Die vorliegende Hausarbeit entstand im Rahmen meines Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Fachhochschule Mainz aufgrund eines studienbegleitenden Praktikums beim Verband der Angestellten Krankenkassen (VdAK) und Arbeiterersatzkassenverbandes (AEV) in der Zeit vom 04.März 2002 bis 30.Juni 2002. Für die Dauer des Praktikums wurde ich im Einve rnehmen mit dem VdAK im Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) eingesetzt, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Aufbauphase befand. Aufgabe des Institutes ist u.a. die Implementierung eines international bereits eingesetzten Vergütungssystems für stationäre Einrichtungen auf der Grundlage der australischen Diagnoses Related Groups (DRG).
Meine Aufgabe im InEK bestand in erster Linie darin, die Stichprobenteilnehmer einer DRG-Erstkalkulation im Bereich des Controllings bzw. der Kosten- und Leistungsrechnung anhand eines Kalkulationsleitfadens zu unterstützen. Dieses Kalkulationshandbuch wurde mit der Selbstverwaltung erarbeitet, um eine va lide Grundlage zur Relativgewichtsbestimmung – und damit letztlich der zukünftigen Preisstruktur für Krankenhausleistungen – zu schaffen. Weitere Aufgaben bestanden darin an Entscheidungsvorbereitungen für verschiede Gremien der Beschlussfassungsorgane der Selbstverwaltung mitzuwirken. Auch wurde ich in die Entscheidungsfindung für eine DRG-Datenstelle einbezogen, bei der betriebswirtschaftliche Nutzwertanalysen durchgeführt wurden. Weiterhin nahm ich an Arbeitsgruppen der Selbstverwaltung teil, deren Ziel es u.a. ist, eine durchgängige Projektplanung der DRG-Einführung zum 1. Januar 2003 in Deutschland vorzubereiten. Zahlreiche Vorträge, zum Teil internationaler DRG-Experten, runden den Einblick in die Strukturen und Mechanismen im Gesundheitswesen ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Erläuterung der Institution
1.1 VdAK und AEV
1.2 Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus
2. Einführung der Diagnosis Related Groups
2.1 Ausgangssituation
2.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.2.1 Optionsmodell
2.2.2 Verbindliche Einführung
2.2.3 Konvergenzphase
2.3 Diagnosis Related Groups
2.4 Systematik der AR-DRGs
2.4.1 Kurzfassung
2.4.2 Erläuterung
2.5 Bewertungsansätze
2.5.1 Relativgewichte
2.5.2 Base Rate und Casemix
3. Tendenzen
3.1 Chancen und Risiken der DRG-Einführung
3.1.1 Kodierqualität
3.1.2 Morbiditätsselektion der Krankenversicherer
3.1.3 Veränderung der Leistungsstrukturen
3.2 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen praxisorientierten Überblick über den Prozess und die Systematik der Einführung des DRG-basierten Vergütungssystems in deutschen Krankenhäusern. Ziel ist es, die ökonomischen Hintergründe, die methodische Vorgehensweise bei der Kalkulation sowie die potenziellen Auswirkungen auf die Versorgungsstrukturen im deutschen Gesundheitswesen darzustellen.
- Strukturen und Aufgaben der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen
- Methodik und Systematik des australischen AR-DRG-Systems als Basis für Deutschland
- Berechnungslogik von Relativgewichten, Basisfallpreisen und dem Casemix
- Chancen und Risiken der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung
Auszug aus dem Buch
2.5.1 Relativgewichte
Nachdem die Fallgruppen definiert sind, können die Relativgewichte berechnet werden. Dazu müssen die von den Krankenhäusern übermittelten Kosten- und Leistungsdaten genauer untersucht werden. Dahingehend gibt es Überlegungen die Kostendaten gegebenenfalls zu erhöhen bzw. zu vermindern, sowie nach Plausibilität und Richtigkeit zu überprüfen. Mit den Erhöhungen bzw. Verminderungen soll eine größere Homogenität der Kostendaten erreicht werden, die dann zu einer repräsentativeren Stichprobe führt. So sollen beispielsweise regionale Unterschiede der Kostendaten mit einen bestimmten Faktor ausgeglichen werden, um das jeweilige Kostenniveau bzw. die Versorgungsstufen (z.B. unterschiedliche Tariflöhne) der Krankenhäuser abzubilden.
