Als ich anfing, mir darüber Gedanken zu machen, womit sich meine Diplomarbeit beschäftigen sollte, faßte ich den Entschluß, ein lebensweltorientiertes Thema auszuwählen.
Ich hatte zu dieser Zeit ein Seminar, in dem das Konzept soziale Unterstützung diskutiert wurde. Als ich an diesem Abend in meine Stammkneipe ging, fiel mir auf, daß ich am Stammtisch genau das vor mir sah, was ich tagsüber in der Theorie kennengelernt hatte. Ich erkannte, daß Kneipe ein Ort sozialer Unterstützung und Kommunikation ist und entschied mich, dies in meiner Diplomarbeit zu untersuchen, auch um Anregungen für die Sozialarbeit zu finden.
Um mich an das Thema heranzuarbeiten, betrachte ich im ersten Kapitel Kneipe als Alltagskultur. Auch die Kneipe ist ein Teil Alltagskultur für ihre Gäste und bietet ihnen damit Sicherheit, Überschaubarkeit und Planbarkeit im Alltag. Warum das so ist, stelle ich anhand der Geschichte der Kneipe dar. Ich werde herausarbeiten, daß die Bedeutung der Kneipe für ihre Gäste in der sozialen Funktion liegt.
Im zweiten Kapitel untersuche ich Kneipe als Kommunikationsfeld. Ich stelle Unterschiede und Besonderheiten im Vergleich zu anderen Kommunikationsfeldern dar.
Im dritten Kapitel werde ich den kommunikativen Austausch in der Kneipe näher als soziale Unterstützung beschreiben. Soziale Unterstützung sehe ich hier im Kontext sozialer Netzwerke. Deshalb wird an dieser Stelle eine Darstellung der Netzwerktheorie folgen. Um auch auf das Thema Alkohol, das zweifelsohne auch eine Rolle in der Kneipe spielt, einzugehen, werde ich hier einige Gedanken dazu darlegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Kneipe als Alltagskultur
2 Kneipe als Kommunikationsfeld
3 Kneipenkommunikation als soziale Unterstützung
3.1 Soziale Unterstützung in Netzwerken
3.2 Soziale Netzwerke
3.3 Einige Anmerkungen zum Thema Alkohol
4 Kneipe und Sozialarbeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die soziale Bedeutung der Kneipe als Ort der Alltagskultur und des informellen Austausches zu untersuchen und Anknüpfungspunkte für die lebensweltorientierte Sozialarbeit aufzuzeigen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Funktion der Kneipe als Raum für soziale Unterstützung und deren präventive Bedeutung im Alltag der Stammgäste.
- Die Kneipe als Teilaspekt der Alltagskultur und ihre soziale Dimension.
- Kommunikationsprozesse und informelle soziale Unterstützung in Stammgastrunden.
- Die Rolle der Quartierskneipe innerhalb sozialer Netzwerke im städtischen Raum.
- Der Umgang mit Alkoholkonsum als Form sozialer Kontrolle und Milieusicherung.
- Perspektiven für eine sozialraumorientierte Sozialarbeit zur Stärkung von Kiezstrukturen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Soziale Unterstützung in Netzwerken
Kommunikativer Austausch kann als „sozial-interaktive Handlung“ und der Sinn des Austausches als soziale Unterstützung betrachtet werden. „Soziale Unterstützung [besitzt] den Charakter eines transaktionalen, symbolischen Prozesses der wechselseitigen Einflußnahme zwischen zwei oder mehreren Individuen. Analog und digital organisierte Kommunikationsprozesse sollen Nähe herstellen, bestehende Beziehungen definieren und kognitive Unsicherheit reduzieren helfen.“ Deshalb bediene ich mich zur näheren Erklärung der Kneipenkommunikation des Konzeptes der sozialen Unerstützung in sozialen Netzwerken.
Man kann Netzwerke allgemein als Strukturen verstehen, welche die Grundlage für verschiedene Inhalte bilden. Ein solcher Inhalt ist die soziale Unterstützung. Soziales Netzwerk und soziale Unterstützung sind somit zwei verschiedene Konzepte in der Sozialarbeit, die trotzdem voneinander abhängig sind. Die Ordnung in Netzwerken ist abhängig von den Inhalten, die sich darin befinden und umgekehrt. Sie beeinflussen sich ähnlich wie Fluß und Flußbett; das eine kann nicht ohne das andere existieren.
