Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik


Hausarbeit (Hauptseminar), 1997

83 Seiten, Note: sehr gut (1,0)


Leseprobe

INHALT

I. EINLEITUNG

II. HAUPTTEIL: Semantik im Lichte ihrer Kommunikationsfunktion
1. Funktionalismus vs. Essentialismus
1.1 Essentialismus als Onto-Semantik (Weisgerber).
1.2 Funktionalismus als Pragmatismus (Peirce, Morris)
1.3 Funktionaler Reduktionismus als Behaviorismus und Szientismus
1.4 Mathematischer Funktionalismus (Frege).
1.5 Grenzen des Fregeschen Modells
2. Darstellungsfunktion
2.1 Strukturalistischer Zeichenbegriff (Saussure)
2.2 Pragmatischer Zeichenbegriff
3. Bedeutungsfunktion
3.1 Transformationsgrammatik und syntaktische Semantik (Chomsky).
3.2 Aspekte der semasiologischen Operation. Die Bedeutung des Lexems <heiter> in Texten von Thomas Mann
3.2.1 Quellen
3.2.2 Syntagmatische Relationen
3.2.3 Paradigmatische Relationen
3.2.4 Onomasiologische Vernetzung
3.2.5 Semantisierung als Poiesis
3.3 Zur Hierarchie Syntax - Semantik - Pragmatik
4. Gebrauchsfunktion
4.1 (Versuchte) Abgrenzung zur Semantik
4.2 Kompetenz - Performanz. Zur Sprechakttheorie
4.2.1 Deixis
4.2.2 Situation/Kontext
4.3 (Versuchte) Abgrenzung zur Psycho- und Soziolinguistik
5. Zu Ansätzen der transzendentalen Sprachpragmatik
5.1 Universalpragmatik (Habermas)
5.2 Transzendentalpragmatik (Apel).
5.2.1 Letztbegründung vs. Fallibilimus
5.2.2 Von der transzendentalen Apperzeption zum Apriori der Kommu­nikationsgemeinschaft
5.2.3‘Ethischer An-Spruch’ und ‘naturalistic fallacy’

III. Transzendentale Pragmasemantik und individueller Sinn: Schluß­überlegungen

IV. BIBLIOGRAPHIE

I. EINLEITUNG

Aufgabe dieser Arbeit ist es zu prüfen, ob und inwiefern es sinnvoll ist, Semantik im Licht ihrer Kommunikationsfunktion zu betrachten, genauer: Inwiefern der Gegenstand der Semantik: die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke mit dem jeweilig Bedeute­ten in einem wesenhaften oder aber funktionalen Verhältnis steht. Hieraus ergibt sich der Dualismus von Onto-Semantik und Pragmatismus, dessen Spielarten im ersten Abschnitt behandelt werden sollen. In letzter Instanz liegt diesem Dualismus ein erkenntnisfunktionaler Konflikt zugrunde: derjenige zwischen Idealismus und Materialismus, der mit den alternativen Verfah­rensweisen der Semantik, Onomasiologie und Semasiologie, durchaus verwandt ist.

Die Unterscheidung von semasiologischer und onomasiologischer Semantik wiederum führt auf die Bilateralität des sprachlichen Zeichens: auf to shma, das Etymon von ‘Semantik’, in seiner so­wohl ausdrucks- wie inhaltsseitigen Bedeutung. Im Zentrum des zweiten Abschnitts vorliegender Arbeit soll also die Darstel­lungsfunktion des sprachlichen Zeichens stehen, wobei neben dem strukturalistischen Zeichenbegriff der pragmatische zu be­rücksichtigen ist.

Auf dieser semiotischen Basis kann dann die Bedeutungsfunktion zur Darstellung kommen. Am Beispiel einer semasiologischen Analyse werden mit der Segmentierung und Klassifizierung Me­thoden zu erproben sein, die aus der Tradition des Taxomischen Strukturalismus und Distributionalismus stammen, von Chomskys Generativer Transformationsgrammatik weiterentwickelt wurden und vornehmlich syntaktisch orientiert sind. Es wird zu prüfen sein, ob Semantik auf einen Syntax-Kalkül solcher Prägung re­duziert bleiben kann oder aber ob sie sich zur Pragmasemantik zu erweitern hat.

Der Abschnitt 4 vorliegender Arbeit wird dieser Frage nachge­hen, indem er die Gebrauchsfunktion des sprachlichen Zeichens beleuchtet.

Nicht zuletzt die Schwierigkeit, pragmalinguistische und so­zio- oder psycholinguistische Aspekte voneinander abzugrenzen, wird in Abschnitt 5 in den Versuch einer transzendentalen Rückversicherung münden: Den empiristischen, und das heißt re­lativistischen Tendenzen etwa der Soziolinguistik begegnet die Transzendentalpragmatik der Neufrankfurter Schule mit dem An­spruch auf Letztbegründung qua Erstbegründung: qua ‘Apriori der Kommunikationsgemeinschaft’ - ein An/Spruch, der normativ dimensioniert ist und dem von seiten des Kritischen Rationa­lismus nicht nur eine ‘naturalistic fallacy’, sondern auch ein ‘Münchhausentrilemma’ bescheinigt wurde.

