Im ersten Teil ist die Chronik bildungspolitischer Entwicklungen in Ostdeutschland bzw. den neuen Bundesländern von 1989 bis 1995 in aller Kürze aufgezeigt. In dieser Zeittafel sind die wichtigsten Ereignisse der ostdeutschen Bildungsreform aufgeführt. Eine Reflexion der Daten lässt sich aus Einschränkungsgründen hier nicht realisieren und doch hat auch dieser Teil eine wichtige einleitende und erklärende Funktion für die später dargestellten Inhalte der Arbeit.
Der zweite Teil ist der Hauptteil dieser Arbeit. Hier geht es um die Problemstellung des Transformationsprozesses der Lehrer. Es soll erläutert werden, welche Folgen die Vereinigung der beiden deutschen Staaten und die in der Chronik aufgezeigten bildungspolitischen Ereignisse für das Bildungswesen nach sich zogen. In diesem Teil wird auf die verschiedensten Parameter der Lehrertransformation eingegangen. Untersucht werden u.a. die Identifikation mit dem Beruf, die berufliche Zufriedenheit, die Aufgaben der Lehrers, das Bild vom Schüler, die Erziehungseinstellung der Lehrer, die Kritik am Schulsystem sowie die Reform- und Innovationsbereitschaft von Lehrern.
Als Grundlage dienen verschiedene empirische Untersuchung und Abhandlungen sowie auch ein Interview, dass extra im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurde.
Am Ende der Untersuchung wird ein Resümee aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen zum Transformationsprozess von Lehrern gezogen. Hier wird auch ein Ausblick in die Zukunft gewagt, der mit der Frage verbunden ist, ob die äußere und innere Reform abgeschlossen worden ist oder ob dies zu erwarten ist.
Im Anhang befindet sich eine Übersicht über das Bildungswesen der DDR.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Chronik bildungspolitischer Entwicklungen und Ereignisse in Ostdeutschland bzw. den neuen Bundesländern 1989 bis 1996
2. Lehrer im Transformationsprozess
2.1. Problemstellung
2.2. Die empirische Untersuchungen und deren Ableitungen
3. a) Identifikation mit dem Beruf, berufliche Zufriedenheit
b) Aufgaben der Lehrers – Wissensvermittlung und Persönlichkeitsbildung
c) das Bild vom Schüler, die Erziehungseinstellung der Lehrer
d) Kritik am Schulsystem, Reformbereitschaft von Lehrern
e) Innovationsbereitschaft
Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Transformationsprozess ostdeutscher Lehrer im Zuge der tiefgreifenden Umgestaltung des Bildungswesens nach 1989. Ziel ist es, die Auswirkungen dieses Systemwechsels auf die Berufssituation, das Selbstverständnis sowie die soziale und professionelle Kompetenz der Lehrkräfte zu analysieren und mögliche Unterschiede zu westdeutschen Berufskulturen aufzuzeigen.
- Chronologie bildungspolitischer Ereignisse zwischen 1989 und 1996
- Entwicklung des beruflichen Selbstverständnisses unter veränderten Rahmenbedingungen
- Vergleich der Identifikation mit dem Lehrerberuf in Ost- und Westdeutschland
- Einfluss der strukturellen Reformen auf die pädagogische Praxis und Innovationsbereitschaft
Auszug aus dem Buch
2.1. Problemstellung
Obwohl die Vereinigung der beiden deutschen Staaten formal vollzogen und somit eine historische Tatsache ist, so ist die Vereinigung in einem tieferen Sinne - etwa als Angleichung der Einstellungen, Werte, Normen und Lebensbedingungen - eine veränderliche Größe, die nicht zum Abschluss gekommen ist und sich weiterhin verändert. Verbunden mit der äußeren Reform gibt es auch eine innere Reform so z.B. im Schulwesen, der sich die Lehrer und Schüler stellen mussten und noch heute müssen. (Wenzel, S. 207) Die Zeit der Vereinigung wird vielfach auch als Umbruch bezeichnet und in diesem Wort steckt sehr viel von dem, was diese Zeit kennzeichnet. Es handelte sich um einen radikalen Wechsel aller gesellschaftlichen Verhältnisse, der kein langsamer, ausgehandelter Prozess einer beidseitigen Annäherung ist, sondern eine schnelle, einseitige, gesteuerte Anpassung. (Löw u.a., S. 7) Das Schulsystem in den neuen Ländern ist den verfassungsrechtlichen sowie schulrechtlichen Grundlagen der alten Bundesländer angeglichen worden und hat damit auch die Widersprüche, Probleme und Konflikte dessen übernommen. Damit einher geht eine Dissonanz, die sich auf den Schulalltag und auf die Arbeit der Lehrer übertrug. (Hübner, S.202)
Die Transformationsprozesse der Lehrer durch die Einführung des neuen Schulsystems können in drei grobe Phasen eingeteilt werden:
In der ersten Phase, bis Mitte 1990, war der Großteil der Lehrer verunsichert durch die Veränderungen und zugleich auch offen gegenüber den neuen Horizonten, die sich ihnen zeigten und Spielräume für eigenverantwortliches Experimentieren mit neuen Methoden und neuen Interaktionsformen in der Schule schuf. Plötzlich schienen alle Optionen offen und auch eine Reform in und mit der Schule möglich. (Dudek, Tenorth; S. 310 ff.) Bereits in der Endphase der DDR wurde von verschiedenen Seiten Kritik am Bildungswesen laut. Die Reformvorschläge „... konzentrierten sich wesentlich auf die Beseitigung von Fremdbestimmung und Gängelei. Lehrer sollten wieder eigenverantwortlich Unterricht gestalten und selbstbestimmt handeln können.“ (Fuchs, Reuter; S. 15)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Systemtransformation und Zielsetzung der Untersuchung.
