittsame und dadurch positive Bescheidenheit an den Tag legen. Deswegen sind laute oder gesprächige Mitschüler verpönt, denn diese erweisen anderen nicht genügend Rücksicht und erhalten daher auch keine Bestätigung von Seiten der Gruppe.
Darüber hinaus haben Schüler oft Angst gegenüber dem Lehrer. Allerdings können sie dieses Angstgefühl nicht begründen. Deswegen halten sie sich mit Meinungsäußerungen zurück. Abgesehen davon beinhaltet eine gewisse Reserviertheit auch eine Art Höflichkeit, denn viele Schüler denken, dass unauthorisiertes Sprechen von schlechtem Benehmen zeugt, da man dadurch den Lehrer unterbricht, und eine Verschwendung der wertvollen, weil knappen Unterrichtszeit ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den hohen Stellenwert von Bildung in Vietnam und skizziert die Problematik des traditionell autoritären, frontal geprägten Unterrichts im Vergleich zu westlichen Ansätzen.
2. Wie wichtig ist das Lernen für die Vietnamesen?: Dieses Kapitel analysiert die kulturelle Bedeutung von Bildung für Vietnamesen, sowohl in der Heimat als auch für Migrantenfamilien in Deutschland, und zeigt den damit verbundenen enormen Leistungsdruck auf.
3. Das Lernen in vietnamesischen Schulen: Es wird dargelegt, wie der Konfuzianismus die passiven Rollenbilder, die Lehrerautorität und die Zurückhaltung der Schüler im vietnamesischen Unterricht prägt.
4. Neue Definition vom Lernen im Konstruktivismus: Dieses Kapitel führt in die konstruktivistische Lerntheorie ein, präsentiert ihre wichtigsten Vertreter sowie empirische Grundlagen und leitet daraus notwendige Veränderungen für den Unterricht ab.
5. Die Notwendigkeit der Bildungsreform in Vietnam: Hier wird die Forderung nach einer Reform begründet, wobei der Fokus auf der neuen Lehrerrolle, der Eigenverantwortung der Lernenden und der Einführung von "Lernen lernen" liegt.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass eine Reform der Lehr- und Lernkultur in Vietnam angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung notwendig ist, jedoch behutsam und mit Offenheit für Neues angegangen werden muss.
Schlüsselwörter
Bildungsreform, Konstruktivismus, Konfuzianismus, Vietnamesisches Bildungswesen, Lernkultur, Lehrerrolle, Eigenverantwortung, Lernen lernen, Frontalunterricht, Schulerfolg, Wissenskonstruktion, Schulpädagogik, Leistungsdruck, Bildungsqualität, Selbstgesteuertes Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen des aktuellen vietnamesischen Bildungssystems und prüft das Potenzial konstruktivistischer Ansätze zur Verbesserung der Lernqualität.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der soziokulturelle Einfluss des Konfuzianismus, die Psychologie des Lernens, die methodische Reform des Unterrichts und die Notwendigkeit von Selbstgesteuertem Lernen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen traditionellen, rückständigen Unterrichtsmethoden in Vietnam und modernen Anforderungen aufzuzeigen und konstruktivistische Reformvorschläge zu unterbreiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die pädagogische Fachliteratur, lerntheoretische Konzepte und soziokulturelle Analysen verknüpft.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus und den daraus resultierenden Konsequenzen für die pädagogische Praxis in Vietnam.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Bildungsreform, Konstruktivismus, Konfuzianismus, vietnamesische Lernkultur und "Lernen lernen" sind die tragenden Begriffe der Arbeit.
Welchen Einfluss hat der Konfuzianismus auf das Verhalten der Schüler?
Er fördert eine Kultur des Respekts und der Zurückhaltung, was sich im Unterricht häufig in Passivität, Angst vor Fehlern und dem Verständnis des Lehrers als unfehlbare Wissensquelle äußert.
Warum ist die Vermittlung von "Lernen lernen" in Vietnam so bedeutend?
Da sich die Welt durch einen rasanten Wissenszuwachs und technologischen Wandel verändert, müssen Schüler lernen, Informationen selbstständig zu bewerten und zu verarbeiten, statt nur vorgegebenen Stoff zu memorieren.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Tam Nguyen (Author), 2012, Konsequenzen des Konstruktivismus für die Bildungsreform in Vietnam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233630