In einer Nachbargemeinde von Langenselbold wurde vor einiger Zeit ein Sozialdatenbericht vom Main-Kinzig-Kreis erstellt, der sich unter anderem auch mit den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen dieser Gemeinde befasst. Davon ausgehend wurde von einer Gruppe, in der sich neben der Bürgermeisterin und dem Jugendpfleger auch freiwillige Mitglieder befinden, eine Zukunftswerkstatt zu diesem Thema initiiert. Eine dieser Freiwilligen ist auch an die Käthe-Kollwitz-Schule herangetreten, um für ihr Projekt zu werben. Da in der Klasse 7h, in der ich das Fach Gesellschaftslehre unterrichte, keine Schülerinnen und Schüler in dieser Gemeinde wohnen, erschien eine Teilnahme aber nicht sinnvoll. Trotz allem gab dies den Anlass, ein ähnliches Vorhaben, nur auf die Gemeinde Langenselbold übertragen, durchzuführen. Zwar kann in der Kürze der Zeit nicht ein so groß angelegtes Projekt gestartet werden, da für Langenselbold noch kein Sozialdatenbericht in dieser Form vorliegt. Trotzdem sind auch die Jugendpflegerinnen der Gemeinde sehr an den Ergebnissen dieses Vorhabens interessiert, da auch dort derzeit per Fragebogen versucht wird, die Wünsche und Bedürfnisse der ansässigen Kinder und Jugendlichen zu ermitteln. Diese vorliegende Befragung konnte gut in das Vorhaben integriert werden, da sie sich an die Kinder und Jugendlichen der Klassen 5-10 richtet. Ein weiterer wichtiger Faktor – auch für die Motivation der Schülerinnen und Schüler – ist die Teilnahme am „ProjektWettbewerb 2003“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Dabei steht unter anderem auch das Thema „Wir mischen uns ein“ zur Wahl, dessen Projektbeschreibung sich in etwa mit dem angestrebten Ergebnis der im Anschluss vorgestellten Unterrichtseinheit deckt. Dabei hat die Klasse die Möglichkeit durch die Einsendung einer Wandzeitung und eines Projektberichts eine Klassenfahrt oder Geld- bzw. Sachpreise zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Problemstellung
1.3. Ziele und Abgrenzung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Begriffsbestimmungen
2.1.1. Gemeinde
2.1.2. Magistratsverfassung
2.2. Handlungsorientierung
2.2.1. Ursprünge des Prinzips „Handlungsorientierung“
2.2.1.1. Deutsche Reformpädagogik
2.2.1.2. Amerikanische Pädagogik des Pragmatismus
2.2.2. Handlungsbegriff
2.2.2.1. Psychologische Perspektive
2.2.2.2. Kognitive Handlungstheorie
2.2.2.3. Handlungstypen nach J. Habermas
2.2.3. Politisches Handeln
2.2.3.1. Handlungsbegriff aus politikdidaktischer Perspektive
2.2.4. Handlungsorientierter Unterricht
2.3. Mündigkeit
2.4. Partizipation
2.5. Emanzipation
3. Planung der Unterrichtseinheit
3.1. Darstellung der vollständigen Einheit
3.2. Situation der Lerngruppe
3.3. Didaktische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
3.3.1. Zukunftswerkstatt
3.4. Zielsetzungen der Einheit
3.5. Methodische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
3.5.1. Außerschulische Lernorte
4. Durchführung der Unterrichtseinheit (konkrete Beispiele)
4.1. Vorbemerkung
4.2. Durchführung
4.2.1. „Stadtplan für Kids“
4.2.1.1. Sachanalyse
4.2.1.2. Didaktische Überlegungen und Lernziele
4.2.1.3. Methodische Überlegungen
4.2.1.4. Reflexion
4.2.2. „Organisation einer Gemeindeverwaltung“
4.2.2.1. Sachanalyse
4.2.2.2. Didaktische Überlegungen und Lernziele
4.2.2.3. Methodische Überlegungen
4.3. Reflexion
5. Reflexion und Ausblick
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch handlungsorientierte Zugänge bei Schülern der Klasse 7h eine handlungsrelevante Partizipation am politischen Leben der Gemeinde Langenselbold zu fördern. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ein Verständnis für demokratische Prozesse und die eigene Wirksamkeit im kommunalpolitischen Nahraum entwickelt werden kann.
