1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Ursachen, Formen und räumlichen Auswirkungen internationaler Arbeitsmigration. Dabei sollen Ursachen und Formen zunächst auf rein theoretischer Ebene dargestellt werden. Bei den Ursachen erfolgt dies im 2. Kapitel anhand verschiedener Wanderungsmodelle, wobei den push-pull-Modellen, die für die Praxis die größte Bedeutung haben, ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Im 3. Kapitel soll der Begriff der Migration zunächst von verwandten Begriffen wie Mobilität und Zirkulation abgegrenzt werden, bevor eine Typologie der verschiedenen Formen internationaler Wanderung vorgestellt wird. Schließlich soll im 4. Kapitel die Gastarbeiterwanderung innerhalb Europas als eine der bedeutendsten Arbeitsmigrationen des letzten Jahrhunderts vorgestellt werden. Der hier verwendete Begriff „Gastarbeiter“, den man so auch in Literatur und Umgangssprache finden kann, ist im deutschen Sprachgebrauch die Bezeichnung für jene ausländischen Arbeitskräfte mit verhältnismäßig geringer beruflicher Qualifikation, die zwischen 1955 und 1973 nach Deutschland und in die anderen Industriestaaten Nordwesteuropas kamen. Zunächst sollen hier einige
geschichtliche Daten sowie das Ausmaß dieser Art von Wanderung kurz skizziert werden, bevor die auslösenden Faktoren näher dargestellt werden, wobei auf das 2. Kapitel Bezug genommen werden soll. Der im Titel des 4. Kapitels genannte Zeitraum 1950 bis 1990 bezieht sich vor allem auf die im letzten Abschnitt behandelten räumlichen Auswirkungen, wobei diese sowohl in den Herkunfts- als auch den Zielländern untersucht werden sollen. [...]
Gliederung
1. Einleitung
2. Wanderungsmodelle
2.1 Push-Pull-Modelle
2.2 Weitere Modelle
3. Formen
3.1 Abgrenzung von Wanderung und Mobilität
3.2 Internationale Wanderungen - Typologie nach Körner
4. Das Beispiel der Gastarbeiterwanderung in Europa von 1950 bis 1990
4.1 Geschichtlicher Abriss und Ausmaß
4.2 Auslösende Faktoren
4.3 Räumliche Auswirkungen
4.3.1 Herkunftsländer
4.3.2 Zielländer
5. Schlussbemerkungen
6. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, Erscheinungsformen und räumlichen Konsequenzen internationaler Arbeitsmigration. Dabei wird insbesondere die historische Gastarbeiterwanderung in Europa (1950–1990) als zentrale Fallstudie analysiert, um theoretische Migrationsmodelle mit praktischen Beobachtungen zu verknüpfen.
- Theoretische Grundlagen der Migrationsforschung (Push-Pull-Modelle, Mikro- und Makrotheorien)
- Abgrenzung der Begriffe Migration, Mobilität und Zirkulation
- Typologie internationaler Wanderungen nach Körner
- Historische Entwicklung und Ausmaß der europäischen Gastarbeiterwanderung
- Räumliche Auswirkungen in Herkunfts- und Zielländern (Segregation, demographische Prozesse)
Auszug aus dem Buch
2.1 Push-Pull-Modelle
Im Gegensatz zu vielen anderen Wanderungsmodellen, die lediglich einen einzelnen Faktor wie z. B. die Bevölkerungszahl oder die Distanz zwischen den Herkunfts- und Zielgebieten betrachten, wird bei den push-pull-Modellen davon ausgegangen, dass Migrationsbewegungen nur durch eine Vielzahl von Merkmalen zu erklären sind. Sie haben ihren Ursprung in den Überlegungen von YOUNG, der in den 20er Jahren die Anziehungskraft einzelner Regionen durch einen „Attraktivitätsfaktor“ charakterisierte.
