Besonders durch medienbekannte Vorfälle, in denen Schüler schwer bewaffnet in ihre Schule eindringen und Lehrer und Schüler töten, wird die öffentliche Aufmerksamkeit zumindest kurzfristig auf die Frage nach den Ursachen jugendlicher Gewalt gelenkt. Leider jedoch hält das öffentliche Interesse nicht lange genug an, um allein durch das Verfolgen von Medienberichten zu befriedigenden Erklärungen und Vorschlägen im Sinne präventiver Maßnahmen zu gelangen. Im Rahmen der vorangegangenen Hausarbeit zum Thema: „Jugendliche Subjektwerdung im Zeitalter der modernen Individualisierung“ 1 wurde bereits explizit auf das Phänomen der Entstrukturierung der Kindheits- und Jugendphase und den damit verbundenen Problembelastungen eingegangen. Im Bereich der psychosozialen Belastungen und Formen der Stressverarbeitung ging es dabei um die nach innen gerichtete Stressverarbeitung, die sich mitunter auch durch Konsum und Missbrauch von Arzneimitteln und Drogen kenntlich macht. 2 Außerdem wurde versucht, eine Verbindung zwischen den erwähnten nach innen gerichteten Stressverarbeitungsformen und den Auswirkungen des
gesellschaftlichen Individualisierungsprozesses zu ziehen. In dieser Arbeit soll es nun um die nach außen gerichtete jugendliche Stressverarbeitung, in Form jugendlicher Gewalt gehen, wobei im ersten Teil zunächst ein Versuch einer Definition personaler Gewalt vorgenommen wird, um dann auf die Gewalt Jugendlicher einzugehen. Der Fokus des zweiten Teils der Arbeit liegt daher auf verschiedenen Erklärungsansätzen basierend auf empirischen Untersuchungen. Dabei wird zunächst der Bereich der schulischen Gewalt beleuchtet, um danach die familiäre Sozialisation und zuletzt die Freizeitsituation in einen Zusammenhang mit devianten Verhaltensweisen Jugendlicher zu stellen. Im letzteren Bereich wird außerdem auch der Aspekt der „rechten“ Gewalt mit in die Betrachtung einbezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Versuch einer Definition Personaler Gewalt
2.1 Physische Gewalt
2.2 Psychische Gewalt
3 Ursachen und Formen Jugendlicher Gewalt
3.1 Gewalt in der Schule
3.1.1 Jugendliche Gewalt in der Schule
3.1.2 Erklärungsansätze
3.2 Gewalt und Familie
3.2.1 Bedeutung der Familie bei Jugendlicher Gewalt
3.2.2 Erklärungsansätze
3.3 Freizeitverhalten, Gewalt und Rechtsextremismus
3.3.1 Jugendliches Freizeitverhalten und Gewalt
3.3.2 Erklärungsansätze
4 Schlussfolgerung
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Erscheinungsformen jugendlicher Gewalt, indem sie empirische Studien analysiert und diese in den Kontext gesellschaftlicher Individualisierungsprozesse stellt. Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen, schulischer sowie familiärer Sozialisation und deviantem Verhalten Jugendlicher zu ergründen.
- Physische und psychische Gewalt als personale Gewaltformen
- Einfluss der schulischen Sozialisation auf Gewaltbereitschaft
- Die Rolle der Familie bei der Identitätsentwicklung und Gewaltprävention
- Freizeitverhalten, Peergroup-Integration und rechtsextreme Tendenzen
- Auswirkungen gesellschaftlicher Individualisierung auf jugendliche Problembewältigung
Auszug aus dem Buch
Psychische Gewalt
Der Bereich der psychischen Gewalt ist hinsichtlich der Art und Weise der Ausübung, wie auch ihrer jeweiligen Folgen in einer weitreichenden Perspektive zu betrachten. Psychische Gewalt kann, wie bereits erwähnt, in Form physischer Gewalt auftreten wie auch in verbaler Form, wozu „Beschimpfung, Beleidigung, Drohung, [...]“ gehören und in verhaltens- und handlungsorientierter Form, wie z.B. durch „Abhängigmachen oder –halten, Unterdrückung, Vorenthalten von Information, sozialen Kontakten, Kommunikation, Kreativität; [...]“.
