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Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik

Title: Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik

Term Paper (Advanced seminar) , 1997 , 83 Pages , Grade: sehr gut (1,0)

Autor:in: Sandra Kluwe (Author)

German Studies - Linguistics
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Thema das Buches ist die komplementäre Beziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik. Gezeigt wird, dass eine angemessene Beschreibung der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke nur unter Einbeziehung des jeweiligen situativ-kommunikativen Kontextes gelingen kann, dass jedoch die Pluralität der Sprechakte eines transzendentalen Rückhalts bedarf, um, bei aller Polyfunktionalität, der semantischen Konsistenz nicht zu entraten. Auf diese Weise wird ein Weg gebahnt zwischen der Skylla des Essentialismus und der Charybdis des nominalistischen Funktionalismus, jenen Extrempositionen, deren Dissens im Universalienstreit der Scholastik grundiert ist. Da nun die Dualität von Wesenssemantik und Pragmatik in der Bilateralität des sprachilchen Zeichens, seiner sowohl ausdrucks- als auch inhaltsseitigen Funktion, im Keim bereits angelegt ist, wird im zweiten Abschnitt auf die Darstellungsfunktion der Sprache eingegangen, wobei neben dem strukturalistischen Zeichenbegriff der pragmatische Berücksichtigung findet. Auf dieser semiotischen Basis kann dann die Bedeutungsfunktion zur Darstellung kommen. Am Beispiel einer semasiologischen Analyse werden mit der Segmentierung und der Klassifizierung Methoden erprobt, die aus der Tradition des Taxonomischen Strukturalismus und Distributionalismus stammen, von Chomskys Generativer Transformationsgrammatik weiterentwickelt wurden und vornehmlich syntaktisch orientiert sind. Es wird geprüft, ob Semantik auf einen Syntax-Kalkül solcher Prägung reduziert bleiben kann oder aber ob sie sich zur Pragmasemantik zu erweitern hat. Nicht zuletzt die Schwierigkeiten, pragmalinguistische und sozio- sowie psycholinguistische Aspekte voneinander abzugrenzen, mündet in Abschnitt 5 in den Versuch einer transzendentalen Rückversicherung qua 'Apriori der Kommunikationsgesellschaft'. Die im Schlusskapitel angestellten Überlegungen stellen rückblickend die Frage, ob eine transzendentalpragmatische Sozialutopie wie diejenige Karl Otto Apels auch der individuellen Sinngebung den nötigen Spielraum gewährt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. HAUPTTEIL:Semantik im Lichte ihrer Kommunikationsfunktion

1. Funktionalismus vs. Essentialismus

1.1Essentialismus als Onto-Semantik (Weisgerber)

1.2 Funktionalismus als Pragmatismus (Peirce, Morris)

1.3Funktionaler Reduktionismus als Behaviorismus und Szientismus

1.4Mathematischer Funktionalismus (Frege)

1.5Grenzen des Fregeschen Modells

2.Darstellungsfunktion

2.1Strukturalistischer Zeichenbegriff (Saussure)

2.2Pragmatischer Zeichenbegriff

3. Bedeutungsfunktion

3.1 Transformationsgrammatik und syntaktische Semantik (Chomsky)

3.2 Aspekte der semasiologischen Operation. Die Bedeutung des Lexems <heiter> in Texten von Thomas Mann

3.2.1Quellen

3.2.2 Syntagmatische Relationen

3.2.3 Paradigmatische Relationen

3.2.4 Onomasiologische Vernetzung

3.2.5 Semantisierung als Poiesis

3.3 Zur Hierarchie Syntax - Semantik - Pragmatik

4. Gebrauchsfunktion

4.1 (Versuchte) Abgrenzung zur Semantik

4.2 Kompetenz - Performanz. Zur Sprechakttheorie

4.2.1 Deixis

4.2.2 Situation/Kontext

4.3 (Versuchte) Abgrenzung zur Psycho- und Soziolinguistik

5. Zu Ansätzen der transzendentalen Sprachpragmatik

5.1 Universalpragmatik (Habermas)

5.2 Transzendentalpragmatik (Apel)

5.2.1 Letztbegründung vs. Fallibilimus

5.2.2 Von der transzendentalen Apperzeption zum Apriori der Kommunikationsgemeinschaft

5.2.3‘Ethischer An-Spruch’ und ‘naturalistic fallacy’

III. Transzendentale Pragmasemantik und individueller Sinn: Schlußüberlegungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Semantik und ihrer Kommunikationsfunktion, um zu prüfen, ob die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke besser im funktionalen Kontext als in einer rein essenziellen Weise erfasst werden kann. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwieweit die Semantik als Teil einer Sprachpragmatik zu verstehen ist, ohne dabei die Bedeutungsvielfalt in einen logischen Kalkül zu reduzieren.

