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Die Überwindung des eigenen Ich. Die politische Tugend der Demokratie in Montesquieus "De l’Esprit des Lois"

Title: Die Überwindung des eigenen Ich. Die politische Tugend der Demokratie in Montesquieus "De l’Esprit des Lois"

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 18 Pages , Grade: 1

Autor:in: Sebastian Ballmann (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Paul Ginsborg stellt in seinem bemerkenswerten Essay „Wie Demokratie leben“ fest, dass die liberale Demokratie im 21. Jahrhundert in einer qualitativen Krise zu stecken scheint. Trotz eines quantitativen Siegeszuges unseres politischen Systems seit dem Wegfall des globalen Systemgegensatzes 1989 offenbarten sich Defizite, die sich an sinkenden Wahlbeteiligungen und an einem Vertrauensverlust der Bürger und Bürgerinnen in „die demokratischen Institutionen und die politische Klasse im Allgemeinen“ erkennen lassen. Parallel dazu lässt sich eine steigende Popularität (rechts-)populistischer Parolen und Parteien in Europa beobachten, die vermeintlich einfache Antworten parat haben, mit denen sie auf komplexe Probleme reagieren. Als Beispiel für letzteres kann der jüngste Wahlerfolg des Front National in Frankreich herangezogen werden, der sich durch europaskeptische und ausländerfeindliche Aussagen als Alternative auf dem politischen Parkett anbietet.
Einer der zahlreichen Gründe für diese Demokratieverdrossenheit ist nach meinem Dafürhalten die Entfremdung der liberalen Demokratien von ihrem eigentlichen Wesen, dem Bekenntnis und Umsetzen der Werte und des humanistischen Erbes der Aufklärung. Als Begründung für diesen Stillstand der Aufklärung wurde oft auf die Ökonomisierung von Sphären, wie dem Bildungswesen, der öffentlichen Daseinsfürsorge und dem sozialen Miteinander der Menschen, hingewiesen, die nicht nach ökonomischen Prinzipien gestaltet sein sollten. Doch die wichtige Frage nach historischen Entwicklungen, die zu den demokratischen und sozialen Defiziten geführt haben, soll hier ausgeblendet werden und anstatt dessen nach den Wurzeln der modernen Demokratie, die in die Epoche der Aufklärung zurückreichen, gefragt werden.
Es erscheint wichtig, ja dringend notwendig, dass demokratische Staaten ihre Werte und ihre politischen Prinzipien, auf die sie sich berufen, nicht einfach als gegeben hinnehmen, sondern sie in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Leben füllen und sich ihrer immer wieder aufs Neue versichern.
Die vorliegende Arbeit kehrt mit dieser Intention zu einem bedeutenden Denker der Aufklärung Charles-Louis de Secondat, Baron de Montesquieu zurück und will in dessen Werk De l'Esprit de Lois der Frage nach der Beschaffenheit einer politischen Bürgertugend als Voraussetzung für die demokratische Gesellschaft nachspüren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Methodische Vorbemerkungen

II. Die Regierungsformen in Montesquieus Staatstheorie

II.1. Natur der Regierungsformen

II.2. Prinzip der Regierungsformen

II.2.1. Monarchie und Despotie

II.2.2. Aristokratie und Demokratie

III. Montesquieus Tugendbegriff

IV. Rahmenbedingungen für die politische Tugend

IV.1. Erziehung zur Tugend

IV.2. Soziale und ökonomische Gleichheit

IV.3. Rechtlicher Rahmen

IV.4. Verhältnis Bürger – Staat

V. Konzept der Bürgertugend

V.1. Tugend als Neigung

V.2. Pflicht zur Tugend

VI. Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der politischen Bürgertugend in Montesquieus Werk „De l'Esprit de Lois“, um die strukturellen Voraussetzungen für eine stabile und lebendige demokratische Gesellschaft zu identifizieren.

  • Montesquieus Analyse der Regierungsformen und ihrer Prinzipien.
  • Die Bedeutung der politischen Tugend als notwendige Bedingung für die Demokratie.
  • Soziale, ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen für Bürgertugend.
  • Das Spannungsfeld zwischen persönlichem Eigeninteresse und Gemeinwohl.
  • Die Rolle von Erziehung und politischer Teilhabe.

