Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Einteilung der oberdt. Dialekt-Substantive in Deklinationsklassen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, stelle ich im ersten Abschnitt die Grundlagen vor - die entsprechenden Einteilung der Substantive für das Mittel- und Neuhochdeutsche. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Mhd., das traditionellerweise als Grundlage für Erklärungen und historische Vergleiche in der Dialektologie dient.
Im zweiten Abschnitt wird, ausgehend von allgemeinen Eigenschaften der oberdt. Nominalflexion, eine Einteilung der Deklinationsklassen für das Alem., Schwäb. und Bair. vorgenommen. Die typischen Flexionsformen der jeweiligen Klassen werden anschließend mit nhd. Formen verglichen, und ihre Entwicklung wird anhand eines sorgfältig recherchierten Korpus bis ins Mhd. zurückverfolgt. Die herangezogenen Dialektgrammatiken benutzen sehr unterschiedliche Schreibweisen der Dialektwörter. Da die genauen Lautwerte der verwendeten Zeichen nicht präzise bestimmt werden konnten, war es nicht möglich, die Schreibweise der Belege in dieser Arbeit zu vereinheitlichen - es wurde in allen Fällen die Schreibweise der jeweiligen Quelle beibehalten. Eine Ausnahme bilden lediglich Belege aus Kollmer (1985): Vokale mit offener Aussprache werden durch einen Gravis (z.B. „è“), Vokale mit geschlossener Aussprache durch einen Akut (z.B. „é“) und alle nasalierten Vokale mit dem Zirkumflex (z.B. „â“) wiedergegeben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Grundlagen: Deklinationsklassen des Mittel- und Neuhochdeutschen
1.1. Deklinationsklassen des Mittelhochdeutschen
1.1.1. Traditionelle Einteilung nach Wortstämmen
1.1.2. Eine alternative Einteilung
1.2. Deklinationsklassen des Neuhochdeutschen
1.2.1. Traditionelle Einteilung in Anlehnung an Jacob Grimm
1.2.2. Neuere adäquate Einteilungen für das Neuhochdeutsche
2. Erörterung: Deklinationsklassen der Substantive in den oberdeutschen Dialekten
2.1. Grundeigenschaften der oberdeutschen Kasussysteme
2.2. Einteilung der Deklinationsklassen in den oberdeutschen Dialekten
2.3. Deklinationsklassen der oberdeutschen Substantive aus komparativer Sicht
2.3.1. Vergleich mit dem Neuhochdeutschen
2.3.2. Vergleich mit dem Mittelhochdeutschen
Zielsetzung und Themenfelder
Diese Arbeit analysiert die Einteilung oberdeutscher Dialekt-Substantive in Deklinationsklassen, um die morphologischen Strukturen im Vergleich zum Mittel- und Neuhochdeutschen systematisch zu erfassen und diachron zurückzuverfolgen.
- Strukturelle Analyse der oberdeutschen Nominalflexion
- Vergleichende Untersuchung zwischen Alemannisch, Schwäbisch und Bairisch
- Diachroner Bezug zur mittelhochdeutschen Stammbildung
- Evaluierung von Pluralbildungsverfahren als Klassifizierungsmerkmal
- Kritische Betrachtung traditioneller linguistischer Deskriptionsapparate
Auszug aus dem Buch
2.1. Grundeigenschaften der oberdeutschen Kasussysteme
Nachdem wir die Einteilungen der Deklinationsklassen für das Mittel- und Neuhochdeutsche vorgestellt haben, wenden wir uns den Deklinationsklassen in den oberdt. Dialekten zu. Die Besonderheiten des Kasussystems der oberdt. Dialekte machen eine Einteilung der Substantive analog zum Mittel- und Neuhochdeutschen nicht möglich. Das Kasussystem dieser Varietäten ist gegenüber dem Hochdeutschen stark reduziert. Diese Reduktion kann als Fortsetzung des Reduktionsprozesses betrachtet werden, der seit dem Germ. stattfand, zumal ähnliche Tendenzen (wenn auch in geringerem Umfang) auch in der hochdeutschen Umgangssprache feststellbar sind.
So geht beispielsweise der Gen. auch in der nichtdialektalen Umgangssprache stark zurück, wovon u.a. die Rektion vieler Präpositionen zeugt: Es gibt im Hochdeutschen sehr wenige Präpositionen, die nur den Gen. zulassen (diese sind oft von Substantiven abgeleitet, so dass diese Rektion als Possesivgenitiv oder Zuordnungsgenitiv angesehen werden kann, z.B. anhand, abseits, angesichts usw.). Auffallend ist, dass die Rektion einer großen Anzahl von Präpositionen zwischen dem Gen. und dem Dat. schwankt, wobei die Umgangssprache ganz eindeutig den Dat. bevorzugt (Beispiele: wegen, laut, zufolge, trotz).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der Methodik sowie der sprachwissenschaftlichen Einordnung der oberdeutschen Nominalflexion.
1. Grundlagen: Deklinationsklassen des Mittel- und Neuhochdeutschen: Historische Herleitung und kritische Betrachtung bestehender Einteilungsmodelle der Substantivdeklination.
2. Erörterung: Deklinationsklassen der Substantive in den oberdeutschen Dialekten: Analyse der stark reduzierten Kasussysteme und Etablierung einer Klassifizierung basierend auf der Pluralbildung.
Schlüsselwörter
Oberdeutsche Dialekte, Nominalflexion, Deklinationsklassen, Pluralbildung, Mittelhochdeutsch, Alemannisch, Schwäbisch, Bairisch, Kasussystem, historische Linguistik, Morphologie, Sprachgeschichte, Substantivdeklination, Dialektologie, Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der morphologischen Klassifizierung von Substantiven in oberdeutschen Dialekten (Alemannisch, Schwäbisch, Bairisch) und deren historischer Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Der Fokus liegt auf der Nominalflexion, dem Vergleich zwischen Dialektformen und hochdeutschen Standards sowie der diachronen Herleitung der Flexionsklassen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein adäquates Einteilungsmodell für oberdeutsche Deklinationsklassen zu entwickeln, da traditionelle Modelle aufgrund der Reduktion des Kasussystems hier nicht anwendbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine korpusbasierte Analyse von Dialektgrammatiken durch und vergleicht die Ergebnisse diachron mit mittelhochdeutschen Wortstammstrukturen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Nach einer theoretischen Einführung werden die Eigenschaften oberdeutscher Kasussysteme erörtert und die Substantive nach ihrer Pluralbildung klassifiziert und mit dem Neuhochdeutschen sowie Mittelhochdeutschen verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Oberdeutsche Dialekte, Nominalflexion, Deklinationsklassen, Pluralbildung und Sprachgeschichte.
Warum ist die traditionelle Einteilung nach Wortstämmen für Dialekte ungeeignet?
Aufgrund der weit fortgeschrittenen Reduktion des Kasussystems sind Flexionsendungen am Substantiv im Singular oft nicht mehr erkennbar, weshalb eine Einteilung nur über die Pluralbildung sinnvoll ist.
Welche Rolle spielt der Genitiv in den untersuchten Dialekten?
Der Genitiv ist in den Dialekten weitgehend ausgestorben; seine Funktion wird durch Umschreibungen mit dem Dativ und Possessivkonstruktionen ersetzt.
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- Cezary Bazydlo (Author), 2003, Deklinationsklassen der Substantive in den oberdeutschen Dialekten (Alemannisch, Schwäbisch und Bairisch), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24318