Eine kurze Darstellung des Werks "Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" von Peter Kropotkin


Rezension / Literaturbericht, 2004
22 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

Einführung

1. Teil A: Inhaltliche Zusammenfassung des Buches „Gegenseitige Hilfe“ von Peter Kropotkin
1.1. Erstes Kapitel: Gegenseitige Hilfe bei den Tieren
1.2. Zweites Kapitel: Gegenseitige Hilfe bei den Tieren (Fortsetzung)
1.3. Drittes Kapitel : Gegenseitige Hilfe bei den Wilden
1.4. Viertes Kapitel: Gegenseitige Hilfe unter den Barbaren
1.5. Fünftes Kapitel: Gegenseitige Hilfe in der Stadt des Mittelalters
1.6. Sechstes Kapitel: Gegenseitige Hilfe in der Stadt des Mittelalters (Fortsetzung)
1.7. Siebtes Kapitel: Gegenseitige Hilfe in unserer Zeit
1.8. Achtes Kapitel: Gegenseitige Hilfe in unserer Zeit (Fortsetzung)

2. Teil B: Eigene Auseinandersetzung mit der Thematik
2.1. Kooperation und Konkurrenz – die subtile Balance
2.2. Alles hängt zusammen
2.3. Kooperation versus Egoismus

Anhang
TIT FOR TAT
1. Das Grundproblem des Gefangenendilemmas
2. Die Evolution der Kooperation
3. Der Gewinner des Gefangenendilemma-Turniers
4. Relevanz und praktische Folgerungen

Einführung

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin, Rousseaus entgegengesetzte romantisch anmutende Anschauung der Natur, die Studie zur gegenseitigen Hilfe von Peter Kropotkin; alle versuchen sie die Welt, in der wir leben, handeln und uns stetig weiter entwickeln, zu verstehen, ihre Lebensmechanismen mit ihren schwer zu begreifenden und oft widersprüchlich erscheinenden Eigenheiten zu erkennen und erklärbar zu machen. Alle versuchen sie es auf ihrem Weg und doch liegt die Antwort, so ist meine persönliche Annahme, wohl in der Verbindung aus all diesen unterschiedlichen Sichtweisen und Blickwinkeln.

Ich werde auf den folgenden Seiten versuchen zuerst einen inhaltliche Zusammenfassung des Buches „Gegenseitige Hilfe“ von Peter Kropotkin zu geben und mich im zweiten Teil dieser Arbeit mit meiner eigenen Sichtweise zu dieser Thematik befassen.

1. Teil A: Inhaltliche Zusammenfassung des Buches „Gegenseitige Hilfe“ von Peter Kropotkin

Während seiner Jugendreisen durch das östliche Sibirien und die nördliche Mandschurei empfing Kropotkin aus dem Tierreich zwei starke Eindrücke. Einer waren seine Erlebnisse von grausamer Härte des Kampfes um die Existenz. Auf der anderen Seite hatte er auf seinen Reisen durch Nordasien viele Erlebnisse von gegenseitiger Hilfe und Unterstützung und er begann zu zweifeln, ob der darwinistische Kampf ums Dasein wirklich Hauptfaktor der Evolution sein konnte. Keine Werke und Schriften seitens der Verfechter des Darwinismus konnten ihn zufrieden stellen. Denn entgegen seiner Ahnung von der Wichtigkeit des Faktors der gegenseitigen Hilfe versuchten sie alle zu beweisen, dass der Kampf ums Dasein und um die Existenzmittel ein Naturgesetz sei. Durch einen Vortrag des russischen Naturforschers Kessler, über das Gesetz des gegenseitigen Kampfes und das Gesetz der gegenseitigen Hilfe, welchem er besondere Wichtigkeit einschob, begann Kropotkin zu sammeln und richtete sein Hauptaugenmerk von nun an darauf, die Bedeutung der gegenseitigen Hilfe als Entwicklungsfaktor nachzuweisen.

