Diese Arbeit soll einen Einblick in die Didaktik und ihre Modelle geben. Erst werden die Begriffe ‚Didaktik’ und ‚Didaktisches Modell’ definiert. Anschließend werden zwei didaktische Modelle exemplarisch vorgestellt und miteinander verglichen. Es handelt sich hierbei um die Bildungstheoretische und die Lerntheoretische Didaktik.
Im Teil der Bildungstheoretischen Didaktik werden die materiale, formale und kategoriale Bildung erläutert. Bei der Lerntheoretischen Didaktik wird auf das Berliner Modell und das Hamburger Modell genauer eingegangen. Am Ende der Arbeit steht der Vergleich der beiden großen didaktischen Modelle. Vor der Beschreibung und dem Vergleich verschiedener didaktischer Modelle, wird der Begriff „Didaktik“, seine Geschichte und der Begriff ‚Didaktisches Modell’ näher erläutert.
Siegfried Bernfeld definiert Didaktik „im Sinne von Unterrichtslehre“ (Blankertz, H: Theorien und Modelle der Didaktik, 1977, Seite 11). Arnim und Ruth Kaiser definieren wie folgt: „Didaktik ist die nach bestimmten Prinzipien durchgeführte und auf allgemeine Intentionen bezogene Transformation von Inhalten zu Unterrichtsgegenständen“ ( Kaiser, A. und R.: Studienbuch Pädagogik, Seite 238, 2001). Jank und Meyer liefern die folgende knappe Definition: „Die Didaktik ist die Theorie und Praxis des Lernens und Lehrens“ (Jank, W. und Meyer, H.: Didaktische Modelle, 2002, Seite 14).
Die Aufgabe der Didaktik besteht darin, Lehrende wie auch Lernende beim Lehren und Lernen zu unterstützen. „Gegenstand der Didaktik sind alle Vorgänge des absichtsvoll herbeigeführten Lehrens und Lerne ns, die langfristig und im Rahmen eines Plans angelegt sind“ (Martial, Ingbert von: Einführung in Didaktische Modelle, Seite 9). Das bedeutet, dass Lernvorgänge, die sich rein zufällig ergeben, nicht in den Gegenstandsbereich der Didaktik fallen. Wenn zum Beispiel ein Kind aus Neugier verschiedene Tasten des Telefons drückt und am anderen Ende der Leitung plötzlich ein Gesprächspartner ist, so ist dies ein zufälliges Lernen, wie ein Telefon zu bedienen ist. Als didaktisches Lernen wäre es jedoch zu bezeichnen, wenn ein Lehrender sich zum Ziel setzt, einem Kind die Funktion des Telefons zu erklären. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffsbestimmung
2. Bildungstheoretische Didaktik
2.1 Theorien der materialen Bildung
2.2 Theorien der formalen Bildung
2.3 Die kategoriale Bildung
2.4 Die didaktische Analyse
2.5 Primat der Didaktik
2.6 Kritische Einschätzung der Bildungstheoretischen Didaktik
3. Lerntheoretische Didaktik
3.1 Die Strukturanalyse des Unterrichts
3.2 Die Faktorenanalyse des Unterrichts
3.3 Das Hamburger Modell der Didaktik
3.4 Vergleich des Berliner und des Hamburger Modells:
4. Vergleich der Bildungstheoretischen Didaktik und der Lerntheoretischen Didaktik
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit gibt einen einleitenden Überblick über die didaktische Theoriebildung, definiert zentrale Begriffe und vergleicht die zwei maßgeblichen Strömungen der Bildungstheoretischen sowie der Lerntheoretischen Didaktik, um deren jeweilige Ansätze zur Unterrichtsplanung und -analyse herauszuarbeiten.
- Grundlagen und Begriffsbestimmung der Didaktik sowie des Didaktischen Modells.
- Analyse der Bildungstheoretischen Didaktik nach Wolfgang Klafki inklusive der kategorialen Bildung und der Didaktischen Analyse.
- Untersuchung der Lerntheoretischen Didaktik mit Fokus auf das Berliner Modell (Strukturanalyse) und das Hamburger Modell (Unterrichtsplanung).
- Gegenüberstellung der beiden didaktischen Hauptmodelle unter Berücksichtigung ihrer methodischen und inhaltlichen Unterschiede.
Auszug aus dem Buch
2.4 Die didaktische Analyse
Ziel der didaktischen Analyse ist es herauszufinden, ob bestimmte Inhalte, welche im Unterricht behandelt werden für die Schüler eine bildende Wirkung haben und ob sie sich für die jeweilige Schülergruppe eignet. Der Mittelpunkt der didaktischen Analyse sind fünf Grundfragen:
1.) Gegenwartsbedeutung: Welche Bedeutung hat der betreffende Inhalt bereits im geistigen Leben der Kinder meiner Klasse, welche Bedeutung sollte er vom pädagogischen Gesichtspunkt aus gesehen- darin haben?
