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Die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik während des Zweiten Weltkrieges am Beispiel der besetzten osteuropäischen Länder

Title: Die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik während des Zweiten Weltkrieges am Beispiel der besetzten osteuropäischen Länder

Diploma Thesis , 2001 , 91 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Jörg Venderbosch (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Summary Excerpt Details

Die nationalsozialistische Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik während des Zweiten
Weltkrieges kann mit einem einzigen Begriff treffend charakterisiert werden. Er lautet:
Selektion. Die Bevölkerung Osteuropas wurde in drei Gruppen selektiert, in jene, die zu
Deutschen erklärt wurden und später in ökonomischer Hinsicht als Siedler privilegiert werden
sollten, in jene, die unter sklavenartigen Bedingungen für deutsche Interessen arbeiten sollten
und in jene, die durch mangelnde Versorgung oder in Vernichtungslagern ermordet wurden. Es
entstanden gigantische Pläne, die die Besiedlung weiter Teile Osteuropas mit Deutschen oder
angeblich Deutschstämmigen vorsahen. Diese wurden allerdings während des Krieges
weitgehend nicht in die Tat umgesetzt. Millionen Menschen wurden schon während des
Krieges größtenteils mit physischer Gewalt gezwungen, unter sklavenartigen Bedingungen als
sog. Fremdarbeiter im Altreich zu arbeiten. Hunderttausende Menschen wurden in Ghettos
oder Kriegsgefangenenlagern durch bewußt unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln und
Brennstoffen umgebracht. Millionen Menschen wurden in Todesfabriken vergast, deren
einziger Zweck es war, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu ermorden.
Entsprechend hoch war die Zahl der Todesopfer. Mehr als 3 Millionen christliche Polen und
etwa ebensoviel jüdische Polen verloren ihr Leben. Nur ein ganz geringer Teil von ihnen kam
in den erbitterten Verteidigungskämpfen um; die meisten starben durch die Politik, die die NSBesatzungsbehörden
betrieben. Noch höher war die Zahl der Toten in der besetzten
Sowjetunion. Der sowjetische Historiker Alexandr Kvasa geht von insgesamt 26 bis 27
Millionen Menschen aus, die durch Kriegseinwirkungen getötet wurden.1 Hervorzuheben ist,
daß diese Menschen keineswegs aufgrund einer Notsituation, die durch den Krieg entstand,
umkamen, sondern daß es sich um eine bewußte Politik oder besser gesagt um Massenmord
handelte.
Die Nationalsozialisten sprachen also ganz offensichtlich – aus welchen Gründen auch immer –
ganzen Bevölkerungsgruppen – Juden und großen Teilen der Russen und Polen – ein Recht
auf Leben ab. Es ist deshalb gerechtfertigt von einer „Vernichtungspolitik“ zu sprechen. Diese
Vernichtungspolitik stand im fundamentalen Gegensatz zu dem bereits gegen Ende des 18.
Jahrhunderts in zahlreichen Bürger- und Menschenrechtserklärungen verkündeten Recht auf
Leben. [...]
1 Vgl. Hass, Weltkrieg – Okkupation – Genozid, S. 245

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Die Thematik

1.2. Forschungsstand

1.3. Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit

2. Bevölkerungspolitik und Bevölkerungstheorien

3. Die ideologischen Grundlagen

4. Die Ziele der NS-Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in Osteuropa

4.1. Die geplante Nachkriegsordnung

4.2. Die angestrebte Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Polen

4.3. Die nationalsozialistischen Hungerpläne für die UdSSR

4.4. Die kriegswirtschaftliche Funktion Osteuropas

5. Die räumliche Aufteilung des besetzten Osteuropas: „Mustergaue“, Abschiebegebiete, Vernichtungszonen

5.1. Polen

5.1.1. Angeschlossene Gebiete

5.1.2. Das Generalgouvernement

5.2. Die Sowjetunion

6. Selektion

6.1. Das Nationalitätenprinzip

6.2. Siedler

6.2.1. Ansiedlung von Reichsdeutschen

6.2.2. „Regermanisierung“

6.3. Versklavung

6.4. Vertreibungen

6.5. Vernichtungspolitik

6.5.1. Vernichtung der Nicht-Arbeitenden

6.5.2. Vernichtung der Führungs- und Intelligenzschicht

6.5.3. Die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung / Sinti und Roma

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in den besetzten osteuropäischen Ländern während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, inwieweit die NS-Ideologie sowie rationale politische und ökonomische Ziele die grausamen Maßnahmen – von der Selektion und Versklavung bis hin zum Massenmord – determinierten.

  • Rolle der NS-Ideologie und Bevölkerungstheorien bei der Planung und Umsetzung von Vertreibungen und Morden.
  • Wirtschaftspolitische Ziele in Polen und der Sowjetunion, insbesondere im Kontext von Subsistenzwirtschaft und kriegswirtschaftlichem Bedarf.
  • Die räumliche Aufteilung des besetzten Raums in „Mustergaue“, Abschiebegebiete und Vernichtungszonen.
  • Kriegswirtschaftliche Auswirkungen und der Konflikt zwischen rassischer Vernichtung und dem Bedarf an Arbeitskräften.