Die im Schlußkapitel vorliegender Arbeit angestellten Überle­gungen werden aber weniger die wissenstheoretische Kritik der Fallibilisten aufnehmen als rückblickend die Frage stellen, ob eine transzendentalpragmatische Sozialutopie wie diejenige Karl-Otto Apels auch der individuellen Sinngebung den nötigen Spielraum gewährt.

II. HAUPTTEIL

Semantik im Lichte ihrer Kommunikationsfunktion

1. Funktionalismus vs. Essentialismus

Die bereits skizzierte Polarität von Funktionalismus und Es­sentialismus läßt sich historisch zurückverfolgen bis in den Universalienstreit der Scholastik. Die Frage, ob den Universa­lien, also den Allgemeinbegriffen, eine der konkreten Existenz in den Einzeldingen je schon zugrundeliegende Wesenheit ent/spreche (Essentialismus) oder ob sich die Bedeutung der Universalien darauf beschränke, namen tlich aus/gesprochen zu werden (Nominalismus), bildet den Kernpunkt dieses Streits.[1] In neuhochdeutscher Nüchternheit formuliert Searle, es gehe bei der Debatte ‘universalia post/ante rem?’ um „die Meinungsver­schiedenheit zwischen zwei Personen, die darin übereinstimmen, daß Sam kahl ist, aber darüber uneinig sind, ob sie die Exi­stenz der Kahlheit annehmen sollen oder nicht.“[2] Die Essentia­listen würden hier für ontische Positivität plädiert haben: Für sie fallen Wesen und (versprachlichte) Existenz, Kahlheit schlechthin und (bezeichneter) Kahlkopf, Rosenheit und (bezeichnete) Einzelrose in der universalen Idee davon (Kahligkeit? Rosigkeit?) zusammen.[3] Dieser Annahme liegt fol­gender Gedankengang zugrunde:

„Das Wort ‘Stein’ kommt allen Steinen zu, auch denjenigen, die noch niemand gesehen und so ‘genannt’ hat […]. Wenn es trotzdem analog zum Eigennamen zu verstehen ist, muß es etwas nennen, was allen Steinen gemeinsam ist und was wir an ihnen allen wiedererkennen.“[4]

Foglich ist die Steinigkeit eine universale Eigenschaft, schlossen die Essentialisten. Dieser Überzeugung mag der Glaube an den apophantischen Logos zugrunde liegen, der seine seine Quelle nicht nur im Johannes-Prolog und der Genesis hat, sondern auch - etwas abgelegener - im apokryphen Kindheitse­vangelium des Pseudo-Thomas (Ende des 2. Jahrhunderts). Hier sagt Jesus zu einem seiner Lehrer: „Wenn du selbst nicht ein­mal das A seinem Wesen nach kennst, wie willst du andere das B lehren?“[5]

Das A und O der christlichen Überlieferung ist demnach ein we­senhaft verfaßtes, steht es doch buchstäblich für das Theolo­gem der Gottesebenbildlichkeit. Phonetisches Material erlangt so die Dignität, Abbild idealen Geistes zu sein. Hier wirkt sich ein epistemisches Urvertrauen aus, das sich als (Sprach)Idealismus und (Sprach)Realismus ausdifferenzieren läßt.[6]

Der Realismus geht davon aus, daß die Wirklichkeit von Dingen und Sachverhalten sprachlich vermittelt und auf diese Weise erkannt werden könne: Der Begriff figuriert als das Abbild des Dinges, das Wort steht mit dem Begriff im Verhältnis objekti­ver Ent/sprechung, spiegelt ausdrucksseitig wieder, was in­haltsseitig begriffen ist.

Der Idealismus setzt ein „Grundinventar“[7] semantischer Univer­salien voraus. Dieses Inventar konstituiert das Apriori jeder Begriffsbildung, ja jeder Wahrnehmung: Hier liegt die „n o t w e n d i g e Übereinstimmung“ von gegenständlicher Er­fahrung und dem Begriff davon begründet.

Wenn nun richtig ist, daß uns „k e i n e E r k e n n t n i s a p r i o r i m ö g l i c h“ ist, „a l s l e d i g l i c h v o n G e g e n s t ä n d e n m ö gl i c h e r E r -f a h r u n g“, dann sind zwei Wege denkbar, „auf welchen eine n o t w e n d i g e Übereinstimmung der Erfahrung mit den Be­griffen von ihren Gegenständen gedacht werden kann: entweder die Erfahrung macht diese Begriffe“ - dies wäre die realisti­sche Position - „oder diese Begriffe machen die Erfah­rung möglich“ - dies wäre die idealistische Position.[8] Der Kantische Idealismus denkt diese Über/einstimmung als „t r a n s z e n d e n t a l e E i n h e i t der Apperzeption“[9] und erhebt sie zur prima causa der auf der Urteils- und Kate­gorientafel fixierten reinen Verstandesfunktionen. Wer hier den linguistic turn vollzieht, landet bei einem Plädoyer für sprachliche Universalien.