  • Dualismus von Onto-Semantik und Pragmatismus
  • Die Darstellungs- und Gebrauchsfunktion des sprachlichen Zeichens
  • Transformation des strukturalistischen Zeichenbegriffs
  • Ansätze der transzendentalen Sprachpragmatik nach Habermas und Apel
  • Das Spannungsfeld zwischen idealer Kommunikationsgemeinschaft und realer sprachlicher Anwendung

Auszug aus dem Buch

1. Funktionalismus vs. Essentialismus

Die bereits skizzierte Polarität von Funktionalismus und Essentialismus läßt sich historisch zurückverfolgen bis in den Universalienstreit der Scholastik. Die Frage, ob den Universalien, also den Allgemeinbegriffen, eine der konkreten Existenz in den Einzeldingen je schon zugrundeliegende Wesenheit ent/spreche (Essentialismus) oder ob sich die Bedeutung der Universalien darauf beschränke, namentlich aus/gesprochen zu werden (Nominalismus), bildet den Kernpunkt dieses Streits. In neuhochdeutscher Nüchternheit formuliert Searle, es gehe bei der Debatte ‘universalia post/ante rem?’ um „die Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen, die darin übereinstimmen, daß Sam kahl ist, aber darüber uneinig sind, ob sie die Existenz der Kahlheit annehmen sollen oder nicht.“ Die Essentialisten würden hier für ontische Positivität plädiert haben: Für sie fallen Wesen und (versprachlichte) Existenz, Kahlheit schlechthin und (bezeichneter) Kahlkopf, Rosenheit und (bezeichnete) Einzelrose in der universalen Idee davon (Kahligkeit? Rosigkeit?) zusammen. Dieser Annahme liegt folgender Gedankengang zugrunde:

„Das Wort ‘Stein’ kommt allen Steinen zu, auch denjenigen, die noch niemand gesehen und so ‘genannt’ hat […]. Wenn es trotzdem analog zum Eigennamen zu verstehen ist, muß es etwas nennen, was allen Steinen gemeinsam ist und was wir an ihnen allen wiedererkennen.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Definiert die Zielsetzung der Arbeit, das Verhältnis von Semantik, Onomasiologie und Semasiologie sowie den methodischen Rahmen der Untersuchung.

II. HAUPTTEIL:Semantik im Lichte ihrer Kommunikationsfunktion: Analysiert den historischen und theoretischen Konflikt zwischen Funktionalismus und Essentialismus und deren Auswirkungen auf die Semantik.

1. Funktionalismus vs. Essentialismus: Erörtert die scholastischen Wurzeln der Universalienfrage und die Positionen von Weisgerber, Peirce und Morris.

2. Darstellungsfunktion: Untersucht das bilaterale Zeichenmodell von de Saussure und dessen strukturalistische Voraussetzungen.

3. Bedeutungsfunktion: Behandelt die syntaktische Semantik (Chomsky) und führt eine semasiologische Analyse am Beispiel des Lexems <heiter> in Texten von Thomas Mann durch.

4. Gebrauchsfunktion: Fokussiert auf die Sprechakttheorie (Austin, Searle) und das Verhältnis von Kompetenz und Performanz sowie die Bedeutung von Kontext und Deixis.

5. Zu Ansätzen der transzendentalen Sprachpragmatik: Diskutiert Habermas' Universalpragmatik und Apels Transzendentalpragmatik hinsichtlich ihrer normativen Ansprüche an eine ideale Kommunikationsgemeinschaft.

III. Transzendentale Pragmasemantik und individueller Sinn - Schlußüberlegungen: Synthetisiert die Ergebnisse und reflektiert über den individuellen Sinn innerhalb einer pragmasemantisch ausgerichteten Theorie.

Schlüsselwörter

Semantik, Sprachpragmatik, Funktionalismus, Essentialismus, Zeichenbegriff, Strukturalismus, Sprechakttheorie, Universalpragmatik, Transzendentalpragmatik, Kommunikation, Bedeutung, Kontext, Kompetenz, Performanz, Kommunikationsgemeinschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob es sinnvoll ist, Semantik ausschließlich unter dem Aspekt der Kommunikationsfunktion zu betrachten und wie Bedeutung im Verhältnis zwischen sprachlichen Strukturen und deren tatsächlichem Gebrauch steht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Unterscheidung von Funktionalismus und Essentialismus, die Entwicklung vom strukturalistischen zum pragmatischen Zeichenbegriff sowie die wissenschaftstheoretische Verortung von Sprachpragmatik und transzendentaler Sprachpragmatik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit das Verhältnis von Bedeutung sprachlicher Ausdrücke wesenhaft oder funktional bestimmt ist und ob eine Synthese von Semantik und Pragmatik gelingen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen diskursiven, philosophiegeschichtlichen Ansatz, der linguistische Theorien wie die Transformationsgrammatik mit sprachtheoretischen Positionen der Transzendentalphilosophie und der Sprechakttheorie verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Semantik, die strukturalistische Sprachbetrachtung, die pragmatische Wende in der Linguistik durch Autoren wie Peirce und Morris sowie die Sprachpragmatik von Habermas und Apel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Semantik, Sprachpragmatik, Funktionalismus, Zeichenbegriff, Sprechakttheorie und transzendentale Kommunikationsgemeinschaft.

Was bedeutet "Semantisierung als Poiesis"?

Der Begriff beschreibt den kreativen, tätigen Vorgang, in dem in poetischen Texten Bedeutung nicht einfach gegeben ist, sondern durch den Autor aktiv als "Worten der Welt" erzeugt wird.

Wie bewertet der Autor Apels "Apriori der Kommunikationsgemeinschaft"?

Der Autor würdigt Apels Ansatz der Letztbegründung, stellt aber kritisch die Frage, ob dieses theoretische Strukturmodell die Dynamik und historische Bedingtheit tatsächlicher Kommunikationsprozesse vollständig erfassen kann.

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Details

Title
Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Hauptseminar 'Historische Semantik'
Grade
sehr gut (1,0)
Author
Sandra Kluwe (Author)
Publication Year
1997
Pages
83
Catalog Number
V23821
ISBN (eBook)
9783638268585
ISBN (Book)
9783638701785
Language
German
Tags
Wechselbeziehung Semantik Pragmatik Transzendentalpragmatik Hauptseminar Historische Semantik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sandra Kluwe (Author), 1997, Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23821
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