Didaktische Modelle. Bildungstheoretische und Lerntheoretische Didaktik im Vergleich


Zwischenprüfungsarbeit, 2004
32 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Begriffsbestimmung

2. Bildungstheoretische Didaktik
2.1 Theorien der materialen Bildung
2.2 Theorien der formalen Bildung
2.3 Die kategoriale Bildung
2.4 Die didaktische Analyse
2.5 Primat der Didaktik
2.6 Kritische Einschätzung der Bildungstheoretischen Didaktik

3. Lerntheoretische Didaktik
3.1 Die Strukturanalyse des Unterrichts
3.2 Die Faktorenanalyse des Unterrichts
3.3 Das Hamburger Modell der Didaktik
3.4 Vergleich des Berliner und des Hamburger Modells:

4. Vergleich der Bildungstheoretischen Didaktik und der Lerntheoretischen Didaktik

Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit soll einen Einblick in die Didaktik und ihre Modelle geben. Erst werden die Begriffe ‚Didaktik’ und ‚Didaktisches Modell’ definiert. Anschließend werden zwei didaktische Modelle exemplarisch vorgestellt und miteinander verglichen. Es handelt sich hierbei um die Bildungstheoretische und die Lerntheoretische Didaktik. Im Teil der Bildungstheoretischen Didaktik werden die materiale, formale und kategoriale Bildung erläutert. Bei der Lerntheoretischen Didaktik wird auf das Berliner Modell und das Hamburger Modell genauer eingegangen. Am Ende der Arbeit steht der Vergleich der beiden großen didaktischen Modelle.

1.1 Begriffsbestimmung

Vor der Beschreibung und dem Vergleich verschiedener didaktischer Modelle, wird der Begriff „Didaktik“, seine Geschichte und der Begriff ‚Didaktisches Modell’ näher erläutert.

Siegfried Bernfeld definiert Didaktik „im Sinne von Unterrichtslehre“ (Blankertz, H: Theorien und Modelle der Didaktik, 1977, Seite 11). Arnim und Ruth Kaiser definieren wie folgt: „Didaktik ist die nach bestimmten Prinzipien durchgeführte und auf allgemeine Intentionen bezogene Transformation von Inhalten zu Unterrichtsgegenständen“ ( Kaiser, A. und R.: Studienbuch Pädagogik, Seite 238, 2001). Jank und Meyer liefern die folgende knappe Definition: „Die Didaktik ist die Theorie und Praxis des Lernens und Lehrens“ (Jank, W. und Meyer, H.: Didaktische Modelle, 2002, Seite 14).

Die Aufgabe der Didaktik besteht darin, Lehrende wie auch Lernende beim Lehren und Lernen zu unterstützen. „Gegenstand der Didaktik sind alle Vorgänge des absichtsvoll herbeigeführten Lehrens und Lernens, die langfristig und im Rahmen eines Plans angelegt sind“ (Martial, Ingbert von: Einführung in Didaktische Modelle, Seite 9). Das bedeutet, dass Lernvorgänge, die sich rein zufällig ergeben, nicht in den Gegenstandsbereich der Didaktik fallen. Wenn zum Beispiel ein Kind aus Neugier verschiedene Tasten des Telefons drückt und am anderen Ende der Leitung plötzlich ein Gesprächspartner ist, so ist dies ein zufälliges Lernen, wie ein Telefon zu bedienen ist. Als didaktisches Lernen wäre es jedoch zu bezeichnen, wenn ein Lehrender sich zum Ziel setzt, einem Kind die Funktion des Telefons zu erklären.

Um die Aufgabe der Didaktik auf den Punkt zu bringen, wird häufig beschrieben, die Didaktik beantworte die Frage wie gelehrt und gelernt werden soll. Jedoch ist diese Arbeitsdefinition sehr „eng“ (Jank, Meyer, Seite 14, 2002), denn es werden noch viele weitere Fragen beantwortet. Die Wissenschaft der Didaktik behandelt nicht nur Inhalte und Methodik, “sondern immer auch (...) die Ziele und (...) die beteiligten Personen”( Jank, Meyer, Seite 14, 2002).

So kann man den Fragenkatalog erweitern: “Wer, was, von wem, wann, mit wem, wo, wie, womit und wozu” (Jank, Meyer, Seite 16, 2002) soll gelernt werden?

