Eine Unternehmung lässt sich im Sinne von Grossman und Hart als ein Bündel von Vermögensteilen interpretieren1, im einfachsten Falle kann man sich einen einzelnen Vermögensgegenstand vorstellen. Der jeweilige Eigentümer eines Vermögensteils übt die damit verbundenen Kontrollrechte aus, das heißt, er kann andere Parteien vom Zugang zu dem betreffenden Gegenstand ausschließen. Eigentumsrechte verleihen dem Inhaber eine verbesserte Position in Verhandlungen, da sich mit dem Eigentum im Regelfall der Drohpunkt der Partei erhöht und sie einen größeren Anteil eines gemeinschaftlich erwirtschafteten Überschusses für sich beanspruchen kann. Dadurch steigen gleichzeitig ihre Investitionsanreize.2 Welche Eigentumsstruktur aber garantiert im Kontext der so genannten Hold-up-Problematik und unter unvollständigen Verträgen die bestmöglichen Investitionsanreize und einen maximalen Gesamtüberschuss? Die Theorie der Eigentumsrechte der Unternehmung liefert hierbei aufschlussreiche Erkenntnisse: Gemäß eines bekannten Resultats von Hart, führt jegliche Eigentumsstruktur zu Unterinvestition gemessen an der Referenzlösung. Joint ownership stellt sich bei dieser Analyse als besonders unvorteilhaft heraus: Das Hold-up-Problem3 und die daraus resultierende Unterinvestition sind unter dieser Eigentumsstruktur am schwerwiegendsten. Dieses Resultat bewahrheitet sich, solange die Investitionen unabhängig oder strategische Komplemente sind und ausschließlich Humankapital betreffen.4 Für den Fall der Investition in physisches Kapital kann joint ownership die bestmögliche Eigentumsstruktur darstellen, sofern die jeweiligen Drohpunkte von den Investitionen beider Parteien abhängen.5 Trotz allem wird aber auch hier die Referenzlösung verfehlt. Obige Ergebnisse beziehen sich alle auf die Analyse statischer Spiele, in wiederholten Beziehungen allerdings werden diese Resultate in Frage gestellt. [...] 1 Vgl. Schweizer (1999) S. 240 2 Ein anderer Ansatz wird von Rajan/Zingales (1998) gewählt: Nicht allein die Allokation von Eigentum von Eigentum hat einen Einfluss auf das Investitionsverhalten der Parteien, sondern vielmehr die Regulation des Zugangs zu den fraglichen Vermögensteilen (oder der kritischen Ressource) veranlasst die Parteien, beziehungsspezifisch zu investieren. Durch Spezialisierung machen die Agenten, die Zugang erhalten, sich selbst zu einer kritischen Ressource und somit wertvoll. 3 siehe auch Schweizer (1999) S. 186 4 Vgl. Hart (1995) S. 44-49 5 Vgl. Hart (1995) S. 68
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Modelle beziehungsspezifischer Investition im Kontext unvollständiger Verträge
2.1. Grundmodell mit Investition in Humankapital nach Halonen
2.2. Grundmodell mit Investition in physisches Kapital nach Rosenkranz/Schmitz
3. Analyse des Stufenspiels
3.1. Ein Beispiel
3.2. Analyse des Stufenspiels nach Halonen
3.3. Analyse des Stufenspiels nach Rosenkranz/Schmitz
4. Dynamisches Spiel
4.1. Fortführung des Beispiels von Halonen
4.2. Unendlich oft wiederholtes Spiel
4.3. Zweifach wiederholtes Spiel
5. Nachverhandlungen
5.1. Ausweitung des Beispiels auf Nachverhandlungen
5.2. Modell nach Rosenkranz/Schmitz mit Nachverhandlungen
5.3. Ein Beispiel zu Rosenkranz/Schmitz
6. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Optimalität der Eigentumsstruktur "joint ownership" (gemeinsames Eigentum) im Rahmen unvollständiger Verträge. Ziel ist es zu analysieren, unter welchen Bedingungen joint ownership gegenüber anderen Eigentumsstrukturen vorteilhaft ist, insbesondere wenn wiederholte Geschäftsbeziehungen oder dynamische Investitionsmöglichkeiten berücksichtigt werden.
- Analyse beziehungsspezifischer Investitionen in Human- und physisches Kapital
- Untersuchung statischer Spiele und des Hold-up-Problems
- Evaluierung dynamischer Spiele (unendlich wiederholte und zweifach wiederholte Spiele)
- Betrachtung von Reputationseffekten und Anreizmechanismen
- Analyse des Einflusses von Nachverhandlungen auf die Eigentumsoptimalität
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Eine Unternehmung lässt sich im Sinne von Grossman und Hart als ein Bündel von Vermögensteilen interpretieren, im einfachsten Falle kann man sich einen einzelnen Vermögensgegenstand vorstellen. Der jeweilige Eigentümer eines Vermögensteils übt die damit verbundenen Kontrollrechte aus, das heißt, er kann andere Parteien vom Zugang zu dem betreffenden Gegenstand ausschließen. Eigentumsrechte verleihen dem Inhaber eine verbesserte Position in Verhandlungen, da sich mit dem Eigentum im Regelfall der Drohpunkt der Partei erhöht und sie einen größeren Anteil eines gemeinschaftlich erwirtschafteten Überschusses für sich beanspruchen kann. Dadurch steigen gleichzeitig ihre Investitionsanreize.
