In dieser Arbeit sollen kurz einige Unterscheide zwischen der Handelsbilanz und der Steuerbilanz dargestellt werden. Zum besseren Verständnis wird die Erläuterung anhand eines Beispiels vorgenommen. Jedoch vor Beginn noch eine Abgrenzung der Begriffe Bilanz und Jahresabschluss, denn viele setzen diese Begriffe in ihrer Bedeutung gleich. Die Bilanz ist eine kurzgefasste Gegenüberstellung des Vermögens und der Schulden einer Unternehmung . Sie dient zur Ermittlung des Eigenkapitals einer Unternehmung. Ferner ist sie ein Teil des Jahresabschlusses, der neben der Bilanz noch eine Gewinn- und Verlustrechnung, einen Anhang, einen Anlagenspiegel und einen Lagebericht enthalten muss. Im Rahmen dieser Arbeit wird nur auf die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung eingegangen.
Es handelt sich bei denen in der Arbeit behandelten Punkten nicht um einen erschöpfenden Vergleich, sondern lediglich um eine Erläuterung anhand einiger ausgewählter und teilweise modifizierten Beispielen.
II. Problemstellung
Die breite Masse der Abschlüsse werden von kleinen GmbHs und Kaufleuten erstellt. Diese fertigen jedoch in der Regel nur eine Bilanz, eine sogenannte Einheitsbilanz. Also scheint es drei Arten von Bilanzen zu geben. Die Handelsbilanz, die Steuerbilanz und die Einheitsbilanz. Die Einheitsbilanz vereint also die unterschiedlichen Ziele der Handels- und Steuerbilanz. Die Frage, die sich im Zuge dieser Arbeit stellt ist, ob eine Einheitsbilanz noch sinnvoll ist. Der BFH hat mit Beschluss vom 07.08.2000 betont, dass das Handelsrecht im Wesentlichen von Gläubigerschutzinteressen beeinflusst ist, währenddessen das Steuerrecht vom Gleichheitsgrundsatz gelenkt wird. Ferner bleibt die Überlegung ob durch die Internationalisierung des Steuerrechts zur Abschaffung des Maßgeblichkeitsgrundsatzes und somit zur Abschaffung der Einheitsbilanz führt. Denn für börsennotierte Unternehmen ist ab dem Kalenderjahr 2005 zwingend der Konzernabschluss nach IAS aufzustellen. Aus diesem Grunde muss für Steuerzwecke eine separate Bilanz aufgestellt werden, da eine Überleitungsrechnung von IAS zur Steuerbilanz nicht möglich ist. Sollte daher gegebenenfalls nur noch eine Handelsbilanz aufgestellt werden und für die Besteuerung eine Gewinnermittlung?
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitender Teil
I. Begriffsabgrenzung
II. Problemstellung
B. Rahmenbedingungen der Handels- und Steuerbilanz
I. Rechtliche Rahmenbedingungen
1. Handelsrecht
2. Steuerrecht
II. Anspruchsgruppen, Ziele und Motivationen
1. Ziele und Motivationen der Handelsbilanz
2. Ziele und Motivationen der Steuerbilanz
C. Unterschiede Handelsbilanz und Steuerbilanz
I. Vorstellung der Fallstudie
II. Aktiva
1. Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs
2. Anlagevermögen
a. Sachanlagen
b. Finanzanlagen
3. Umlaufvermögen
a. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
b. Unfertige Leistungen
c. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
d. Kassen- und Bankbestand
4. Rechnungsabgrenzungsposten
III. Passiva
1. Kapital
a. Eigenkapital
b. Sonderposten mit Rücklagenanteil
2. Rückstellungen
a. Rückstellungen für drohende Verluste
b. Steuerrückstellungen
c. Aufwandsrückstellungen
3. Verbindlichkeiten
IV. Gewinn- und Verlustrechnung
D. Kritische Würdigung und Fazit
Zusammenfassung der Unterschiede zwischen der Handels- und Steuerbilanz
Anhang
Handelsbilanz der Farb & Klecks GmbH & Co. KG
Steuerbilanz der Farb & Klecks GmbH & Co. KG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die wesentlichen Differenzen zwischen der Handelsbilanz und der Steuerbilanz unter Berücksichtigung der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen und des Maßgeblichkeitsprinzips. Ziel ist es, anhand einer praktischen Fallstudie zu verdeutlichen, inwieweit die unterschiedlichen Zielsetzungen beider Bilanzen zu abweichenden Wertansätzen führen und ob die Fortführung einer Einheitsbilanz vor dem Hintergrund der Internationalisierung noch sinnvoll erscheint.
- Rechtliche Grundlagen und Zielsetzungen von Handels- und Steuerbilanz
- Analyse der Maßgeblichkeit und ihrer Durchbrechungen
- Praktische Anwendung der Bilanzierungsvorschriften an einer Fallstudie (Farb & Klecks GmbH & Co. KG)
- Differenzierung bei Aktiva, Passiva und in der Gewinn- und Verlustrechnung
- Kritische Diskussion zur Zukunft der Einheitsbilanz und Internationalisierung
Auszug aus dem Buch
1. Handelsrecht
Das Handelsrecht ist im Rechtssystem des Zivilrechts anzusiedeln. Das bedeutet, dass die Vertragsparteien hier gleichgestellt sind. Die Bilanzierung nach dem Handelsrecht ist im III. Buch des HGB enthalten. Dieses ist wiederum in fünf Abschnitte untergliedert.
