Frühförderung und frühe Förderung


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: gut


Leseprobe

GLIEDERUNG

1 Einleitung: Was ist Frühförderung überhaupt?

2 Ziele und Aufgaben von Frühförderung

3 Grundlagen der Frühförderung
3.1. Lerntheoretische Grundlagen
3.2. Ethologische Grundlagen
3.3. Medizinische/Neurophysiologische Grundlagen

4 Geschichte der Frühförderung

5 Organisationsformen der Frühförderung

6 Prävention als Grundgedanke der Frühförderung

7 Zur Stellung der Eltern in der Frühförderung
7.1. Das Laienmodell
7.2. Das Ko-Therapeutenmodell
7.3. Das Partnerschafts- oder Kooperationsmodell

8 Frühförderung konkret
8.1. Förderung der Wahrnehmung / des Denkens
8.2. Förderung der Bewegung
8.3. Förderung im sprachlichen Bereich
8.4. Förderung im sozial-emotionalen Bereich und in der Selbständigkeit (Selbstversorgung / Sozialentwicklung)

9 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 EINLEITUNG: WAS IST FRÜHFÖRDERUNG ÜBERHAUPT?

Die Frühförderung ist ein wichtiger Bestandteil der Sonderpädagogik. Denn Kinder mit Entwicklungsproblemen und Behinderungen zeigen oft schon in den ersten Lebensjahren Auffälligkeiten in ihrer sensorischen, motorischen, kognitiven, sprachlichen, emotionalen und sozialen Entwicklung. In dieser frühkindlichen Phase ermöglicht die Frühförderung dem Kind in spielerischer Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umwelt wesentliche Lernerfahrungen, auf denen späteres Lernen aufbaut.

Doch was genau ist Frühförderung überhaupt? Was beinhaltet sie? Wer führt sie wie durch? An wen richtet sich Frühförderung?

Das sind alles Fragen, auf die ich in dieser Arbeit eine Antwort geben will.

Ich beginne mit einem Definitionsversuch von Frühförderung:

„Frühförderung bedeutet die frühestmögliche Förderung entwicklungsauffälliger, von Behinderung bedrohter und behinderter Kinder, die spätestens mit dem Schuleintritt der Betroffenen endet. Dabei ist Frühförderung ein Sammelbegriff für alle Maßnahmen und Angebote in den Bereichen Frühdiagnostik, Frühberatung und Früherziehung. Diese unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche bedingen sich gegenseitig“ (Trost/Walthes 1991)

Speck und Thurmair sehen Frühförderung als „komplexes System verschiedenartiger Hilfen, die darauf gerichtet sind, frühkindlichen Entwicklungsstörungen und ihren Auswirkungen auf die Entwicklungsbedingungen in einem Zusammenwirken von Experten und Eltern präventiv, beratend und therapeutisch zu begegnen, und die kindliche Entwicklung günstig zu beeinflussen“ (Speck/Thurmair 1989, S.13)

Diese Definition lässt erkennen, dass Frühförderung nach den Grundsätzen Interdisziplinarität und Familienorientierung arbeitet. Sohns fügt noch die Prinzipien der Ganzheitlichkeit, Hilfe zur Selbsthilfe und sozialen Integration hinzu (vgl. Sohns 2000, S.17)

2 ZIELE UND AUFGABEN VON FRÜHFÖRDERUNG

In einem nächsten Schritt möchte ich die wichtigsten Ziele und Aufgaben von Frühförderung darstellen.

Das eigentliche Ziel von Frühförderung und Früherziehung ist, behinderten Kleinkindern zu helfen, ein Leben zu führen, das so wenig wie möglich durch die Behinderung beeinträchtigt ist.

Trost/Walthes (1991) formulieren gleich zwei Hauptziele, die sich nicht nur auf das betroffene Kind, sondern auch auf dessen Eltern beziehen:

- „Dem behinderten oder von einer Behinderung bedrohten Kind sollen bestmögliche Entwicklungschancen geboten werden, es soll seine Fähigkeiten optimal entfalten können.
- Den Eltern und anderen Bezugspersonen sollen angesichts der hohen Anforderungen und Belastungen, die bei der Erziehung eines behinderten Kindes, aber auch im Hinblick auf ihre gesamte Lebenssituation auf sie zukommen, wirksame Hilfen geboten werden. Sie sollen Unterstützung erhalten in Form von Informationen, Anregungen, Beratung und Ermutigung“ (S. 16)

Heese (1987) zeigt auf, was Früherziehung will bzw. welche Aufgaben Frühförderung hat:

