Pyramus und Thisbe im Mittelalter


Hausarbeit, 2003

11 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Der Mythos

3.Pyramus und Thisbe im Mittelalter

Schlussbemerkung

Literaturangaben

Verzeichnis der Abbildungen

1.Einleitung

In meiner Hausarbeit gebe ich anhand von drei Beispielen einen Überblick darüber, inwieweit sich der ovidsche Stoff von Pyramus und Thisbe im Mittelalter verändert hat und ausgelegt wurde.

Zuvor beginne ich aber mit einer kurzen Zusammenfassung des Mythos nach Ovid.

2.Der Mythos

Pyramus und Thisbe lebten Tür an Tür, liebten sich und wollten heiraten.

Die Eltern waren dagegen, doch ein Spalt in der Wand machte es möglich, dass sie miteinander reden konnten und eines Abends ihre Flucht planten. Um Mitternacht wollten sie sich treffen an Ninus Grab, unter dem Schatten eines Maulbeerbaumes, der dicht neben einer Quelle wuchs. Kaum ward es Nacht, schlich Thisbe zu der verabredeten Stelle und wartete unter dem besagten Baum, der weiße und reine Früchte trug. Überrascht wurde sie jedoch von einer Löwin, die mit blutigem Maul von ihrem Raubzug kam. Thisbe versteckte sich aus Angst in einer Höhle, vergaß jedoch ihren Mantel. Pyramus erschien und musste zusehen, wie die Löwin einen blutverschmierten Mantel im Maul hatte. In dem Glauben seine Liebste wäre gefressen, nahm er sein Schwert und brachte sich um. Das Blut spritzte zu den reinen Maulbeeren und färbte sie rot. Thisbe kam unwissend wieder zurück und erblickte die roten Früchte des Baumes und darunter ihren, nun toten, Pyramus. Von Schmerz und Trauer geplagt nahm Thisbe sein Schwert um ihm zufolgen. Wieder färbten sich die Maulbeeren, nun noch dunkler. Die Götter hatten Mitleid mit diesem Paar und ließen von nun an die Früchte des Baumes für immer dunkel.[1]

3.Pyramus und Thisbe im Mittelalter

Das christliche Mittelalter versuchte die Werke des unchristlichen Autors Ovid so umzuschreiben, dass er zu einem Boten von, z. Bsp. moralischen Lehren

(Ovidius Ethicus) wurde[2]. Mit dieser nun moralischen Betonung in seinen Metamorphosen, konnte die so genannte „sittlich, verdorbene Bibel der Antike“ mit ruhigem Gewissen auch im Mittelalter gelesen werden.

So wurde auch die Erzählung von Pyramus und Thisbe als ein Beispiel für „moralisch fehlerhaftes Verhalten“[3] angesehen.

Licentius, ein Schüler des Kirchenvaters Augustinus, hatte vor, ein Gedicht über diese Erzählung zu schreiben. Augustinus befürchtete jedoch, das der philosophische Gedanke bei seiner Dichtung zu kurz kommen könnte und griff in das Vorhaben seines Schützlings ein. In diesem Gedicht wurde nun das Liebespaar zum Opfer der Wollust und schändlichen Begierde degradiert, was in einer Katastrophe endete. Angepriesen sollte hier die wahre christliche Philosophie werden, wo allein die reine und unverdorbene Liebe zur Glückseligkeit führen kann.[4] Auch in dem moralisch – satirischen Lehrgedicht Das Narrenschiff des Sebastian Brant von 1494 wird der Mythos in Verbindung mit einem Appell an Verliebte mit dem Zitat: „ Der ist ein Narr, der boulen will“[5] behandelt.

Diese Moral findet sich in einer Federzeichnung, aus dem Jahr 1525, von Urs Graf wieder. (siehe Abb.1)

Das Bild zeigt die Todesszene, bei der Pyramus nicht mehr lebt und Thisbe gerade dabei ist, Selbstmord zu begehen. Diese tragische Szene wurde umgesetzt in eine Satire. Eine nackte Thisbe stolpert von rechts regelrecht in die Szene, mit einem leidenschaftlich nach hinten gebogenem Oberkörper, direkt in den Dolch. Pyramus liegt, in reicher Landknechtstracht, zwar eigentlich tot vor ihr am Boden, doch in seinem Gesicht ist ein breites Lachen zu sehen. Man könnte glauben, er betrachtet wollüstig Thisbe und freut sich über den Anblick seiner nackten Liebsten. Im Hintergrund sitzt auf dem Brunnen ein Narr, der die Szene beobachtet. Er ist ein Sinnbild für die Dummheit dieser Tat. Aus seinen Ohren und dem Mund fließt Wasser und in den Händen hält er Becher aus denen Wasser ausgegossen wird. Das Ausgießen von Wasser erinnert an die törichten Jungfrauen, die nicht mehr genug Öl hatten und zu spät zu ihrem Bräutigam kamen.[6]

[...]


[1] Ovid, 2001, Seite 104 - 109

[2] vgl. Rand, 1972, Seite 26

[3] zitiert nach Mühlenfels, 1972, Seite26

[4] vgl. Leo Pollmann, 1972, Seite. 28

[5] zitiert nach: Brant, Sebastian, 1972, Seite 44

[6] vgl. Matthäus 25,1 – 13

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Pyramus und Thisbe im Mittelalter
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Mythenrezeption im Mittelalter
Note
1,3
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V24802
ISBN (eBook)
9783638275866
ISBN (Buch)
9783638759953
Dateigröße
1893 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pyramus, Thisbe, Mittelalter, Mythenrezeption, Mittelalter, Mythologie, Ovid, Holzschnitte, Vergleich, Rezeption, Mythos, Pyramus und Thisbe
Arbeit zitieren
Anonym, 2003, Pyramus und Thisbe im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24802

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