Dem setzt bereits der scholastische Nominalismus, für den Wil­helm von Ockam stehen mag, die Anschauung entgegen, daß dem „Allgemeinbegriff außerhalb des Denkens nichts Wirkliches ent­spricht, die Begriffe also nur subjektive Bewußtseinsgebilde“ oder bloße sprachliche Namen sind.[10] Die Rosigkeit ist somit entweder Gedankenkonstrukt oder flatus vocis, ein realer Seinsstatus kommt ihr jedenfalls nicht zu.

Diese neusachliche Position, die nur der Partikularexistenz, nicht aber der Universalessenz Glauben schenkt, wird auch von modernen Nominalismus-Vertretern geteilt. Letztere lehnen es ab, andere als bloß partikulare Entitäten „anzuerkennen“ oder zu „quantifizieren“, sie lehnen es ab, „die ontologische Vor­aussetzung“ nicht-partikularer Entitäten zu machen.“[11] Schließ­lich könne man keine Vorstellung von irgendeinem gegebenen Universale haben, ohne zu wissen, wie der allgemeine Ausdruck, von dem diese Universale abgeleitet ist, verwendet wird.“[12] Auf die Verwendung also kommt es an: auf die Gebrauchs/Funktion, überhaupt auf die Funktion, wie nicht zuletzt FREGE vorrechnet (daß im Tripel von Funktion, Begriff und Bedeutung der Nomina­lismus zur mathematischen Nomenklatura mutiert, wird in Ab­schnitt 4.1 zu zeigen sein).

1.1. Essentialismus als Onto-Semantik (Weisgerber)

Ein Erbe des scholastischen Essentialismus ist der Linguist Leo WEISGERBER. In seinem 1955 erschienen Artikel Das Worten der Welt erklärt er es für unzulässig, etwa das Wort ‘Tisch’ auf die Lautform zum einen und dem „Sachbereich der konkreten Tische“ bzw. den psychischen Bereich der jeweils vorgestellten Dinge zu reduzieren.[13] Die Geistigkeit der Sprache, die weder sachlich noch assoziativ fixierbar sei, ihren Platz vielmehr in einer „sprachlichen Zwischenwelt“ habe, könne auf diese Weise nicht berücksichtigt werden. Nur in dieser „Zwischenwelt“ aber vermag der Mensch ganz Mensch und die Sprache ganz Sprache zu sein; beide sind hier wesen tlich mit­einander verbunden:

„Menschen schaffen Sprache, die in dem gleichen Augenblick diese Men­schen als Sprachgemeinschaft konstituiert und den geschichtlichen Zu­sammenhang ausmacht, der in dem Bestehen von Sprachgemeinschaften be­schlossen ist. Diesen Zusammenhang muß man in den Mittelpunkt stellen, wenn man das Wesen einer Sprache verstehen will.“[14]

Es handelt sich, wie Weisgerber konkretisiert, um den Zusam­menhang der Muttersprache: Hier, in der „konstitutiven Wech­selwirkung“ mit der jeweiligen Sprachgemeinschaft, könne Spra­che „in ihrem Daseinsgrund erfaßt werden,[15] hier sei die Quelle jeder energetischen Sprachauffassung, wonach Sprache „ihrem Wesen nach“ als „Kraft“ zur Wirkung gelange.[16] Weisgerber ver­weist hier auf Wilhelm von Humboldt, der Sprache nicht als er­gon, sondern als energeia, als Wirk/lichkeit begriffen habe: als „Sprachfähigkeit“ (15) im Sinne einer Kraft, über die der Mensch verfüge, um Leben zu ver/wirklichen.[17] Das von Weisger­ber geforderte „Umdenken vom Statischen ins Energetische“ kondensiert sich in der neologistischen Formel „Das Worten der Welt“: Der Prozeß des ‘Wortens’ soll eine sprachliche Anver­wandlung von Welt in menschliches Bewußtsein leisten, einen „geistigen Zugriff einer Sprachgemeinschaft auf das Sein“ er­möglichen[18] - mit einem Wort: Die Bedeutung der ‘Welt’ (der Welt schlechthin) ist ihr Sein und umgekehrt; man könnte es eine ontosemantische Synthesis nennen.

1.2 Funktionalismus als Pragmatismus (Peirce, Morris)

Die Gefahren, die eine solche Weltwortung birgt, sind nicht zuletzt durch die Lingua Tertii Imperii deutlich geworden: So­bald angenommen wird, daß ein Wort wie ‘Untermensch’ das Wesen des Bezeichneten ausdrücke, sind der Manipulation durch Spra­che keine Grenzen mehr gesetzt. Demgegenüber macht der Pragma­tismus geltend: Die Bedeutung der Welt/Phänomene ist unsere Bezugnahme darauf. Wenn sich also ein bestimmter Sprecher in einem bestimmten historischen Kontext auf ein menschliches We­sen bezieht, das er ‘Untermensch’ nennt, so bedeutet diese Sprechhandlung nichts als sich selbst.