Zunächst einmal stellt sich aber die Frage was sind Relativgewichte? „Relativgewichte beschreiben in einem DRG-basierten Entgeltsystem das Aufwandsverhältnis zwischen dem durchschnittlichen Ressourcenverbrauch jeder Fallgruppe zu dem des Standardfalls bzw. der Referenzleistung.“ Relativgewichte sind demnach durchschnittliche Kostenanteile der einzelnen Fallgruppen (DRGs) an den durchschnittlichen Gesamtkosten. Die Ergebnisse der Rohfallkostenermittlung bilden die Grundlage für die sich anschließende Berechnung der Relativgewichte.
Das vereinfacht dargestellte Beispiel 3 soll die Entstehung der Relativgewichte auszugsweise für fünf Fallgruppen veranschaulichen. Im Beispiel werden die additiven Gesamtkosten und die Anzahl der Fälle je definierter DRG übermittelt. Anschließend werden die Durchschnittskosten für jede DRG errechnet, indem die Gesamtkosten der einzelnen DRGs durch die Anzahl der Fälle je DRG dividiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erläuterung der Institution: Beschreibt die Rolle der Verbände VdAK und AEV sowie die Entstehung und den Zweck des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus.
2. Einführung der Diagnosis Related Groups: Erläutert die Ausgangslage, die gesetzlichen Grundlagen und die komplexe Systematik der DRG-Fallgruppen und deren Bewertung.
3. Tendenzen: Diskutiert die praktischen Auswirkungen der Reform, insbesondere im Hinblick auf Kodierqualität, Wettbewerb und mögliche Verschiebungen in den Leistungsstrukturen der Krankenhäuser.
Schlüsselwörter
Diagnosis Related Groups, DRG, Krankenhausfinanzierung, Selbstverwaltung, Fallpauschalen, InEK, Relativgewichte, Basisfallpreis, Casemix, Kodierrichtlinien, Gesundheitsreformgesetz, Krankenhausmanagement, Vergütungssystem, Krankenhausleistung, Medizin-Controlling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Umstellung der Krankenhausfinanzierung in Deutschland auf ein leistungsorientiertes und pauschalierendes Entgeltsystem auf Basis der Diagnosis Related Groups (DRG).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Rolle der Selbstverwaltung, die technischen Grundlagen der DRG-Systematik, die Berechnung der Vergütung sowie die kritische Analyse der mit der Reform verbundenen Chancen und Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Einführungsprozess der DRGs in Deutschland verständlich darzulegen und die Mechanismen aufzuzeigen, wie aus medizinischen Daten ökonomische Fallwerte generiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Prozessabläufen, gesetzlichen Rahmenbedingungen und der ökonomischen Systematik, unterlegt mit Praxisbeispielen aus dem Tätigkeitsspektrum des Autors im InEK.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Institutionen, die detaillierte Beschreibung der DRG-Systematik inklusive Fallbeispielen und die Analyse von Entwicklungstendenzen in der Krankenhausversorgung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie DRG-Systematik, Relativgewicht, Basisfallpreis, Casemix und Kodierqualität stehen im Zentrum der theoretischen Betrachtung.
Warum spielt die Kodierqualität eine so entscheidende Rolle?
Die Kodierung bestimmt maßgeblich das Relativgewicht und damit den Fallerlös des Krankenhauses, was Anreize zur korrekten, aber auch potenziell strategischen Dokumentation schafft.
Wie unterscheidet sich die Konvergenzphase von der vorherigen Übergangszeit?
Während in der Übergangsphase der Basisfallwert noch krankenhausindividuell bleibt, findet in der Konvergenzphase eine Angleichung an landeseinheitliche Preise statt, um eine leistungsgerechte Vergütung zu erreichen.
- Quote paper
- Ingo Seip (Author), 2002, Einführung eines Entgeltsystems für Krankenhausleistungen auf der Basis der Diagnosis Related Groups (DRG) in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23541