Der Latinerbund


Seminararbeit, 2004

14 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Altitalien

3 Die Latiner und ihre sakralen Feste
3.1 Nomen Latium
3.2 Das Latinerfest

4. Die Entwicklung des Latinerbundes
4.1 Etruskerherrschaft
4.2 Bündnisvertrag der Latiner mit Rom

5. Das Ende des Latinerbundes
5.1 Der Aufstand der Latiner
5.2 Die römische Neuordnung Latiums

6. Zusammenfassung

7. Literatur

1. Einleitung

„Doch mit des Geschickes Macht ist kein ew`ger Bund gemacht“

Schiller, Das Lied von der Glocke

Mit meinen Darlegungen über die Latiner möchte ich einen Abriss zur Entwicklung eines beachtlichen „Nationalgebildes“ aus den Tiefen unserer Geschichte geben, das frühzeitig belegte, dass Menschen nach Gemeinschaft und Gemeinsinn strebten, weil darin ein hoher Vorteil für sie schlummert. Verbindende Gemeinsamkeit schafft Stärke, Identität und gibt Kraft, der Fremdherrschaft und Unterdrückung zu widerstehen.

„Doch mit Geschickes Macht“ – der Übermacht Roms – konnte kein „ew`ger Bund“ gemacht werden.

Durch gemeinsame sakrale Opferriten und Feste wuchsen die Latiner zum politischen Bund zusammen – den Latinerbund. Er verband sie zu einer Nation und gab ihnen das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit.

Über die Latiner ist uns nur ein geringer Teil an Quellen überliefert. Nur in Anlehnung an die römische Entstehungsgeschichte lässt sich ein Konstrukt der Latinergeschichte erstellen.

Diese Arbeit versucht ein Stück Latinergeschichte zu wiederzugeben. Fragen wie worauf die gemeinsamen Feste basierten, wie der politische Bund der Latiner zu Stande kam und warum er schließlich von den Römern aufgelöst worden ist, sollen geklärt werden.

Zur Beantwortung dieser Fragen betrachte ich die Ursprünge der Latiner, ihre sakralen Feste zu Ehren der Stammesgötter, die Einflüsse der etruskischen Fremdherrschaft auf die Latiner, den Bündnisvertrag mit Rom und spanne den Bogen bis zum Aufstand der Latiner mit der Auflösung des Latinerbundes durch Rom.

Zum Thema der Latiner und des Latinerbundes haben sich nur wenige Historiker geäußert. Andreas Alföldi versucht mit seinem Buch „Das frühe Rom und die Latiner“ ein Stück Latinergeschichte zu rekonstruieren. Er zeigt genau die Anfänge des Latinerbundes bis zur seiner Auflösung auf, verwendet dabei die kymäische Chronik, um seine Aufzeichnungen zu untermauern.

Weitere Publikationen sind von Theodor Mommsen „Römische Geschichte“ und von Ernst Kronemann „Römische Geschichte. Die Zeit der Republik“.

2. Altitalien

Das Jahrtausend zwischen 2000 bis 1000 v. Chr. war in ganz Europa gekennzeichnet durch Völkermigration, Stammeskriege und eine langsames Seßhaftwerden der Völker.

Nach Italien wanderte, vor allem von Norden her, eine Vielzahl von Völkern ein, überquerten die Alpen und durchstreiften das Land bis tief in den Süden Siziliens und Sardiniens. „Das völkische Bild Altitaliens war uneinheitlich und bunt gemischt.“[1] Es war keine scharfe Trennungslinie zwischen indogermanischen und nichtindogermanischen Stämmen zu erkennen. Neben illyrischen Stämmen und Venetern kamen auch die Italiker nach Italien und ließen sich in Latium, dem Gebiet vom unteren Tiber bis nach Circei, nieder. Diese Prozesse erfolgten schubweise, ergaben aber einen zusammenhängenden Vorgang.