Das Buch „Gegenseitige Hilfe“ entstand ursprünglich aus mehreren Artikeln des Magazins „Nineteenth Century“ als Antwort auf Huxley´s „Kampf ums Dasein“-Manifest im Jahre 1888, welches nach Kropotkin ein völlige Entstellung der wirklichen Tatsachen der Natur darstellte. Nach Kropotkin ist es „ein Buch über das Gesetz der gegenseitigen Hilfe als eines der hauptsächlichsten Entwicklungsfaktoren und nicht ein Buch über alle Entwicklungsfaktoren und deren Wert“ (S.17).

1.1 Erstes Kapitel: Gegenseitige Hilfe bei den Tieren

Auf den ersten Seiten dieses Kapitels versucht Kropotkin sein These der Wichtigkeit der gegenseitige Hilfe, als ein Naturgesetz und wesentlicher Faktor der fortschreitenden Entwicklung zu bilden, dem darwinistischen Prinzip des Kampfes ums Dasein gegenüberzustellen und die darwinistischen Anhänger zu entkräftigen.

Dazu erwähnt er Darwin selbst, wie dieser “gleich im Beginn seines berühmten Werkes betonte [...], dass der Ausdruck in seinem „weiten und metaphorischen Sinne“ zu nehmen sei“ (S.22) und wie er seine Nachfolger vor dem Irrtum warnte „diesen engen Sinn zu überschätzen“ (S.23).

Um diese Aussagen zu unterstreichen verweist Kropotkin auf einige entscheidende Seiten aus Darwins „Abstammung des Menschen“, in welchen Darwin darlegte, „wie in zahlreichen Tiergesellschaften der Kampf um die Existenzmittel zwischen den einzelnen Individuen verschwindet, wie der Kampf ersetzt wird durch Zusammenwirken, und wie dieser Ersatz schließlich zu der Entwicklung der geistigen und moralischen Fähigkeiten führt, die der Art die besten Bedingungen des Überlebens sichert. Er betonte, dass die Geeignetsten in solchen Fällen weder die körperlich Stärksten noch die Listigsten seien, sondern solche, die gelernt haben, sich so zu verbinden, dass sie sich, ob stark oder schwach, gegenseitig unterstützen, um des Wohles der Gemeinschaft willen“ (S.23). Kropotkin bemängelt auch, dass Darwin niemals versuchte, „die Bedeutung einer jeden der zwei Erscheinungsformen, die der Kampf ums Dasein im Tierreich zeigt, einer genaueren Untersuchung zu unterziehen“ (S.23).

Nach diesen Aussagen wendet sich Kropotkin nun den Nachfolgern Darwins zu. Er ist der Ansicht, dass diese Darwins Theorie, anstatt sie durch ihre Sichtweisen zu erweitern, noch mehr verengt hätten und sich letztlich „das Reich der Tiere als eine Welt fortwährenden Kampfes zwischen halbverhungerten Individuen vorzustellen, jedes nach des anderen Blut dürstend“ (S.24). Er betont vor allem Huxley und dessen Pessimismus als entgegengesetzten Irrtum zu Rousseaus utopisch romantischen Ansichten. Beide Sichtweisen sind nach Kropotkin zu einseitig ausgerichtet, denn Geselligkeit ist in seinen Augen ebenso Naturgesetz wie der gegenseitige Kampf. In der Frage des Passendsten in der Natur, sieht er nicht diejenigen, welche fortwährend miteinander Krieg führen, sondern diejenigen Tiere, die Gewohnheiten gegenseitiger Hilfe annehmen. Er leugnet „den Kampf ums Dasein nicht, aber [er behauptet][...], dass die fortschreitende Entwicklung des Tierreiches und insbesondere der Menschheit weit mehr durch gegenseitige Unterstützung als durch gegenseitigen Kampf gefördert wird“ (S.28).