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Griechischen (didáskein) und bedeutet als Verb soviel wie lehren, unterrichten, lernen, belehrt werden, sich aneignen.[1] Das von diesem Verb abgeleitete Substantiv wird mit Lehre, Unterricht und Unterweisung übersetzt.[2]

Der schon vor zweieinhalbtausend Jahren verwendete Begriff taucht jedoch erst im 17. Jahrhundert “in einem spezifisch pädagogischen Sinne” (Blankertz, Seite 14) wieder auf.

Wolfgang Ratke (1571-1635) und Johann Amos Comenius (1592-1670) benutzten diesen Begriff, und „zwar im Zusammenhang von Bestrebungen, die die Geschichte der Pädagogik unter dem Kapitel ‚Didaktische Reformbewegung’ behandelt” (Blankertz, Seite 14). Auch wenn der Begriff Didaktik erst im 17. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde, bedeutet dies nicht, dass “es vorher überhaupt keine Probleme gegeben habe, die rückblickend als didaktische zu bezeichnend sind” (Blankertz, Seite 14).

Comenius schrieb im Jahr 1657 die “bis heute grundlegende Programmzeitschrift mit dem Titel “Didactica magna” ( = Große Didaktik; 1628/1638) (…), in der ein umfassendes, theoretisch und praktisch ausdifferenziertes Programm für die Gestaltung von Schule und Unterricht vorgestellt wird” ( Jank, Meyer, Seite 11, 2002).

Die Didaktik, wie sie zum heutigen Zeitpunkt existiert, hat sich nach und nach “aus den Unterrichtslehren und Hauslehrer- Handreichungen früherer Jahrhunderte entwickelt “(Jank, Meyer, Seite 12, 2002).

“Den ersten Entwurf einer konsequent an den lernenden Subjekten orientierten Didaktik” (Jank, Meyer, Seite 12, 2002) legte Johann Friedrich Herbart (1776-1841) vor. Im Gegensatz zu Comenius sollte die Erziehung nach Herbart nicht mehr zum Ziel haben, “gottgefällige” (Jank, Meyer, Seite 12, 2002) Menschen heranwachsen zu lassen, sondern “die Entwicklung der Person (…) und die Förderung der Selbstbestimmungsfähigkeit des Einzelnen” (Jank, Meyer, Seite 12, 2002).

Otto Willmann (1839-1920) veröffentlichte am Ende des 19. Jahrhunderts “eine umfassende ‚Didaktik als Bildungslehre’, in der er in einer umfassenden historisch – systematischen Analyse die Bildungszwecke, Bildungsinhalte und Grundlagen der Bildungsarbeit darlegte” (Jank, Meyer, Seite 13, 2002).

Verschiedene, “aber doch in der bildungstheoretischen Grundlegung erstaunlich ähnliche didaktische Theoriegebäude” (Jank, Meyer, Seite 13, 2002), wurden im 20. Jahrhundert unter anderem von Erich Weniger (1894-19619), Wolfgang Klafki (geb. 1927), Herwig Blankertz (1927-1983), Paul Heimann (1901-1967) und Lothar Klingberg (1926-1999) entwickelt.

Es wurden bis heute viele verschiedene Didaktische Modelle entwickelt.

Bildungstheoretische Didaktik, Dialektische Didaktik, Lerntheoretische Didaktik und Konstruktivistische Didaktik sind nur eine Auswahl der bestehenden didaktischen Modelle.

Die Frage, was ein didaktisches Modell ist und leisten soll, definieren Jank und Meyer in drei Punkten:

„1.) Ein didaktisches Modell ist ein erziehungswissenschaftliches Theoriegebäude zur Analyse und Modellierung didaktischen Handelns in schulischen und nichtschulischen Handlungszusammenhängen.
2.) Ein didaktisches Modell stellt den Anspruch, theoretisch umfassend und praktisch folgenreich die Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen des Lehrens und Lernens aufzuklären.
3.) Ein didaktisches Modell wird in seinem Theoriekern in der Regel einer wissenschaftlichen Position (manchmal auch mehrerer) zugeordnet.“( Jank, Meyer, Seite 92, 1994)

Ein didaktisches Modell ist für Lehrende und Lernende eine Hilfestellung, um die Unterrichtsinhalte besser vermitteln und verstehen zu können. Aber auch bei der Auswahl der richtigen Inhalte soll ein didaktisches Modell Hilfestellung geben.

