Das Bild des Ausländers in der deutschen Presse

Zur Rolle der Nachrichtenauswahl in der Meinungsbildung


Hausarbeit, 2003
21 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Medien und Nachrichtenauswahl
1.1 Die Medienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland
1.2 Journalistische Arbeit
1.3 Die Nachrichtenauswahl der Presse

2. Berichterstattung über Ausländer
2.1 Redaktionen und Ressorts
2.2 Ausländerberichterstattung: Themen und ihre Ausarbeitung
2.3 Sprachgebrauch und Wortwahl

3. Entstehung von Meinungsbildern und ihre Auswirkungen
3.1 Meinungsbildung
3.2 Meinungsbilder über Ausländer
3.3 Auswirkungen der Meinungsbilder

4. Zusammenfassung, Fazit, Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Obwohl es zu der zurzeit herrschenden Globalisierung dazugehört, dass sich ethnisch homogene Gesellschaften zu multi-ethnischen Gesellschaften wandeln, sind Migranten vielen Menschen nach wie vor ein Dorn im Auge. Dabei spielen die Massenmedien eine entscheidende Rolle. Sie sind Vermittler sozialer Wirklichkeit und haben damit einen Einfluss auf die Meinungsbildung.

Der folgende Aufsatz versucht, die Leistung der Medien innerhalb der Meinungsbildung anhand der Darstellung von Migranten in der Presse herauszustellen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Arbeitsweisen von Journalisten und Redaktionen, sowie die Methoden der Nachrichtenauswahl.

Zunächst erfolgt eine Einführung in das Pressewesen und in die Kriterien der Nachrichtenauswahl. Anhand von verschiedenen Untersuchungen und wissenschaftlichen Arbeiten wird anschließend nicht nur die Darstellung des Migranten in der Presse aufgezeigt, sondern es werden auch die Auswirkungen dieser Darstellungen beleuchtet. Außerdem wird die Frage beantwortet, wie Meinungen entstehen und in welchem Zusammenhang Presse und Meinung bzw. Nachrichtenauswahl und Meinung stehen.

Zu Beginn der Arbeit müssen einige Eingrenzungen vorgenommen werden, was die Verwendung des Wortes Migrant(en) bzw. Ausländer in dem folgenden Aufsatz betrifft, denn nicht jeder Nichtdeutsche wird gleichermaßen von der Presse in ein negatives Licht gerückt. Die Migranten, die in meiner Arbeit behandelt werden gehören zu der Gruppe

„die langfristig hier sind, hier wohnen und arbeiten (wollen), die nur zur Verrichtung unangenehmer

(verachteter) Arbeit bestellt worden sind oder die ungefragt, gleichsam ganz ohne Einladung kom-

men: Die sogenannten >>Gastarbeiter<< oder Asylbewerber“ (Merten1987:71) und zu der Gruppe „Ausländer als Arbeitsnehmer“ (Merten 1987:71). Damit sind also ausländische Gäste, die kurzfristig auf Einladung nach Deutschland kommen, sowie Künstler und Sportler, ausgeschlossen, denn sie werden überwiegend positiv bewertet (vgl. Merten 1987:70f).

Ebenso wird auf eine Differenzierung nach Nationalitäten verzichtet. Auch in diesem Bereich gibt es Unterschiede in der Berichterstattung. So werden europäische Ausländer meist positiver „bewertet“, als asiatische oder afrikanische. Darauf näher einzugehen würde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

1. Medien und Nachrichtenauswahl

1.1 Die Medienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Grundsätzlich unterscheidet man nach Eigenschaften und Charakter vier verschiedene Medienebenen:

1. primäre Medien : Gespräch von Mensch zu Mensch
2. sekundäre Medien : ein Gerät wird gebraucht (Buchdruck)
3. tertiäre Medien : ein elektronisches Gerät wird gebraucht (Rundfunk, Fernsehen)
4. quartiäre Medien : computerbasierende Medien

Jedes Medium hat eine spezielle Art und Weise, Informationen zu verbreiten und erzeugt eigene gesellschaftliche Auswirkungen. Das Fernsehen hat z.B. das gesamte kulturelle Leben verändert.