1. Chronik bildungspolitischer Entwicklungen und Ereignisse in Ostdeutschland bzw. den neuen Bundesländern 1989 bis 1996: Übersicht der wichtigsten bildungspolitischen Wegmarken nach der Wende.
2. Lehrer im Transformationsprozess: Erörterung der Phasen der Umgestaltung des Lehrberufs.
2.1. Problemstellung: Analyse der Dissonanzen und Herausforderungen durch den schnellen Systemwechsel.
2.2. Die empirische Untersuchungen und deren Ableitungen: Vorstellung der methodischen Grundlage der Arbeit und der genutzten Datensätze.
3. a) Identifikation mit dem Beruf, berufliche Zufriedenheit: Untersuchung der Berufsmotivation ostdeutscher Lehrkräfte im Vergleich.
b) Aufgaben der Lehrers – Wissensvermittlung und Persönlichkeitsbildung: Analyse der veränderten Anforderungen an die pädagogische Arbeit.
c) das Bild vom Schüler, die Erziehungseinstellung der Lehrer: Reflexion über das pädagogische Rollenverständnis und das Bild des Lernenden.
d) Kritik am Schulsystem, Reformbereitschaft von Lehrern: Betrachtung der Akzeptanz und kritischen Haltung der Pädagogen gegenüber dem neuen System.
e) Innovationsbereitschaft: Bewertung der Öffnung gegenüber neuen didaktischen und strukturellen Ansätzen.
Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Transformationsergebnisse und Ausblick.
Schlüsselwörter
Transformationsprozess, Ostdeutsche Lehrer, Schulsystem, Wiedervereinigung, pädagogisches Selbstverständnis, Berufszufriedenheit, Bildungsreform, Lehrertransformation, Identifikation, Unterrichtspraxis, Ost-West-Vergleich, DDR-Bildungswesen, Lehrerrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die berufliche Situation von ostdeutschen Lehrkräften nach der deutschen Wiedervereinigung und dem damit verbundenen radikalen Umbau des Schulwesens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das berufliche Selbstverständnis, die Identifikation mit dem Lehrerberuf, die soziale und professionelle Kompetenz sowie die Innovationsbereitschaft der Lehrkräfte unter neuen strukturellen Bedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Folgen der Systemtransformation für ostdeutsche Pädagogen aufzuzeigen und zu untersuchen, wie diese mit dem Wegfall des DDR-Bildungssystems und der Einführung des westdeutschen Schulmodells umgingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung bestehender empirischer Untersuchungen, Dokumentationen sowie einem persönlichen Interview mit einer ehemaligen ostdeutschen Lehrerin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Parameter wie Berufszufriedenheit, Aufgabenverständnis, Schülerbild, Reformkritik und die generelle Innovationsbereitschaft im Transformationsprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Transformation, Lehrerberuf, Identifikation, Reform, Bildungslandschaft und Systemwechsel sind zentrale Begriffe.
Wie unterscheidet sich das Aufgabenverständnis laut Arbeit?
Ostdeutsche Lehrer legten in der DDR einen starken Fokus auf Wissensvermittlung und außerunterrichtliche Betreuung; die Transformation zwang sie zu einer stärkeren Konzentration auf reine unterrichtliche Vermittlung in einem neuen, oft fremd empfundenen System.
Welche Rolle spielt die "Subjektivität" in der Arbeit?
Die Arbeit reflektiert, dass die Ergebnisse – insbesondere durch die Einbeziehung biographischer Interviews – individuelle Sichtweisen widerspiegeln, die als wertvolle Ergänzung zu abstrakten empirischen Daten dienen.
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- Manuela Raser (Author), 2003, Ostdeutsche Lehrer im Transformationsprozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24287