Nachdem im Jahr 1964 durch die Legalisierung des Antikontrazeptivums
„Pille“ als Verhütungsmittel bei Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter
eine neue Art der Lebensplanung ermöglicht wurde, entschieden sich immer
mehr Frauen im gebärfähigen Alter, die berufliche Karriere an die erste
Stelle ihrer Lebensziele zu stellen. 1
Das Bild von Elternschaft und der Rolle der Frau in der Gesellschaft wurde
dadurch erstmals erheblich verändert.
In der Bundesrepublik Deutschland nutzten zum damaligen Zeitpunkt viele
Frauen diese Möglichkeit der Familienplanung, ohne sich darüber im Klaren
zu sein, dass die Chance, ab einem Alter von 35 Jahren und darüber hinaus
schwanger zu werden, erheblich abnimmt, da ihrem Körper - und damit
ihrem Kinderwunsch - Grenzen gesetzt sind.2
In der damaligen DDR waren aufgrund der Doppelbelastungen der Mütter
durch Arbeit und Kindererziehung ein Geburtenrückgang zu verzeichnen, der
1975 sein Tief von 52,3 Geburten je 1000 Frauen erreichte.3 Auf Beschluss
des IX. Parteitages der SED im Jahre 1976 wurden weitgreifende soziale
Maßnahmen wirksam.
Diese beinhalteten beispielsweise die Erhöhung der Geburtenbeihilfe,
zinslose Ehekredite für Familien, Erweiterung des Wohnungsbaues,
Förderung der staatlichen Kinderbetreuung sowie bei der Geburt des zweiten
Kindes ein Jahr Freistellung von der Arbeit bei voller Lohnfortzahlung.
Danach war ein Geburtenanstieg zu verzeichnen, der im Jahre 1980 bereits
bei 67,4 /1000 Frauen lag. 4
Durch die Wiedervereinigung beider deutschen Staaten im Jahre 1990
änderte sich besonders in den neuen Bundesländern die Lage. Ausgelöst durch tiefgreifende soziale und politische Umstrukturierungen und
damit ausgelöste Existenzängste dürfte Deutschland in den Jahren 1990 –
1995 die niedrigste Geburtenrate der Welt gehabt haben. 5
Inzwischen ist die Anzahl der geborenen Kinder in den neuen Bundesländern
wieder angestiegen, hat jedoch noch nicht wieder den Stand von 1989
erreicht. [...]
1 Vgl. Österreichische Hebammenzeitung, 7.Jg, Ausg. 5/01, Oktober 2001
2 ebd.
3 Vgl. Peter Borowsky „Zeiten des Wandels“
4 Vgl. Österreichische Hebammenzeitung, 7.Jg, Ausg. 5/01, Oktober 2001
5 Vgl. Österreichische Hebammenzeitung, 7.Jg, Ausg. 5/01, Oktober 2001
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Wozu brauchen wir die Reproduktionsmedizin?
1.2. Verfahren der Reproduktionsmedizin
1.3. Statistische Erhebungen
1.4. Fallbeispiele
2. Optionen und Alternativen
2.1. Adoption
2.2. Verzicht
2.3. Fehlhandlungen
3. Rechtliche Grundlagen
3.1. Grundgesetz
3.2. Embryonenschutzgesetz
3.3. Strafgesetz
3.4. Richtlinien der Bundesärztekammer
3.5. Sozialgesetz
3.6. Christliche Dogmen
4. Pro und Contra zur Reproduktionsmedizin
5. Die ethische Diskussion
6. Schlussfolgerungen
7. Erklärung medizinischer Fachbegriffe
8. Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht ethische Aspekte der modernen Reproduktionsmedizin in Deutschland, mit dem Ziel, die moralische Zulässigkeit assistierter Befruchtungsmethoden vor dem Hintergrund eines starken Kinderwunsches kritisch zu hinterfragen und rechtliche sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu beleuchten.