Die Italiker gingen Verbindungen mit der Vorbevölkerung, den Umbrern, ein und gründeten kleine Dorfgemeinden. Jede Gemeinde war ein winziger populus. Die Grundlage ihres gemeinsamen Daseins bildeten die natürlichen Bindungen verwandtschaftlicher Beziehungen. Sitten, Bräuche und Kräfteverhältnisse regelten das Zusammenleben der latinischen Gemeinden. Sie lebten in einfachen Verhältnissen von Viehzucht und Ackerbau. Ein geringer wirtschaftlicher Überschuss war zu verzeichnen, der aber nicht zur Anhäufung von Reichtümern ausreichte.

Die Gemeinden waren keine herrschaftslosen Gemeinschaften, sondern wurden durch die Gruppe der älteren Männer dominiert und geführt.

Eine beginnende soziale Differenzierung zeichnet sich erst mit der Verlagerung des Siedlungsschwerpunktes von den Hügeln in die Täler ab. Durch unterschiedliche Erntebeträge bildete sich langsam eine Oberschicht heraus. Hierarchische Strukturen entstanden.

„Diese kleinen Dorfgemeinden wuchsen Schritt für Schritt in geradliniger Entwicklung zu beachtlichen, sich ihrer politischen Autonomie voll bewussten Stadtstaaten heran.“[2]

3. Die Latiner und ihre sakralen Feste

3.1 Nomen Latium

Die latinischen Gemeinden fassten sich im Nomen Latium zusammen. Es beruhte nicht auf Verträgen, sondern auf dem Bewusstsein der Verwandtschaft. Die gemeinsame Sprache, gemeinsame Opfer an Stammesgötter und der Glaube eines gemeinsamen Ursprungs stärkten und festigten das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Latinern. Es gab jedoch keine großen und bedeutenden politischen Bünde und keine alle latinischen Gemeinden umfassende Vereinigung. Doch der „spontane Drang der Latiner zur Gruppierung um Kultzentren rief schließlich den Gesamtverband der Latiner in Gestalt des Bundes auf dem Albanerberg ins Leben.“[3] Sie schlossen religiöse Bündnisse zur Verehrung gemeinsamer Stammesgötter.

Die Götter waren zur damaligen Zeit gestaltlos, kein Tempel war ihnen zu Ehren errichtet worden. Vielmehr verehrten die Latiner ihre Götter in heiligen Hainen, Wässern und freistehenden offenen Altären.

Die Bevölkerung Latiums glaubte an eine unfassbare, über ihnen stehende Macht, die sich den Menschen vor allem im Zorne der Macht, und zwar in allerhand Zeichen und Wundern, offenbarte. Dem latinischen Bauern waren Seuchen, Missernten und Hungersnöte göttliche Zornesäußerungen, die man schnellstens sühnen musste, damit frucht- und segenbringender Friede zwischen Göttern und Menschen bestand.

Um die Götter friedlich zu stimmen und eine reiche Ernte zu erlangen, feierten die Latiner Feste. Besonders in den Monaten März und Oktober häuften sich diese Feste zu Ehren der Götter, „in denen die Arbeit der Bauern sowie die ursprünglich auf den Sommer beschränkte Kriegsführung einsetzte und abschloss.“[4] Auf diesen gemeinsamen sakralen Festen der Latiner baten sie die Götter um das Wohl aller in Latium.

Die gemeinsamen Feste hatten aber auch Nebenerscheinungen. Es wurden Ehen geschlossen und Handel getrieben. Politische Streitigkeiten zwischen sonst verfeindeten latinischen Gemeinden wurden beigelegt. Oft kam es sogar zu einer Art von Nationalfest mit Märkten und Wettspielen.

Die Zusammenkünfte der Latiner aus allen Gemeinden zur Verehrung ihrer Gottheiten brachten ihnen eine enge Zusammengehörigkeit und verband sie zu einer Nation.

Das uns bekannteste Fest der Latiner war das Latinerfest.

[...]


[1] Bengtson 1988, S.12.

[2] Alföldi 1977, S. 7.

[3] Alföldi, 1977, S.8.

[4] Kronemann 1960, S. 52.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Latinerbund
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Alte Geschichte)
Note
2,1
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V23736
ISBN (eBook)
9783638267984
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Latinerbund
Arbeit zitieren
Anne Piegert (Autor), 2004, Der Latinerbund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23736

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