[...] Im Rahmen dieser Hausarbeit soll hierbei insbesondere beleuchtet werden, welche Bedeutung
der Ernährung für die Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen
zukommt.
Ernährung ist ein wichtiger Aspekt für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Eine
ausgewogene Ernährung ist Voraussetzung für eine gesunde körperliche Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen und beugt ernährungsabhängigen Erkrankungen im Kindes- und
Jugendalter vor (MFJFG 2002b, S. 3).Ungünstige Ernährungsweisen, die im Kindesalter
erworben wurden, werden zudem oft im Erwachsenenalter beibehalten, so dass Ernährungssituation
und -gewohnheiten im Kindesalter auch hinsichtlich der Gesundheit im Erwachsenenalter
von Bedeutung sind (MFJFG 2002b, S. 3).
Vor dem Hintergrund der formulierten Fragestellung soll insbesondere betrachtet werden, wie
sich die soziale Lage von Kindern und Jugendlichen auf die Ernährung auswirkt. Es stellt sich
also die Frage, ob die Ernährung von Kindern und Jugendlichen nach sozialer Schicht unterschiedlich
stark von einer gesundheitsförderlichen Ernährungsweise2 abweicht und wie diese
Unterschiede erklärt werden können. Weiterhin wird zu betrachten sein, inwieweit bei Kindern und Jugendlichen Unterschiede im Vorkommen ernährungsabhängiger Erkrankungen
nach sozialer Schicht bestehen.
Hierzu wird zunächst betrachtet werden, inwieweit theoretische Ansätze zur Erklärung
gesundheitlicher Ungleichheit den Aspekt Ernährung berücksichtigen bzw. es zulassen den
Aspekt Ernährung in ihren Erklärungszusammenhang zu integrieren. Hierbei wird zu untersuchen
sein, inwieweit sich aus diesen Erklärungsansätzen theoretisch begründete Aussagen
hinsichtlich der formulierten Fragestellung ableiten lassen.
Anschließend wird betrachtet werden, inwieweit Ergebnisse aus empirischen Studien
vorliegen, die Aussagen zum Bereich gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei
Kindern und Jugendlichen zulassen. Nachfo lgend wird ausgeführt werden, inwieweit in
empirischen Studien Unterschiede in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen sowie
hinsichtlich der Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen nach sozialer Schicht
gefunden wurden.
2 verstanden im Sinne der DGE (DGE 2001, S. 1f).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärungsansätze gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen
2.1 Erklärungsmodell gesundheitlicher Ungleichheit nach Elkeles/Mielck
2.2 Erklärungsmodell der Beziehung von Armut und Krankheit bei Kindern nach Mielck
2.3 Modell des Zusammenhangs zwischen sozialer Benachteiligung und Kindergesundheit
3. Empirische Ergebnisse zum Bereich gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung
3.1 Gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei Kindern und Jugendlichen - Datenlage
3.2 Empirische Ergebnisse zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen nach sozialer Schicht
3.2.1 Auswertungsergebnisse des Projektes Beobachtungsgesundheitsämter des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg
3.2.2 Ergebnisse aus der Kieler Adipositas Präventionsstudie
3.2.3 Ergebnisse des „Health Behaviour in School-Aged Children“-Surveys (HBSC-Survey)
3.2.3.1 Operationalisierung und Erhebung von „sozialer Ungleichheitslage“ und „Ernährungsverhalten“
3.2.3.2 Ergebnisse zum Ernährungsverhalten Jugendlicher nach sozialer Ungleichheitslage
3.2.4 Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen nach sozialer Schicht
3.3 Empirische Ergebnisse zur Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen nach sozialer Schicht
3.3.1 Zahngesundheit bei Kindern nach sozialer Schicht
3.3.2 Häufigkeit von Übergewicht /Adipositas nach sozialer Schicht
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und der Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen sowie deren gesundheitliche Auswirkungen. Zentral ist dabei die Frage, wie die soziale Lage das Ernährungsverhalten beeinflusst und welche Bedeutung dies für die Entstehung gesundheitlicher Ungleichheiten hat.
- Theoretische Grundlagen zur gesundheitlichen Ungleichheit bei Kindern.
- Analyse des Ernährungsverhaltens in Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status.
- Einfluss der sozialen Schicht auf die Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen.
- Bedeutung von Adipositas und Zahngesundheit als Indikatoren für soziale Ungleichheit.
- Kritische Würdigung der Datenlage und Handlungsbedarfe in der Prävention.
