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Ehe als 'wâren minn mit triuwen' - Das Modell der Neigungsehe in Wolfram von Eschenbachs Parzival

Titel: Ehe als 'wâren minn mit triuwen' - Das Modell der Neigungsehe in Wolfram von Eschenbachs Parzival

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2000 , 29 Seiten , Note: 2

Autor:in: Markus Züger (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wolfram von Eschenbach war einer der grössten Dichter seiner Zeit. Nur wenige
ernteten soviel Anerkennung wie er. Seine Literatur fand ein grosses Publikum.
Folglich war auch der Einfluss seiner Dichtungen und deren progressive, oft auch
didaktischen Ansätze ausserordentlich für die Literatur und (zumindest die
rezeptive) Gesellschaft jener und der nachfolgenden Zeit. Zu verschiedenen Themen
- höfische Liebe, Ehe und Rittertum - vertrat er in seinen Dichtungen kritische
Ansichten, welche der historischen Realität des Mittelalters weit voraus waren.
So waren Eheschliessungen in der höfischen Welt jener Zeit oft ein Mittel zur
Erreichung eines politischen Zwecks. Dass dabei die „waren minn“ und das daraus
folgende Recht der freien Partnerwahl meistens unterdrückt wurde, lässt Wolframs
Kritik der vorherrschenden Ehepraxis progressiv und berechtigt erscheinen. Seine
literarische Darstellung dieser Problematik ebnet den Weg für einen emanzipierten
Umgang mit der Ehe, auch wenn sich der adelige Hof dieser Tendenz noch
weitgehend verschloss. So fordert Wolfram in seinem Artusroman anhand offener,
manchmal auch in Ironie versteckter Kritik einen Umbruch im Denken: Er intendiert
im „Parzival“ zu einer höfischen Eheauffassung, die sich in ihrem Selbstzweck, der
religiösen Beschliessung von Liebe, manifestiert.
In der folgenden textorientierten Analyse der Ehethematik im „Parzival“ befasse ich
mich mit dem Wesen der Ehe und deren Funktionalität im Text. Dabei werde ich
den Fokus auf das Verhältnis der topoi „minne“, „triuwe“ und Religion zur Praxis der
Eheschliessungen richten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Wesen der Ehe im Parzivalroman

1.1 Eheverhältnis versus Minnedienst

1.2 Neigungsehe und freie Gattenwahl

1.3 Herrschaftsübernahme als Ausdruck der Rechtsordnung

2. Ehe als „wâren minn mit triuwen“

2.1 Minne und Ehe

2.2 Treue und Ehe

3. Religiöse Legitimation der Ehe

3.1 Sigunes Ehe als religiöse Verdienstlichkeit

4. Schlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen und die Funktionalität der Ehe in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“. Das primäre Ziel ist es, Wolframs kritisches und progressives Eheverständnis herauszuarbeiten, indem das Verhältnis der zentralen Begriffe „minne“, „triuwe“ und Religion zur historischen Ehepraxis analysiert wird.

  • Kritik an der feudalen Ehepraxis als politisches Zweckmittel
  • Konzept der „Neigungsehe“ und freie Gattenwahl
  • Synthese von ritterlich-höfischer Minne und ehelicher Treue
  • Religiöse Legitimation und ethische Bedeutung der Ehe
  • Die Ehe als Spiegel der mittelalterlichen Gesellschaft und Ort für didaktische Ideale

Auszug aus dem Buch

1. DIE EHE IM PARZIVAL

Um das Wesen der Ehe im Parzivalroman begründen zu können, muss man zuerst Wolframs Kritik an der höfischen Ehepraxis im historischen Mittelalter betrachten. Angeprangert wird die Entfremdung des liebesbindenden Zwecks der Ehe zu einem Mittel der höfischen Gesellschaftsinteressen. Im Vordergrund des feudalen Ehepraxis standen oft politische und dynastische Auflagen. Joachim Bumke macht diesen Missstand offensichtlich, wenn er festhält, da die minnetheoretische Trennung von Liebe und Ehe sich überraschend gut vertrug sowohl mit den tatsächlichen Eheverhältnissen in der adligen Gesellschaft als auch mit der kirchlichen Ehelehre der damaligen Zeit.