Um es an einem ideologisch neutralen, ungeschichtlichen Bei­spiel zu verdeutlichen: „Wenn zwei Menschen den Baum grün und die Rübe rot nennen, so ist ihre Verständigung eine Wahrheit, nicht die rote oder grüne Farbe.“[19] Von der intersubjektiven Verständigung zurückübersetzt ins Mentale:

„Wir können sehen, daß ein Ding blau oder grün ist, aber die Qualität des Blauseins oder des Grünseins sind nicht Dinge, die wir sehen; sie sind Produkte logischer Reflexionen.“[20]

Hier greift die von Charles Sanders PEIRCE so genannte ‘pragmatischer Maxime’, die, sofern sie auf to pragma, auf Hand­lung ausgerichtet ist, verhindert, daß die ‘logischen Refle­xionen’ ins Spekulativ-Fiktionale entgleiten. In seinem 1878 erschienenen Aufsatz How to Make our Ideas Clear formuliert Peirce seine Maxime folgendermaßen:

„Überlege, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Relevanz haben könnten, wir dem Gegenstand unseres Begriffs in unserer Vorstel­lung zuschreiben. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen das Ganze unseres Begriffes des Gegenstandes.“[21]

Es sei hier nur erwähnt, daß diesem Leitsatz ein experimenta­listisches Denken zugrunde liegt, mithin ein solches, das sich dem Reiz derjenigen Gegenstände unterliegt, die reagieren, die unter bestimmten experimentellen Bedingungen bestimmte Wirkun­gen zeigen. Anders gesagt: Nur dann kommt dem Denken eines Ge­genstandes wirk/liche Bedeutung zu, wenn der Begriff davon „denkbarerweise“ praktische Aus/wirkungen hat. Diese freilich sollen über die Jeweiligkeit des Experiments hinausreichen, sollen von lebensweltlicher Relevanz sein. Der Kategorische Imperativ Kants, der bei aller Subjektivität des Handelns doch auf ‘allgemeine’, und das heißt auch: dem Allgemeinwohl ver­pflichtete Gesetzgebung aus war, klingt hier durchaus an:[22]

„Der Pragmatismus ist das Prinzip, das jedes theoretische Urteil, das sich in einem Satz in der Indikativform ausdrücken läßt, eine verwor­rene Form eines Gedankens ist, dessen einzige Bedeutung, soll er über­haupt eine haben, in seiner Tendenz liegt, einer entsprechenden prak­tischen Maxime Ausdruck zu verschaffen, die als ein konditionaler Satz auszudrücken ist, dessen Nachsatz in der Imperativform steht.“[23]

In seiner Peirce verpflichteten Untersuchung Signs, Language and Behavior (1949) stellt Charles William MORRIS diesen Impe­rativ in ein Verhältnis der Wechselbestimmung: „Die Wissen­schaft leitet die Praxis und wird zugleich von ihr geleitet.“[24] Die pragmatische Relevanz bleibt also Leitmotiv, es wird aber eingestanden, daß die Festlegung dessen, was pragmatisch von Bedeutung sei, nach Maßgabe theoretischer Überlegungen er­folge. Hier kommt eine methodische Bewußtheit zum Ausdruck, die sich sprachtheoretisch in der Unterscheidung von Objekt- und Metasprache niederschlägt:[25] Ob einer objektsprachlichen Äußerung Bedeutung zukommt, entscheidet sich nicht allein durch den objektiven Handlungskontext, sondern hier/über, also sowohl über die Bedeutsamkeit der Äußerung sowohl als ihres Kontextes, befindet die Meta/sprache. Um dies an einem eigenen Beispiel zu verdeutlichen: Wenn ein mit der Aufschrift ‘Die Linguistik’ versehener Kuchen in zwölf Stücke geteilt wird, und derjenige, der die Teilung vornimmt, bei eben diesem Vor­gang äußert: „Die Linguistik ist durch zwölf teilbar“, so wird die linguistische Metasprache dies für eine unwahre Äußerung halten, solange ‘Die Linguistik’ nicht in uneigentlicher, le­diglich angeführter Bedeutung figuriert. Dies aber ist eine Differenzierung, die nur die Metasprache treffen kann, denn ihr Objekt, der mündlich ausgesprochene Satz: „Die Linguistik ist durch zwölf teilbar“, kann allenfalls gestische oder prosodische Anführungs/Zeichen enthalten.

Was für situative Äußerungen gilt, läßt sich auch auf das sin­gulare sprachliche Zeichen übertragen, dem die Metasprache entweder wirkliche Bedeutung oder aber eine „Nulldenotation“ zuweist.[26] In diesem Zusammenhang demaskiert Morris die essen­tialistische „Behauptung, daß es parallel zu dem Reich der Existenzen ein zusätzliches ‘Reich der Subsistenzen’ gebe, weil wir ‘wenn wir denken, an etwas denken’“ als eine „quasi-semantische „Aussage“:

„In Wirklichkeit aber ist dieser Satz die zweideutige Formulierung ei­ner semantischen Aussage, der Aussage nämlich, daß es zu jedem Zei­chen, das etwas denotieren kann, eine semantische Gebrauchsregel gibt, die angibt, unter welchen Bedingungen das Zeichen anwendbar ist.“[27]

Diese Aussage aber: daß jeder potentiellen Denotation eine „semantische Gebrauchsregel“ entspreche, ist eine primär me­tasprachliche, und das heißt: reflexive, wenn sie sich auch objektsprachlich aktualisieren, objektsprachlich verifizieren mag.