Man kann ein soziales Netzwerk bildhaft als ein Netz beschreiben, bei dem die einzelnen Personen die Knotenpunkte und ihre Beziehungen untereinander die Verbindungslinien zwischen den Knotenpunkten darstellen. Entscheidend ist nun, daß diese Verbindungslinien als ‚Gleisanlagen’ beziehungsweise ‚Förderbänder’ gedacht werden können, auf denen die vielfältigsten alltäglichen Austauschprozesse zwischen Individuen ablaufen. Dieser Austausch findet durch Kommunikation statt, Kommunikation ist also Mittel zum Zweck. Und als Zweck kann die soziale Unterstützung verstanden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kneipe als Alltagskultur: Das Kapitel definiert den Kulturbegriff im Alltagskontext und arbeitet die historische sowie soziale Bedeutung der Kneipe als festen Bezugspunkt in Quartieren heraus.
2 Kneipe als Kommunikationsfeld: Hier wird die Kneipe als spezieller Ort untersucht, der den Übergang zwischen privater Vertrautheit und öffentlichem Raum markiert und soziale Interaktionen außerhalb der eigenen vier Wände ermöglicht.
3 Kneipenkommunikation als soziale Unterstützung: Dieses Kapitel erläutert, wie durch den informellen Austausch in der Kneipe soziale Unterstützung geleistet wird und welche Rolle dabei Netzwerke spielen.
3.1 Soziale Unterstützung in Netzwerken: Die theoretische Verbindung zwischen Netzwerkstrukturen und der Vermittlung von Unterstützung im alltäglichen Interaktionsprozess wird hier grundlegend dargelegt.
3.2 Soziale Netzwerke: Es wird die Differenzierung zwischen primären, sekundären und tertiären Netzwerken vorgenommen, um die Einbettung des Individuums in soziale Gefüge zu verdeutlichen.
3.3 Einige Anmerkungen zum Thema Alkohol: Der Abschnitt betrachtet die Ambivalenz des Alkoholkonsums, der in der Kneipe nicht nur als Gesundheitsrisiko, sondern auch als Mittel zur sozialen Kontrolle und als Bindeglied fungieren kann.
4 Kneipe und Sozialarbeit: Das Kapitel schließt mit einer Analyse, wie Sozialarbeit die stützende Funktion von Quartierskneipen präventiv in der Sozialplanung nutzen kann, statt diese zu dequalifizieren.
Schlüsselwörter
Alltagskultur, Soziale Unterstützung, Kneipe, Stammgäste, Soziale Netzwerke, Quartierskneipe, Kommunikation, Sozialarbeit, Sozialraum, Milieusicherung, Soziale Kontrolle, Netzwerkanalyse, Lebensweltorientierung, Informeller Austausch, Kiezstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen und sozialarbeiterischen Bedeutung der Quartierskneipe als einem zentralen Ort der Alltagskultur und der informellen sozialen Unterstützung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Arbeit verknüpft Konzepte der Alltagskultur, der Kommunikationswissenschaft, der Netzwerktheorie und der Sozialplanung, um die Funktion der Kneipe für ihre Gäste zu analysieren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Stellenwert der Kneipe als einen sozial integrativen Raum aufzuzeigen und zu argumentieren, warum die Sozialarbeit solche gewachsenen Strukturen stärken statt überformen sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse soziologischer und sozialwissenschaftlicher Konzepte, um ihre Argumentation zur Kneipe als Kommunikationsfeld und Netzwerk zu untermauern.
Welche Themen werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Kneipe als Alltagskultur, den kommunikativen Austausch innerhalb der Gaststätte, die Bedeutung sozialer Netzwerke für die Unterstützung der Gäste sowie einen kritischen Blick auf die Rolle der Sozialarbeit im Sozialraum.
Was zeichnet die Schlüsselwörter der Arbeit aus?
Die Begriffe konzentrieren sich auf das Spannungsfeld zwischen individuellem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und den strukturellen Rahmenbedingungen in städtischen Quartieren.
Welche besondere Bedeutung hat der "Stammtisch" für die soziale Unterstützung?
Der Stammtisch dient als geschützter, privater Raum innerhalb der Öffentlichkeit, der durch soziale Kontrolle und Reziprozität Sicherheit und Rückhalt bietet, was die Bewältigung des Alltags erleichtert.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Alkoholkonsums in der Kneipe?
Sie betrachtet den Konsum nicht rein pathologisch, sondern als eine Form sozialer Kommunikation und Ritualisierung, die durch interne soziale Kontrolle innerhalb der Gruppe oft sogar vor dem sozialen Abgleiten bewahren kann.
- Citar trabajo
- Kathleen Laaser (Autor), 2003, Kneipe als Kommunikationsfeld der Alltagskultur und was die Sozialarbeit daraus lernen kann, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23499