„In der modernen Gesellschaft sind Selbstvertrauen und sozialer Status untrennbar mit unserer Arbeit und unserem Einkommen verbunden“.
(Robert Solow, zit. n. Uchatius 2003)
Um ein Land wie Deutschland mit einem Wort zu beschreiben, wählen Sozialforscher den Begriff der Arbeitsgesellschaft. Arbeit, genauer gesagt Erwerbsarbeit, dient in der heutigen Gesellschaft als zentrales Identifikationsobjekt, mit dem man sich nach außen hin präsentieren kann und welches nach innen zum Rückgrat der Lebensführung wird. Menschen schreiben ihren Beruf in Todesanzeigen, mitunter auf Grabsteine und fragen einander beim Kennenlernen nach einer kurzen Weile: „Und, was machen Sie beruflich?“ Seit Anfang der 70er Jahre lässt sich jedoch ein tief greifender Umbruch in der Arbeitsgesellschaft beobachten. Fast fünf Millionen Menschen sind als arbeitslos registriert und es hat nicht den Anschein, dass der Strukturwandel nur von kurzer Dauer sein wird bzw. Vollbeschäftigung überhaupt noch erreicht werden kann. Es stellt sich daher die Frage, welche Ursachen und Folgen sich mit diesem Wandel verbinden lassen und ob bzw. wie die Krise der Arbeitsgesellschaft überwunden werden kann. Im Folgenden soll zunächst jedoch die historische Entwicklung und die heutige Struktur der Arbeitsgesellschaft skizziert werden, da sie zum Verständnis des gegenwärtigen Umbruchs wichtige Erkenntnisse liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Arbeitsgesellschaft
2.1. Die Geschichte der Arbeit
2.2. Grundstruktur der Arbeitsgesellschaft
3. Die Krise der Arbeitsgesellschaft
3.1. Massenarbeitslosigkeit und Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
3.2. Folgen
3.3. Ursachen
4. Zukunft der Arbeitsgesellschaft
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel der modernen Arbeitsgesellschaft. Das primäre Ziel besteht darin, die Ursachen und gesellschaftlichen Folgen der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses sowie der anhaltenden Massenarbeitslosigkeit zu analysieren und mögliche Zukunftsperspektiven für die Arbeitsgesellschaft zu erörtern.
- Historische Entwicklung des Arbeitsbegriffs und der Erwerbsarbeit
- Strukturelle Merkmale und Funktionen der Arbeitsgesellschaft
- Ursachen für den Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit und den Strukturwandel
- Individuelle und gesellschaftliche Folgen von Arbeitslosigkeit
- Diskussion von Alternativkonzepten zur reinen Erwerbsarbeitsgesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Geschichte der Arbeit
Arbeit kann generell als die Summe aller körperlichen und geistigen Tätigkeiten des Menschen zur Herstellung von knappen, d.h. begehrten Gütern und Dienstleistungen definiert werden. Von Erwerbstätigkeit lässt sich dann sprechen, wenn diese Tätigkeiten gegen ein Entgelt erfolgen. (vgl. Rürup 1994, S. 35) Der gesellschaftliche Stellenwert von Arbeit unterlag im geschichtlichen Verlauf starken Schwankungen. Zum Beispiel war das Verständnis von Arbeit zunächst sehr eingeschränkt, da als Arbeit zunächst die körperliche schwere Arbeit galt. Insbesondere in der Antike umschrieb man mit Arbeit minderwertige Tätigkeiten und wies die zur Versorgung und zur Sicherung des Lebens notwendigen Aktivitäten Sklaven zu, da sie eines adligen und gebildeten Bürgers nicht würdig waren. Keine Arbeit, sondern als Ausdruck des guten Lebens galt die Beschäftigung mit Reden und Feiern, Sport, Kunst und Wissenschaft, Politik und Kriegsführung.