Peirce, der mit Augenzwinkern versichert, daß man seine Lieb­lingstheorie nicht dadurch in Gefahr bringe, daß man aus ihren Fenstern guckt,[28] hat diesen reflexiven Vorbehalt des Pragma­tismus durchaus eingeräumt. Es müsse zugegeben werden, so Peirce, daß auch die ‘pragmatische Maxime’ ein theoretisches Substrat hat,

„daß es den Tod des Pragmatizismus bedeuten würde, wenn er wirklich das Handeln zum Ein und Alles des Lebens machen würde. Denn zu sagen, daß wir bloß um der Handlung willen leben, ohne Rücksicht auf den Ge­danken, den sie ausführt, würde heißen, daß es so etwas wir einen ra­tionalen Bedeutungsgehalt nicht gibt.“[29]

1.3 Funktionaler Reduktionismus als Behaviorismus und Szien­tismus

Wenn Peirce und Morris die Bedeutung von ‘Bedeutung’ bedeu­tungs/funktional, nämlich funktional zu „semantischen Ge­brauchsregeln“, zum Gebrauch überhaupt bestimmen, so vermeiden sie doch, was man eine ‘funktionale Reduktion’ nennen könnte: Sie vermeiden die Elimination des Bedeutungs-Begriffes qua Re­duktion auf eine nicht weiter explizierbare Basis, d. h auf ein Gegebenes der Anschauung oder Erfahrung, der Handlungsrea­lität.[30] Allerdings ist ein solcher Reduktionismus, der die Rückführung der Semantik auf sprachexterne Faktoren bedeutete - und dabei eben immer noch bedeutete - im behavioristischen Erbe von Morris und Peirce durchaus angelegt. So will Peirce „die Bedeutung eines Gedankens“ daraus entwickeln, daß er be­stimmt, „welche Verhaltensweisen er erzeugt“,[31] während Morris seinen Ansatz explizit „behavioristisch“ nennt und betont, daß er den Verhaltenstheorien von George H. Mead, John Dewey, Ed­ward C. Tolman und Clark L. Hull viel zu verdanken habe.[32] Es sei jedoch davon auszugehen, so Morris, „daß die Konditionie­rung einer Reaktion auf einen Reiz, der vorher eine andere Reaktion bewirkte, durch einen dritten Faktor vermittelt“ werde.[33] Einerseits also identifiziert sich Morris mit der Ver­haltenstheorie, andererseits distanziert er sich vom strikten Behaviorismus, der „das Verhalten auf eine dyadische Reiz-Re­aktions-Relation reduzieren“ wolle.[34] Dem rein instrumentellen Zeichengebrauch, wie er etwa in Psychoanalyse und Wissensso­ziologie geübt werde, hält er semantische Defizienz vor: Die Zeicheninterpretation richte sich hier nicht nach der Frage, „ob die Träume oder Doktrinen im semantischen Sinn des Be­griffs wahr sind, d.h. ob es Sachverhalte der Art, wie sie die Träume und die Doktrin denotieren sollen, wirklich gibt“, vielmehr werde die Semantisierung oder Semiotisierung - etwa in Traumsymbolen - daraufhin befragt, „welche Interessen sich darin ausdrücken“, welche unterbewußten Wünsche hier zur Spra­che kommen.[35] Kurzum: Die Bedeutungsfunktion werde zum Sklaven der Symptomfunktion,[36] die Inhaltsseite, der Begriff eines sprachlichen Ausdrucks werde in die Dienste psychischer bzw. sozialer Bedürfnisbefriedigung gestellt. Morris führt an die­ser Stelle den Pragmatisten William James an, der nachdrück­lich unterstrichen habe, daß ein Begriff „keine Entität“ sei, sondern ein „Prozeß, in dessen Verlauf bestimmte Wahrnehmungs­daten zu Repräsentationen“ würden, und daß ein solcher „mentaler Prozeß“ nicht eine „reine Schau der Welt“, sondern ein hochgradig „selektiver Vorgang“ sei, der dem „Organismus“ Hinweise liefere, „wie er im Hinblick auf die Welt zu handeln habe, um seine Bedürfnisse und Interessen zu befriedigen.“[37] Dieser Einschätzung kann Morris „aus der Perspektive der Prag­matik“ zwar zustimmen,[38] um willen semantischer Wahrheit hält er aber doch fest am Begriff des ‘Begriffs’.

Es mag hier bereits deutlich werden, daß Semantik und Pragma­tik in einem Wechsel-Verhältnis stehen - das man symbiotisch nennen könnte -, sich in keinem Fall reduktionistisch in ein­ander übersetzen lasse. Die Herausforderung besteht also darin, an der Skylla des pragmatischen Reduktionismus vorbei­zuschiffen, ohne dabei in die Fänge der Charybdis eines seman­tischen Reduktionismus zu geraten.

