Die Griceschen Konversationsmaxime


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Griceschen Konversationsmaxime
2.1 Das kooperative Prinzip
2.2 Die Maxime der Quantität
2.3 Die Maxime der Qualität
2.4 Die Maxime der Relation
2.5 Die Maxime der Art und Weise

3. Die Theorie der Implikatur

4. Das Scheitern der Griceschen Konversationsmaxime

5. Die Bedeutung der Griceschen Konversationsmaxime in konfliktären Gesprächen
5.1 Untersuchung des Korpus ,kohln vergessen’ aus Carmen Spiegels Buch ,Streit’
5.1.1 Beschreibung der Gesprächssituation
5.1.2 Analyse des Korpus ,kohln vergessen’

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang: Kopie des Korpus ,kohln vergessen’

1. Einleitung

H. Paul Grice (1913-1988) hat einige wichtige Anstöße in der sprachwissenschaftlichen Forschung gegeben. Durch die ,Erfindung’ des Begriffs Implikatur, der später ausführlicher erklärt werden soll, begründete er eine damals neue Art der Kommunikationstheorie. Grice beschränkte seine Forschungen erstmals nicht mehr nur auf das wörtlich Gesagte, sondern unterschied zwischen Gesagtem und tatsächlich Gemeintem.

Diese Hausarbeit soll nun nicht die Theorie der Implikatur ausführlich analysieren. Vielmehr soll ein bestimmter Aspekt, nämlich die von Grice aufgestellten sogenannten Konversationsmaxime, erstens in diese Theorie eingeordnet und zweitens seine tatsächliche Bedeutung herausgearbeitet werden. Zu diesem Zweck werde ich als erstes die Konversationsmaxime, die Grice als Leitlinien für eine maximal informative Unterhaltung konzipiert hat, erklären. Da es nicht möglich ist, die Konversationsmaxime ohne ihre Einordnung in die Theorie der Implikatur zu verstehen, werde ich dann kurz diese Theorie mit Blick auf die Maxime erläutern.

Der Begriff der Implikatur macht erst dann Sinn, wenn die Konversationsmaxime in einem Gespräch nicht eingehalten werden. Da dies oft der Fall ist, ,scheitern’ die Griceschen Maxime in alltäglichen Konversationen. Dieses ,Scheitern’, was nicht als negativ zu verstehen ist, soll in einem weiteren Abschnitt der Hausarbeit anhand von Beispielen aus alltäglichen Unterhaltungen veranschaulicht werden.

Im letzten Teil der Arbeit soll die Bedeutung der Konversationsmaxime in konfliktären Gesprächen herausgearbeitet werden. Dies geschieht anhand der Untersuchung eines Korpus eines Streitgespräches. Abschließend werde ich im Schlussteil die Ergebnisse der Untersuchungen des Einhaltens bzw. der Verstöße gegen die Konversationsmaxime zusammenfassen und versuchen, ihre tatsächliche Bedeutung zu erklären.

2. Die Griceschen Konversationsmaxime

H. Paul Grice hat 1975 vier sogenannte Konversationsmaxime aufgestellt, deren Einhaltung eine Unterhaltung ohne Missverständnisse ermöglichen soll. Er schließt nicht aus, dass es noch weitere Maxime gibt, die in auf maximale Information ausgerichteten Gesprächen eingehalten werden, fügt diese aber nicht in seine Theorie der Implikatur ein.[1] Zwar bezeichnet Grice das sogenannte „kooperative Prinzip“[2] nicht explizit als Maxime, aber es erfüllt eine ebenso wichtige Bedeutung wie die vier Konversationsmaxime, da es ihnen sozusagen ,vorgeordnet’ ist. Deswegen werde ich im folgenden zuerst das kooperative Prinzip erläutern und dann die vier eigentlichen Maxime.