Bei der Presse handelt es sich um ein sekundäres Medium, das Lesefähigkeit und -willigkeit voraussetzt.

Zeitungen und Zeitschriften werden unterteilt in:

- Regionalzeitungen

liefern Informationen über das Geschehen am Wohnort und werden von

einem gemischten Publikum gelesen ohne Rücksicht auf Bildungsunterschiede; z.B. Aache-

ner Nachrichten;

- Überregionale oder nationale Tageszeitungen

werden von einem formal höher gebildeten, besser verdienenden Publikum gelesen; vertre-

ten häufig eine politische Richtung; z.B. Süddeutsche Zeitung;

- Anzeigenblätter

werden kostenlos an alle Haushalte verteilt;

- Wochenzeitungen

z.B. Die Zeit, Bild am Sonntag;

- Boulevardblätter

Kaufzeitungen, bei denen ein Abonnement nicht möglich ist; Käufer sind Menschen aller

Bevölkerungsschichten; z.B. Bild;

- Zeitschriften

erscheinen meist wöchentlich, vierzehntägig oder monatlich; hierunter fallen alle Publi-

kumszeitschriften, z.B. die aktuellen Illustrierten und die Regenbogenpresse; z.B. Neue Re-

vue und die Wochen- oder Nachrichtenmagazine; z.B. Der Spiegel (vgl. Meyn 1996:94).

Printmedien machen als sekundäre Medien der Allgemeinheit Informationen zugänglich und sorgen für deren großflächige Verbreitung. Zusätzlich ermöglichen sie eine externe Speicherung von Informationen. Auswahl und vielfältige differenzierte Nutzung stehen dabei im Zusammenhang mit dem Bildungsniveau des Individuums.

1.2 Journalistische Arbeit

Medien operieren nicht im luftleeren Raum. Ihre Arbeit ist beeinflusst vom politischen und öffentlichen Klima und auch der eigenen Betroffenheit. Massenmedien orientieren sich an den Wünschen des Publikums, es herrschen ökonomische Zwänge. Dies schlägt sich z.B. in der Boulevardpresse bei Wahl und Formulierung der Schlagzeilen zum Zweck des Kaufanreizes nieder.

Journalisten haben eine Sorgfaltspflicht, d.h. sie sollten Inhalt, Herkunft und Wahrheit einer Meldung prüfen (vgl. § des Landespressegesetz NRW). Außerdem tragen sie die Verantwortung für die Informationen über Zusammenhänge und Hintergründe. Dafür verlassen sie sich häufig auf ihre Erfahrungen und ihre Fachkenntnisse. Nachricht und Meinung lassen sich dabei nicht immer klar trennen. Journalisten sind auch Menschen.

In einem 1983 auf einer Journalistentagung gehaltenen Referat wirft Herbert Leuninger der Presse beispielsweise vor, die vom BKA veröffentlichten Kriminalitätsstatistiken nicht sorgfältig journalistisch aufgearbeitet zu haben. Hätte man die vorhandenen Zahlen in korrekten Zusammenhängen dargestellt, wäre nicht der Eindruck einer überproportionalen Ausländerkriminalität entstanden, sondern es hätte sich eine Gleichheit von Deutschen und Ausländern ergeben (vgl. Leuninger 1984: 103ff).

Außerdem bestimmen soziale, ökonomische und politische Interessen die Informationssuche und Informationsschaffung von Journalisten.

1.3 Die Nachrichtenauswahl der Presse

Massenmedien filtern wichtige Informationen. Entscheidend dabei ist der Nachrichtenwert.

Täglich geht eine Vielzahl von Informationen bei den Presseorganen ein, die potenziell zu abgedruckten Nachrichten werden können. Das führt dazu, dass sich Pressejournalisten aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen folgende Frage stellen müssen: Welche Themen nehmen wir auf unsere Seiten? Zur Beantwortung dieser Frage nutzen Journalisten Selektionskriterien. Nachrichten, die eine oder mehrere dieser Kriterien erfüllen, haben dabei eine größere Chance in der Presse abgedruckt zu werden.