- Analyse der medizinischen Verfahren (IVF, ICSI) und ihrer Auswirkungen
- Gegenüberstellung von rechtlichen Grundlagen und christlichen Wertvorstellungen
- Diskussion über das "Recht auf ein Kind" im Spannungsfeld zur embryonalen Integrität
- Betrachtung von psychosozialen Faktoren und dem Druck durch unerfüllte Kinderwünsche
Auszug aus dem Buch
1.4. Fallbeispiele
Durch diese gesetzliche Regelung bleiben uns hierzulande solche aufsehenerregenden Mehrlingsschwangerschaften mit bis zu acht(!) Kindern, wie zum Beispiel der Fall der 31-jährigen Italienerin Mariella Mazarra, die nach sechsjähriger Hormonbehandlung endlich schwanger wurde, erspart. Zur späteren Mehrbelastung der Mutter, in physischer als auch in psychischer Hinsicht, kann bei der Geburt aller acht Kinder nur gemutmaßt werden.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg für die Sizilianerin. Ärzte rieten ihr jetzt dringend zu dem auch in Deutschland praktizierten Fetozid, bei dem einige Embryonen selektiv abgetötet werden, um das Leben der anderen und das der Mutter zu erhalten. Dies lehnt sie jedoch entschieden ab. In diesem Fall stellt sich nun die Frage, ob der Kinderwunsch größer ist, als die Liebe zum eigenem Leben?
Einerseits ist die Freude über eine eintretende Schwangerschaft nach so langer Zeit sicherlich groß, aber muß man andererseits die eigene Gesundheit dafür aufs Spiel setzen? In mehreren europäischen Ländern besteht nun seit dem Jahr 2000 mit der Entwicklung der Präimplantationsdiagnostik (PID) die Möglichkeit, unter den befruchteten Eizellen diejenige herauszufinden, welche von der genetischen Anlage her die größten Chancen bietet, zur Geburt eines gesunden Babys zu führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Entwicklung der Familienplanung und die medizinischen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin.
2. Optionen und Alternativen: Beleuchtet alternative Wege wie Adoption oder den Verzicht auf Kinder als Ausweg bei Fruchtbarkeitsproblemen.
3. Rechtliche Grundlagen: Analysiert den rechtlichen Rahmen durch das Grundgesetz, das Embryonenschutzgesetz und weitere Regelwerke.
4. Pro und Contra zur Reproduktionsmedizin: Stellt Argumente für den Kinderwunsch und dagegen sowie ethische Bedenken tabellarisch gegenüber.
5. Die ethische Diskussion: Erörtert die moralische Verantwortung, das Bild des Menschen als Produkt und den gesellschaftlichen Einfluss der Reproduktionsmedizin.
6. Schlussfolgerungen: Fasst die persönliche ethische Position der Autorin zusammen und bewertet den Umgang mit Embryonen in Deutschland kritisch.
7. Erklärung medizinischer Fachbegriffe: Definiert zentrale Begriffe der Reproduktionsmedizin von Antikontrazeptiva bis zu Zysten.
8. Quellenverzeichnis: Listet die für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen und publizistischen Quellen auf.
Schlüsselwörter
Reproduktionsmedizin, In-vitro-Fertilisation, ICSI, Embryonenschutzgesetz, Fetozid, Ethik, Kinderwunsch, Präimplantationsdiagnostik, Familienplanung, assistierte Reproduktion, medizinische Fachbegriffe, Sterilitätsbehandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ethischen Herausforderungen, die durch moderne reproduktionsmedizinische Verfahren in Deutschland entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die medizinischen Techniken wie IVF, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Rolle der christlichen Ethik und der Umgang mit Mehrlingsschwangerschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Konflikt zwischen dem legitimen Kinderwunsch von Paaren und der ethischen sowie moralischen Integrität bei der Behandlung menschlicher Embryonen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung aktueller statistischer Erhebungen und rechtlicher Grundlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die medizinischen Verfahren, die juristischen Grundlagen in Deutschland, eine Pro-Contra-Abwägung sowie eine detaillierte ethische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Reproduktionsmedizin, Ethik, In-vitro-Fertilisation und Embryonenschutz.
Wie bewertet die Autorin den Einsatz von Fetozid?
Die Autorin lehnt den Fetozid als Teil einer planmäßigen Behandlungsstrategie ab und hinterfragt kritisch die ethische Verantwortung der beteiligten Akteure.
Welche Rolle spielt die PID in der heutigen Debatte?
Die PID ermöglicht eine Selektion von Embryonen, was ethische Fragen nach "Designer-Kindern" und der Wertigkeit von Menschenleben aufwirft.
- Quote paper
- Dana Russow (Author), 2002, 'Ein Kind um jeden Preis ?' Ethische Aspekte der Reproduktionsmedizin am Beispiel Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23799