Welche Eigentumsstruktur aber garantiert im Kontext der so genannten Hold-up-Problematik und unter unvollständigen Verträgen die bestmöglichen Investitionsanreize und einen maximalen Gesamtüberschuss? Die Theorie der Eigentumsrechte der Unternehmung liefert hierbei aufschlussreiche Erkenntnisse: Gemäß eines bekannten Resultats von Hart, führt jegliche Eigentumsstruktur zu Unterinvestition gemessen an der Referenzlösung. Joint ownership stellt sich bei dieser Analyse als besonders unvorteilhaft heraus: Das Hold-up-Problem und die daraus resultierende Unterinvestition sind unter dieser Eigentumsstruktur am schwerwiegendsten. Dieses Resultat bewahrheitet sich, solange die Investitionen unabhängig oder strategische Komplemente sind und ausschließlich Humankapital betreffen. Für den Fall der Investition in physisches Kapital kann joint ownership die bestmögliche Eigentumsstruktur darstellen, sofern die jeweiligen Drohpunkte von den Investitionen beider Parteien abhängen. Trotz allem wird aber auch hier die Referenzlösung verfehlt. Obige Ergebnisse beziehen sich alle auf die Analyse statischer Spiele, in wiederholten Beziehungen allerdings werden diese Resultate in Frage gestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Theorie der Eigentumsrechte und Darstellung der Problematik von Hold-up und Unterinvestition in statischen vs. wiederholten Spielen.
2. Modelle beziehungsspezifischer Investition im Kontext unvollständiger Verträge: Vorstellung der theoretischen Grundlagen und Annahmen der Modelle von Halonen sowie Rosenkranz und Schmitz.
3. Analyse des Stufenspiels: Nachweis, dass joint ownership in statischen Spielszenarien unterlegene Anreize bietet.
4. Dynamisches Spiel: Untersuchung, wie wiederholte Interaktionen und Reputationseffekte die Ergebnisse zugunsten von joint ownership verändern können.
5. Nachverhandlungen: Analyse der Auswirkungen, wenn Parteien die Möglichkeit erhalten, Eigentumsstrukturen nachträglich anzupassen.
6. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ergebnisse im Kontext realer Wirtschaftsbeziehungen und Ausblick auf weiterführende Studien.
Schlüsselwörter
Eigentumsrechte, joint ownership, unvollständige Verträge, Hold-up-Problem, Investitionsanreize, Humankapital, physisches Kapital, dynamische Spiele, Reputationseffekte, Nachverhandlungen, Nash-Verhandlungslösung, First-Best-Investition, strategische Allianzen, Joint Ventures.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Bedingungen, unter denen gemeinsames Eigentum (joint ownership) ökonomisch effizienter sein kann als Einzeleigentum, insbesondere bei spezifischen Investitionen unter unvollständigen Verträgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Themen Eigentumsrechte, Investitionsanreize, das Hold-up-Problem, Spieltheorie und die Dynamik von Geschäftsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, warum trotz der theoretischen Nachteile von joint ownership in statischen Modellen, dieses in der Praxis (z.B. Joint Ventures) häufig vorkommt, und unter welchen dynamischen Bedingungen dies optimal sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine spieltheoretische Analyse, die mit Modellen der unvollständigen Verträge arbeitet, insbesondere durch Rückwärtsinduktion und die Analyse von Anreizverträglichkeitsbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse statischer Modelle (Halonen, Rosenkranz/Schmitz), die Erweiterung auf unendlich oder zweifach wiederholte Spiele sowie die Untersuchung von Nachverhandlungsszenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Eigentumsrechte, joint ownership, Hold-up, Anreizverträglichkeit und strategische Allianzen definiert.
Warum schneidet joint ownership im statischen Spiel meist schlecht ab?
Da beide Parteien Vetorechte bei der Nutzung des Vermögensgegenstandes haben, kann keine Partei die Früchte ihrer Investition ohne Kooperation sichern, was zu einer massiven Unterinvestition führt.
Welche Rolle spielen Nachverhandlungen bei der Optimalität?
Nachverhandlungen können die Anreizeffekte verändern, indem sie es ermöglichen, ineffiziente Eigentumsstrukturen nach einer ersten Investitionsphase anzupassen, was die Stabilität der Kooperation beeinflussen kann.
- Citation du texte
- Saskia Raak (Auteur), 2003, Zur Optimalität von joint ownership, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24789