Wenn also ein Thema in die Presse gelangen soll, muss es den Selektionskriterien der Journalisten entsprechen.

Die Forschung hat seit einigen Jahren eine Reihe dieser Kriterien benannt, die die Aufmerksamkeit von Journalisten und Journalistinnen für eine Nachricht steuern (z.B. Galtung / Ruge 1965[1], Schulz 1976[2] ). Die Einteilung der Auswahlkriterien, ihre Zahl und ihre Detailliertheit sind von Untersuchung zu Untersuchung unterschiedlich. Verena Hruska fasst dies folgendermaßen zusammen: „Interessant ist, was die Leser betrifft oder betroffen macht oder ihre Neugier und Unterhaltungslust befriedigt“ (Hruska 1995:20). Sie nennt im Einzelnen sieben Kriterien:

Unmittelbare Betroffenheit: materiell (z.B. steigende Ölpreise), körperlich (hohe Ozonwerte), oder immateriell (ein Flughafen in einer bislang ruhigen Gegend beeinträchtigt die Lebensqualität der Anwohner).

Mittelbare Betroffenheit: Terror gegen Ausländerunterkünfte verweist darauf, dass sich ein politisches Klima, in dem dies toleriert wird, nicht durchsetzen darf.

Geographische Nähe: Der Absturz eines Sportflugzeugs ohne Personenschaden in der Nähe von Aachen ist ein Aufmacher in der dortigen Lokalzeitung, aber nur eine größere Meldung in Hamburg oder Leipzig. Ein solches Unglück in Indien ist in allen drei Städten ebenfalls eine kurze Meldung, wenn es Tote gab.

Kulturelle Nähe: Eine verunglückte Reisegruppe in Nepal wird zur Nachricht, wenn ein Deutscher unter den Verunglückten ist.

Sensationalität: Alles Außergewöhnliche, außerhalb der Norm Liegende. Darunter fallen Naturkatastrophen, schwere Unglücke, besondere Glücksfälle, sportliche Höchstleistungen, skurrile Ereignisse.

Prominenz: Die Heirat des Ministerpräsidenten ist eine Nachricht, ebenso wie der Streit im Königshaus.

Human Interest: Hierunter fallen alle Ereignisse, die keinen direkten Nutzwert oder konkrete Folgen haben, aber dennoch auf Interesse stoßen, weil sie unterhalten, Neugier befriedigen, Wissen erweitern, Gefühlsbewegungen auslösen, Ersatzbefriedigung ermöglichen, Aggressionen ableiten, Farbe in den Alltag bringen. Das Publikum reagiert emotional, ohne direkt betroffen zu sein. Themen sind Straftaten und Streit, Liebe, Sex und Leidenschaft, Glücks- und Unglücksfälle, Komisches, Forschung (vgl. Hruska 1995:20ff).

Es gibt praktisch kaum Berichterstattung über >>Normalität<<, denn diese besitzt keinen Nachrichtenwert.

Ergänzend sei an dieser Stelle bemerkt, dass auch die Zielgruppe der jeweiligen Redaktion bei der Nachrichtenauswahl eine Rolle spielt.

[...]


[1] Galtung, Johan und Ruge, Mari Holmboe1965: The Structure of Foreign News. The Presentation of Congo,

Cuba, and Cyprus Crises in Four Norwegian Newspapers. In: Journal of Peace Research, vol. 2, 1965.

[2] Schulz, Winfried 1976: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Analyse der aktuellen

Berichterstattung. Freiburg/ München.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Bild des Ausländers in der deutschen Presse
Untertitel
Zur Rolle der Nachrichtenauswahl in der Meinungsbildung
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Soziologie)
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V24319
ISBN (eBook)
9783638272186
ISBN (Buch)
9783638759946
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bild, Ausländers, Presse, Meinungsbildung, Mediensoziologie
Arbeit zitieren
Katharina Hartenstein (Autor), 2003, Das Bild des Ausländers in der deutschen Presse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24319

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