Berlin Alexanderplatz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

12 Seiten, Note: 15/20


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Autor: Alfred Doeblin

3. Der Regisseur: Phil Jutzi

4. Der Hauptdarsteller: Heinrich George

5. Historischer Kontext

6. Technische Mittel
6.1. Ton
6.2. Musik
6.3. Kamera
6.4. Kostuem und Dekoration
6.5. Beleuchtung

7. humoristische Elemente

8.Symbole

9.Zusammenfassung

1. Einleitung

Der Film «Berlin Alexanderplatz - die Geschichte vom Franz Biberkopf» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alfred Doebel, der im Jahr 1929 erschien.

Es ist die Geschichte eines Transportarbeiters, der aus der Strafanstalt Tegel entlassen wird, und nun als ehrlicher Mann ein „neues“ Leben beginnen moechte.

Alfred Doeblin hat in seinem Roman das Leben des Berliner Milieus beschrieben. Das Berlin der zwanziger Jahre dient als Schauplatz des Geschehens. „Hier wurde kein Einzelschicksal analysiert. Das kollektive Geschehen, das Allgemeine einer menschlichen Situation erfuhr eine gueltige dichteresche Gestaltung. Das Werk zaehlt zu den grossen Epen unserer Zeit.“[1]

Das Drehbuch zum Film ist ebenfalls von Alfred Doeblin enstand aber in Zusammenarbeit mit Hans Wilhelm und Karl Heinz Martin, der fuer die Dialog-Regie verantwortlich war.

Diese Arbeit wird den Film „Berlin Alexanderplatz“ behandeln, in dem sie sich zuerst den Kurzbiographien des Romanautor, des Regisseur und des Hauptdarstellers zuwendet. Des weiteren versucht sie eine Einordnung in den historischen Kontext und analysiert dann die technischen Mittel. Zum Abschluss wird die Wirkung und Kritik des cineastischen Werkes dargestellt.

2. Der Autor: Alfred Doeblin

Alfred Doeblin wurde am 10. August 1878 in Stettin, dem heutigen Szczecin in Polen, geboren. Mit seinem Erzählband «Die Ermordung einer Butterblume» und den Romanen: «Die drei Sprünge des Wang-Lun» (1915), «Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine» (1918) und «Wallenstein» (1920) wurde er zu einem der fuehrenden Vertreter der expressionistischen Literatur. Im Alter von 40 Jahren trat Doeblin in die USPD (Unabhaengige Sozialistische Partei Dtl.) ein, die sich im April 1917 gruendete und sich gegen eine Fortsetzung des 1. Weltkrieges aussprach. 3 Jahre spaeter wechselte er dann zur SPD. Der Autor laesst sich also politisch „links“ einordnen. Sein Roman „Berlin Alexanderplatz“ wurde 1929 veroeffentlicht und etablierte ihn zu einem der populaersten Autoren der Weimarer Republik. Die Authentizitaet des Romans ergibt sich aus Doeblins Erfahrungen im Arbeits- und Privatleben. „Mein aerztlicher Beruf hat mich mit vielen Kriminellen zusammengebracht. […] Von da kam manches Interessantes und Sagenswertes. Dann etwas anderes. Ich kenne den Berliner Osten seit Jahrzehnten, weil ich hier aufgewachsen bin, zur Schule ging, spaeter hier auch meine Praxis begann. Hier sah ich nun einen interessanten und so ueberaus wahren und noch nicht ausgeschriebenen Schlag von Menschen.“[2] Ein Jahr spaeter arbeitete Doeblin mit am Drehbuch fuer die Verfilmung seiner Romanvorlage unter der Regieleitung von Phil Jutzi. Der Film hatte fuer Doeblin eine ungeheure Realitaet. Aus diesem Grund stellte er auch den Anspruch an dieses Metier, kulturelle Aktualitaeten zu bringen und in soziale Dinge einzugreifen. Doeblin sah es fuer notwendig am Film mitzuarbeiten, da man das Material nicht dem „Filmann“ ueberlassen kann. Der Autor musste aber offen sein. „Der Autor muss mitarbeiten und dabei jemand haben, der ihm neue Vorhaenge aufreisst. Nur der veraenderte Autor kann den Film veraendern.“[3]

Doeblins Schaffenskraft laesst in den letzten Lebensjahren aufgrund auftretener Krankheiten immer mehr nach. Er stirbt am 26. Juni 1957 in Emmendingen im Breisgau.

3. Der Regisseur: Phil Jutzi

Phil Jutzi wurde am 22.Juli1896 in Alt-Leiningen bei Grünstadt/Pfalz geboren und verstirbt am 01.Mai 1946 in Neustadt an der Weinstraße.

Seit 1919 war er Kameramann und spaeter Regisseur und Drehbuchautor. Er lernte sein Handwerk mit Detektiv- und Wildwestfilmen bei der Internationalen Film-Industrie GmbH, Heidelberg. Spaeter arbeitete er dann fuer Prometheus Film-Verleih und Vertriebs GmbH, fuer die er vor allem filmische Reportagen von Demonstrationen und Auseinandersetzungen von Staatsgewalt und linker Opposition drehte.

„Jutzi, der als Regisseur schlichter Unterhaltungsware begonnen hat, wird ab Mitte der 20iger Jahre zum fuehrenden Regisseur des proletarischen Films.“[4] Sein kuenstlerisch und finanziell groesster Erfolg war „Mutter Krausens Fahrt ins Glueck“.

