Modularisierung als Arbeitsmuster unserer Gesellschaft?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
15 Seiten, Note: 3+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was ist Modularisierung?

Modularisierung –Archetyp der modernen Gesellschaft ?-

Eine Erfindung als autonome Existenz?

Schlußbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Begriff `Modul´ findet sich in nahezu allen Bereichen unserer Alltagswelt wieder. Ob explizit als Steckmodul einer Spielkonsole oder als abgeteilte Unterrichtseinheit innerhalb unseres Schulsystems, das Aufteilen von komplexen Bereichen in kleinere, in irgendeiner Form eigenständige Einzelteile scheint allgegenwärtig. Aber was genau ist unter dem Begriff der Modularisierung zu verstehen? Was sind die Vorteile, welche die Voraussetzungen? Vor allem aber, was steckt hinter dieser besonderen Form der Strukturierung? Ist das System der Modularisierung lediglich eine mögliche Form, sich komplexer Sachverhalte anzunehmen, oder steckt hinter ihr vielmehr ein grundlegendes Arbeits- und Denkmuster unserer heutigen (Industrie)Gesellschaft?

Hierbei ist es allein aus quantitativen Gründen nicht Ziel, eine vollständige Herleitung mit umfassender Darstellung der Motivation und deren Ursprung zu liefern. Vielmehr soll eine prinzipielle Grundsätzlichkeit die diesem Phänomen inhärent ist und untrennbar mit unserer modernen Gesellschaft verbunden ist, herausgearbeitet werden.

Dies soll anhand praxisnaher Beispiele, vornehmlich aus dem medialen Bereich versucht werden.

Über den Komplex der Modularisierung soll im letzten Kapitel abschließend Stellung zu einer Grundsatzfrage der Medienwissenschaft genommen werden. Anhand der Beispiele des Computers und des Buchdrucks, die in diversen Punkten eine vergleichbare mediale Revolution darstellen, soll die Frage behandelt werden, inwieweit Medien Resultate von gesellschaftlichen Prozessen sind, oder ob sie umgekehrt, dieselben neu definieren. Auch hier kann ist es nicht Ziel sein eine Frage ähnlich der nach dem Huhn und dem Ei mit Eindeutigkeit zu beantworten, sondern es sollen dem Komplex innewohnende, grundsätzliche Merkmale herausgearbeitet werden. Die vorliegende Arbeit fußt im wesentlichen aufgrund der sinngemäßen Verwendung der folgenden Literatur und kommt insofern ohne zahlreiche explizite Anmerkungen aus.

Was ist Modularisierung?

Spricht man von Modularisierung und von einzelnen Modulen, so hat man in der Regel etwas wie eine Steckkarte für ein Viedeospiel oder ein aufgestecktes Element auf der Platine eines Fernsehers vor Augen. Naheliegenderweise etwas, das der in diversen Fremdwörterbüchern gegebenen Definition eines „austauschbaren, komplexen Teils eines Gerätes oder einer Maschine, das eine geschlossene Funktionseinheit bildet“, nahekommt. Sicher ist dieser Gebrauch von `Modul´ als materiell beschreibender Begriff der gebräuchlichste. Darüber hinaus ist mit der fortschreitenden Komplexität in nahezu allen technischen wie sozialen und kulturellen Bereichen das (Anwendungs)Gebiet der Modularisierung extrem erweitert worden. Nicht nur wörtlich greifbare Bestandteile einer komplizierten Maschine, die der Reihe nach verschiedene Aufgaben übernehmen um letztendlich das Erreichen eines Gesamtziels zu gewährleisten, sind per Definition Module. Das Phänomen der Modularisierung hat mittlerweile in fast jeden Bereich unser Alltagswelt Einzug gehalten. Seien es komplexe Computerprogramme, bei denen kleinere überschaubare Programmteile unabhängig voneinander programmiert und anschließend miteinander verknüpft werden, oder unsere heutige Schulform mit ihrer Aufteilung in Klassen sowie des zu Lernenden Stoffes in unterschiedliche Bereiche wie Fremdsprachen, Natur- oder Geisteswissenschaften. Überall finden sich Einzelteile größerer Komplexe. `Naturgemäße´ Eigenschaften sowie Vor- und Nachteile einer solchen Modularisierung lassen sich am Beispiel eines Computerprogramms sehr deutlich machen, sind aber nicht auf diesen Bereich beschränkt.

