Die Wiederbelebung des Diakonissenamtes durch Theodor Fliedner unter Einbeziehung der Quelle "Die Notwendigkeit von Diakonissen"


Ausarbeitung, 2002

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

0. Quelle

1. Einleitung

2. Quellenanalyse

3. Fragestellungen
3.1. In welchem religiösen und sozialen historischen Kontext ist Fliedners Brief „Die Notwendigkeit von Diakonissen“ eingebettet?
3.2. Wer war der Adressat des Briefes und was war sein Zweck?
3.3. Wie war Theodor Fliedner sozialisiert und welche Einflüsse wirkten auf seine Arbeit?
3.4. Wie sah die praktische Umsetzung seiner Pläne im Bereich der Gemeindearbeit für sozial Benachteiligte aus?

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Erklärung

0. Quelle

Die Notwendigkeit von Diakonissen. – 1833 –

1 Da nicht bloß für Gefangenenhäuser und Asyle, sondern auch

2 für Krankenhäuser, überhaupt für die Krankenpflege in unseren

3 Städten und großen Gemeinden, für Waisenhäuser und Erziehung

4 armer, verlassener weiblicher Kinder und Verbrecherkinder solche

5 christliche Pflegerinnen, solche Diakonissen unserer evangelischen

6 Kirche not tun, und die hierfür willigen Seelen meist erst noch

7 eine gewisse Vorbereitung dazu bedürfen, auch nur durch die Ver-

8 einigung vieler Gläubigen an vielen Orten ausfindig gemacht

9 werden können, sollte da nicht ein Bund christlicher Frauen und

10 Jungfrauen unter Leitung einiger christlicher Männer in unserer

11 evangelischen Kirche Deutschlands im Namen des Herrn die

12 Hände von nah und fern zusammenschlagen, um solche Diako-

13 nissinnen wie zu der Apostel Zeiten zu bilden und jeder ihre Stelle

14 in seinem Weinberg anzuweisen. Ich glaube, es ist Pflicht, da

15 noch immer die Ernte groß, aber der Arbeiter wenige sind; und

16 so hat es mich in diesen Weg getrieben – ich darf hoffen, es war

17 von oben - , einen Plan zu einem solchen Verein zu entwerfen.

18 Vier Pfleglinge sind jetzt in unserem Asyl, in kurzem noch mehrere,

19 dann wird es eine rechte Magdalenenanstalt, ein volles Bethesda

20 werden. Er sieht vom Himmel auf Erden, dass er das Seufzen

21 der Gefangenen höre und los mache die Kinder des Todes, und

22 er erhöret das Gebet der durch ihn Gerechten, wenn es

23 ernstlich ist.

Aus: Hennig (1912): Quellenbuch zur Geschichte der Inneren Mission. Hamburg. S. 179.

1. Einleitung

Das 19. Jahrhundert war eine Zeit großer religiöser und christlicher Vielfalt, eine Epoche mit einschneidenden politischen, territorialen und kirchenrechtlichen Veränderungen. Sie war gekennzeichnet durch eine wachsende Industrialisierung und Mobilität, und infolge dessen auch durch einen verstärkt ansteigenden Pauperismus.[1]

Dabei hat das kirchlich- soziale Engagement in dieser Zeit sowie die weibliche Gemeindearbeit mein besonderes Interesse geweckt, was mich zu dem vorliegenden Brief des „ Erneuerers des apostolischen Diakonissenamtes “, Theodor Fliedner, führte.[2]

2. Quellenanalyse

Bei der vorliegenden Quelle „ Die Notwendigkeit von Diakonissen“ handelt es sich um den Ausschnitt eines Briefes, den Theodor Fliedner am 16.12.1833 an den Bremer Pfarrer Friedrich Ludwig Mallet schrieb.[3]

Der vorliegende Brief lässt sich in sechs kurze Abschnitte gliedern:

Im ersten Abschnitt (Zeile 1-6) spricht Fliedner von der Notwendigkeit bzw. vom dringenden Bedarf an evangelischen Pflegerinnen, welche er hier Diakonissen nennt, an verschiedenen Einsatzorten wie Asylen, Krankenhäusern, Waisenhäusern sowie für die Krankenpflege überhaupt und für die Erziehung armer, verlassener Mädchen und Kinder aus kriminellem Milieu. Damit umschreibt er auch die gegenwärtige gesellschaftliche Situation.

Im zweiten Abschnitt ( Zeile 6-9) weist er einerseits darauf hin, das eine Ausbildung für diese willigen Diakonissen nötig sei, andererseits drückt er aus, das es schwierig sein wird, geeignete Frauen zu finden, und dass es nur durch die Mithilfe vieler Gemeinden und Gläubigen gelingen kann.

