Dass John Lennon und Yoko Ono in einer potentiellen Liste ,,berühmte Paare des 20. Jahrhunderts" zu nennen seien, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Dafür, dass Lennon und Ono anlässlich eines Referates und der sich anschliessenden Hausarbeit für ein Oberseminar ,,Künstlerpaare" innerhalb der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft zu behandeln seien, sprachen zwei Aspekte: Zum einen ist Yoko Ono, zusammen mit ihrem Partner, in einer zentralen Phase ihres künstlerischen Schaffens als Filmemacherin in Erscheinung getreten. Dies bedarf der Erläuterung, denn die Filme sind der Öffentlichkeit wenig bekannt bzw. in Vergessenheit geraten. Sie sind Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, in Kunstmuseen und auf Festivals gezeigt worden und fallen -experimenteller Natur- stark in der Popularität gegenüber ihrem popmusikalischen Wirken oder aufsehenerregenden ,,Bed-In"-Aktionen ab. Gleichwohl besitzen sie innerhalb künstlerischen Schaffens als z.T. eigenständige und z.T. Vorgenanntes begleitende Äusserungen einen Wert im Rahmen eines Gesamtwerkes ′formell′ gleichsetzbar dem filmischen Wirken eines Warhol oder Cocteau, denen cineastische Beachtung zuteil wurde. Gegenwärtig, da Yoko Onos Kunst eine Neu-Entdeckung und -Bewertung erfährt, kommt es, seit Mitte der 90er Jahre, in Programmkinos zu einer Neu- (bzw. Erst-)Rezeption der Filme. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Verknüpfung von „Bed-In"-Aktion und Dokumentation (in Teil 5, Politisierung) hingewiesen. Zum anderen ist zur Erwählung dieses Künstlerpaares für das Seminar -als substantiellerer Aspekt neben einer ′formellen′ Zulassung als Schaffende im Bereich Film- zu sagen: Es handelte sich um eine geradezu prototypische Erscheinung, innerhalb der genderspezifische Apekte die nach Themenstellung des Seminars größte Beachtung erfahren sollten- zu allen Zeiten eine besondere Rolle spielten. Bestimmte Konstellationen ließen sich wie folgend nachzulesen- kaum in getaner Weise an einem anderen Paar darstellen. Als zusätzlicher Hinweis sollen an dieser Stelle „die Rechte der Frau" als ein Grundthema Yoko Onos -neben anderen: „Frieden", „Völkerverständigung", „Menschlichkeit", „Ängste, Wünsche und Träume" genannt sein. Zur Materiallage muss vorangeschickt werden, dass sich ohne Schwierigkeit tonnenweise Fan-Literatur aus dem Bereich populärer Musik zusammenstellen ließe darin erkennbar: deutlicher Überhang des Popstars (Lennon). Der Autor sah sich gezwungen, eine Auswahl vorzunehmen -was ihm doch aufgrund bestimmter Vorkenntnis nicht schwerfiel. Als Langzeit-Pop- & Rock-Interessierter betrat er ohne ausgesprochener an John Lennons oder der Beatles zu sein- kein Neuland. Bestand vielmehr die wesentliche Aufgabe in der Präzisierung bestehender Kenntnis über gemeinsamens Wirken des Paares „Lenono", bedurfte dies auch in Erschließung über zeitgenössische Kunstkritik- Konzentration der Recherche auf die bislang weniger wahrgenommene Hälfte (Ono).
Inhaltsverzeichnis
1.) Vorbemerkungen:
2.) Gegensatzpaare im ,,Pop" -Bereich:
3.) Vorgeschichte des Paares, Zeitgeschichte:
4.) Gemeinsames Wirken als Paar, Hintergründe:
5.) Politisierung als Unterordnung unter gemeinsame Ziele:
6.) Brüc he in der Chronologie, Zusammenfinden als Modell:
7.) Nachgeschichte des Paares, Nachbemerkungen:
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Künstlerpaar John Lennon und Yoko Ono unter dem Aspekt des Gesamtkunstwerks. Das primäre Ziel ist es, die künstlerische Synergie und die öffentliche Wahrnehmung ihrer Beziehung sowie die gegenseitige Beeinflussung ihrer kreativen Arbeit im Spannungsfeld zwischen Popular Culture und Bildender Kunst zu analysieren und zu bewerten.
- Die Analyse der künstlerischen Verbindung und gegenseitigen Inspiration von Lennon und Ono.
- Die Untersuchung der öffentlichen Rezeption und der häufig einseitigen Schuldzuweisungen an Yoko Ono.
- Die Erforschung der Politisierung des Paares als Teil ihrer künstlerischen Selbstdarstellung.
- Der Einfluss von genderspezifischen Rollenbildern auf die öffentliche Bewertung der Beziehung.