1933 trat Jutzi nachdem er von der KPD enttaeuscht war in die NSDAP ein, dennoch verboten die Nationalsozialisten seine Filme.

Seine Arbeitsbedingungen wurden erheblich erschwert und er drehte fast ausschliesslich Kurzfilme, oder arbeitete als Kameramann an Fernsehproduktionen.

„Berlin Alexanderplatz“ war fuer Phil Jutzi der erste Tonfilm. Seine Einstellung zum Tonfilm aeusserte er folgendermassen: „Im Anfang war das Bild! Film war - ist - und wird Bild bleiben. Der Ton kam zu ihm. (…) Film ist das Resultat eines Zusammenspiels verschiedenster Instrumente. (…) Der Ton darf auf keinen Fall den Ton angeben.“[5]

Dennoch wurde Berlin Alexanderplatz als einer der besten deutschen Tonfilme bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Der Hauptdarsteller: Heinrich George

Ueber zwei Jahrzehnte lang war er einer der groessten deutschen Schauspieler, für viele gar der groesste. Heinrich George, der am 09. Oktober 1893 in Stettin geboren wurde, spielte ab 1912 auf den Bühnen seiner Heimatstadt. 11 Jahre spaeter war George bereits Ensemblemitglied am preussischen Staatstheater und uebernahm 1927 die Regieleitung. Durch seine Helden und Charakterdarstellungen in zahlreichen klassischen Inszenierungen stieg er zu einem der renomiertesten Schauspieler der Weimarer Republik auf. Politisch stand George der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) nahe, auf deren Kundgebungen er gelegentlich als Redner auftrat. Er war unter anderem einer der Organisatoren eines von der KPD mitgetragenen Schauspielerstreiks. Seine erste bedeuetende Rolle spielte er in dem von Fritz Lang inszenierten Stummfilm "Metropolis". Als Hauptdarsteller in „Berlin Alexanderplatz“ etablierte er sich mit der Figur des Franz Biberkopf als eine der fuehrenden Persoenlichkeiten des deutschen Films. Nach der Machtuebernahme der Nationalsozialisten wurde George aufgrund seiner politischen Einstellung kurzzeitig vom Spielbetrieb des Staatstheaters ausgeschlossen. Er arrangierte sich allerdings mit dem NS-Regime und stellt sich als populaeres Leinwandidol in den Dienst der NS-Propaganda. George spielt in dem ersten von den Nationalsozialisten finanzierten Spielfilm "Hitlerjunge Quex" einen Kommunisten, der sich zu einem überzeugten Anhaenger des Nationalsozialismus wandelt. Er spielte Hauptrollen in notorischen Propagandafilmen wie „Jud Süß“ und „Kolberg“. Schließlich wurde er als Staatsschauspieler ausgezeichnet und bekam die Intendanz des Berliner Schillertheaters uebertragen. Nach Kriegsende wird Heinrich George als Repraesentant der nationalsozialistischen Kulturpolitik vom sowjetischen Geheimdienst verhaftetet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und starb ein Jahr spaeter an den Haftbedingungen. Dennoch war George nie Mitglied irgendeiner Parteiorganisation der NSDAP. Im Jahr 1998 wurde Heinrich George von den Russen aus diesem Grund offiziell rehabilitiert. George hatte sich sehr fuer den Film „Berlin Alexanderplatz“ eingesetzt. Er wollte unbedingt die Hauptrolle spielen. „Als aber ploetzlich der Mann Biberkopf, von Doeblin so meisterhaft gezeichnet vor mir stand, liess ich das Buch nicht mehr aus der Hand. In wenigen Tagen gewann ich diesen Mann lieb und ploetzlich stand es klar vor mir: du musst diesen Menschen, diesen dramatisch noch ergreifenden Kampf in der Freiheit, durcherleben und spielen.“[6]

Er verhandelte mit verschiedenen grossen Filmgesellschaften, aber niemand war an der Verfilmung „Berlin Alexanderplatz“ interessiert. Letztendlich konnte er dann den Produzenten Arnold Pressburger von seinem „Projekt“ ueberzeugen. Und so kam die „Geschichte des Franz Biberkopfs auf die Leinwand.

[...]


[1] Doeblin, Alfred, Berlin Alexanderplatz. Klappentext. Muenchen. 2000

[2] Matzkowski, Bernd, Erlaeuterungen zu Alfred Doeblin. Hollfeld. 1998, S.12

[3] Berlin Alexanderplatz: Drehbuch von Alfred Doeblin und Hans Wilhelm. Filmtext. Muenchen. 1996, S.237

[4] Berlin Alexanderplatz: Drehbuch von Alfred Doeblin und Hans Wilhelm. Filmtext. Muenchen. 1996, S.215

[5] Berlin Alexanderplatz: Drehbuch von Alfred Doeblin und Hans Wilhelm. Filmtext. Muenchen. 1996, S.214

[6] Berlin Alexanderplatz: Drehbuch von Alfred Doeblin und Hans Wilhelm. Filmtext. Muenchen. 1996, S.214

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Berlin Alexanderplatz
Hochschule
Université Sorbonne Nouvelle Paris III  (Institut d'allemand)
Note
15/20
Autor
Jahr
2003
Seiten
12
Katalognummer
V24323
ISBN (eBook)
9783638272216
Dateigröße
1021 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berlin, Alexanderplatz
Arbeit zitieren
Andrea Krumnow (Autor), 2003, Berlin Alexanderplatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24323

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