Im dritten Abschnitt ( Zeile 9-14) präsentiert Fliedner dem Pfarrer Mallet seine Idee von der Gründung eines Bundes christlicher Frauen und Jungfrauen unter christlich- männlicher Leitung in der Evangelischen Kirche Deutschlands, mit der Absicht, Diakonissen nach dem Vorbild aus der Apostelzeit zu bilden und jeder von ihnen „ihre Stelle in seinem Weinberg zuzuweisen“ (Vgl. Mt 20).

Im vierten Textabschnitt begründet Fliedner, warum ein solcher Verein Sinn mache, indem er sich auf Mt 9,37 bezieht, in dem es heißt, „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.“ Damit meint er die Tatsache, das es viele Hilfsbedürftige und zu Bekehrende gibt gegenüber einer geringen Anzahl von christlichen Pflegerinnen.

In Zeile 18-20, dem fünften Abschnitt also, beschreibt der Autor des Briefes kurz die gegenwärtige Situation in seinem Asyl und deutet an, das es bald noch mehr Pfleglinge geben wird . Er nennt sein zukünftiges, wachsendes Asyl eine Magdalenenanstalt, womit er auf Maria aus Magdala anspielt, die ja ein Paradebeispiel der geläuterten Prostituierten abgibt; der durch den Glauben ihre Sünden vergeben werden – eine Wandlung, die er sich auch für aus der Haft entlassene wünscht. Auch vergleicht Fliedner es mit Bethesda, dem Teich in Jerusalem, an dem viele Kranke und Schwache lagen und darauf warteten, dass ein Engel Gottes das Wasser bewegt, denn wer danach als erster in den Teich stieg, wurde geheilt.[4]

Der sechste und letzte Textabschnitt (Zeile 20-23) enthält die Glaubensaussage und Hoffnung Fliedners, das Gott vor allem bei den Inhaftierten und bei den Kindern des Todes sei, womit er vermutlich arme, verlassene und verwahrloste Kinder mit schlechten (Über)Lebenschancen meinte; das Gott um ihr Leid wisse und sie davon befreie werde. Im letzten Teilsatz schreibt er, das Gott das Gebet derjenigen erhört, die es ernst mit dem Glauben meinen, er bestätigt den Gläubigen dadurch die Hilfszusage Gottes.

Komprimiert ausgedrückt enthält der Brief den Plan, einen Bund / Verein christlicher Frauen einzurichten, um aus ihrem ausgewählten Kreise die für die Gesellschaft dringend notwendigen Diakonissen nach Apostelvorbild zu gewinnen und ihnen Anleitung und Einsatzort zu geben.

3. Fragestellungen

3.1. In welchem religiösen und sozialen historischen Kontext ist Fliedners Brief „Die Notwendigkeit von Diakonissen“ eingebettet?

Als Folge- und Begleiterscheinung der Industrialisierung in Deutschland kam es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem rasant beschleunigten Bevölkerungswachstum mit verheerenden sozialen Auswirkungen.[5]

[...]


[1] Vgl. Greschat.

[2] Vgl. www.ekd.de/kps/diakonissen/diakonis/diakon12.htm.( Stand vom 04.05.2002).

[3] Brief entnommen aus Hennig (1912): Quellenbuch zur Geschichte der Inneren Mission. Hamburg. Hennig entnahm die Quelle seinerseits aus Schreiber (1900): Theodor Fliedners Lebenswerk. Kaiserswerth am Rhein. S. 31/32.

[4] Vgl. Bibel, Jh 5,2.

[5] Vgl. Gladen, 295.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Wiederbelebung des Diakonissenamtes durch Theodor Fliedner unter Einbeziehung der Quelle "Die Notwendigkeit von Diakonissen"
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin  (Studiengang Ev. Religionspädagogik)
Veranstaltung
R 208/SS 2002
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V23785
ISBN (eBook)
9783638268332
ISBN (Buch)
9783656216087
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich um eine Quellenarbeit im Fach Kirchengeschichte.
Schlagworte
Wiederbelebung, Diakonissenamtes, Theodor, Fliedner, Einbeziehung, Quelle, Notwendigkeit, Diakonissen
Arbeit zitieren
Ulrike Tschirner (Autor), 2002, Die Wiederbelebung des Diakonissenamtes durch Theodor Fliedner unter Einbeziehung der Quelle "Die Notwendigkeit von Diakonissen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23785

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