In LEES Schema (vgl. Abb. 1) können drei Faktorengruppen unterschieden werden, die für einen Migrationsprozess von Bedeutung sind. Diese sind Faktoren in Verbindung mit dem Herkunftsort, Faktoren in Verbindung mit dem Bestimmungsort und dazwischenliegende Hindernisse. Die sogenannten pull-Faktoren, also jene Faktoren, die Menschen entweder an einem bestimmten Ort halten oder sie dorthin anziehen, sind in diesem Schema mit „+“ gekennzeichnet. Analog dazu werden die push-Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen von einem Ort ferngehalten oder abgestoßen werden, durch ein „-“ dargestellt. Zudem gibt es in jedem Gebiet Faktoren („0“), die für eine Migrationsentscheidung ohne Bedeutung sind. In die Überlegungen müssen außerdem die zwischen Bestimmungs- und Herkunftsort liegenden Hindernisse und der Schwierigkeitsgrad ihrer Überwindung mit einbezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der internationalen Arbeitsmigration ein und skizziert den theoretischen sowie historischen Untersuchungsrahmen.
2. Wanderungsmodelle: Dieses Kapitel erläutert verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für Wanderungsbewegungen, mit Fokus auf Push-Pull-Modelle und Theorieebenen nach Woods.
3. Formen: Es erfolgt eine theoretische Differenzierung zwischen Mobilität, Zirkulation und Migration sowie die Anwendung einer Typologie nach Körner.
4. Das Beispiel der Gastarbeiterwanderung in Europa von 1950 bis 1990: Eine detaillierte Analyse der historischen Anwerbeabkommen, deren Ursachen und der sozio-ökonomischen Auswirkungen in den beteiligten Staaten.
5. Schlussbemerkungen: Ein Fazit, das die historische Gastarbeiterwanderung einordnet und aktuelle Entwicklungen sowie zukünftige Wanderungstendenzen kritisch reflektiert.
6. Anhang: Enthält ergänzende Grafiken und Schemata, die die theoretischen Modelle und Diffusionsprozesse visualisieren.
Schlüsselwörter
Arbeitsmigration, Gastarbeiter, Push-Pull-Modelle, räumliche Mobilität, Zirkulation, Migrationstypologie, Demographie, Segregation, Anwerbeabkommen, Herkunftsländer, Zielländer, Humankapital, Remigration, Industrialisierung, Wirtschaftskrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Ursachen, den verschiedenen Formen und den räumlichen Folgen internationaler Arbeitsmigration im europäischen Kontext.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Themen sind Wanderungsmodelle, die Abgrenzung von Mobilitätsbegriffen und die historische Gastarbeiterwanderung zwischen 1950 und 1990.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Migrationsprozess sowohl auf einer theoretischen Ebene (Modelle) als auch anhand des praktischen Beispiels der europäischen Gastarbeiteranwerbung fundiert darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Migrationskonzepte und wertet historische Daten sowie demographische Statistiken zur Gastarbeiterwanderung aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Modellvorstellungen (Push-Pull, Mikro- und Makrotheorien) und die empirische Anwendung am Beispiel der europäischen Gastarbeiterwanderung inklusive der Analyse von Auswirkungen in Herkunfts- und Zielländern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Arbeitsmigration, Push-Pull-Faktoren, räumliche Diffusion, Segregation und Demographie geprägt.
Wie unterscheidet sich die Gastarbeiterwanderung von allgemeiner Migration laut der Autorin?
Die Autorin hebt hervor, dass die Gastarbeiterwanderung durch spezifische, staatlich regulierte Anwerbeabkommen und eine ursprünglich temporär geplante Arbeitsaufnahme gekennzeichnet war.
Welche Bedeutung haben die "Push-Pull-Faktoren" für das Verständnis der Arbeitsmigration?
Sie sind essentiell, da sie aufzeigen, wie arbeitsmarktökonomische Spannungen in Herkunftsregionen (Push) und wirtschaftliche Anreize in Industrieländern (Pull) Migrationsentscheidungen steuern.
- Quote paper
- Sonja Schulmeister (Author), 2004, Ursachen, Formen und räumliche Auswirkungen internationaler Arbeitsmigration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24179