Nach dieser Thesenbildung beginnt Kropotkin seine Behauptungen durch Beispiele aus der Tierwelt zu bestätigen. Er beginnt auf dem Gebiet der Intervebrata, also der wirbellosen Lebewesen und widmet sich dabei besonders den bemerkenswerten Eigenschaften und dem perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenleben von Ameisen oder Bienen. Beide Insektenarten erreichen „eine so hohe Stufe des Wohlstandes und der Sicherheit, wie sie kein isoliert lebendes Tier je zu erreichen hoffen kann, es mag noch so stark oder gut bewaffnet sein“ (S.35). Ihre Stärke liegt nach Kropotkin „in gegenseitigem Beistand und Vertrauen“ (S.34) und „außerdem entfalten sie keinen der sanguinischen Triebe und keinerlei Neigung zu unnützem Streit“ (S.36) Er räumt zwar ein, dass auch bei Bienen antisoziale Instinkte existieren, „aber die natürliche Auslese muss sie immer mehr austilgen, weil sich schließlich die Praxis der Solidarität als viel vorteilhafter für die Art erweist“ (S.36).

Im weiteren Teil des Kapitels widmet er sich Beispielen aus dem Reich der Vögel. Er schreibt von unterschiedlichen Jagdvereinigungen bei Raubvögeln oder Pelikanen und erwähnt auch Beobachtungen über geselliges, beschützendes und freundschaftliches Verhalten, wo Vögel sich gegenseitig vor Gefahren warnen, gemeinsam nur wegen der Geselligkeit miteinander fliegen oder sich kleine Arten zusammenschließen, um größeren Vögel die Beute abzujagen.

1.2. Zweites Kapitel: Gegenseitige Hilfe bei den Tieren (Fortsetzung)

Kropotkin setzt im zweiten Kapitel seine indirekte Beweisführung durch Beispiele aus dem Reich der Vögel fort und führt diese noch kurz weiter aus.

Im Anschluss daran untersucht er die Säugetiere auf Formen der gegenseitigen Hilfe und führt dazu wiederum mehrere Beispiele an. Und auch bei den Säugetieren findet er unterschiedliche Formen der gegenseitigen Hilfe. Beispielsweise sieht er Vereinigung bei Pferden als, deren „Hauptwaffe im Kampf ums Leben“ (S.60). Er schreibt über gegenseitige Anhänglichkeit und die geselligen Triebe der Elefanten oder geht auf die dem Menschen ähnlichsten Lebewesen, die Affen, näher ein.

Auf Grundlage all der genannten Beispiele schließt Kropotkin unter anderem, „dass das Gesellschaftsleben in der Tierwelt keine Ausnahme ist“ (S.64), sondern „ es ist die Regel, das Naturgesetz, und es erreicht seine höchste Stufe mit den höheren Wirbeltieren“ (S.64) und er behauptet, dass „je mehr wir die Stufenfolge der Entwicklung hinangehen, um so mehr sehen wir, wie Vereinigung eine bewusste wird. Sie verliert ihren bloß physischen Charakter, sie hört auf, bloß instinktiv zu sein, sie wird überlegt“ (S.65). Er widerspricht in seinen Ausführungen zwar nicht, dass das Leben Kampf bedeutet und es einen Kampf ums Dasein gibt, dieser Ausdruck jedoch in seinem metaphorischen Sinn angewendet werden muss. Er bezweifelt, dass der wirkliche Kampf „in dem Maße wirksam ist, wie es Darwin oder auch nur Wallace behaupten, und ob dieser Kampf in der Entwicklung des Tierreichs die Rolle gespielt hat, die ihm zugeschrieben wird“ (S.71). Die mächtigsten Faktoren für das Fortbestehen und Weiterentwicklung eines Lebewesens sieht Kropotkin in der Vermeidung von Streit und Konkurrenz, in Vereinigung und den verschiedenen Formen von gegenseitiger Hilfe.

