Da im Unterschied zur herkömmlichen Diagnostik, die mit zahlreichen Testangeboten versuchte
den Grad der Intelligenz von Schülerinnen und Schülern zu messen, um dann eine entsprechende
Schulart für sie festzulegen, die sonderpädagogische Förderdiagnostik ihr Auge nmerk
zum größten Teil auf das Individuelle und Spezifische jedes Schülers richtet, um dann
einen „individuellen“ Förderplan zu erstellen, reicht für diese Diagnostik nicht mehr allein die
Testmethode, sondern es werden andere das Individuum berücksichtigende Methoden gebraucht.
Eine der wichtigsten Methoden dazu ist die Beobachtung von Schülerinnen und Schülern, um
besser beurteilen zu können, was diese wirklich können und was sie brauchen, um dies zu können.
Aus diesem Grunde ist es äußerst wichtig für eine Lehrerin oder einen Lehrer des sonderpädagogischen
Metiers, sich mit dem Phänomen der Beobachtung samt seiner Möglichkeiten
und Probleme zu befassen, was ich in dieser Hausarbeit und dem vorangegangenen Referat tun
möchte.
Dafür werde ich auf grundlegende allgemein- theoretische Aspekte der Beobachtung und ihrer
Bedeutung eingehen, weiter die Beobachtung als Methode des Fremdverstehens beschreiben
und dann auf Methoden und Möglichkeiten der Beobachtung eingehen. Außerdem möchte ich
dann noch versuchen, den Zusammenhang zwischen Beobachtung und Beurteilung aufzuzeigen,
Möglichkeiten der Beobachtung im pädagogischen Alltag zu finden und einige Schwierigkeiten
der Beobachtung und Beobachtungsfehler nennen.
Gliederung
0. Einleitung
0. Allgemeines
0.0. Definitionen
0.0. Bedeutung von Beobachtung
0. Beobachtung als Methode des Fremdverstehens
0. Beobachtungsmethoden, -schemata und –formen
0.0. Gliederungskategorien
0.0.0. Anlass der Beobachtung
0.0.0. Die Richtung der Beobachtung
0.0.0. Die Distanz der Beobachtung
0.0.0. Die Offenheit der Beobachtung
0.0.0. Die Strukturiertheit der Beobachtung
0.0.0. Der Ort der Beobachtung
0.0.0. Die Zeit der Beobachtung
0.0.0. Die Kodierung der Beobachtung
0.0. Arten der Protokollierung
0.0.0. Die Mitschrift – Die Video-Aufzeichnung
0.0.0. Die spezifische Beschreibung
0.0.0. Der Mehrkanalschreiber
0.0.0. Gedächtnisniederschriften
3.1.3.0. Das Gedächtnisstichwortprotokoll
3.1.3.0. Die reflektierende Beschreibung
3.1.3.0. Das Verlaufsprotokoll
3.1. Kodierungssysteme
4. Beobachtung und Beurteilung
4.0. Vier Stufen des Urteilsbildungsprozess
4.0.0. Das Wahrnehmungsurteil
4.0.0. Das Vorausurteil
4.0.0. Das Urteil
4.0.0. Die Abschließende Beurteilung
4. Beobachtung im pädagogischen Alltag
4.0. Berücksichtigungspunkte bei der unterrichtlichen Beobachtung
4.0. Beobachtungsmöglichkeiten im Unterricht
4. Beobachtungsschwierigkeiten und -fehler
4.0. Beobachtungsfehler
4.0.0. Der Halo-Effekt oder Hof-Effekt
4.0.0. Der Milde-Effekt und Strenge-Effekt
4.0.0. Der Rosenthal-Effekt oder die self-fulfilling-prophecy
4. Literatur
Anhang
Tabelle 1: Kategorien und Modi der Beobachtung
Tabelle 2: Protokollierungsmodi
Graphik 1: Der Urteilsbildungsprozess
Zielsetzung und thematischer Fokus
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Beobachtung als essenzielle diagnostische Methode in der sonderpädagogischen Förderdiagnostik. Das primäre Ziel ist es, Lehrkräften theoretische Grundlagen sowie praktische Ansätze für eine methodisch kontrollierte Beobachtung von Schülerinnen und Schülern im pädagogischen Alltag an die Hand zu geben, um individuelle Förderbedarfe präziser erfassen zu können.