Auszug aus dem Buch

III. MONTESQUIEUS TUGENDBEGRIFF

Eine Definition der Tugend gibt der Verfasser des EdL gleich im zweiten Kapitel des Fünften Buches: „Tugend ist in einer Republik eine sehr einfache Sache: sie ist die Liebe (l'amour) zur Republik. Das ist eine Gefühl (un sentiment) und keine Folgerung aus Erkenntnissen.“ Mit dieser „Liebe zur Republik“, von der oft synonym als „Liebe zum Vaterland“ die Rede ist, meint er die aktive Identifikation des Bürgers oder der Bürgerin mit der Regierungsform, bzw. dem Staat. Und diese Grundhaltung bedeutet das permanente Hintenanstellen der eigenen Bedürfnisse und Wünsche und „eine unablässige Entscheidung für das öffentliche Wohl“ und je weniger die Menschen sich den „privaten Leidenschaften“ widmeten, desto mehr profitiere das Allgemeinwohl davon. Und weiter sei die Liebe zur Republik in einer Demokratie die Liebe zur Gleichheit und Genügsamkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle qualitative Krise liberaler Demokratien und motiviert die Rückbesinnung auf Montesquieus Werk zur Bestimmung der Bürgertugend.

I. Methodische Vorbemerkungen: Der Autor erläutert seinen deskriptiven Zugang zu Montesquieu und grenzt den Begriff der politischen Tugend innerhalb des Rahmens der Arbeit ein.

II. Die Regierungsformen in Montesquieus Staatstheorie: Dieses Kapitel analysiert Montesquieus Unterscheidung von Natur und Prinzip der verschiedenen Regierungsformen, insbesondere den Fokus auf die Republik.

III. Montesquieus Tugendbegriff: Hier wird die zentrale Definition der Tugend als „Liebe zur Republik“ und als aktives Gefühl der Identifikation mit dem Gemeinwohl herausgearbeitet.

IV. Rahmenbedingungen für die politische Tugend: Das Kapitel behandelt die notwendigen sozialen, ökonomischen und institutionellen Prämissen, wie Erziehung und Gleichheit, für eine funktionierende Demokratie.

V. Konzept der Bürgertugend: Hier wird die aktive Komponente der Bürgertugend als innere Verhaltensdisposition und notwendige Pflicht zur politischen Mitwirkung beleuchtet.

VI. Ausblick: Der Autor vergleicht Montesquieus positives Menschenbild mit dem auf Eigeninteresse basierenden Modell des liberalen Kapitalismus.

Schlüsselwörter

Montesquieu, De l'Esprit de Lois, politische Tugend, Bürgertugend, Demokratie, Regierungsform, Gemeinwohl, Gleichheit, Genügsamkeit, Aufklärung, liberale Demokratie, Erziehung, Staatsbürger, politische Freiheit, Gewaltenteilung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit Montesquieus Werk „De l'Esprit de Lois“ und untersucht darin das Konzept der politischen Tugend als essenzielle Voraussetzung für das Gelingen demokratischer Gesellschaften.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die Regierungsformen, das Verhältnis zwischen Bürger und Staat, die Bedeutung von Erziehung für politische Sitten sowie die notwendige ökonomische Gleichheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, nach der Beschaffenheit einer politischen Bürgertugend zu fragen, die in Montesquieus Denken eine Voraussetzung für die demokratische Gesellschaft bildet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer direkten textimmanenten Analyse von Montesquieus „De l'Esprit de Lois“, ergänzt durch Überblicksdarstellungen, unter bewusstem Verzicht auf umfangreiche Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Staatsformen, die Definition des Tugendbegriffs, die Identifikation von Rahmenbedingungen für diese Tugend sowie die Erörterung des Konzepts der Bürgertugend als Neigung und Pflicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind politische Tugend, Gemeinwohl, Demokratie, Gleichheit, Bürgertugend und die Aufklärung.

Warum betont Montesquieu die Notwendigkeit von Genügsamkeit in einer Demokratie?

Genügsamkeit wird als Mittel gegen übermäßige ökonomische Machtkonzentration verstanden, da diese laut Montesquieu zur Vernachlässigung des Gemeinwohls zugunsten privater Interessen führen würde.

Inwiefern ist der „Zwang“ zur politischen Ämterübernahme bei Montesquieu laut Autor vereinbar mit Freiheit?

Der Autor argumentiert, dass dieser Zwang keine Unfreiheit darstellt, weil in Montesquieus Entwurf Privatleben und Öffentlichkeit eng verknüpft sind und der Bürger aufgrund seiner Identifikation mit der Republik gar nicht anders wollen kann, als zum Gemeinwohl beizutragen.

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Details

Title
Die Überwindung des eigenen Ich. Die politische Tugend der Demokratie in Montesquieus "De l’Esprit des Lois"
College
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Course
"Montesquieu"
Grade
1
Author
Sebastian Ballmann (Author)
Publication Year
2012
Pages
18
Catalog Number
V233646
ISBN (eBook)
9783656505433
ISBN (Book)
9783656617280
Language
German
Tags
überwindung tugend demokratie montesquieus lois
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Ballmann (Author), 2012, Die Überwindung des eigenen Ich. Die politische Tugend der Demokratie in Montesquieus "De l’Esprit des Lois", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/233646
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