Vielen Studienanfängern bereitet der Einstieg in die Systematische Pädagogik große Schwierigkeiten. Reduzieren lässt sich dies nur durch die richtige Auswahl des Einstiegskurses, die von den Mitarbeitern des entsprechenden Lehrgebiets getroffen wird. Ein Vergleich von Büchern kann helfen, zu entscheiden, welches Buch dem Student den Einstieg in dieses Gebiet der Erziehungswissenschaft besser ermöglicht. In dieser Hausarbeit sollen zwei Bücher miteinander verglichen werden, „Systematische Pädagogik I“ von Karl-Heinz Dickopp und „Deutsche Gegenwartspädagogik I“ von Michele Borelli. Beide Autoren haben verschiedene Wege gefunden, dieses Thema zu bearbeiten. Dickopp konstruiert in seinem Buch seinen Ansatz der Systematischen Pädagogik, nämlich die Personal-transzendentale Pädagogik. Borelli dagegen vertieft sich in seinem Werk nicht in eine Richtung, sondern nimmt verschiedene Autoren mit unterschiedlichen Ansätzen auf, um dem Leser einen Überblick über die Systematische Pädagogik zu geben. Im folgenden soll nun nach einer Zusammenfassung beider Bücher eine vergleichende Rezension Aufschluss darüber geben, in welchem Buch der studentische Anfänger besser in die pädagogische Theoriebildung eingeführt wird beziehungsweise inwieweit beide Werke diese Aufgabe erfüllen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Systematische Pädagogik Karl-Heinz Dickopps
2.1 Einleitung
2.2 Die Zusammenfassung des Kurses
2.2.1 Die anthropologischen Grundlagen der Pädagogik
2.2.2 Die wissenschaftstheoretische Fragestellung der Pädagogik
2.2.3 Die Auseinandersetzung mit den Methoden der Pädagogik
2.2.4 Die Bildung pädagogischer Theorien
2.2.5 Das Projekt einer personal-transzendentalen Pädagogik
3 Die deutsche Gegenwartspädagogik von Michele Borelli
3.1 Einleitung
3.2 Die Zusammenfassung des Buches
3.2.1 Über die Unerläßlichkeit der Bildung
3.2.2 Bildung und Freiheit
3.2.3 Systematische Pädagogik – Die Pädagogik und ihre wissenschaftliche Begründung
3.2.4 Hermeneutisch-dialektische Rekonstruktion interkultureller Pädagogik
3.2.5 Empirische Erziehungswissenschaft und andere Erziehungstheorien: Differenzen und Verständigungsmöglichkeiten
3.2.6 Wie ist Theoriebildung für politische Didaktik möglich?
3.2.7 Schulreform und praktisches Lernen
3.2.8 Anmerkungen über Erziehung – Bausteine einer Erziehungstheorie
3.2.9 Bildungsperspektiven – Grundzüge internationaler Erziehung
3.2.10 Vorüberlegungen zu einer künftigen Ethik für Pädagogen
3.2.11 Empiristisch-utilitaristische Pädagogik
3.2.12 Pädagogik der Kommunikation
3.2.13 Konturen einer geschichtsmaterialistischen Kritik der Erziehung
4 Vergleichende Rezension
4.1 Der Einblick in eine wissenschaftliche Position der Pädagogik
4.2 Der Überblick über verschiedene Richtungen der Pädagogik
4.3 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Werke „Systematische Pädagogik I“ von Karl-Heinz Dickopp und „Deutsche Gegenwartspädagogik I“ von Michele Borelli geeignet sind, Studienanfänger in die Systematische Pädagogik einzuführen, und vergleicht dabei deren unterschiedliche didaktische Ansätze.
- Vergleich pädagogischer Lehransätze für Studienanfänger
- Theoriebildung und Systematische Pädagogik
- Konstruktive versus overview-orientierte Einführungsmethoden
- Reflexion über Erziehungspraxis und Autonomie
- Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Erziehungswissenschaft
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Die Bildung pädagogischer Theorien
Eine Theorie macht den Zusammenhang zwischen Beobachtbarem und Erfahrbarem anschaulich, so dass ein „nicht sinnlich wahrnehmbarer „Gegenstand““ (S. 51) dargestellt werden kann. Theorien können unterschiedliche Reichweiten besitzen und somit auch unterschiedlich gute Orientierungsmöglichkeiten für Erziehung sein. Es gibt allerdings drei Prinzipien auf die pädagogisches Denken unbedingt Bezug nehmen muss. Der anthropologisch-personale Bezug, der „auf die Selbstverwirklichung und Selbstermächtigung jedes einzelnen als Person“ (S. 53) abzielt, den ethisch-moralischen Bezug, der als Bildungsziel die Verbesserung der menschlichen Position anstrebt und den praktischen Bezug, der erzieherisches Handeln einschließt und somit als Ziel die Selbsterziehung hat. Von einer systematischen pädagogischen Theorie kann gesprochen werden, wenn die „einzelnen Elemente in einen geordneten Zusammenhang zueinander stehen“ (S.34) und sie sich mit den von Dickopp auf den Seiten 36 bis 39 formulierten Grundfragen beschäftigt, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.