Auszug aus dem Buch
4.) Gemeinsames Wirken als Paar, Hintergründe:
Bereits zu Anfang sollte das Paar-Sein von einer mit Symbolen befrachteten öffentlichen Selbst-Inszenierung begleitet werden. Vorgänge wie das Eingehen der Beziehung, 1968, (vor bzw. unabhängig von staatlichen Bekräftigungen) wurden zu Events, bei denen die künftigen Partner Eicheln in den Boden pflanzten. Vor Eröffnung des körperlichen Teils einer Liebesbeziehung stand weiterhin eine photographisch-filmische wie akustische (später veröffentlichte) Aufnahmesession unter dem Zeichen (Titel) ,,Two Virgins" -als Dokumentation eines Vorher-Zustandes, des -voneinander noch unberührten Gegenübertretens. Hierbei wurden Grenzen zwischen Öffentlichem und (so bei öffentlichen Personen dahinter vermutbarem -siehe Image-Vorzeichen) Privatem verwischt: Akte des Lebens (hier so benannt) als bewusste künstlerische Äusserungen. Diesbezügliche Offenlegungen sollten, als Thema, die Chronologie des Paares insgesamt durchziehen. Unter dem Titel ,,You Are Here" signalisierte bspw. -als weitere Aktion- eine gemeinsam mit Ono konzipierte Ausstellung Lennons (der damit eigene Tätigkeit im Kunst-Bereich wiederaufnahm -nachdem bereits die Gedichtbände mit Zeichnungen versehen waren) die ,,Ankunft" der Partnerin.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Vorbemerkungen: Einführung in die Motivation der Themenwahl und Darlegung der Quellenlage sowie der methodischen Herangehensweise.
2.) Gegensatzpaare im ,,Pop" -Bereich: Analyse der gesellschaftlichen Tendenz zur Dichotomisierung und Vergleichbarkeit im Pop-Bereich am Beispiel der Beatles und anderer Pop-Paare.
3.) Vorgeschichte des Paares, Zeitgeschichte: Beleuchtung der Hintergründe von Lennon und Ono sowie der Umstände ihres ersten Kennenlernens in London.
4.) Gemeinsames Wirken als Paar, Hintergründe: Untersuchung der symbolischen Inszenierung der Paarbeziehung und des künstlerischen Zusammenwirkens.
5.) Politisierung als Unterordnung unter gemeinsame Ziele: Analyse der politischen Aktionen des Paares, wie dem „Bed-In", und der damit verbundenen gesellschaftlichen Wahrnehmung.
6.) Brüc he in der Chronologie, Zusammenfinden als Modell: Betrachtung der Brüche in der künstlerischen Entwicklung und der Phasen der Trennung und Wiedervereinigung.
7.) Nachgeschichte des Paares, Nachbemerkungen: Reflektion über das Wirken des Paares nach dem Tod John Lennons und die anhaltende Bedeutung des Gesamtkunstwerks.
Schlüsselwörter
John Lennon, Yoko Ono, Künstlerpaar, Gesamtkunstwerk, Pop-Kultur, Fluxus, Inszenierung, Politisierung, Gender-Problematik, Avantgarde, Bed-In, Medienrezeption, Bildende Kunst, Identität, künstlerische Synergie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die künstlerische Zusammenarbeit zwischen John Lennon und Yoko Ono und analysiert, inwiefern ihre Paarbeziehung als „Gesamtkunstwerk" betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Popular Culture und Bildender Kunst, die öffentliche Selbstdarstellung des Paares sowie die mediale Rezeption ihrer Beziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine genaue Analyse des gemeinsamen Schaffens ein tieferes Verständnis für die künstlerischen Intentionen des Paares zu erlangen und die oft voreingenommene Wahrnehmung, insbesondere gegenüber Yoko Ono, kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunst- und medienwissenschaftliche Herangehensweise gewählt, die auf der Auswertung von Biographien, Zeitgenössischer Kunstkritik und den filmischen sowie musikalischen Zeugnissen des Paares basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Vorgeschichte des Paares, die Inszenierung ihrer Beziehung, die politische Bedeutung ihrer Aktionen (z.B. „Bed-In") sowie die künstlerischen Brüche und Phasen ihres Zusammenwirkens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind John Lennon, Yoko Ono, Gesamtkunstwerk, Fluxus, Pop-Kultur, Gender, politische Inszenierung und mediale Rezeption.
Warum war das „Bed-In" eine so prägende Aktion?
Das „Bed-In" wird als Moment analysiert, in dem die Verbindung von Populärkultur und dem künstlerischen Anspruch des Paares zur Demonstration ihrer Friedensbotschaft besonders deutlich und medienwirksam in Erscheinung trat.
Welche Rolle spielt die „negative Imagebildung" für die Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Konventionen und insbesondere eine latente Ausländerfeindlichkeit sowie genderspezifische Vorurteile dazu führten, dass Yoko Ono oft als Störfaktor oder Eindringling in der Welt der Beatles wahrgenommen wurde.
- Quote paper
- Christian Breuer (Author), 1999, John Lennon und Yoko Ono als Gesamtkunstwerk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24047