- Schädigungen, Funktionsanomalien und Deprivationszustände, soweit sie mit den gegenwärtig verfügbaren Mitteln nicht beeinflussbar sind, als gegeben hinnehmen, ihrer Verschlimmerung aber entgegenwirken,
- die Erschwerungen des Lebens, gleich wo sie sich zeigen, präventiv verringern,
- psychosozialen Entwicklungsabweichungen soweit wie möglich entgegenerziehen, so dass als Folge alles dessen
- „die Behinderung der Erziehbarkeit und der Bildsamkeit gar nicht erst eintritt oder wieder aufgehoben wird oder so gering wie nur irgend möglich gehalten werden kann“ (S. 10f)

Als allgemeinere Aufgabenfelder der Frühförderung könnte man folgende anführen:

- Früherfassung und –erkennung
- Diagnostik
- Förderung des Kindes
- Begleitung und Beratung der Eltern
- Fachlicher Austausch (interdisziplinäre Zusammenarbeit)
- Gesellschaftspolitische Interessenvertretung
- Spezifische Aufgabenfelder (vgl. Sohns 2000, S.54)

Die Frühförderung richtet sich an verschiedene Gruppen. So z.B. an

- Säuglinge und Frühgeborene mit Entwicklungsrisiken,
- mehrfachbehinderte Kinder,
- Kinder mit Verhaltensbesonderheiten und Lern- und Leistungsstörungen,
- entwicklungsgefährdete Kinder aus sozial benachteiligten Familien,
- verunsicherte Eltern und Familien (vgl. Thurmair/Naggl 2000, S.19)

Pädagogische Frühförderung findet zumeist durch Frühförderstellen oder schulvorbereitende Einrichtungen statt.

Dabei sind Frühförderstellen Institutionen, die betroffenen Kindern die oben dargestellte Hilfe anbieten. Sie arbeiten überregional und regional eng mit medizinischen, pädagogischen und psychosozialen Diensten zusammen. Die Frühförderstelle versteht sich als ein Angebot für das Kind. D.h. die Eltern sind zu keiner Zeit gezwungen, eine solche Hilfe für ihr Kind in Anspruch zu nehmen.

3 GRUNDLAGEN DER FRÜHFÖRDERUNG

Im Folgenden möchte ich drei verschiedene Argumente vorbringen, die die Frühförderung zu ihrer Rechtfertigung anführt.

Die Frühförderung stützt sich auf

- lerntheoretische Grundlagen,
- ethologische Grundlagen und
- medizinische/neurophysiologische Grundlagen.

3.1. Lerntheoretische Grundlagen

Hensle (1994) führt aus, dass bereits beim Säugling Lernprozesse auftreten. Darunter zählt er die klassische Konditionierung und das Lernen am Erfolg. Die später wirksam werdenden Lernprinzipien sind also schon in der Säuglingszeit verbindlich. D.h. es gibt Einflussmöglichkeiten für die Förderung von entwicklungsverzögerten Funktionen. So kann man durch gezielte sensorische, optische oder auch akustische Reize das Kind zum Lernen stimulieren. Die Frühförderung versteht sich somit als Chance, Defizite auszugleichen, bevor z.B. besondere Beschulung nötig wird. (vgl. S. 263)

3.2. Ethologische Grundlagen

Nach Hess (1975) gibt es bei Tieren verschiedene Entwicklungsphasen:

1. kritische Perioden
2. sensible Phasen
3. optimale Perioden (vgl. S. 83f)

Dabei ist eine Verringerung der Verbindlichkeit und Irreversibilität von der kritischen über die sensiblen hin zu den optimalen Perioden zu verzeichnen (vgl. Hensle 1994, S. 263)

In der menschlichen Entwicklung sind eher kontinuierliche Lernvorgänge vorherrschend. Daneben gibt es aber auch stark empfängliche und viele optimale Phasen.

Eine sensible Periode z.B. ist ein bestimmter Zeitraum in der Entwicklung, in welchem das Lebewesen für den Erwerb von bestimmten Verhaltensweisen besonders empfänglich ist, die außerhalb dieses Zeitraums zwar schwierig, aber nur noch bis zu einem gewissen Grad wieder verändert werden können. Koch (1999) bezeichnet die gesamte frühe Kindheit als sensible Phase (vgl. S. 98)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Frühförderung und frühe Förderung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Sonderpädagogik)
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V24859
ISBN (eBook)
9783638276313
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühförderung, Förderung
Arbeit zitieren
Ines Lück (Autor), 2004, Frühförderung und frühe Förderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24859

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