Die Entwicklung und Perfektionierung der Alben "Theodor Pussel" von Franc Le Gall - Dramaturgische, zeichnerische und filmische Gesichtspunkte


Hausarbeit, 2003
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

GLIEDERUNG

I. Einleitung
A. Über den Autor und Zeichner Frank Le Gall
B. Die Story

II. Filmische Mittel
A. Montage / Dramaturgie
1. Enge und weite Bildfolgen
2. Hervorhebung durch Detailaufnahmen
3. Schuss-Gegenschuss-Prinzip
B. Einstellung / Perspektive / Panelaufbau
1. Auswahl des Bildausschnittes
2. Subtile Botschaft durch Perspektive

III. Vergleich Band 1 mit Band 6 und 8
A. Linienführung und Farbgebung
B. Einsatz von Sprache

IV. Schlussfolgerung

I) Einleitung

1984 erschien unter dem Titel „Das Geheimnis des Kapitän Stien“ der erste Band der Serie „Theodor Pussel“ von Frank Le Gall. Bis heute erschienen elf Abenteuer des Weltenbummlers. Anhand der vorliegenden Arbeit soll die zeichnerische und erzähltechnische Entwicklung der Alben aufgezeigt werden. Schwerpunkt soll das sechste Album sein. Die Faszination Bandes rührt von seinem filmischen Charakter her. Darum werde ich im Folgenden die einzelnen Alben unter dem Aspekt der filmischen Mittel genauer betrachten. Da die Besprechung sämtlicher Alben den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde, beschränke ich mich auf die Bände

- 1 (Das Geheimnis des Kapitän Stien)
- 6 (Ein Passagier verschwindet) und
- 8 (Die Nebelinsel)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die zeichnerische und erzähltechnische Entwicklung zu verdeutlichen, soll dabei vorwiegend Band 1 mit Band 6 verglichen werden. Ich habe diese Bände ausgewählt, weil ich es für angebracht halte, den großen Unterschied zwischen dem ersten und dem sechsten Band aufzuzeigen. Band 6 ist deshalb von so großer Bedeutung, weil hier die Suche nach seinem Vater endet, die sich durch die ersten sechs Bände hindurch zieht. Zudem gilt er als ein „Schwellenalbum“, in dem Le Gall sich zeichnerisch umorientiert, beziehungsweise perfektioniert.

Band 8 ziehe ich heran, um einen Vergleich der ersten Panels vorzunehmen und die „weite Bildfolge“ als dramaturgisches Mittel genauer zu erläutern.

Ich habe aus Gründen der Übersichtlichkeit nur einzelne Panelfolgen als Beispiele herausgepickt, um meine Thesen zu verdeutlichen.

A) Der Autor und Zeichner Frank Le Gall

Frank Le Gall, geboren in Rouen (Frankreich) am 23. September 1959, veröffentllichte seinen ersten Comic "Pouce de plein-veint" schon mit 16 Jahren in der Zeitschrift "Pistil".

Einige seiner Kurzgeschichten erschienen in der französischen Zeitschrift "Spirou", für die er 1982 die Serie "Theodor Pussel" schuf.

Der dritte Band dieser Serie (dt. bei Carlsen) erhielt 1989 auf dem internationalen Comicsalon in Angoulême die Auszeichnung für das beste Album des Jahres. Die Reihe wurde außerdem 1992 nach dem Erscheinen von Band 6 „Ein Passagier verschwindet“ als beste deutsche Comic-Publikation mit dem .Max und Moritz Preis . ausgezeichnet.

1984 zeichnete Le Gall die erste Episode seiner neuen Reihe "Theodor Pussel". Mit den Abenteuern des Weltenbummlers füllte Le Gall, unter zeitweiser Mitarbeit von Yann Le Pennetier an den Szenarien, bis heute elf Alben.

B) Die Story

Theodor Pussel arbeitet im Büro einer kleiner Reederei. Täglich liest er die Namen von fernen Ländern und Städten. Er träumt davon, selbst einmal die weite Welt kennen zu lernen.

Sein Vorgesetzter gibt ihm die Möglichkeit, als Zahlmeister mit einem Frachtschiff auf große Fahrt zu gehen. So beginnt die Reise des Theodor Pussel. Er will die Gelegenheit nutzen, das Grab seines verschollenen Onkels – der legendäre Kapitän Stien – zu suchen. Dies wird im Laufe der Zeit zu seiner Hauptaufgabe. Bis sich schließlich herausstellt: Kapitätn Stien ist nicht sein Onkel, er ist sein Vater.

Le Gall verwendet die ersten sechs Alben darauf, die Spannung immer weiter in die Höhe zu treiben. Begleitet von „Herrn November“ – dem vermeintlichen Schicksal - schickt er seine Hauptfigur Theodor Pussel um die halbe Welt. Der Kreis schließt sich mit Band 6, der endlich das Geheimnis um alle Geschehnisse in der Vergangenheit auflöst.

Le Gall arbeitet auf diese Auflösung hin. Währenddessen entwickelt er seinen Zeichenstil und die Erzählweise kontinuierlich weiter.

II) Filmische Mittel

Band 6 (Ein Passagier verschwindet) gilt zu Recht als Le Galls zeichnerisches Meisterwerk. Zum einen schließt sich der Kreis, der in Band 1 (Das Geheimnis des Kapitän Stien) seinen Anfang nahm. Theodor kehrt zurück in seine Heimat, nach Dünkirchen. Er trifft alte Freunde, seine Schwester, seine Mutter, und endlich auch Stien – seinen Vater. Im direkten Vergleich – der sich wegen der identischen Lokalitäten und Personen aufdrängt - hält Band 1 dem 6. Album in keiner Weise stand.

Festmachen möchte ich dies neben zeichnerischen und sprachlichen Feinheiten am Einsatz der dem Film vergleichbaren „Einstellung“ und der „Montage“ – also der Bildfolge. , die dem Leser das Gefühl geben, einen Film zu sehen und nicht etwa ein Comicheft zu lesen. Man kommt nicht umhin, das Album mit dem Vokabular der Filmanalyse zu beschreiben.

A) Montage / Dramaturgie

1) Enge und weite Bildfolgen

Im Folgenden nehme ich Bezug auf eine Analysetechnik von Dietrich Grünewald. In seinen Abhandlungen „Comics“ (Tübingen, 2000) und „Vom Umgang mit Comics“ (Berlin 1991) beschreibt er die „enge“ und die „weite“ Bildfolge als „grundsätzliche Erzählmöglichkeiten“[1] und dramaturgische Mittel. Grünewald selbst hält nicht viel davon, das Comic mit den Mitteln der Filmanalyse zu untersuchen. “Die Ergebnisse sind erhellend, entwickeln sich aber nicht aus dem Untersuchungsgegenstand, sondern legen ein [..] Instrumentarium an, das für das Spezifische der Bildgeschichte jeweils uminterpretiert, differenziert und spezifiziert werden muss. Ähnlich ist es mit dem Versuch von Dunger u. a. (1974), die Comics als ‚Vorschule des Fernsehens’ verstehen und mit dem Instrumentarium der Filmanalyse Einzelpanel und Panelverknüpfungen untersuchen.“[2] Grünewald ist der Meinung, dass die narrative Bildfolge zu untersuchen ist. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass „narrative Bildfolge“ und „filmische Schnitttechnik“ beziehungsweise „Montage“ direkt miteinander vergleichbar sind und Grünewald sich mit seiner narrativen Bildfolge nicht vor der Filmanalyse verschließen kann.

Unter engen und weiten Bildfolgen ist der zeitliche beziehungsweise inhaltliche Abstand zu verstehen, der zwischen aufeinanderfolgenden Panels besteht.

Le Gall verwendet vorwiegend enge Bildfolgen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der filmische Charakter der Alben entsteht erst durch das Spiel mit der Gleichzeitigkeit (im Film würde man es wohl Parallelmontage nennen), durch die verschiedenen Kameraeinstellungen, die eine bestimmte Handlung ins Visier nehmen, und durch die Schnelligkeit, in der die einzelnen Bilder zeitlich aufeinander folgen.

[...]


[1] Grünewald, Dietrich: Comics. Tübingen 2000. S.31

[2] ebenda, Seite 28

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung und Perfektionierung der Alben "Theodor Pussel" von Franc Le Gall - Dramaturgische, zeichnerische und filmische Gesichtspunkte
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Comicanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V23426
ISBN (eBook)
9783638265492
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Perfektionierung, Alben, Theodor, Pussel, Franc, Gall, Dramaturgische, Gesichtspunkte, Comicanalyse
Arbeit zitieren
Susanne Graf (Autor), 2003, Die Entwicklung und Perfektionierung der Alben "Theodor Pussel" von Franc Le Gall - Dramaturgische, zeichnerische und filmische Gesichtspunkte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23426

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