Die Entwicklung der G-8: Russland Beitritt zur G-7


Seminararbeit, 2002

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der G-7 vor dem Beitritt Russlands

3. Der Weg Russlands in die G-7:
3.1 Die Gipfeltreffen von 1998 bis 1993: Wirtschaftliche Hilfe für Russland
3.1.1 Paris und Houston
3.1.2 London und München
3.1.3 Tokyo
3.2 Die Gipfeltreffen von 1994 bis 1997: Die Integration Russlands in die G-
3.2.1 Neapel und Halifax
3.2.2 Lyon und Denver

4. Der Wandel von der G-7 zur G-8: Russlands Beitritt stellt die Kriterien der Gipfeltreffen in Frage

5. Fazit: Hat der Beitritt Russlands die G-7 zu einer Schlüsselinstitution der kollektiven Führung gemacht?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts hatte sich das politische Weltbild stark verändert. Es gab nun keine zwei Fronten mehr, die sich durch gegenseitige Drohungen ständig einzuschüchtern versuchten. Im Gegenteil, die Sowjetunion, und später Russland, versuchten sich nach 1989 immer mehr in das westliche, demokratische Staatengefüge einzugliedern. Unter anderem gelang dies durch einen Beitritt zur G-7 1997, bzw. durch die Gründung einer politischen G-8, während die wirtschaftliche G-7 an sich erhalten blieb. Diese Hausarbeit untersucht diesen Umwandlungsprozess der 1975 gegründeten Group of Seven (G-7) zu einer Group of Eight (G-8). Um die Bedeutung dieser Erweiterung klarzumachen, soll zuerst ein historischer Überblick über die inoffizielle internationale Institution der G-7 deren Entstehungsgründe und Aufgaben erklären. Dann wird durch chronologische Darstellung der Gipfeltreffen zwischen 1989 und 1997 der genaue Vorgang der Integration Russlands erarbeitet, wobei die besondere Bedeutung der drei Gipfeltreffen in Tokyo, Neapel und Denver hervorgehoben wird. Da die Entwicklung von der G-7 in die G-8 die ursprünglichen Mitgliedskriterien des Treffens in Frage stellte, wird danach die sich wandelnde Ausrichtung von wirtschaftlichen hin zu politischen Themen der Gipfel durch Russlands Beitritt erläutert. Zum Schluss soll die Erweiterung der G-7 unter dem zentralen Gesichtspunkt des Proseminars, der kollektiven Führung nach Ende des Ost-West-Konflikts, untersucht werden.

2. Die Entwicklung der G-7 vor dem Beitritt Russlands

Die Erweiterung der G-7 zur G-8 ist nicht nur ein wichtiges Ereignis, weil 1997 Russland der erste beitretende Staat seit über 20 Jahren war, sondern vor allem, weil durch Russlands Beitritt die ursprünglichen Mitgliedskriterien der G-7 in Frage gestellt wurden. Um die Entwicklungen in den 90ger Jahren zu verstehen, ist es daher sinnvoll, sich die Gründung der Group of Seven und deren ursprüngliche Aufgaben näher anzusehen.

Die westlichen Demokratien sahen Anfang der 70ger Jahre großen wirtschaftlichen Problemen ins Auge.1 Zum einen waren sie alle von der "internationalen Währungskrise"2 betroffen, die vor allem durch den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 ausgelöst wurde. Dieses 1944 ins Leben gerufene System erleichterte den Welthandel durch feste Wechselkurse, die sich am amerikanischen Dollar orientierten. Die Umwandlung der stabilen Wechselkurse in sogenannte 'floatende', d. h. freie Wechselkurse erforderte insbesondere von den Finanzministern der einflussreichen westlichen Staaten Kompetenz und Verhandlungsgeschick.3 Hinzu kam die erste Ölkrise, die 1973 durch ein Embargo der OPEC-Staaten ausgelöst wurde. Sie lieferten den westlichen Demokratien kein Öl mehr, da diese Israel im Jom-Kippur-Krieg unterstützt hatten. Der Entzug von arabischem Öl war für die westliche Wirtschaft verheerend, da die Industrie auf billiges Öl angewiesen war.4

Diese beiden Faktoren, die Währungs- und die Ölkrise, stärkten im Westen das Verlangen nach mehr internationaler Zusammenarbeit. Treffend beschreibt dies G. John Ikenberry: "The process [of the G-7] began ... in the aftermath of the first oil shock and the breackdown of the Bretton Woods system."5 Schon 1973 lud der amerikanische Finanzminister George Shultz seine Kollegen aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland zu einem informellen Treffen ins Weiße Haus ein. Kurz darauf bezog man dann auch den japanischen Finanzminister in folgende Treffen mit ein, denn Japan zeichnete sich immer mehr als dritte führende Wirtschaftsmacht neben den USA und der Europäischen Union ab. "Diese Treffen waren die Keimzelle des G-7-Finanzgipfels".6 Die Geburtsstunde der Group of Seven war aber erst das Gipfeltreffen im November 1975 in Rambouillet in Frankreich, das auf Initiative des französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing und des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (beide waren vorher Finanzminister gewesen) zustande kam. Italien war nunmehr auch anwesend, und im darauffolgenden Jahr formierte sich mit Kanadas Beitritt die namensgebende Zusammensetzung der G-7.7 Ebenfalls ein Jahr später wurde dann auch der Präsident der EG-Kommission in die Gespräche miteinbezogen. Die Anfänge der Gipfeltreffen waren besonders gekennzeichnet durch den Glauben an den Wert persönlicher Beziehungen. Die G-7 war keine politische oder wirtschaftliche Institution mit Rechten und Verpflichtungen der Teilnehmer8, sondern vielmehr eine jährliche Diskussionsrunde einiger Staaten mit gemeinsamen Interessen. Diese Interessen der am stärksten industrialisierten Länder waren in den ersten Jahren hauptsächlich wirtschaftlicher Natur, da die Wirtschaftssituation der Auslöser für engere Zusammenarbeit auf höchster Ebene gewesen war. "Aber seit 1978 erfolgt ... auf jedem Treffen auch eine politische Erklärung"9, denn Politik und Wirtschaft sind oft eng miteinander verknüpft (z. B. in Zusammenhang mit der Ölpreiskrise). Der Umfang der Gipfeltreffen ist schon in den ersten Jahren immer mehr gewachsen. So treffen sich schon lange nicht mehr nur die Finanzbeauftragten der sieben Staaten, sondern zum Beipiel auch die Außenminister, was besonders den Einbezug politischer Interessen in die ursprünglichen Wirtschaftsgipfel zeigt. Lange im Vorfeld der Treffen arbeiten außerdem sogenannte 'Sherpas' international zusammen, um die Tagesordnungen der Gipfel festzulegen.