2.1 Das kooperative Prinzip

Das kooperative Prinzip könnte man vielleicht als die den vier eigentlichen Maximen übergeordnete Maxime bezeichnen. Grice definiert das kooperative Prinzip wie folgt:

Make your conversational contribution such as is required, at the

stage at which it occurs, by the accepted purpose or direction of

the talk exchange in which you are engaged.“[3]

Er nimmt somit an, dass die Gesprächspartner einen gewissen Zweck oder ein Ziel in ihrer Konversation sehen. Dieser Zweck könne laut Grice entweder von Anfang an feststehen, zum Beispiel durch eine ausdrückliche Fragestellung, oder sich erst im Laufe des Gesprächs entwickeln. Auf jeden Fall bestünden unsere Gespräche normalerweise nicht aus zusammenhangslosen Äußerungen, denn dann würden sie keinen Sinn ergeben. Zu jedem Zeitpunkt im Dialog gäbe es außerdem gewisse Gesprächsbeiträge, die als unpassend angesehen würden, und zwar weil sie das gemeinsame Ziel der Konversation in Frage stellen würden.[4] Aus dieser Feststellung leitet Grice das kooperative Prinzip her.

Natürlich ist das kooperative Prinzip sehr schwer zu verallgemeinern, denn in verschiedenen Gesellschaften kann durchaus etwas anderes als konversationell notwendig, bzw. passend angesehen werden. Genauere Forschungen zu dieser kultur- bzw. sprachbedingten konkreten Bedeutung des kooperativen Prinzips stehen meines Wissens bis heute noch aus. Generell will Grice aber wohl die Notwendigkeit von Kooperationsbereitschaft der Gesprächspartner hervorheben, denn nur so kann das Ziel der Konversation, nämlich ein maximal effektiver Informationsaustausch, erreicht werden.[5]

2.2 Die Maxime der Quantität

Um die Maxime der Quantität zu erfüllen, soll man laut Grice die folgenden zwei Regeln einhalten:

a) Mache deinen Beitrag so informativ wie nötig (für den augenblicklichen Zweck der Unterhaltung).
b) Mache deinen Beitrag nicht informativer als nötig.[6]

Das heißt also, man soll einen Mittelweg finden zwischen zuwenig und zuviel Informationen. Selbstverständlich hängt dieser Mittelweg immer von der jeweiligen Gesprächsituation und dem Gesprächspartner ab. Fragt mich ein Fremder auf der Straße nach der Uhrzeit, antworte ich zum Beispiel nur: „Es ist viertel vor zwölf.“ Ich habe ihm die Information, die für den Zweck dieser Unterhaltung nötig ist, gegeben.

Steht aber zum Beispiel eine Frau im Bad vor dem Spiegel und macht sich hektisch für einen für sie sehr wichtigen Abend zurecht und sagt: „Oh Gott, wie viel Uhr ist es? Wir müssen noch Willi und Sonja abholen, und tanken müssen mir auch noch . . .“, dann antwortet ihr Mann vielleicht: „Keine Sorge, es ist erst halb sieben, wir werden es noch pünktlich schaffen.“ In diesem Fall hat er zum einen die offensichtlich nötige Information zur Beantwortung der Frage nach der Uhrzeit gegeben. Zum anderen hielt der Mann es aber ebenfalls für nötig, seine aufgeregte Frau durch den Zusatz „Keine Sorge, wir werden es noch pünktlich schaffen“ zu beruhigen. Somit entspricht auch diese Antwort durchaus der Maxime der Quantität.

2.3 Die Maxime der Qualität

Der Grundsatz der Maxime der Qualität ist die Wahrhaftigkeit. Man soll versuchen, wahre Aussagen zu machen. Demzufolge gelten wiederum zwei Regeln für Gesprächsbeiträge:

a) Sage nichts, von dem du glaubst, dass es falsch ist.
b) Sage nichts, für das es dir an Beweisen mangelt.[7]

Es ist sinnvoll, diese beiden Regeln getrennt zu betrachten. Wenn ich zum Beispiel nach einer gerade geschriebenen Klausur zu meiner Freundin sage: „Super, ich habe eine eins!“, dann glaube ich zwar daran, aber es fehlen mir die Beweise, denn die Klausur wurde noch nicht korrigiert.