Will man eine Theorie der Pädagogik bilden, die das Transzendentale umfasst, so muss man auf drei Dinge Acht geben:
- Die Theorie ist immer die allgemeine Zielsetzung, das allgemeine Sollen, das die Praxis auf die konkreten Situationen beziehen muss. Die Praxis kann ihre Reflexionsprozesse an den Maßstäben der Theorie orientieren, welche somit transzendentale Funktion für die Praxis haben (S.182 f) und dadurch ihre Verbindlichkeit sichert.
- „Das Individuum ist sowohl etwas Konkretes wie Allgemeines“ (S.185). Dickopp kommt in diesem Zusammenhang auf die Personalität zum Sprechen, die er in einem vorigen Kapitel behandelt hat. Er bezeichnet pädagogische Personalität als Relationsgefüge von Empirischem und Transzendentalem (S.147). Daraus schließt er, das „das absolute das relationale Sein nicht ausschließt, sondern das Relationale erst in seiner Funktionalität ermöglicht.“ (S.147) Durch den Begriff der Personagenese, der den Entwicklungsprozess des Seins ausdrückt, wird das Einheitsgefüge von empirischem und transzendentalem Sein auf den Punkt gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Auswahl der zwei zu vergleichenden Werke und stellt die Forschungsfrage nach deren Eignung als Einführungsliteratur für Studienanfänger.
2 Die Systematische Pädagogik Karl-Heinz Dickopps: Dieses Kapitel erläutert Dickopps Ansatz einer personal-transzendentalen Pädagogik, die schrittweise durch Reflexion, anthropologische Grundlagen und wissenschaftstheoretische Modelle konstruiert wird.
3 Die deutsche Gegenwartspädagogik von Michele Borelli: Dieses Kapitel bietet eine Zusammenfassung des von Borelli herausgegebenen Werkes, das ein breites Spektrum an unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen und Autoren vereint.
4 Vergleichende Rezension: Im abschließenden Teil werden die beiden Ansätze gegenübergestellt: Dickopps tiefgehende, aber fordernde Systematik versus Borellis breiter, aber weniger intensiver Überblick, woraus ein Resümee zur Eignung für den Einstieg gezogen wird.
Schlüsselwörter
Systematische Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Theoriebildung, Personal-transzendentale Pädagogik, Bildungsbegriff, Autonomie, Anthropologie, Hermeneutik, Erziehungstheorie, Studienanfänger, Didaktik, Wissenschaftstheorie, Werte, pädagogisches Handeln, Mündigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit vergleicht zwei einführende Werke zur Systematischen Pädagogik, um zu bewerten, welches Buch Studienanfängern den Einstieg in die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung besser ermöglicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Systematischen Pädagogik, die Bedeutung der Theoriebildung für das pädagogische Handeln und die Reflexion über die Ziele von Erziehung und Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine vergleichende Rezension, die klären soll, inwieweit die ausgewählten Bücher als didaktische Hilfsmittel für Studierende zur Einführung in das Fach dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse, indem sie die didaktische Struktur und die inhaltlichen Schwerpunkte beider Werke systematisch analysiert und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Dickopps Kurs und die Zusammenfassung der Beiträge aus Borellis Herausgeberschaft, gefolgt von einer kritischen Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Systematische Pädagogik, Theoriebildung, Autonomie, pädagogisches Handeln und die wissenschaftliche Fundierung von Erziehung.
Wie bewertet die Autorin Dickopps Ansatz?
Dickopp wird als förderlich für die Tiefe des Verständnisses und die Entwicklung handwerklicher Fähigkeiten in der Theoriebildung gelobt, jedoch wird seine starke Einschränkung auf eine einzige Position kritisiert.
Warum wird Borellis Werk als Ergänzung empfohlen?
Borellis Werk wird als sinnvoll zur Ergänzung angesehen, da es einen notwendigen Überblick über die theoretische Vielfalt des Fachs bietet, was Dickopps Fokus auf eine spezielle Richtung komplementär erweitert.
- Quote paper
- Christiane Juraske (Author), 2002, Vergleichende Rezension von Michelle Borelli und Karl-Heinz Dickopp, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23812