In den Augen Karl-Otto APELS bleibt Morris in den Fängen des Behaviorismus gefangen: Der Prozeß der Institutionalisierung von zeichenvermittelter Interaktion werde bei ihm

biologisch ermöglicht durch eine in jedem Einzelmenschen bereitlie­gende, angeborene Regel- Disposition der Sprachgeneration - gewisserma­ßen durch einen besonderen „intellektuellen Instinkt“ (W. v. Humboldt), der den Übergang vom instinktgeleiteten Verhalten der Tiere zum instinktentbundenen Handeln der Menschen vermittelt hat und noch immer vermittelt.“[39]

Was Apel unter den Titel einer „transzendentalen Hermeneutik“ stellt (und im Abschnitt 5 vorliegender Arbeit zu behandeln ist), möchte er daher ausdrücklich als „Alternative“ verstan­den wissen: als „Alternative zur szientistischen Pragmatik u. d. h. zur behavioristischen Reduktion des Subjekts der Wis­senschaft.“[40]

1.4 Mathematischer Funktionalismus (Frege)

In seinem 1891 publizierten Aufsatz Funktion und Begriff setzt Gottlob FREGE die Bedeutung eines Begriffs in Analogie mit dem Akt der Definition davon:

„Man spricht vielleicht von einer Definition; aber keine Definition ist in der Weise schöpferisch, daß sie einem Dinge Eigenschaften ver­leihen könnte, die es nun einmal nicht hat, außer der einen, das aus­zudrücken und zu bezeichnen, wofür die Definition es als Zeichen ein­führt.“[41]

Hier ist ein denkbar strikter Bedeutungsnominalismus am Werk, wonach die semantische Dimension durch die Funktion, also durch die definitorische Zuordnung von Ding und Bedeutung, al­lererst eröffnet wird. Daraus ergibt sich die durch Frege ein­geführte Unterscheidung zwischen ‘intensionaler’ und ‘extensionaler’ Semantik, zwischen ‘Sinn’ und ‘Bedeutung’: Eine Funktion f(x) = 1, die einer Klasse von Bedeutungsvaria­blen den Wert ‘1’ zuordnet, hat für jedes in ‘x’ eingesetzte Argument dieselbe Bedeutung ‘1’, nicht aber denselben Sinn - der ist eben je nach Argument verschieden. Diese Unterschei­dung läßt sich auch auf einzelne Zahlen/Werte anwenden. So ha­ben 24 und 4x4 zwar dieselbe Bedeutung; d.h. sie sind Eigen­schaften derselben Zahl; aber sie haben nicht denselben Sinn.[42] Das prominent gewordene Beispiel der Venus, deren (extensionale) Bedeutung dieselbe sei, nicht aber deren (intensionaler) Sinn als ‘Morgenstern’ bzw. ‘Abendstern’, muß in den Kontext dieses Kalküls gestellt werden. Ist es doch ein durch und durch mathematisches Funktionsverständnis, das die­sen semantischen Differenzierungen zugrunde liegt, und das im übrigen durchaus Karriere machte. So referiert Levinson neuere Positionen der logischen Semantik, wonach die Bedeutungsfunk­tion verstanden werde als Funktion f, „die den Äußerungen die Propositionen zuordnet, die deren volle Bedeutung im Kontext ausdrücken.“[43] Dabei sei mit ‘Proposition’ gemeint eine „Funktion von möglichen Welten auf Wahrheitswerte (d.h. als abstrakte Zuschreibung des Wertes wahr zu genau jenen Gegeben­heiten, die die Proposition korrekterweise beschreibt.“[44]

Spätestens an dieser Stelle ist die Frage zu stellen, ob der mathematische Funktionsbegriff, d.h. der Begriff einer sowohl existenten wie eindeutigen Zuordnung[45] auf semantische Relatio­nen übertragen werden kann. Ein Verweis auf Nulldenotation und Polysemie dürfte genügen, um Zweifel aufkommen zu lassen.

1.5 Grenzen des Fregeschen Modells

Benson MATES stellt in seiner an Frege orientierten Elementa­ren Logik eine prädikatenlogische Sprache L vor,[46] der, sofern sie funktion/ieren soll, einige Grenzen gesetzt sind:

Erstens kann nur der Bereich der Aussagesätze berücksichtigt werden, und auch dies nur unter Ausklammerung indexikalischer Sätze.

Zweitens muß, nach dem ‘Fregeschem Prinzip’,[47] semantische Ein­deutigkeit postuliert werden.

Drittens muß eine Reduktion auf semantische Extensionalität vorgenommen werden, also etwa auf die Menge aller in einem Raum befindlichen roten Gegenstände unter Absehung ihrer in­tensionalen Eigenschaft, rot zu sein.

Drittens sind restrikte, kausale, temporale, modale und konse­kutive Konjunktionen schlechterdings nicht übersetzbar, müssen vielmehr kopulativ: durch den Konjunktor ‘^’ wiedergegeben werden.