In dieser Arbeit sollen Bildungstheoretische Modelle und Lerntheoretische Modelle vorgestellt und verglichen werden.

2. Bildungstheoretische Didaktik

Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834) und Johann Friedrich Herbart (1776-1841) zählen zu den klassischen Bildungstheoretikern. In dieser Arbeit wird vorwiegend auf die Konzeptionen von Wolfgang Klafki (geb. 1927) eingegangen.

Vertreter des bildungstheoretischen Ansatzes sind sich in der Annahme, dass die Aufgabe der Didaktik darin besteht, „den Unterricht als den Ort, an dem planvoll und absichtlich Bildung betrieben wird, systematisch zu erforschen und Prinzipien für einen bildungswirksamen Unterricht zu entwickeln“( Keller A., Novak F.: Kleines pädagogisches Wörterbuch, Herder Spektrum, 1993, Seite 89) einig.

Bildungstheoretische Ansätze ruhen auf dem Begriff ‚Bildung’. Es geht um ‚Allgemeinbildung’, da sich diese Didaktik nicht auf einen speziellen Unterricht bezieht. Nach Klafki haben Bildung und Erziehung die Aufgabe, „dem unmündigen Menschen zur Mündigkeit zu verhelfen“ ( Jank, Meyer, Seite 209, 2002). Er bestimmt Allgemeinbildung in dreifachem Sinn:

1.) Sie muss „Bildung für alle“ sein, wenn Bildung „als demokratisches Bürgerrecht und als eine Bedingung der Selbstbestimmung anerkannt wird“ (Klafki, Neue Studien zur Bildungstheorie, Seite 53, 1996).
2.) Sie muss „Bildung im Medium des Allgemeinen“ sein. Dieser Punkt soll bedeuten, „Allgemeinbildung muss verstanden werden als Aneignung der die Menschen gemeinsam angehenden Frage- und Problemstellungen ihrer geschichtlich gewordenen Gegenwart und der sich abzeichnenden Zukunft und als Auseinandersetzung mit diesen gemeinsamen Aufgaben, Problemen, Gefahren“(Klafki, Seite 53).
3.) Sie muss als „Bildung in allen Grunddimensionen menschlicher Interessen und Fähigkeiten“ verstanden werden, „sofern das Grundrecht auf die ‚freie Entfaltung der Persönlichkeit’ gewährleistet werden soll“(Klafki. Seite 54). Also sei Allgemeinbildung, „Bildung des lustvollen und verantwortlichen Umgangs mit dem eigenen Leib, der kognitiven Möglichkeiten, der handwerklich- technischen und hauswirtschaftlichen Produktivität, der Ausbildung zwischenmenschlicher Beziehungsmöglichkeiten (...), der ästhetischen Wahrnehmungs-, Gestaltungs- und Urteilsfähigkeit, schließlich und nicht zuletzt der ethischen und politischen Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit“(Klafki, Seite 54).

Es gibt viele Definitionen des Begriffs Bildung, jedoch keine allgemeingültige. Dennoch ist es Klafki gelungen, zwei verschiedene Grundpositionen zu unterscheiden. Hierbei handelt es sich um die materialen und um die formalen Bildungstheorien. „Die materialen Bildungstheorien sind vorwiegend an der Objektseite, die formalen vorwiegend an der Subjektseite des Bildungsgeschehens orientiert“ (Peterßen, Seite 96).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bildungstheorien im Überblick[3]

[...]


[1] vgl. hierzu Jank, W. und Meyer, H.: Didaktische Modelle, 1994

[2] vgl. hierzu Jank, W. und Meyer, H.: Didaktische Modelle, 1994

[3] http://www.stangl-taller.at/arbeitsblaetterwissenschaftpaedagogik/ModelleBildungstheorie.shtml

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Didaktische Modelle. Bildungstheoretische und Lerntheoretische Didaktik im Vergleich
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Philosophie, Pädagogik und Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
32
Katalognummer
V25161
ISBN (eBook)
9783638278737
Dateigröße
2411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktische, Modelle, Bildungstheoretische, Lerntheoretische, Didaktik, Vergleich
Arbeit zitieren
Annette Busch (Autor), 2004, Didaktische Modelle. Bildungstheoretische und Lerntheoretische Didaktik im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25161

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