Im wesentlichen gliedert sich die Arbeit in drei Teile.
Im ersten wird die Politik der DSAP ab der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 bis zur Parteispaltung 1921 dargestellt und die Frage untersucht, ob es sich - trotz des Fehlens einer konkreten nationalsozialistischen Gefahr, wie sie sich später in Parteien wie der DNSAP und SHF/SdP sowie in der Machtergreifung Hitlers im benachbarten Deutschen Reich manifestierte - schon um eine Politik des Widerstands handelte. Auch die Rahmenbedingungen, in denen die DSAP ihre Politik in den schwierigen Anfangsjahren der jungen Republik entwickeln musste, werden hier kurz vorgestellt.
Der zweite Teil greift die Zeit ab dem Eintreten sudetendeutscher Parteien in die Prager Regierung im Jahr 1926 bis zum Verbot der ,,Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei" (DNSAP) 1933 auf. Hier begegnete die DSAP das erste Mal der realen Bedrohung durch den aufsteigenden Nationalsozialismus und musste sich angesichts erheblicher Stimmenverluste kritisch mit der eigenen Politik auseinandersetzen. Ob dies gelungen war, wird hier kurz zu zeigen versucht. In einem zweiten Abschnitt beschäftigt sich dieser Teil auch mit den Beziehungen, die ab der Machtübernahme Adolf Hitlers zu der reichsdeutschen Schwesterpartei bestanden.
Der Aufstieg der ,,Sudetendeutschen Heimatfront" (SHF) und der Kampf der sudetendeutschen Sozialdemokratie gegen eine gewaltsame großdeutsche Lösung der ,,Sudetenfrage" bis zum Anschluss der sudetendeutschen Gebiete an das faschistische ,,Dritte Reich" ist Bestandteil des dritten und letzten Teils meiner Arbeit.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Begriffsdefinition
1.2. Zur Problematik des Widerstandsbegriffs
2. Von den Anfängen des Aktivismus bis zur Parteispaltung
2.1. Äußere Bedingungen
3. Von der ersten deutschen Regierungsbeteiligung bis zum Verbot der DNSAP
3.1. Die Beziehungen der DSAP zur reichsdeutschen Schwesterpartei SPD
4. Vom Aufstieg der DSAP bis zum Anschluß der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische Wirken der „Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei“ (DSAP) von der Staatsgründung 1918 bis zum Anschluss der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich 1938. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Partei angesichts erstarkender nationalsozialistischer Tendenzen und interner Herausforderungen einen demokratischen und friedlichen Widerstand gegen den Faschismus zu formen versuchte.
- Politische Strategie der sudetendeutschen Sozialdemokratie im tschechoslowakischen Staat
- Die Entwicklung und Definition des Widerstandsbegriffs im Kontext der Arbeiterbewegung
- Umgang mit den äußeren Bedingungen und der Prager Regierungsbeteiligung
- Widerstand gegen den aufsteigenden Nationalsozialismus und die Sudetendeutsche Partei (SdP)
- Solidarität und Unterstützung für die verfolgte reichsdeutsche SPD im Exil
Auszug aus dem Buch
1.1. Begriffsdefinitionen
In meiner Arbeit werde ich Begriffe verwenden, die in der Wissenschaft teils sehr umstritten sind und im Volksmund oft so polemisch und ungenau benutzt werden, dass ich es für nötig erachte, meine Auswahl hier in gebotenem Umfang zu erläutern. Da ich mich mit dem sudetendeutschen sozialdemokratischen Widerstand gegen den Aufstieg der Sudetendeutschen Heimatfront (SHF), bzw. Sudetendeutschen Partei (SdP), sowie gegen den Anschluss der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich beschäftige, werde ich im Folgenden kurz die Begriffe „Faschismus“, „Nationalsozialismus“, „Drittes Reich“ und „Sudetendeutsche“ definieren.
Als wissenschaftliche Kategorie ist der Ausdruck „Faschismus“ äußerst fragwürdig geworden, da er ideologisch und propagandistisch motiviert häufig zur plumpen Diffamierung des politischen Gegners, bzw. polemisch übersteigert zur Bezeichnung aller nichtkommunistischen Staats- und Gesellschaftsformen angewendet wird. Ich verwende diesen Begriff für die Bezeichnung rechtsextremer, antiparlamentarischer, antisozialistischer und antikommunistischer Bewegungen bzw. Organisationen, wie ich sie in Deutschland zwischen 1933 und 1945 in der NDSAP für manifestiert halte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen fest, definiert die zentralen Begriffe der Arbeit und stellt die historische Ausgangslage der DSAP innerhalb der Ersten Tschechoslowakischen Republik dar.
2. Von den Anfängen des Aktivismus bis zur Parteispaltung: Dieses Kapitel analysiert die politischen Rahmenbedingungen der jungen Republik und beleuchtet den aktivistischen Kurs der DSAP, der durch die Abspaltung des kommunistischen Flügels 1921 auf die Probe gestellt wurde.
3. Von der ersten deutschen Regierungsbeteiligung bis zum Verbot der DNSAP: Hier werden die Regierungsbeteiligung der DSAP sowie ihre Bemühungen zur Stabilisierung der demokratischen Verhältnisse inmitten der Weltwirtschaftskrise und unter dem Druck der nationalsozialistischen Bedrohung untersucht.
4. Vom Aufstieg der DSAP bis zum Anschluß der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich: Dieser Abschnitt widmet sich dem Kampf gegen den Aufstieg der Henlein-Bewegung (SHF/SdP) und der zunehmenden Isolierung der DSAP bis zum Münchner Abkommen 1938.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Rolle der DSAP kritisch und hält fest, dass trotz des Scheiterns ihres politischen Programms ihr engagierter Widerstand gegen den Nationalsozialismus und ihre Unterstützung für Emigranten eine bedeutende historische Leistung darstellen.
Schlüsselwörter
DSAP, sudetendeutsche Sozialdemokratie, Widerstand, Nationalsozialismus, Tschechoslowakische Republik, Aktivismus, Henlein, SdP, Faschismus, politische Geschichte, Zwischenkriegszeit, Sudetendeutsche, Antifaschismus, politische Parteien, Kollektivschuld.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das politische Wirken der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakei von 1918 bis 1938 und ihren Widerstand gegen faschistische Strömungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der „Aktivismus“ der DSAP, die Beziehungen zur Prager Regierung und zur reichsdeutschen SPD sowie die Auseinandersetzung mit der sudetendeutschen Nationalbewegung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, warum es der DSAP nicht gelang, der nationalsozialistischen Sogwirkung mit einem demokratischen Politikkonzept erfolgreich entgegenzuwirken, und ob ihr politisches Engagement als Widerstand zu klassifizieren ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine geschichtswissenschaftliche Analyse, die den politischen Diskurs, Parteiprogramme und zeitgenössische Quellen sowie die Forschung von Historikern wie Klaus Sator und Jörg Kracik einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert: Von der Staatsgründung über die Regierungsbeteiligung der 1920er Jahre bis hin zum Aufstieg der Sudetendeutschen Partei (SdP) und dem Anschluss an das Deutsche Reich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DSAP, Aktivismus, Widerstand, Sudetendeutsche Partei (SdP), Nationalsozialismus und der tschechoslowakische Nationalitätenstaat.
Welche Bedeutung hatte die Unterstützung der reichsdeutschen SPD durch die DSAP?
Die DSAP leistete wichtige humanitäre Hilfe, bot Emigranten Asyl und nutzte ihre Infrastruktur, um antifaschistisches Material ins Deutsche Reich zu schmuggeln, womit sie aktiv gegen Hitler kämpfte.
Wie bewertet die Arbeit die These der Kollektivschuld der Sudetendeutschen?
Die Autorin distanziert sich von der Kollektivschuldthese, da sie den aktiven, teils unter persönlichen Opfern geführten Widerstand der DSAP und anderer Gegner des Nationalsozialismus betont, die nicht mit dem Regime gleichgesetzt werden dürfen.
- Quote paper
- Nina Dombrowsky (Author), 2001, Zwischen Hitler und Henlein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2501