Die Zuneigung zwischen Männern und Frauen der adligen Gesellschaftsschicht wurde selten als Grund akzeptiert, in einer Ehe einzugehen. Liebe war dem höfischen Minneverhältnis vorbehalten, nicht aber der Ehe, welche durch Allianzverwandtschaft und daraus abzuleitender Fortpflanzungsfunktion den Zweck der Sicherung und Erweiterung finanzieller und politischer Macht zu erfüllen hatte. Vor allem die höfische Frau hatte als Gattin sozusagen nur Funktionswert. Sie hatte keine Möglichkeit zur individuellen Gattenwahl, was Herbert Ernst Wiegand treffend formuliert: „Die adelige Frau heiratete nicht. Sie wurde verheiratet!“

Wolfram stellt dieser funktionalisierten Ehepolitik im „Parzival“ sein Konzept der Neigungsehe entgegen. So erfasst auch Marlis Schumacher Wolframs dichterische Darstellung der Ehe als eine von jeder äueren Zwecksetzung und Nützlichkeit befreite persönliche Bindung, die weder durch [...] kirchlich[e] [...] Ehezwecke [...] noch durch politische oder materielle Rücksichten bestimmt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt die kritische Auseinandersetzung Wolframs mit der höfischen Ehepraxis vor und definiert das Ziel der Arbeit, das Verhältnis von „minne“, „triuwe“ und Religion zur Ehe zu untersuchen.

1. Das Wesen der Ehe im Parzivalroman: Dieses Kapitel analysiert Wolframs Abkehr von rein politischen Ehezwecken hin zu einer auf Neigung basierenden, idealisierten Eheauffassung.

2. Ehe als „wâren minn mit triuwen“: Es wird die untrennbare Verbindung von Liebe und Treue als fundamentale Voraussetzung für eine ethisch wertvolle und durch Gott legitimierte Ehe beschrieben.

3. Religiöse Legitimation der Ehe: Das Kapitel beleuchtet, wie die christliche Ehe im „Parzival“ als eine von Gott beglaubigte Form der Partnerschaft fungiert und welche Bedeutung die religiöse Verdienstlichkeit, insbesondere im Fall von Sigune, einnimmt.

4. Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird festgehalten, dass Wolfram durch die exemplarische Darstellung verschiedener Ehen eine progressive Gesellschaftskritik übt und die Ehe als einen Ort für die Verwirklichung neuer Ideale etabliert.

Schlüsselwörter

Wolfram von Eschenbach, Parzival, Ehe, Minne, Treue, Neigungsehe, höfische Literatur, Mittelalter, Gattenwahl, Religion, Gralsgesellschaft, ethische Bedeutung, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Konzept der Ehe in Wolfram von Eschenbachs Roman „Parzival“ und untersucht, wie der Dichter das herrschende höfische Ehemodell kritisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen politischer Zweckheirat und individueller Neigungsehe, die Bedeutung der religiösen Legitimierung sowie die Werte von Minne und Treue.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wolfram durch die literarische Darstellung verschiedener Ehepaare ein emanzipiertes und religiös fundiertes Eheideal entwirft, das seiner Zeit voraus war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textorientierte literaturwissenschaftliche Analyse, die den „Parzival“ unter Berücksichtigung der Forschungsdiskussion zum Eheverständnis im Mittelalter betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Wesens der Ehe, die untrennbare Einheit von „minne“ und „triuwe“ sowie die Rolle der Religion als Voraussetzung für eine vollwertige Ehe.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe „minne“ und „triuwe“ in ihrer spezifischen Verknüpfung mit der Ehe, die „Neigungsehe“ sowie die „Gralsordnung“ als ethischer Maßstab.

Welche Rolle spielt die „Muntehe“ in der Analyse?

Die Muntehe wird als Gegenentwurf oder problematische Form der Ehe angeführt, insbesondere am Beispiel von Orilus und Jeschute, um die Distanz zwischen Gewaltverhältnissen und Wolframs idealem Ehemodell zu verdeutlichen.

Warum ist die Rolle der Frau bei Wolfram von Bedeutung?

Die Arbeit betont, dass Wolfram in seinem Modell der „rehten ê“ eine weitgehend progressive Rolle für Frauen vorsieht, bei der sogar Frauenfiguren wie Herzeloyde oder Condwiramurs aktiv auf die Beziehungsgestaltung einwirken.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ehe als 'wâren minn mit triuwen' - Das Modell der Neigungsehe in Wolfram von Eschenbachs Parzival
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)  (Mediävistisches Seminar)
Note
2
Autor
Markus Züger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
29
Katalognummer
V23940
ISBN (eBook)
9783638269414
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modell Neigungsehe Wolfram Eschenbachs Parzival
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Markus Züger (Autor:in), 2000, Ehe als 'wâren minn mit triuwen' - Das Modell der Neigungsehe in Wolfram von Eschenbachs Parzival, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23940
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Leseprobe aus  29  Seiten
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