Die Aufgabe meiner Arbeit kommt in weiten Teilen der Gretchenfrage nahe: Wie steht es mit den bilanzpolitischen Einflußmöglichkeiten nach IFRS1? Sind sie größer oder kleiner als im HGB? Um dieser Frage gezielt nachzugehen, habe ich die Bereiche Wertansatz, Bewertung, Ermessensspielräume und die formellen Instrumente systematisch untergliedert und erörtert. Dabei ist mir aufgefallen, daß es Sachverhalte gibt, die explizit nur in einem RS angesprochen werden (Finanzinstrumente), der Sache nach sowohl Ansatz als auch Bewertung betreffen (latente Steuern) oder methodisch ganz unterschiedlich sind und viele Bereiche betreffen (Neubewertungsmethode versus fortgeführte AK/HK). Ich habe diese und weitere Spannungsfelder bestmöglichst aufgelöst und inhaltlich logisch zusammengeführt.
Die Tatsache, daß beide RS auch in unterschiedlichen Sprachen beheimatet sind, war kein Problem. Aber es hat mich viel Zeit gekostet terminologisch gleiche Sachverhalte, Prinzipien und Gegenstände in einen direkten Zusammenhang zu stellen, da es oft mehrere englische Terme für denselben deutschen Begriff gibt (so z.B. beim beizulegenden Wert). Um den Lesefluß zu stärken und Verwirrung schon im Vorfeld auszuräumen, habe ich in Anhang 2 eine terminologische Übersicht mit alphabetischer Sortierung nach den von mir verwendeten englischen Begriffen beigefügt.
Basierend auf der Annahme, daß das HGB im allgemeinen eher geläufig ist als die IFRS, habe ich an manchen Stellen deskriptive Elemente eingeschoben. So wird bei den PV und der Zeitbewertung erst kurz die internationale Vorgehensweise erläutert und dann eine vergleichende Betrachtung nachgeschoben. Eingearbeitet wurden auch zwei Studien, die zum einen den betrieblichen Umstellungsaufwand auf IFRS untersucht haben und zum anderen zeigen, wie deutsche IFRS-Bilanzierende mit den neuen Bedingungen umgehen. Dabei wird auch deutlich, welche Unterschiede in beiden Systemen in der Praxis relevant sind und welche Differenzen eher eine theoretische Daseinsberechtigung haben.
Die Gliederungspunkte 3 und 4 runden meine Arbeit ab, indem der für die Unternehmenspraxis relevante Kosten- und Zeitfaktor bzw. bilanztechnische Erleichterungsvorschriften im Rahmen einer Umstellung auf das internationale Regelwerk aufgezeigt werden.
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Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Aufbau der Arbeit
- Bedeutung der Themenstellung für die Praxis
- Problemstellung und Zielsetzung
- Bilanzpolitisches Instrumentarium
- Divergierende Zielsetzung
- Zeitliche Instrumente
- Formelle Instrumente
- Bestandteile des Jahresabschlusses je Rechnungslegungssystem
- Gliederungspolitische Differenzen
- Bilanzierungsgrundsätze und -fähigkeit
- Ausweistiefe und -breite in den Jahresabschlußbestandteilen
- Materielle Beeinflussung
- Ansatzunterschiede bei aktivischen Posten
- Immaterielle Vermögensgegenstände
- Derivativer Firmenwert
- Leasingverträge
- Disagio
- Finanzinstrumente
- Aufwendungen für Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebes
- Ansatzunterschiede bei passivischen Posten
- Unterschiede bei der Bewertung
- Wertansatzdifferenzen
- Vorratsvermögen
- Wertminderung von Vermögensgegenständen
- Pensionsrückstellungen bzw. Leistungen an Arbeitnehmer
- Methodische Unterschiede
- Rechnungsabgrenzungsposten
- Langfristige Auftragsfertigung
- Neubewertungskonzept versus Anschaffungskostenprinzip
- Latente Steuern
- Ermittlung und Abschreibung des derivativen Firmenwertes
- Wertansatzdifferenzen
- Ermessensspielräume
- Verfahrensspielräume
- Abschreibungsmöglichkeiten
- Bewertungsvereinfachungsverfahren
- Individualspielräume
- Schätzungsbedingte Freiheiten
- Auslegung von Vorschriften
- Bisher ungeregelte Sachverhalte
- Verfahrensspielräume
- Ansatzunterschiede bei aktivischen Posten
- Unterschiede bei erstmaliger und wiederholter Anwendung von IFRS
- Buchmäßige Abbildung der Umstellung und Anwendungsbereich
- Wahl des Übergangsverfahrens
- Gestaltungsperspektiven
- Zeitlicher und finanzieller Umstellungsaufwand
- Kritische Würdigung
- Gewinnausweispolitik
- Informationspolitik
- Ansatz- und Bewertungspolitik
- Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit zielt darauf ab, einen Vergleich zwischen IFRS und HGB in Bezug auf bilanzpolitische Maßnahmen zu erstellen. Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen beiden Rechnungslegungssystemen und beleuchtet die Auswirkungen dieser Unterschiede auf die Bilanzierungspraxis.
- Die verschiedenen Zielsetzungen von IFRS und HGB
- Die Auswirkungen der unterschiedlichen Regelungen auf die Gestaltung der Bilanz
- Die Möglichkeiten der Bilanzpolitik unter IFRS und HGB
- Die Herausforderungen bei der Umstellung von HGB auf IFRS
- Die Kritik an den unterschiedlichen Rechnungslegungssystemen
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problemstellung der Arbeit dar und beschreibt die Zielsetzung. Außerdem wird die Bedeutung der Themenstellung für die Praxis erläutert.
- Kapitel 2: Bilanzpolitisches Instrumentarium: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Instrumente der Bilanzpolitik, die sowohl unter IFRS als auch unter HGB zur Verfügung stehen. Es werden die Unterschiede in den Zielsetzungen, den zeitlichen Instrumenten, den formellen Instrumenten und den materiellen Beeinflussungen der Bilanzierung beleuchtet.
- Kapitel 3: Unterschiede bei erstmaliger und wiederholter Anwendung von IFRS: Dieses Kapitel befasst sich mit den Besonderheiten bei der erstmaligen und wiederholten Anwendung von IFRS. Es werden die buchmäßige Abbildung der Umstellung und die Wahl des Übergangsverfahrens behandelt. Außerdem werden die Gestaltungsperspektiven bei der Anwendung von IFRS diskutiert.
- Kapitel 4: Zeitlicher und finanzieller Umstellungsaufwand: Dieses Kapitel behandelt den zeitlichen und finanziellen Aufwand, der mit der Umstellung von HGB auf IFRS verbunden ist.
- Kapitel 5: Kritische Würdigung: Dieses Kapitel bietet eine kritische Würdigung der Ergebnisse der Arbeit. Es werden die verschiedenen Aspekte der Bilanzpolitik unter IFRS und HGB kritisch beleuchtet. Außerdem werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Rechnungslegungssysteme auf die Informationspolitik, die Gewinnausweispolitik und die Ansatz- und Bewertungspolitik analysiert.
Schlüsselwörter
IFRS, HGB, Bilanzpolitik, Rechnungslegungssysteme, Bilanzierung, Jahresabschluss, Ansatz, Bewertung, Umstellung, Gestaltung, Kritik, Informationspolitik, Gewinnausweispolitik
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptunterschiede zwischen IFRS und HGB in der Bilanzpolitik?
Die Unterschiede liegen vor allem in den Zielsetzungen (Gläubigerschutz beim HGB vs. Anlegerinformation bei IFRS) sowie in den Bewertungs- und Ermessensspielräumen.
Welche bilanzpolitischen Instrumente bietet das HGB?
Das HGB bietet durch das Vorsichtsprinzip mehr Möglichkeiten zur Bildung stiller Reserven und zur Beeinflussung des Gewinnausweises.
Wie wirkt sich die Umstellung auf IFRS auf den Firmenwert aus?
Unter IFRS wird der Firmenwert nicht planmäßig abgeschrieben, sondern einem jährlichen Impairment-Test (Werthaltigkeitsprüfung) unterzogen.
Welche Herausforderungen gibt es bei der Terminologie von IFRS?
Da IFRS in Englisch verfasst sind, gibt es oft mehrere Fachbegriffe für denselben deutschen Sachverhalt, was eine präzise Übersetzung erschwert.
Verringern IFRS die bilanzpolitischen Spielräume?
Die Arbeit zeigt, dass IFRS zwar andere, aber nicht zwingend geringere Spielräume bieten, insbesondere durch die Nutzung des Fair-Value-Konzepts.
- Citation du texte
- Sven Dau (Auteur), 2004, Vergleichende Betrachtung von IFRS und HGB in Bezug auf bilanzpolitische Maßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24646