Auszug aus dem Buch
3.2.3.2 Ergebnisse zum Ernährungsverhalten Jugendlicher nach sozialer Ungleichheitslage
Die dargestellte Tabelle zeigt die Verteilung der Ernährungsvariablen nach sozialer Ungleichheitslage der Jugendlichen. Dabei lässt sich „eine signifikante Verteilung der Ernährungsvariablen nach sozialer Ungleichheitslage ablesen“(Klocke 1995, S.192).
Bei der weit überwiegenden Zahl der untersuchten Ernährungsvariablen zeigen sich für die Jugendlichen aus den unteren sozialen Schichten „ungünstigere“ Werte als für die Jugendlichen aus den höheren sozialen Schichten. So nimmt die Verzehrhäufigkeit der als „gesund“ bewerteten Lebensmittel (Gemüse, Obst, Vollkornbrot, Milch) von der unteren zur oberen Schicht zu. Die Konsumhäufigkeit der als ungesund eingestuften Lebensmittel (Chips, Pommes frites, Cola/Süßgetränke, Kaffee) ist hingegen bei den Jugendlichen der unteren sozialen Schicht verhältnismäßig hoch und nimmt zur oberen Schicht hin ab.
Insgesamt ernähren sich hiernach die Jugendlichen aus der unteren sozialen Schicht weniger gesund als Jugendliche der oberen Schicht. Klocke sieht in diesen Ergebnissen einen deutlichen Einfluss der sozialen Lage auf das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen bestätigt (Klocke 1995, S. 199).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Begriff der gesundheitlichen Ungleichheit und stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung der Ernährung für die gesundheitliche Lage von Kindern.
2. Erklärungsansätze gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen: Diskutiert theoretische Modelle, die soziale Benachteiligung und deren Einfluss auf die Gesundheit von Kindern veranschaulichen.
3. Empirische Ergebnisse zum Bereich gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung: Präsentiert aktuelle Studien und Daten zum Ernährungsverhalten sowie zur Häufigkeit ernährungsabhängiger Erkrankungen, geschichtet nach sozialem Status.
4. Schlussbetrachtung: Führt die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass ein Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Ernährungsverhalten besteht, weist jedoch auf methodische Einschränkungen der bisherigen Forschung hin.
Schlüsselwörter
Gesundheitliche Ungleichheit, Soziale Benachteiligung, Ernährungssituation, Kinder und Jugendliche, Ernährungsverhalten, Prävalenz, Adipositas, Zahngesundheit, Sozioökonomischer Status, Ernährungsabhängige Erkrankungen, Soziale Schicht, Gesundheitsförderung, Prävention, Schulbildung, Empirische Daten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Kindern und Jugendlichen und deren Ernährungsweise sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gesundheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen theoretische Modelle zur gesundheitlichen Ungleichheit, empirische Auswertungen zum Ernährungsverhalten in verschiedenen Sozialschichten und die Untersuchung ernährungsbedingter gesundheitlicher Defizite.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu analysieren, ob und wie die soziale Lage von Kindern ihr Ernährungsverhalten beeinflusst und inwieweit dadurch gesundheitliche Ungleichheiten in dieser Altersgruppe entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bestehender empirischer Studien und Gesundheitsberichte, um den derzeitigen Forschungsstand zur gesundheitlichen Ungleichheit und Ernährung zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch diverse Erklärungsmodelle und eine umfangreiche empirische Analyse, die Daten zu Ernährungsmustern sowie zur Zahngesundheit und Adipositas nach sozialen Schichten auswertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind soziale Ungleichheit, Ernährung, gesundheitliche Benachteiligung, Adipositas, Zahngesundheit sowie sozioökonomischer Status im Kindes- und Jugendalter.
Wie wird "soziale Ungleichheit" in den Studien operationalisiert?
In den untersuchten Studien wird soziale Ungleichheit meist über den Schulabschluss der Eltern oder den sozioökonomischen Status des Haushaltes (z.B. berufliche Tätigkeit, Ausstattung) definiert.
Warum ist die Datenlage laut Autorin derzeit kritisch zu bewerten?
Die Datenlage ist oft lückenhaft, veraltet oder methodisch limitiert, da Ernährungsvariablen häufig nur ungenau erfasst wurden und selten im Zentrum der Forschungsinteressen standen.
Welchen Einfluss hat das Elternhaus auf das Ernährungsverhalten der Kinder?
Das Elternhaus prägt besonders den Konsum von Grundnahrungsmitteln, während das Essverhalten außerhalb des Elternhauses stärker von Gleichaltrigengruppen und jugendkulturellen Einflüssen bestimmt wird.
- Quote paper
- Anne Kienbaum (Author), 2003, Gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23976