Zur Zeit der Gründung der G-7 und im darauffolgenden Jahrzehnt beschränkten sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Akteuren des Kalten Krieges und deren Anhänger auf ein Minimum. Zwischen dem Kommunismus und dem Kapitalismus gab es nur etwa 3% Handelsaustausch10. Weder die Mitglieder noch die UdSSR selbst zogen ernsthaft deren Mitarbeit in einem solchen Gremium wie der G-7 in Betracht. Wirtschaftlich gesehen waren beide Parteien fast gänzlich unabhängig voneinander, wodurch eine Zusammenarbeit nicht nötig war. Außerdem hätte die Bipolarität zwischen den USA und der Sowjetunion während des Kalten Krieges solche Erwägungen politisch unmöglich gemacht. Erst als Ende der 80ger Jahre die Sowjetunion erkennen musste, dass sie sich durch das Wettrüsten mit den USA finanziell übernommen hatte und nur noch ein absolutes Umdenken das wirtschaftlich und politisch zerfallende Land regenerieren konnte, war eine Zusammenarbeit des Westens mit der UdSSR erstmals seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wieder denkbar. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts 1989 stellte sich zuerst einmal die Frage, "whether the liberal democratic states can build cooperative relations in the absence of a unifying threat".11 Diese Frage kann im Hinblick auf die G-7 auf jeden Fall bejaht werden. Sie ist nach dem Wegfall der gemeinsamen Bedrohung durch die Sowjetunion nicht nur bestehen geblieben, sondern hat ihren ehemaligen 'Feind' nach verhältnismäßig kurzer Zeit sogar integriert. Auf diesen Integrationsvorgang soll im folgenden näher eingegangen werden.

3. Der Weg Russlands in die G-7

3.1. Die Gipfeltreffen von 1989 bis 1993: Wirtschaftliche Hilfe für Russland

3.1.1. Paris und Houston

Bis zum Jahr 1989 schienen die G-7-Staaten die wirtschaftliche und politische Entwicklung Osteuropas auf ihren Treffen mehr oder weniger ignoriert zu haben. Auch auf dem Gipfeltreffen in Paris vom 14. bis 16. Juli 1989 war das Hauptthema die globale Umweltpolitik, die Krise im Osten befand sich aber nicht auf der Tagesordnung. Dies änderte sich jedoch noch kurzfristig durch einen Brief des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow an die G-7. Auf seine Anregung hin setzte die G-7 einen weiteren Punkt auf die Tagesordnung: Hilfe für Osteuropa. Zwar wurden auf dem Gipfel in Paris noch keine Hilfsaktionen für die UdSSR in die Wege geleitet, dafür aber für Polen und Ungarn. Das war ein erster Schritt der westlichen Mächte in Richtung der Sowjetunion.

[...]


1 Vgl. Bracher, Karl Dietrich/ Jäger, Wolfgang/ Link, Werner, Republik im Wandel (1969-1974), in: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1987.

2 ebd., S. 266.

3 Vgl. Bracher, Karl Dietrich/ Jäger, Wolfgang/ Link, Werner (siehe Anm. 1).

4 Vgl. Vagt, S., Die weltwirtschaftliche Entwicklung seit 1970 unter: http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/powi/ jaeger/arbeiten/seminar/ss2000/jaeger/index.html.

5 Ikenberry, G. John, Salvaging the G-7, in: Foreign Affairs, Nr. 2, New York/N.Y. 1993, S. 133.

6 Lagarde, Dominique, Die Geschichte des G-7-Treffens, unter: http://www.france.diplomatie.fr/label_france/ DEUTSCH/DOSSIER/G7/g7.html.

7 Vgl. Lagarde, Dominique (siehe Anm. 6).

8 Vgl. Ikenberry, G. John (siehe Anm. 5).

9 Lagarde, Dominique (siehe Anm. 6).

10 Rode, Reinhard, Strukturen und Entwicklungstendenzen der Weltwirtschaft, in: Knapp, Manfred/ Krell, Gert (Hrsg.), Einführung in die internationale Politik, Studienbuch, 3. Aufl., München 1996, S. 413-440 (431f).

11 Ikenberry, G. John (siehe Anm. 5), S. 132.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der G-8: Russland Beitritt zur G-7
Hochschule
Universität zu Köln  (Semihnar für politische Wissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V23552
ISBN (eBook)
9783638266567
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Russland, Beitritt
Arbeit zitieren
Kathrin Seelige (Autor), 2002, Die Entwicklung der G-8: Russland Beitritt zur G-7, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23552

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