Sie kann somit offensichtlich aber auch unterschwellig ausgeübt und wahrgenommen werden, was die Identifikation und die Wahl geeigneter Schutzmassnahmen, im Vergleich zur reinen physischen Gewalt, deutlich erschwert. In dem Zusammenhang ist psychische Gewalt besonders deswegen häufig schwierig zu perzipieren, da sie in vielen Fällen Teil eines individuellen Überzeugungs- und gesellschaftlich legitimierten Normsystems sein kann. „Der Ausübende ist sich seiner Gewalttätigkeit gar nicht bewusst, begeht sie nicht absichtlich; er verhält sich ‚so wie immer“. Selbiges gilt für die Rolle des Gewalt-Betroffenen, der möglicherweise nicht erkennt, dass und weshalb er psychische Verletzungen erlebt.
Psychische Gewalt kann zunächst insbesondere auf kognitiver Ebene der menschlichen Psyche stattfinden und ihren schädigenden Einfluss ausüben. Neben der kognitiven Ebene der menschlichen Psyche existieren noch zwei weitere Ebenen, die emotionale und die kommunikative Ebene, wobei alle drei Ebenen einen wechselseitigen Einfluss aufeinander haben. „Einzubeziehen sind auch die emotional affektive, also Gefühle, Irrationalitäten, und die kommunikative Ebene, also Ausdrucks- und soziale Interaktionsfähigkeit. [...] Deformationen in einer Ebene zeitigen in der Regel auch Folgen in den anderen: [...]“. So haben eine Drohung oder die systematische Manipulation der persönlichen Ansichten eines Individuums nicht nur Auswirkungen auf die kognitiven Denkprozesse, sondern ebenfalls auf die Gefühlswelt, die beispielsweise mit Angst reagieren wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, indem sie jugendliche Gewalt als nach außen gerichtete Form der Stressverarbeitung im Kontext gesellschaftlicher Individualisierung positioniert.
Versuch einer Definition Personaler Gewalt: Dieses Kapitel definiert Gewalt als Ausdruck einer Machtungleichverteilung und differenziert zwischen physischen und psychischen Erscheinungsformen.
Ursachen und Formen Jugendlicher Gewalt: Das Hauptkapitel untersucht empirisch die Faktoren, die in der Schule, der Familie und dem Freizeitbereich zu jugendlicher Gewalt führen.
Schlussfolgerung: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und postuliert, dass nach außen gerichtete Gewalt häufig eine Folgeerscheinung der Schattenseiten des Individualisierungsprozesses ist.
Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Jugendliche Gewalt, Individualisierung, Sozialisation, Physische Gewalt, Psychische Gewalt, Schule, Familie, Peergroup, Rechtsextremismus, Identitätsfindung, Gewaltbereitschaft, Stressverarbeitung, Empirische Studien, Delinquenz, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Erscheinungsformen jugendlicher Gewalt durch den Vergleich verschiedener empirischer Studien und sozialwissenschaftlicher Erklärungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die Auswirkungen schulischer Sozialisation, familiärer Einflüsse und des Freizeitverhaltens inklusive Peergroup-Beziehungen auf das Gewaltverhalten Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen deviantem Verhalten bei Jugendlichen und den gesellschaftlichen Individualisierungsprozessen zu beleuchten, um präventive Handlungsansätze abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, in der aktuelle empirische Studien und Forschungsergebnisse zur Jugendgewalt zusammengetragen und interpretativ verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst personale Gewaltformen definiert, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Gewaltursachen in schulischen, familiären und freizeitbezogenen Kontexten unter Einbeziehung rechtsextremer Tendenzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendgewalt, Individualisierung, Sozialisationsinstanzen, familiäre Desintegration und Prävention.
Warum spielt die Schule eine so entscheidende Rolle bei der Entstehung von Gewalt?
Laut den analysierten Studien entsteht Gewalt in der Schule häufig durch Leistungsversagen, Konkurrenzdruck und eine wahrgenommene Nutzlosigkeit von Lerninhalten, was bei den Schülern zu innerer Ablehnung führt.
Welchen Einfluss hat das Elternhaus auf die Gewaltbereitschaft?
Die Arbeit stellt fest, dass unsichere Familienverhältnisse, inkonsistentes Erziehungsverhalten und ein Mangel an emotionaler Unterstützung das Risiko erhöhen, dass Jugendliche keine gewaltfreien Problemlösungsstrategien erlernen und zu deviantem Verhalten neigen.
- Quote paper
- Linda Mathews (Author), 2004, Sozialwissenschaftliche Beiträge zur Erklärung jugendlicher Gewaltbereitschaft - Ein Vergleich empirischer Studien und ihrer Erklärungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23689