Die ergänzenden Rechtsnormen des 2. Abschnitts für Kapital- und bestimmte Personengesellschaften setzen höhere Anforderungen an die Bilanz. Eine bestimmte Personengesellschaft im Sinne des 2. Abschnitts ist beispielsweise die GmbH & Co. KG, bei der die Haftung begrenzt ist. Bei genauer Betrachtung stellt man nun fest, dass unter den 2. Abschnitt nur Gesellschaften fallen, bei denen die Haftung begrenzt ist. Daraus lassen sich die erhöhten Anforderungen an die Bilanz ableiten.
Die Handelsbilanz definiert sich als eine Bilanz, die nach den Vorschriften des HGB erstellt worden ist. Insbesondere werden die einzelnen Bewertungs- sowie Bilanzierungsvorschriften des Handelsrechts zur Bilanzerstellung herangezogen.
Das Handelsrecht definiert das Betriebsvermögen nicht direkt. Jedoch lässt sich aus dem § 238 HGB ableiten, dass ein Kaufmann die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung aufzustellen hat. Ferner sagt § 240, dass ein Kaufmann sein Vermögen aufzeichnen muss. Ein Beispiel: Die Firma Meyer e. K. kauft ein Zweifamilienhaus. Die Wohnungen haben die gleiche Größe. Die Anschaffungskosten in Höhe von 200.000 € wurden vom Firmenkonto bezahlt. Eine Wohnung wird als Büro und die andere privat genutzt. Handelsrechtlich ist das Gebäude mit 200.000 € zu bilanzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitender Teil: Erläutert die grundlegende Abgrenzung zwischen Bilanz und Jahresabschluss sowie die Problemstellung der Einheitsbilanz.
B. Rahmenbedingungen der Handels- und Steuerbilanz: Analysiert die rechtlichen Grundlagen (HGB vs. EStG) und die unterschiedlichen Zielsetzungen und Motivationen.
C. Unterschiede Handelsbilanz und Steuerbilanz: Stellt die konkrete Fallstudie vor und detailliert die Abweichungen bei Aktiva, Passiva und in der GuV.
D. Kritische Würdigung und Fazit: Reflektiert über die Sinnhaftigkeit einer Einheitsbilanz im Kontext der Internationalisierung und der Loslösung des Steuerrechts vom Handelsrecht.
Schlüsselwörter
Handelsbilanz, Steuerbilanz, Einheitsbilanz, Maßgeblichkeitsprinzip, Jahresabschluss, Bilanzierung, Bewertungsvorschriften, HGB, EStG, Gewinnermittlung, Gläubigerschutz, Passivierungswahlrechte, Betriebsvermögen, Rückstellungen, Fallstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wesentlichen Unterschiede zwischen der handelsrechtlichen und der steuerrechtlichen Bilanzierung von Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Maßgeblichkeitsprinzip, die verschiedenen Zielsetzungen (Gläubigerschutz vs. Steuerbemessung) sowie die Auswirkungen von Bilanzierungswahlrechten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand einer Fallstudie zu analysieren, ob die traditionelle Einheitsbilanz noch zeitgemäß ist und wie sich unterschiedliche Ansatzvorschriften auf das Bilanzergebnis auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rechts- und betriebswirtschaftliche Analyse durchgeführt, die durch eine praktische Fallstudie (eines Malerbetriebs) ergänzt und illustriert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die detaillierte Analyse der Unterschiede bei Aktiva- und Passivapositionen anhand konkreter Zahlenbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Handelsbilanz, Steuerbilanz, Maßgeblichkeit, Einheitsbilanz und Bilanzanalyse sind die zentralen Begriffe.
Warum spielt das Maßgeblichkeitsprinzip eine so große Rolle für die Einheitsbilanz?
Es ist die gesetzliche Brücke, die es erlaubt, die Handelsbilanz als Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung zu verwenden, was die Erstellung einer einzigen "Einheitsbilanz" ermöglicht.
Welche Auswirkung hat die Internationalisierung auf die Praxis der Bilanzierung?
Die Internationalisierung durch IAS/IFRS erschwert die Einheitsbilanz, da diese Standards nicht primär auf deutsche steuerliche Gewinnermittlungszwecke ausgerichtet sind.
Welche Rolle spielt die Fallstudie "Farb & Klecks GmbH & Co. KG" für die Ergebnisse?
Sie dient als praktisches Beispiel, um zu zeigen, wie durch Abweichungen bei Abschreibungen, Rückstellungen und Abzinsungen zu unterschiedlichen Steuerergebnissen gegenüber dem Handelsbilanzergebnis kommt.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann (FH) Daniel Grude (Author), 2003, Unterschiede Handels- und Steuerbilanz anhand einer Fallstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23671