- Grundlagen der Handlungsorientierung in der politischen Bildung
- Analyse kommunaler Strukturen und Entscheidungsprozesse
- Förderung von Partizipation und politischer Mündigkeit bei Jugendlichen
- Praktische Umsetzung durch handlungsorientierte Unterrichtsprojekte
- Reflexion über Schülerinteressen und deren Einbindung in die Unterrichtsplanung
Auszug aus dem Buch
2.2.1.2. Amerikanische Pädagogik des Pragmatismus
Die amerikanische Philosophie des Pragmatismus (griech. pragma = Handeln, Tun) wurde von dem Pädagogen Friedrich Oetinger (= Theodor Wilhelm) mit seinem partnerschaftlichen Erziehungsziel nach Deutschland übertragen. Grundlage hierbei ist: „Nicht das theoretische Vorwissen schafft Erkenntnis, sondern die Konfrontation mit Problemsituationen; Handlungswiderstände setzen Erkenntnisprozesse in Gang.“
Der Pragmatismus bricht mit dem deutschen Idealismus, da er statt philosophischer Aussagen auf Überprüfbarkeit zielt. Als Begründer des Pragmatismus gilt Charles S. Peirce, dessen Ziel es war, einen „operativen Wahrheitsbegriff“ zu begründen. Daraus entstand der „Wahrheitsbegriff des Kritischen Rationalismus, welcher im Fallibilitätsprinzip die Möglichkeit der Wahrheit immer unter dem Vorbehalt einer unendlichen Verifizierung oder Falsifizierung durch die im Prinzip unbegrenzte Forschergemeinschaft versteht.“
Die Wahrheitsfindung steht unter der „Leitidee des idealen Diskurses“, ihre Vertreter sind Karl Otto Apel und Jürgen Habermas, auf deren Theorien an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen werden soll.
Der Pragmatismus als einer der Ursprünge der Handlungsorientierung ist eigentlich erst durch die Theorie des Philosophen und Pädagogen John Dewey (1859 – 1952) in die deutsche Reform der Pädagogik eingezogen. Allerdings lehrte er dies nicht nur theoretisch, sondern er gründete auch eine Versuchsschule, um seine Gedanken zu erproben und zu entwickeln. Dewey erarbeitete so seine „soziale Logik“ von der Schule, die „eine Brücke von der Erziehungsphilosophie und der Reformpädagogik zur sozialwissenschaftlichen Theorie der Schule“ bildete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Beweggründe für das Projekt, das durch das Interesse der Jugendlichen an ihrer Gemeinde sowie Wettbewerbsaktivitäten motiviert war.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es Begriffe wie Gemeinde und Magistratsverfassung definiert und das Konzept der Handlungsorientierung sowie Mündigkeit und Partizipation diskutiert.
3. Planung der Unterrichtseinheit: Hier werden die didaktischen und methodischen Überlegungen für die Unterrichtsgestaltung dargelegt, einschließlich der Rolle von außerschulischen Lernorten und der Zukunftswerkstatt.
4. Durchführung der Unterrichtseinheit (konkrete Beispiele): Das Kapitel beschreibt praxisnah die Umsetzung der Unterrichtseinheit am Beispiel des „Stadtplans für Kids“ sowie der Organisation der Gemeindeverwaltung.
5. Reflexion und Ausblick: Der Autor reflektiert kritisch über den Erfolg der handlungsorientierten Methoden und bewertet den Lerneffekt im Vergleich zu traditionellen Unterrichtsformen.
6. Schlussbemerkung: Ein abschließender Dank an alle Beteiligten, die das Projekt unterstützt haben.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierung, Politische Bildung, Partizipation, Kommunalpolitik, Mündigkeit, Schülerorientierung, Demokratiepädagogik, Unterrichtsplanung, Handlungskompetenz, Sozialkompetenz, Zukunftswerkstatt, Praxisbezug, Jugendliche, Gemeinde, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einsatz handlungsorientierter Methoden im Politikunterricht der siebten Jahrgangsstufe, um den Schülern einen Zugang zu kommunalpolitischen Themen zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die politische Partizipation von Jugendlichen in ihrer Gemeinde, die theoretische Fundierung des handlungsorientierten Lernens sowie konkrete Fallbeispiele zur Gemeindeverwaltung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, bei den Schülern durch aktive Beteiligung eine Handlungsrelevanz zu erzeugen, die sie als „demokratiekompetente Bürger“ befähigt, sich aktiv in ihr Lebensumfeld einzumischen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einem handlungsorientierten Unterrichtskonzept, das durch Projektarbeit, Erkundungen und Expertenbefragungen (z. B. Interview mit dem Bürgermeister) sowie theoretische Analysen umgesetzt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, die Planung der Unterrichtseinheit sowie die detaillierte Darstellung und Reflexion der praktischen Beispiele (Stadtplan und Gemeindeverwaltung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Handlungsorientierung, Partizipation, Politische Bildung, kommunalpolitische Wirksamkeit und Mündigkeit.
Warum ist der "Stadtplan für Kids" so bedeutend für das Projekt?
Er dient zur Bestandsaufnahme der jugendlichen Lebenswelt und schafft eine hohe Identifikation mit dem Projekt, da die Schüler ihre eigenen Treffpunkte bewerten und kritisch reflektieren.
Wie wird das Problem der "Politikverdrossenheit" adressiert?
Durch den handlungsorientierten Zugang wird das abstrakte Thema Kommunalpolitik konkretisiert, wodurch Schüler erkennen, dass sie innerhalb gesetzlicher Verfahren eigene Interessen erfolgreich vertreten können.
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- Stefanie Gahmig (Author), 2004, Mein Leben in der Gemeinde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23678