- Grundlagen der Beobachtung als Methode des Fremdverstehens
- Strukturierung von Beobachtungsformen und Protokollierungstechniken
- Zusammenhang zwischen Beobachtung und diagnostischer Urteilsbildung
- Praktische Umsetzung der Beobachtung im pädagogischen Schulalltag
- Reflexion von Beobachtungsfehlern und Schwierigkeiten in der Praxis
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung von Beobachtung
Die Beobachtung hat in den verschiedensten alltäglichen und wissenschaftlichen Bereichen auch unterschiedliche Bedeutungen. So ist Beobachtung für alle Menschen das zentrale Medium des menschlichen Sich-zurecht-finden, Handeln und Erkennen bzw. Verstehen. Aber weiter ist Beobachtung auch eine Methode der empirischen Forschung – im Labor wie auch im Feld – und stellt so eine starke Verbindung zwischen Sozial- und Naturwissenschaften.
Und ganz wichtig für den Inhalt dieser Hausarbeit ist, dass Beobachtung ebenso die zentrale Methode zum Sammeln diagnostischer Informationen ist. Dafür wurde Beobachtung auch zum spezielleren Konzept der „Verhaltensbeobachtung“ ausgebaut und meint dabei „die planmäßige Erfassung sinnlich wahrnehmbarer Tatbestände, wobei der Forscher dem Untersuchungsobjekt gegenüber eine rezeptive Haltung einnimmt.“ (KÖNIG, 1967)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Notwendigkeit der Beobachtung als diagnostische Methode in der sonderpädagogischen Arbeit und definiert das Ziel der Hausarbeit.
2. Allgemeines: Dieses Kapitel liefert grundlegende Definitionen und erörtert die Bedeutung der Beobachtung als wissenschaftliche und alltägliche Methode.
3. Beobachtung als Methode des Fremdverstehens: Hier wird die Beobachtung als Instrument zur Erschließung der Sinnstrukturen und Deutungsmuster von Schülerinnen und Schülern beschrieben.
4. Beobachtungsmethoden, -schemata und –formen: Das Kapitel bietet einen Überblick über Gliederungskategorien und verschiedene Arten der Protokollierung, wie etwa die Mitschrift oder das Verlaufsprotokoll.
5. Beobachtung und Beurteilung: Es wird der Prozess der diagnostischen Urteilsbildung erläutert, von der Wahrnehmung bis hin zur abschließenden Beurteilung.
6. Beobachtung im pädagogischen Alltag: Hier werden praxisnahe Methoden wie die minutenweise freie Beobachtung oder die Beobachtung in relevanten Situationen für den Schulalltag vorgestellt.
7. Beobachtungsschwierigkeiten und -fehler: Dieses Kapitel behandelt die Grenzen der Beobachtung, wie subjektive Verzerrungen, selektive Wahrnehmung und spezifische Beobachtungsfehler wie den Halo-Effekt.
Schlüsselwörter
Förderdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Beobachtungsmethode, Fremdverstehen, pädagogischer Alltag, Urteilsbildung, Protokollierung, Zeitprobetechnik, Intersubjektivität, diagnostisches Handeln, Beobachtungsfehler, Halo-Effekt, Rosenthal-Effekt, sonderpädagogischer Förderbedarf, Wahrnehmungsurteil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Beobachtung als einer zentralen diagnostischen Methode im sonderpädagogischen Kontext, um den Lernprozess und die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern besser verstehen zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Beobachtung, verschiedene Methoden der Protokollierung, der Prozess der Urteilsbildung sowie praktische Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lehrkräfte dabei zu unterstützen, Beobachtungen methodisch reflektiert einzusetzen, um fundierte, individuelle Förderpläne für Schülerinnen und Schüler zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung sonderpädagogischer Literatur, die durch methodische Strukturierung von Beobachtungsformen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Kategorien der Beobachtung, die verschiedenen Protokollierungsarten, den diagnostischen Urteilsbildungsprozess und die Herausforderungen durch Beobachtungsfehler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Förderdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Fremdverstehen, Urteilsbildung, diagnostische Kompetenz und verschiedene Beobachtungsfehler wie der Halo-Effekt.
Was ist der Unterschied zwischen der minutenweisen freien Beobachtung (MFB) und der Beobachtung in relevanten Situationen (BIRS)?
Die MFB basiert auf einer zeitlichen Taktung, um den Beobachter zu entlasten, während BIRS ein ökonomisches Verfahren ist, das zur gezielten Überprüfung von Hypothesen in spezifischen Situationen dient.
Wie lässt sich laut Autor der Einfluss von Beobachtungsfehlern minimieren?
Durch Intersubjektivität, den Austausch mit Kollegen sowie ein hohes Maß an Selbstreflexion und das Bewusstsein für eigene Vorannahmen und Wahrnehmungsfilter können Beobachtungsfehler reduziert werden.
- Quote paper
- Thomas Schrowe (Author), 2003, Beobachtung als eine Methode der Diagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24599