Über viele Jahrhunderte blieb die in der Antike begründete Trennung zwischen „denen, die arbeiten (müssen) und „denen, die nicht arbeiten (müssen)“ der Schlüssel der sozialen Klassenbildung. (vgl. Eickelpasch 1999, S. 144) In der europäischen Stadt des Mittelalters und der Frühen Neuzeit gewann Arbeit dann an Aufwertung und löste sich ein Stück weit aus ihrer früher dominanten Verbindung zu Kampf, Not und Mühsaal. Zum einen war ehrbare Arbeit nun Basis genossenschaftlicher Vergesellschaftung, z.B. in Form von Zünften, und mit Freiheit und Stadtbürgerrecht positiv verknüpft, zum anderen weitete sich der Arbeitsbegriff zunehmend auch auf geistige Anstrengungen aus, z. B. auf Tätigkeiten im Kontor und in der Kanzlei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Erwerbsarbeit als zentrales Identifikationsobjekt ein und skizziert den tief greifenden Umbruch der Arbeitsgesellschaft seit den 1970er Jahren.
2. Die Arbeitsgesellschaft: Dieses Kapitel behandelt die historische Evolution des Arbeitsbegriffs sowie die strukturelle Dichotomisierung zwischen Erwerbsarbeit und Eigenarbeit in der modernen Gesellschaft.
3. Die Krise der Arbeitsgesellschaft: Hier werden die Ursachen und Folgen der zunehmenden Massenarbeitslosigkeit und der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses detailliert analysiert.
4. Zukunft der Arbeitsgesellschaft: Dieses Kapitel diskutiert kritische Visionen und Lösungsansätze wie das Modell der Bürgerarbeit im Hinblick auf eine mögliche Transformation hin zu einer pluralen Tätigkeitsgesellschaft.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion über das dominierende Marktprinzip angesichts des sozioökonomischen Wandels.
Schlüsselwörter
Arbeitsgesellschaft, Erwerbsarbeit, Normalarbeitsverhältnis, Massenarbeitslosigkeit, Strukturwandel, Sockelarbeitslosigkeit, Eigenarbeit, Bürgerarbeit, Arbeitsmarkt, Globalisierung, soziale Sicherung, Arbeitsplatzsicherheit, Tätigkeitsgesellschaft, demographischer Wandel, Sozialstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der modernen Arbeitsgesellschaft, insbesondere mit der Krise der Erwerbsarbeit und ihren Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung von Arbeit, die Struktur der Arbeitsgesellschaft, die Ursachen der Massenarbeitslosigkeit sowie zukünftige gesellschaftliche Organisationsformen von Tätigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Strukturwandel des Arbeitsmarktes zu verstehen und zu hinterfragen, ob das Modell der Vollbeschäftigung in der heutigen Zeit noch tragfähig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine soziologische Perspektive und greift auf Literaturanalysen sowie statistische Daten zurück, um theoretische Konzepte mit empirischen Entwicklungen zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Wandels, die Analyse der aktuellen Krisenerscheinungen wie Arbeitslosigkeit und die kritische Diskussion von Lösungsansätzen für die Zukunft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Arbeitsgesellschaft, Normalarbeitsverhältnis, Erwerbsarbeit, Strukturwandel und soziale Anerkennung.
Warum wird das Normalarbeitsverhältnis als "erodierend" beschrieben?
Die Arbeit verdeutlicht, dass durch Zunahmen von Teilzeit- und Zeitarbeit eine Abkehr vom Ideal der stabilen, lebenslangen Vollzeitbeschäftigung stattfindet, was zu Status- und Existenzunsicherheiten führt.
Welche Rolle spielt das Konzept der "Bürgerarbeit"?
Bürgerarbeit wird als theoretisches Modell vorgestellt, in dem Menschen sich neben der Erwerbsarbeit verstärkt in gemeinwohlorientierten Feldern engagieren, um soziale Teilhabe unabhängig vom traditionellen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
- Quote paper
- Simon Pietschmann (Author), 2004, Die Krise der Arbeitsgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24399