Zunächst zu der Frage, was ist Modularisierung? Wie bereits angedeutet, geht es dabei um eine bestimmte Strategie, komplexe Systeme einer gewissen Zielsetzung nach zu strukturieren. Das heißt konkret, daß ein Programm wie etwa Microsofts Windows in seiner Programmierung nicht ein voluminöses Einzelprogramm darstellt, sondern es in unzähligen Bestandteilen programmiert und anschließend zu dem für uns scheinbar einen Programm kombiniert wurde. Die dahinterstehende Absicht ist in erster Linie ökonomischer Herkunft. Durch die Zerlegung eines komplexen Programms entstehen kleine, überschaubarere Arbeitsmengen, die einer Transparenz der Gesamtproblematik zuträglich sind. Sowohl bei der Produktion als auch bei der (Be)Nutzung solcher Module wird ein weiterer Vorteil sichtbar. Es tritt eine Parallelisierung innerhalb der Gesamtproblematik ein. Zum einen muß ein aufwendiges Programm nach diesem Prinzip nicht linear programmiert werden, sondern kann zeitgleich von mehreren Entwicklern erarbeitet werden. Zum anderen, und das liegt an der speziellen Struktur des Computers, etwa durch Multiprozessor-Architektur, die ihrerseits nur eine weitere Form der Modularisierung darstellt, können einzelne Teile eines Befehls für unser Empfinden annähernd zeitgleich bearbeitet und anschließend wieder zusammengefügt ausgegeben werden. Darüber hinaus können schadhafte Module, wie eine defekte Grafikkarte oder ein nicht mehr aktueller Internet-Browser innerhalb der Gesamtarchitektur einzeln ausgetauscht und ersetzt werden. Wenn Joachim Metzner in seinem Text `Der Computer -eine sozialpädagogische Herausforderung?´ von den schier unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten der IKEA-Teile spricht, die sich pointiert gesagt nur durch ihre unterschiedliche Frontplatte voneinander unterscheiden, stellt dies einen weiteren Charakterzug der Modularisierung dar.[1]

Voraussetzung für das Funktionieren eines solchen modularen Systems ist auf Seiten der Produktion, daß eine disziplinierte Form bei der Programmerstellung gewährleistet ist, da eine ansonsten entstehende Individualtität der effektiven Weiterbearbeitung der einzelnen Teile im Wege stehen würde. Das heißt alle Module müssen auf einem bestimmten, zuvor definierten Code aufbauen, und ebenso definierte Schnittstellen besitzen, um ein problemloses Zusammensetzen dieser zu ermöglichen.

Hinter dieser Vielfältigkeit der Anwendungsbereiche und derer Module steht stets ein und dasselbe Phänomen, was im folgenden Kapitel am Beispiel medialer Module näher untersucht werden soll.

[...]


[1] [1] Metzner, Joachim, S.146

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Modularisierung als Arbeitsmuster unserer Gesellschaft?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Film- und Fernsehwissenschaft)
Veranstaltung
Archäologie des Computers, Ästhetik der Programmierung.
Note
3+
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V23740
ISBN (eBook)
9783638268028
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt die Existenz von Modularisierung in verschiedenen Teilen unserer Gesellschaft.
Schlagworte
Modularisierung, Arbeitsmuster, Gesellschaft, Archäologie, Computers, Programmierung
Arbeit zitieren
Dirk Mempel (Autor), 2002, Modularisierung als Arbeitsmuster unserer Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23740

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Modularisierung als Arbeitsmuster unserer Gesellschaft?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden