In den letzen Jahren haben sich viele Autoren mit der Komparatistischen Imagologie sowie der Stereotyp- bzw. Vorurteilsforschung beschäftigt. Diese Forschungen beruhen auf einer allgemeinen Unfähigkeit, den Anderen und das Fremde vor dem Hintergrund des eigenen Erfahrungshorizontes angemessen zu beurteilen und vor allem auf der Unfähigkeit, einmal gefällte Urteile nochmals zu überdenken und seine Meinung über den anderen zu ändern.
Doch von diesen Forschungsfeldern kann keine Abschaffung von nationalen Stereotypen und Vorurteilen erwartet werden. Es ist schwierig, das exakte Heterostereotyp einer Nation zu dokumentieren, da es aus sehr vielen subjektiven Urteilen und Vorurteilen besteht. Die Menschen scheinen ein Bedürfnis nach Vorurteilen zu haben, mit denen sie versuchen, die Realität zu kategorisieren und zu vereinfachen.
Trotzdem ist der Abbau nationaler Vorurteile von großer Bedeutung, vor allem wenn man bedenkt, dass sich in der Vergangenheit Kriege aufgrund dieses Motivfeldes entwickelt haben.
Das Ziel der komparatistischen Forschung ist abgesehen von der Dokumentation didaktisch und somit politisch. Die Menschen sollen für stereotype Idealvorstellungen des Selbst und des Anderen sensibilisiert werden, sie sollen sich über gegenseitige politische und kulturelle Wahrnehmung austauschen und die jeweiligen Eigenschaftszuweisungen überprüfen.
Ich werde in der folgenden Arbeit den Blick genauer auf das Deutschlandbild in Frankreich zur Zeit der deutschen Teilung richten und mich darauf konzentrieren, wie es im französischen Chanson dargestellt wird. Dazu gehe ich zunächst kurz auf das Deutschlandbild während der Kriege ein, da die Beziehungen beider Länder durch die Kriege, die Besetzung Frankreichs und die Erfahrungen der Kollaboration und der Résistance wesentlich geprägt wurden, und manche Vorurteile nur auf der Basis der zu Kriegszeiten entstandenen Ängste zu verstehen sind. Danach gehe ich auf die Präsenz des DDR-Bildes im französischen Chanson ein und stelle einige Chansons von Daniel Balavoine und Yves Duteil detaillierter vor. Nachdem ich dann vergleichend auf das Bild der DDR im deutschen Lied eingegangen bin, befasse ich mich mit dem Gedanken, welche Vorteile das Chanson allgemein für den Unterricht hat und wie man dieses Thema „DDR“ im Französischunterricht behandeln könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Deutschlandbild in Frankreich während der Kriege – eine kurze Zusammenfassung
3. Das Bild der DDR im französischen Chanson
3.1. Die Präsenz des DDR-Bildes
3.2. Die Darstellung der DDR und der Wiedervereinigung
3.2.1. Daniel Balavoine und sein Themenalbum
3.2.2. Yves Duteil und sein Chanson „L’autre côté »
4. Das Bild der DDR im deutschen Lied
5. Zum Einsatz des Chansons im Unterricht
6. Zur Einbeziehung der DDR in den Unterricht
7. Schlussbetrachtung
8. Bibliographie
9. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild der DDR, wie es sich in französischen Chansons darstellt, und analysiert die didaktischen Möglichkeiten, dieses Thema im Französischunterricht zur Förderung der interkulturellen Sensibilisierung einzusetzen.
- Analyse von Stereotypen und Fremdbildern in französischen Chansons.
- Untersuchung der Darstellung der deutschen Teilung und Wiedervereinigung bei Interpreten wie Daniel Balavoine und Yves Duteil.
- Vergleich der Darstellung der DDR im französischen Chanson gegenüber dem deutschen Lied.
- Didaktische Konzepte zur Einbindung historischer und politischer Themen in den Fremdsprachenunterricht.
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Yves Duteil und sein Chanson „L’autre côté“
Yves Duteil beschreibt in seinem Chanson „L’autre côté“ voller Mitgefühl die Geschichte der Teilung Deutschlands bis zum Fall der Mauer. Nach dem Mauerfall entdeckt ein ganzes bis dahin eingeschlossenes Volk die Freiheit, die „andere Seite“. „C’est tout un peuple emprisonné/ Qui recouvre la liberté/ Et qui découvre émerveillé/ L’autre côté.5
Während sich das Interesse der französischen Medien zum Zeitpunkt des Mauerfalls und der Wiedervereinigung Deutschlands hauptsächlich darauf konzentrierte, welche Rolle ein größer gewordenes Deutschland in Europa und der Welt spielen würde und welche Konsequenzen das Ende der Teilung für die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland haben würde, beschreibt Duteil in seinem Chanson die Gefühlslage der Menschen in dem Moment, in dem sie die Freiheit wiedererlangen.
Das Bild der Mauer erhält bei ihm zum Schluss noch einen symbolischen Wert, indem er es auf die unzähligen inneren Mauern in den Herzen der Menschen überträgt, die jeder versuchen soll zu überwinden. „Mais plus haut que les citadelles/ Plus solides et plus résistants/ Sont les murs qu’ont bâti la haine/ Et la peur dans le cœur des gens“6
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die komparatistische Imagologie und die Zielsetzung der Arbeit, das Deutschlandbild in französischen Chansons zu untersuchen.
2. Das Deutschlandbild in Frankreich während der Kriege – eine kurze Zusammenfassung: Historischer Rückblick auf das negative, kriegsgeprägte Deutschlandbild in Frankreich bis in die 1960er Jahre.
3. Das Bild der DDR im französischen Chanson: Analyse, wie die DDR und die deutsche Teilung von französischen Chansonniers thematisiert (oder ignoriert) wurden.
3.1. Die Präsenz des DDR-Bildes: Untersuchung der spärlichen Präsenz des DDR-Themas in der französischen Musikszene nach dem Krieg.
3.2. Die Darstellung der DDR und der Wiedervereinigung: Fokussierung auf die spezifische Auseinandersetzung mit der Teilung bei ausgewählten Künstlern.
3.2.1. Daniel Balavoine und sein Themenalbum: Detaillierte Betrachtung des Albums „Les aventures de Simon et Gunther Stein“ als intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Teilung.
3.2.2. Yves Duteil und sein Chanson „L’autre côté »: Interpretation des Chansons von Duteil, das die Freiheit nach dem Mauerfall und die symbolischen "inneren Mauern" thematisiert.
4. Das Bild der DDR im deutschen Lied: Vergleich mit der deutschen Perspektive, in der das Thema Teilung im Schlager selten, in der Punkszene jedoch kritischer verarbeitet wurde.
5. Zum Einsatz des Chansons im Unterricht: Diskussion über den pädagogischen Nutzen von Musik zur Motivation und emotionalen Annäherung an Unterrichtsthemen.
6. Zur Einbeziehung der DDR in den Unterricht: Didaktische Vorschläge zur Integration des Themas in den Französischunterricht, insbesondere in der Oberstufe.
7. Schlussbetrachtung: Fazit über die Entwicklung des Deutschlandbildes hin zu einem Nachbarschafts- und Sympathieverhältnis und die Bedeutung der Überwindung "innerer Mauern".
8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur und der ausgewählten Chansons.
9. Anhang: Liedtexte der untersuchten Chansons.
Schlüsselwörter
DDR, Frankreich, Deutschlandbild, Chanson, Komparatistische Imagologie, Stereotype, Wiedervereinigung, Teilung Deutschlands, Daniel Balavoine, Yves Duteil, Fremdsprachenunterricht, Interkulturelle Kompetenz, Vorurteilsforschung, Politische Bildung, Europäische Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bild, das sich französische Chansonniers während der deutschen Teilung von der DDR gemacht haben, und analysiert die zugrunde liegenden Stereotype.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der komparatistischen Imagologie, der historischen Entwicklung des Deutschlandbildes in Frankreich und der didaktischen Nutzung von Chansons.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Deutschlandbild in französischen Liedern konstruiert wird und wie man dieses Thema nutzen kann, um Schüler für gegenseitige Wahrnehmungen und Vorurteile zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin bedient sich der komparatistischen Imagologie und der Stereotypenforschung, um Liedtexte als kulturwissenschaftliche Quellen auszuwerten.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden konkrete Chansons analysiert, insbesondere von Daniel Balavoine und Yves Duteil, und deren Wirkung auf die Darstellung von DDR-Schicksalen im Vergleich zur deutschen Liedlandschaft bewertet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR-Bild, französisches Chanson, Stereotypenbildung, deutsch-französische Beziehungen und didaktischer Einsatz von Musik geprägt.
Inwiefern unterscheiden sich die Darstellungen von Daniel Balavoine und Yves Duteil?
Während Balavoine das Schicksal der Deutschen als Opfer der Teilung in den Vordergrund stellt und ein eher düsteres, überwachtes DDR-Bild zeichnet, betont Duteil eher die euphorische Gefühlslage der Wiedervereinigung und die Überwindung innerer Mauern.
Warum ist das Thema laut Autorin besonders für die Oberstufe geeignet?
Da für das Verständnis der Chansons und der politischen Kontexte ein fundiertes historisches Vorwissen über die Weltkriege und die deutsche Teilung sowie gute Sprachkenntnisse erforderlich sind.
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- Vanessa Schweppe (Author), 2003, Das Bild der DDR im französischen Chanson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24692