Hingegen etwas zu sagen, von dem man glaubt, dass es falsch ist, entspricht klar unserem Begriff der Lüge. Lügen werden, jedenfalls in unserem Kulturkreis, als ein schwerwiegenderer Verstoß gegen das kooperative Prinzip angesehen als zum Beispiel die Verletzung der Maxime der Quantität durch endloses ,Geschwafel’. Diesen Unterschied der Wichtigkeit der verschiedenen Maxime in Bezug auf das kooperative Prinzip sieht auch Grice. Er spricht der a)-Maxime der Qualität eine sehr große Bedeutung zu, denn „other maxims come into operation only on the assumption that this maxim of Quality is satisfied“[8].

2.4 Die Maxime der Relation

Diese Maxime hält Grice in einer einzigen Regel fest: „Sei relevant.“[9] Damit ist gemeint, dass sich der eigene Beitrag auf den vom Gesprächspartner vorangegangenen inhaltlich beziehen soll. Sagt zum Beispiel jemand zu einem Freund: „Also, die Politik unserer Regierung finde ich einfach furchtbar. Die treibt Deutschland noch in den Ruin.“, könnte der Freund zum Beispiel unter der Berücksichtigung der Relationsmaxime antworten: „Das Gesetz, was gestern erlassen wurde, trifft den Durchschnittsbürger wirklich hart.“ Hätte er allerdings gesagt: „In Frankreich wurde ja jetzt ein Gesetz zum Verbot des öffentlichen Teetrinkens erlassen.“, hätte er die Maxime der Relation nicht erfüllt, da es in der Aussage seines Gesprächspartners erstens um Deutschland und zweitens um Politik, die ein Land in den Ruin treibt, ging. Dazu gehört das Verbot des öffentlichen Teetrinkens in Frankreich nach allgemeinem Verständnis nicht.

Durch diese Maxime soll somit verhindert werden, dass die Gesprächspartner ,aneinander vorbei reden’. Obwohl die Relationsmaxime scheinbar einfach zu befolgen ist, erkennt Grice, dass sie durchaus nicht immer eingehalten werden kann. Würde sich der folgende Gesprächsbeitrag immer nur auf den jeweils vorherigen inhaltlich beziehen, wären Themenwechsel sozusagen unmöglich.[10]

2.5 Die Maxime der Art und Weise

Diese Maxime unterscheidet sich in sofern von den vorherigen, als dass sie sich nicht bezieht „to what is said but, rather to HOW what is said is to be said“[11]. Das heißt, es geht darum, wie man sich seinem Gesprächspartner gegenüber verhalten soll. Der Grundsatz dieser Maxime lautet: „Sei verständlich.“ Um diesem gerecht zu werden, muss man laut Grice vielen Maximen folgen. Vier gibt er als Beispiele an, die aber in eigenem Ermessen noch ergänzt werden können:

a) Vermeide Unverständlichkeit im Ausdruck.
b) Vermeide Zweideutigkeit.
c) Fasse dich kurz (vermeide unnötige Weitschweifigkeit).
d) Sprich systematisch.[12]

[...]


[1] Vgl. Gice, H. Paul (1975): Implicature. IN: Cole, Peter und Morgan, Jerry L. (ed): Syntax and Semantics Volume 3. Speech Acts. New York, Academic Press Inc. S. 47.

[2] Gice, H. Paul (1975): Implicature. IN: Siehe oben. S. 45.

[3] Gice, H. Paul (1975): Implicature. IN: Siehe oben. S. 45.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Auer, Peter (1999): Konversationsmaximen. IN: Auer, Peter: Sprachliche Interaktion. Eine Einführung anhand von 22 Klassikern. Tübingen, Max Niemeyer Verlag. S. 96.

[6] Vgl. Gice, H. Paul (1975): Implicature. IN: Siehe oben. S. 45.

[7] Vgl. ebd.

[8] Ebd. S. 46.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Griceschen Konversationsmaxime
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V23551
ISBN (eBook)
9783638266550
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Griceschen, Konversationsmaxime
Arbeit zitieren
Kathrin Seelige (Autor), 2003, Die Griceschen Konversationsmaxime, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23551

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