Auszug aus dem Buch

1.1. Die Thematik

Die nationalsozialistische Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik während des Zweiten Weltkrieges kann mit einem einzigen Begriff treffend charakterisiert werden. Er lautet: Selektion. Die Bevölkerung Osteuropas wurde in drei Gruppen selektiert, in jene, die zu Deutschen erklärt wurden und später in ökonomischer Hinsicht als Siedler privilegiert werden sollten, in jene, die unter sklavenartigen Bedingungen für deutsche Interessen arbeiten sollten und in jene, die durch mangelnde Versorgung oder in Vernichtungslagern ermordet wurden. Es entstanden gigantische Pläne, die die Besiedlung weiter Teile Osteuropas mit Deutschen oder angeblich Deutschstämmigen vorsahen.

Millionen Menschen wurden in Todesfabriken vergast, deren einziger Zweck es war, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu ermorden. Entsprechend hoch war die Zahl der Todesopfer. Mehr als 3 Millionen christliche Polen und etwa ebensoviel jüdische Polen verloren ihr Leben. Nur ein ganz geringer Teil von ihnen kam in den erbitterten Verteidigungskämpfen um; die meisten starben durch die Politik, die die NS-Besatzungsbehörden betrieben. Hervorzuheben ist, daß diese Menschen keineswegs aufgrund einer Notsituation, die durch den Krieg entstand, umkamen, sondern daß es sich um eine bewußte Politik oder besser gesagt um Massenmord handelte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung des Forschungsgegenstandes und der methodischen Herangehensweise an das komplexe Thema der NS-Vernichtungspolitik.

2. Bevölkerungspolitik und Bevölkerungstheorien: Analyse der theoretischen Grundlagen, die der Bevölkerungspolitik zugrunde liegen, und deren Reduzierung von Menschen auf ökonomische Variablen.

3. Die ideologischen Grundlagen: Untersuchung von Rassismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus als treibende ideologische Kräfte des Nationalsozialismus.

4. Die Ziele der NS-Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in Osteuropa: Erörterung der territorialen Ziele und der wirtschaftlichen Umgestaltung im besetzten Osteuropa.

5. Die räumliche Aufteilung des besetzten Osteuropas: „Mustergaue“, Abschiebegebiete, Vernichtungszonen: Analyse der unterschiedlichen Behandlung der besetzten Gebiete, insbesondere Polen und der Sowjetunion.

6. Selektion: Detaillierte Untersuchung der praktischen Durchführung der Bevölkerungspolitik durch Eindeutschung, Versklavung und direkte Vernichtungsmaßnahmen.

7. Fazit: Zusammenführende Betrachtung des Zusammenspiels von Ideologie und ökonomischen Kalkülen im Rahmen des NS-Massenmords.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Vernichtungspolitik, Bevölkerungspolitik, Selektion, Osteuropa, Rassenideologie, Holocaust, Zwangsarbeit, Kriegsökonomie, Siedlungspolitik, Generalplan Ost, Hungerpläne, Generalgouvernement, Sozialdarwinismus, Zweiter Weltkrieg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in den besetzten osteuropäischen Gebieten und untersucht das Zusammenspiel von ideologischen Zielen und ökonomischen Interessen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte der „Selektion“, die ideologischen Grundlagen (Rassismus, Antisemitismus), die wirtschaftlichen Pläne für Osteuropa sowie die praktischen Umsetzungsmethoden wie Vertreibung, Zwangsarbeit und systematischer Massenmord.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist es zu ergründen, welche Rolle ideologische Motive gegenüber ökonomischen und pragmatischen Überlegungen bei der NS-Vernichtungspolitik spielten und ob ein Widerspruch zwischen Weltanschauung und Kriegswirtschaft existierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Quellen- und Literaturanalyse, wobei der Forschungsstand zum Holocaust und zur NS-Besatzungspolitik kritisch hinterfragt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ideologischen Grundlagen, der spezifischen Ziele in Polen und der UdSSR, die räumliche Aufteilung der Besatzungsgebiete sowie die detaillierte Analyse der Selektions-, Versklavungs- und Vernichtungsmechanismen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Schlüsselbegriffe sind hier vor allem „Selektion“, „Vernichtungspolitik“, „Generalplan Ost“ sowie „Kriegsökonomie“.

Inwiefern unterschied sich die Behandlung von Polen und der Sowjetunion?

Polen war als Siedlungsgebiet für Deutsche vorgesehen, was mit dem Ziel einer ethnischen Neuordnung verbunden war, während die Sowjetunion primär als Rohstoffquelle diente, wobei die Bevölkerung dort als „überflüssig“ für die deutschen Zwecke angesehen und gezielt dem Hunger ausgesetzt wurde.

Wie bewertet der Autor die ökonomischen Motive hinter dem Massenmord?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ökonomische Kalküle und NS-Ideologie keine Gegensätze bildeten, sondern sich ergänzten; die Vernichtung war ein rassistisch legitimiertes Mittel zur Durchsetzung wirtschaftspolitischer und imperialistischer Ziele.

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Details

Title
Die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik während des Zweiten Weltkrieges am Beispiel der besetzten osteuropäischen Länder
College
University of Bremen  (Studiengang Politikwissenschaft)
Grade
sehr gut
Author
Jörg Venderbosch (Author)
Publication Year
2001
Pages
91
Catalog Number
V24499
ISBN (eBook)
9783638273626
Language
German
Tags
Vernichtungs- Bevölkerungspolitik Zweiten Weltkrieges Beispiel Länder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jörg Venderbosch (Author), 2001, Die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik während des Zweiten Weltkrieges am Beispiel der besetzten osteuropäischen Länder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24499
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