Hierzu ein Beispiel aus der Aussagen -Logik:

Es soll folgender Aussagesatz in Aussagen des Aussagekalküls von L übersetzt werden: ‘Obwohl 2 keine gerade Zahl ist, ist dennoch beides der Fall: daß 5 Summe zweier Primzahlen ist und daß 17 nicht Produkt zweier ungerader Zahlen ist.’

Die Aussage ‘2 ist eine gerade Zahl’ sei chiffriert durch ‘A’.

Die Aussage ‘5 ist Summe zweier Primzahlen’ sei chiffriert durch ‘B’.

Die Aussage ‘17 ist Produkt zweier ungerader Zahlen’ sei chif­friert durch ‘C’.

Dann lautet die Übersetzung:

(¬A ^ ¬(B ^ ¬C)).

Es ist zweifelhaft, ob eine solche Rekonstruktion semantischer Relationen mehr als nur heuristischen Wert hat. Mathematisie­rung semantischer Funktionen, scheint es, ist nur um den Preis logistischer Reduktion zu erkaufen; die situativ, geschicht­lich und idiomatisch fluktuierende Bedeutung sprachlicher Aus­drücke wird schlankweg eliminiert. Dabei steckt der Teufel im Detail, nämlich in der Auffassung, das sprachliche Zeichen sei als prädikatenlogische Chiffre wiederzugeben.[48]

Um ein angemesseneres Semantik-Modell entwerfen zu können, muß man sich folglich auf die Semiotik besinnen, ist der Zeichen­begriff zu problematisieren.

2. Darstellungsfunktion

Sprache, so kann in Anlehnung an de Saussure formuliert wer­den, ist ein System von Zeichen, die als Bezeichnende für et­was Bezeichnetes stehen. Es ergeben sich mithin zwei Möglich­keiten für die Untersuchung eines solchen Zeichensystems: Er­stens der Ausgang vom Bezeichneten und zweitens der Ausgang vom Bezeichnenden. Dabei kommt der Funktion des Bezeichnens selbst in beiden Fällen konstitutive Bedeutung zu. Sie kann, mit Rückgriff auf die Formel ‘aliquid stat pro aliquo’, auch als Stell/vertreter- oder Dar/stellungsfunktion bezeichnet werden kann.

[...]


[1] Vgl. Schischkoff, Philosophisches Wörterbuch, 744 f.

[2] Searle, Sprechakte, 160.

[3] Vgl. ebd., 176 bzw. 180.

[4] Schneider, Pragmatik, 76.

[5] Neutestamentliche Apokryphen, I, 295.

[6] Vgl. zum folgenden Reichmann, Lexikologie, 47 ff.

[7] Ebd., 50.

[8] Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 165- B 167.

[9] Vgl. ebd., B 139, 181: „Die t r a n s z e n d e n t a l e E i n h e i t der Apperzeption ist diejenige, durch welche alles in einer Anschauung gegebene Mannigfal­tige in einen Begriff vom Objekt vereinigt werden wird. Sie heißt darum o b j e k t i v, und muß von der s u b j e k t i v e n E i n h e i t des Bewußtseins unterschieden werden, die eine B e s t i m m u n g d e s i n n e r e n S i n n e s ist, dadurch jedes Mannigfaltige der Anschauung zu einer solchen Verbindung empirisch gegeben wird […]. Jene Einheit ist allein objektiv gültig; die empirische Einheit der Apperzeption […] hat nur subjektive Gültigkeit. Einer verbindet die Vorstellung eines gewissen Wortes mit einer Sache, der andere mit einer ande­ren Sache; und die Einheit des Bewußtseins, in dem, was empirisch gegeben ist, ist in Ansehung dessen, was gegeben ist, nicht notwendig und allgemein.“

[10] Schischkoff, Philosophisches Wörterbuch, 522.

[11] Searle, Sprechakte, 159.

[12] Ebd., 185.

[13] Weisgerber, Das Worten der Welt, 11 f.

[14] Ebd., 14, Hervorh. v. Verf.

[15] Ebd.

[16] Ebd., 13.

[17] Ebd., 15.

[18] Ebd., 17.

[19] Schnitzler, Ohne Maske, 45.

[20] Peirce, Schriften, 155.

[21] Peirce, Schriften, 5.402; 195. Hier und im folgenden wird nach der Peirce’schen Nummerierung und, durch Semikolon angeschlossen, nach der Seitenzählung der im Literaturverzeichnis angeführten Ausgabe zitiert.

[22] Nicht zwar Kants praktische Vernunftkritik, wohl aber die Kritik der reinen Vernunft bezeichnet Peirce als seine „Muttermilch in der Philosophie.“ (Schriften, 143).

[23] Peirce, Schriften, 5.18; 339.

[24] Morris, Zeichen, 362.

[25] Vgl. Morris, Zeichen, 279 f.: Objektsprache sei jede Sprache, die als Untersuchungsobjekt diene und als Metasprache bezeichne man „jede Sprache, die eine andere signifiziert.“ Es gehe also nicht um zwei Arten von Sprache, sondern um die Relation zwischen denselben. Wenn man in englisch über das Französische rede, sei Englisch die Metasprache, Französisch die Objektsprache. Da Zeichen in jedem Signifikationsmodus andere Zeichen signifizieren, Zeichen davon sein könnten, sei jeder Diskurstyp potentiell metalinguistisch.