1.3. Drittes Kapitel : Gegenseitige Hilfe bei den Wilden

Was eine natürliche Regel bei den Tieren ist, so Kropotkin, kann bei dem Menschen nicht anders sein. Da der Mensch in seinen Ursprüngen jedoch so hilflos gegenüber seiner Umwelt war, konnte er sich nur weiterentwickeln und sein eigenes Fortbestehen sichern, indem er sich zusammenschloss und sich gegenseitig unterstützte. Ähnlich denen der höchsten Säugetiere, lebten die Menschen in ihren Anfängen in Horden oder Stämmen zusammen. Auf diese früheste Form sozialen Lebens aufbauend gab es eine lange und langsame Entwicklung zur Gentil- oder Clanorganisation bis daraus die ersten Keime der Familie entstanden. Er beschreibt die primitiven Völker „keineswegs [als][...] lose Haufen von Männern und Frauen, die etwa augenblicklichen Launen zufolge sich unordentlich zusammenfänden“ (S.91), sondern beschreibt etwa die „Kompliziertheit der Organisation der Eheverhältnisse, die ihr Leben beherrscht“ (S.91) oder andere Regeln des friedlichen und gemeinsamen Zusammenlebens. Dadurch widerlegt er die darwinistischen Behauptungen. „Ein Wilder, der imstande ist, unter einer solchen Organisation zu leben und sich den Regeln, die fortwährend mit seinen persönlichen Wünschen zusammenstoßen, freiwillig zu unterwerfen, ist jedenfalls nicht eine Bestie, die der ethischen Grundsätze bar ist und für seine Leidenschaften keine Zügel kennt.“ (S.93) „Ungezügelter Individualismus ist ein modernes Gewächs, aber er ist kein Merkmal der primitiven Menschen“ (S.94), so Kropotkin.

Im weiteren Verlauf sucht er in den Gemeinschaften von lebenden Wilden nach weiteren Beispiele für seine Behauptungen. So schreibt er von den Buschmännern oder den Hottentotten, den Aboriginies, den Papuas, den Eskimos, usw. Bei allen Erzählungen, welche ihm zum Teil überliefert wurden, beschreibt er die Wilden als freundlich, friedlich, gutherzig und hilfsbereit. Er erzählt von weit verbreiteten Einrichtungen, wie z.B. dem langen Haus, „für die unverheirateten Männer, für gesellige Zusammenkünfte, und für die Besprechung der gemeinsamen Angelegenheiten“ (S.99) oder wie beispielsweise „Schelten, Beschimpfungen und der Gebrauch roher Worte im Leben der Aleuten völlig unbekannt ist“ (S.104). Aufgrund des engen Zusammenlebens und der engen gegenseitigen Abhängigkeit ist es notwendig den tiefen Respekt vor dem Interesse der Gemeinschaft zu erhalten. Aus dieser hochentwickelten Stammesmoral und Stammessolidarität heraus entwickelten sich während Zeiten äußerster Not auch, dem Europäer auf den ersten Blick unverständliche, Rituale, Bräuche oder Regel, wie etwa dem Aussetzen von Alten oder Kindesmord. Auch Rituale wie Kannibalismus oder Stammesgesetze wie die Blutrache sind nach Kropotkin nur entstanden, um das Interesse der Gemeinschaft zu sichern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Eine kurze Darstellung des Werks "Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" von Peter Kropotkin
Hochschule
Hochschule München  (Fachbereich: 11 Sozialwesen)
Veranstaltung
Theorien, Werte, Normen und Gesellschaft
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V23382
ISBN (eBook)
9783638265171
ISBN (Buch)
9783638647922
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Darstellung, Werks, Gegenseitige, Hilfe, Tier-, Menschenwelt, Peter, Kropotkin, Theorien, Werte, Normen, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Dipl.Soz.Päd. (FH) Friedel Buergel-Goodwin (Autor), 2004, Eine kurze Darstellung des Werks "Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" von Peter Kropotkin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23382

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eine kurze Darstellung des Werks "Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" von Peter Kropotkin


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden