Durch vermehrte Freizeit, kürzere Arbeitszeit, steigende Löhne, mehr Urlaubstage und einen Wertewandel (von dem nach Erfolg- strebendem Individuum hin zum Genuss- Menschen; vor allem in den Industrieländern) hat der Tourismus in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung gewonnen. Auch der technische Fortschritt hat sich positiv auf die Entwicklung des Fremdenverkehrs ausgewirkt. Mittlerweile macht sich diese Entwicklung auch sehr stark in den Entwicklungsländern bemerkbar, die ein starkes Ansteigen bei den Übernachtungszahlen ausländischer Touristen registrieren konnten. Dieser verstärkte Tourismus in die Länder der Dritten Welt hat starke Auswirkungen auf das jeweilige Zielland und auf die dort lebende Bevölkerung. In dieser Hausarbeit sollen die wirtschaftlichen Effekte des Dritte- Welt- Tourismus dargestellt und beschrieben werden. Die Entwicklungsländer haben meist eine (stark) defizitäre Zahlungsbilanz; d.h. es werden weit mehr Sach- und Humangüter sowie Dienstleistungen und Kapital importiert als exportiert. Da es sehr schwer ist, den Import zu verringern und / oder die Exporterlöse zu steigern, (da die ausländischen Märkte meist verschlossen sind oder keine "interessanten" Produkte im eigenen Land hergestellt werden können) sehen die Entwicklungsländer im Tourismus eine große Chance ihre Situation entscheidend zu verbessern. (Quelle: EISENSTEIN, B., 1995, S.27 ff) Allerdings bringt der Fremdenverkehr nicht nur positive, sondern auch negative wirtschaftliche Effekte mit sich, die ebenfalls in diesem Referat dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Merkmale von Entwicklungsländern
3 Potential des Tourismus in Entwicklungsländer sowie des internationalen Tourismus
3.1 Die wirtschaftliche Attraktivität des internationalen Tourismus
3.2 Entwicklung des Fremdenverkehrs in Entwicklungsländern am Beispiel der Dominikanischen Republik
4 Mögliche Effekte des Entwicklungsländertourismus
4.1 Devisenzufluss und Devisenabfluss
4.1.1 Der Bruttodeviseneffekt
4.1.2 Die Sickerrate
4.1.3 Der Nettodeviseneffekt
4.2 Beschäftigungseffekte
4.3 Multiplikatoreffekte
4.4 Die inflationäre Wirkung
4.5 Die Abhängigkeit der Entwicklungsländer vom internationalen Tourismus
4.5.1 Der Anteil des Tourismus am BSP eines Landes
4.5.2 Die Fremdenverkehrsintensität
4.5.3 Die Ermittlung der notwendigen Anzahl an Ausländerübernachtungen zur Steigerung des BSP um 1 %
5 Faktoren, die die Entwicklung des Dritte- Welt- Tourismus beeinflussen
6 Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Entwicklungsländertourismus
7 Die Entwicklungsphasen der Tourismuskritik
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern. Das primäre Ziel besteht darin, darzulegen, wie der Tourismus einerseits als Chance zur Verbesserung defizitärer Zahlungsbilanzen dienen kann, jedoch andererseits auch mit problematischen negativen Begleiterscheinungen verbunden ist, die einer kritischen Betrachtung bedürfen.
- Wirtschaftliche Potenziale und Kennzahlen des internationalen Tourismus
- Analyse direkter und indirekter ökonomischer Effekte (Devisen, Beschäftigung, Multiplikatoreffekte)
- Herausforderungen wie Sickerraten, Inflation und strukturelle Abhängigkeiten
- Diskussion der Entwicklungsphasen der Tourismuskritik
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Sickerrate:
„Mit Sickerrate ist der Anteil an den Deviseneinnahmen gemeint, der wegen der zur Erstellung des touristischen Angebots notwendige Importe wieder aus dem Land abfließt (z.B. Importe für die Ausstattung der Hotels, Marken- Konsumgüter wie Spirituosen)“ (Quelle: JOB et. al. 2003, S.634). Diese Sickerrate variiert von Land zu Land sehr stark. Im Allgemeinen kann man folgende Punkte für eine Steigerung der Sickerrate verantwortlich machen:
• Je mehr Waren, Dienstleistungen und Kapital importiert werden müssen, desto höher ist die Sickerrate
• Je abgelegener und weniger erschlossen ein Land, desto höher ist die Sickerrate
Dies ist vor allem bei kleineren Inselstaaten der Fall, da diese nur wenig Raum, Arbeiter und Kapital zur Verfügung haben, um selbstständig eine dem Import entgegenwirkende Volkswirtschaft aufzubauen. Ein Beispiel hierfür sind die Seychellen, die einen sehr großen Teil des von Touristen eingeführten Kapitals erneut in Importe investieren müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Einführung in die Bedeutung des Tourismus vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation in Entwicklungsländern.
2 Merkmale von Entwicklungsländern: Charakterisierung der ökonomischen und sozialen Merkmale, die Länder als Entwicklungsländer definieren.
3 Potential des Tourismus in Entwicklungsländer sowie des internationalen Tourismus: Beleuchtung der wirtschaftlichen Attraktivität und der touristischen Entwicklung am Beispiel der Dominikanischen Republik.
4 Mögliche Effekte des Entwicklungsländertourismus: Detaillierte Untersuchung ökonomischer Wirkungen wie Deviseneffekte, Beschäftigung, Inflation und Abhängigkeiten.
5 Faktoren, die die Entwicklung des Dritte- Welt- Tourismus beeinflussen: Identifikation von Faktoren im Quell- und Zielgebiet, die das touristische Aufkommen steigern oder hemmen.
6 Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Entwicklungsländertourismus: Synthese der positiven und negativen Folgen für die Zielländer.
7 Die Entwicklungsphasen der Tourismuskritik: Historischer Rückblick auf die wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der touristischen Entwicklung.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle des Tourismus als unverzichtbare, aber regulierungsbedürftige Einnahmequelle.
Schlüsselwörter
Tourismus, Entwicklungsländer, Sickerrate, Deviseneffekt, Beschäftigungseffekte, Multiplikatoreffekt, Zahlungsbilanz, Fremdenverkehrsintensität, Tourismuskritik, Inflationsrate, Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Bruttosozialprodukt, Armutsbekämpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern und analysiert das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Chancen und systembedingten Risiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Devisenströme, Arbeitsmarkteffekte, die Abhängigkeit von Importen sowie die inflationären Tendenzen durch den Tourismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die wirtschaftlichen Effekte des Tourismus objektiv darzustellen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Entwicklungsländer den Nutzen maximieren und negative Folgen minimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet verschiedene volkswirtschaftliche Kennziffern und Tabellen aus, um Zusammenhänge zwischen Tourismus und Wirtschaftswachstum zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer ökonomischer Effekte (Devisen, Beschäftigung, Multiplikatoren) sowie die Identifikation von Einflussfaktoren und die Darstellung der Tourismuskritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Sickerrate, Nettodeviseneffekt, Beschäftigungseffekte und die Tourismuskritik stehen im Zentrum der Untersuchung.
Warum ist die „Sickerrate“ für Entwicklungsländer so kritisch?
Die Sickerrate gibt an, welcher Teil der Einnahmen aufgrund notwendiger Importe wieder aus dem Land abfließt; eine hohe Rate mindert den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Nutzen des Tourismus erheblich.
Was unterscheidet die erste von der zweiten Entwicklungsphase der Tourismuskritik?
Die erste Phase (1960-1970) war von Euphorie und dem Glauben an „ökonomische Segnungen“ geprägt, während die zweite Phase (1970-1985) durch Ernüchterung und die Erkenntnis ökologischer und sozio-kultureller Negativfolgen gekennzeichnet war.
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- Daniel Kipper (Author), 2004, Ökonomische Auswirkungen des Dritte-Welt-Tourismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23440