[26] Hier kommt die Dichotomie ‘Denotat’ - ‘Designat’ zum Tragen: Nicht jedes Zeichen referiert auf etwas real Existierendes; das Designat kann ein potentielles sein. Ist es real existierend, heißt es Denotat. Also besitzt zwar jedes Zeichen ein Designat, aber nicht jedes besitzt ein Denotat (vgl. Morris, Grundlage, 22).

[27] Ebd. 47 f.

[28] Peirce, Schriften, 5.459; 474.

[29] Ebd., 5.429; 444.

[30] Vgl. Braun/Radermacher, Wissenschaftstheoretisches Lexikon, 488 ff.:

[31] Peirce, Schriften, 193.

[32] Morris, Zeichen (Vorwort), 71.

[33] Ebd., 366. Vgl. Apel, Morris, 28 f.: „Das methodische Paradigma des semiotischen Behaviorismus liegt […] in der Pawlowschen Theorie des „bedingten Reflexes“, etwa im Reiz-Reaktions-Komplex Klingelzeichen - Futter.

[34] Morris, Zeichen, 366.

[35] Morris, Grundlage, 63.

[36] Vgl. zur Symptomfunktion: Reichmann, Germanistische Lexikologie, 75 ff.

[37] Morris, Grundlage, 54.

[38] Vgl. ebd., 56.

[39] Apel, Morris, 50. Vgl. Morris, Zeichen, 147: „Ein Signifikat, verstanden als die Bedingung, unter der etwas durch das Zeichen denotiert wird, schließt immer einen Interpretanten ein (eine Disposition, in bestimmter Weise aufgrund eines vorbereitenden Reizes zu reagieren), deshalb müssen die wichtigsten Signifikanten in bezug auf die Unterscheide zwischen den Interpretanten differenziert werden, d.h. hinsichtlich der verschiedenen Verhaltensdispositionen.“

[40] Apel, Szientismus, 114.

[41] Frege, Funktion, 20. - Es mag zu denken geben, daß gerade die ‘empirischen’ Naturwissenschaften ihr terminologisches System auf einem Begriffskalkül gründen, der - mit Frege zu urteilen - keinen Wirklichkeitsbezug herzustellen vermag. Spätestens der Schock von 1900: Plancks Quantenhypothese und der Schock von 1905: Einsteins Relativitätstheorie ließen den hohen Abstraktionsgrad solcher ‘Kunstsprachen’ als fragwürdig werden: Vgl. Heisenberg, Werke, 223 f.: „Das berühmteste Beispiel für eine solches Begriffssystem ist die Newton’sche Mechanik, die ja - in einem verallgemeinerten Sinn - einfach als Bestandteil der naturwissenschaftlichen Sprache aufgefaßt werden kann. Durch die Definitionen und Axiome ist in ihr vollständig festge­legt, wie die Begriffe ‘Masse’, ‘Kraft’, ‘Geschwindigkeit’, ‘Beschleunigung’ usw. angewandt und verknüpft werden sollen.“

[42] Frege, Funktion, 27. Vgl. ebd., 40: „Was man mit a = b sagen will, scheint zu sein, daß die Zeichen oder Namen „a“ und „b“ dasselbe bedeuten, und dann wäre eben von jenen Zeichen die Rede; es würde eine Beziehung zwischen ihnen behauptet. Aber diese Beziehung bestände zwischen den Namen und Zeichen nur, insofern sie etwas benennen oder bezeichnen. Sie wäre eine vermittelte durch die Verknüpfung jedes der beiden Zeichen mit demselben Bezeichneten.“

[43] Levinson, Pragmatik, 30.

[44] Ebd., 59.

[45] Vgl. Grundwissen Mathematik, 5.

[46] ‘L’ wird hierbei als „Interpretationsmetavariable“ bezeichnet. Vgl. hierzu und im folgenden Mates, Elementare Logik, passim.

[47] Nach Frege ist die Bedeutung komplexer sprachlicher Ausdrücke durch die Bedeutung der in ihnen vorkommenden Teilausdrücke, letztlich der in ihnen vorkommenden Vorkabularelemente, eindeutig und vollständig bestimmbar.

[48] Oben wurde um der Vereinfachung willen ein Beispiel aus der Aussagenlogik gewählt. Die Prädikatenlogik arbeitet mit Individuenvariablen, logischen Konstanten (Quantoren, Negatoren etc.), mit Prädikaten, Individuenkonstanten (Eigennamen) und verschiedenen Gliederungszeichen.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar 'Historische Semantik'
Note
sehr gut (1,0)
Autor
Jahr
1997
Seiten
83
Katalognummer
V23821
ISBN (eBook)
9783638268585
ISBN (Buch)
9783638701785
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wechselbeziehung, Semantik, Pragmatik, Transzendentalpragmatik, Hauptseminar, Historische, Semantik
Arbeit zitieren
Sandra Kluwe (Autor), 1997, Zur Wechselbeziehung von Semantik, Pragmatik und Transzendentalpragmatik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23821

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