2.) Zukunftsbedeutung: Worin liegt die Bedeutung des Themas für die Zukunft der Kinder?
3.) Struktur des Inhalts: Welches ist die Struktur des (durch die Fragen 1 und 2 in die spezifisch pädagogische Sicht gerückten) Inhaltes?
4.) Exemplarische Bedeutung: Welchen allgemeinen Sachverhalt, welches allgemeine Problem erschließt der betreffende Inhalt?
5.) Zugänglichkeit: Welches sind die besonderen Fälle, Phänomene, Situationen, Versuche, in oder an denen die Struktur des jeweiligen Inhalts den Kindern dieser Bildungsstufe, dieser Klasse interessant, fragwürdig, zugänglich, begreiflich, „anschaulich“ werden kann?“ (Jank, Meyer, Seite 205,2002).
Die didaktische Analyse dient Lehrenden dazu, ihren Unterricht so zu gestalten, dass Schüler eine auf sie zugeschnittene Bildung erhalten. Jedoch kann die Befürchtung geäußert werden, dass bei der Festlegung auf fünf ganz bestimmte, vorformulierte Fragen „eine Erstarrung des didaktischen Denkens“ (Jank, Meyer, Seite 206, 2002) eintreten könnte. Klafki äußerte sich zu diesem Kritikpunkt und wandte ein, dass seine Analyse kein zwingendes Handlungsrezept darstellt, sondern lediglich als „Reflexions- und Problematisierungshilfe“ (Jank, Meyer, Seite 206, 2002) dienen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung der Arbeit ein, die didaktische Grundbegriffe definiert und die beiden Hauptmodelle der Untersuchung vorstellt.
2. Bildungstheoretische Didaktik: Dieses Kapitel erläutert die Konzeptionen der Bildungstheoretischen Didaktik, insbesondere die Ansätze von Wolfgang Klafki, und untersucht deren Fokus auf Bildungsinhalte.
2.1 Theorien der materialen Bildung: Hier werden die Ansätze dargestellt, die Bildung primär durch die Aneignung von spezifischen, als wertvoll erachteten Inhalten definieren.
2.2 Theorien der formalen Bildung: Dieses Kapitel beschreibt Theorien, die den Schwerpunkt auf die Schulung geistiger Kräfte und Methodenkompetenzen anstelle von Inhalten legen.
2.3 Die kategoriale Bildung: Hier wird Klafkis Integrationsversuch vorgestellt, der materiale und formale Bildungsaspekte zu einer kategorialen Bildung dialektisch verbindet.
2.4 Die didaktische Analyse: Dieses Kapitel erläutert Klafkis Instrument zur Unterrichtsvorbereitung, basierend auf fünf Grundfragen zur Bedeutung und Struktur des Unterrichtsinhalts.
2.5 Primat der Didaktik: Hier wird das von Erich Weniger stammende Konzept beschrieben, welches Inhaltsfragen gegenüber der Methodik methodisch überordnet.
2.6 Kritische Einschätzung der Bildungstheoretischen Didaktik: Dieses Kapitel fasst die Kritik an der Theorie zusammen, insbesondere hinsichtlich ihrer konservativen Tendenzen und der Vernachlässigung der Methodik.
3. Lerntheoretische Didaktik: Einführung in die lerntheoretische Didaktik, die sich als Gegenentwurf zur Bildungstheorie versteht und auf empirische Wissenschaftlichkeit setzt.
3.1 Die Strukturanalyse des Unterrichts: Dieses Kapitel erklärt das Berliner Modell und dessen sechs Elementarstrukturen zur Erfassung des Lehr- und Lerngeschehens.
3.2 Die Faktorenanalyse des Unterrichts: Untersuchung der zweiten Reflexionsebene des lerntheoretischen Modells, die sich mit Normenkritik und Effektivitätsprüfung befasst.
3.3 Das Hamburger Modell der Didaktik: Darstellung der schülerorientierten Neufassung der Berliner Didaktik durch Wolfgang Schulz mit Fokus auf vier Planungsebenen.
3.4 Vergleich des Berliner und des Hamburger Modells: Dieses Kapitel stellt die Unterschiede in Bezug auf Wertfreiheit, Emanzipation und Unterrichtsplanung heraus.
4. Vergleich der Bildungstheoretischen Didaktik und der Lerntheoretischen Didaktik: Zusammenfassende Gegenüberstellung der beiden Modelle unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte, Zielsetzungen und methodischen Herangehensweisen.
Schlüsselwörter
Didaktik, Didaktisches Modell, Bildungstheoretische Didaktik, Lerntheoretische Didaktik, Kategoriale Bildung, Didaktische Analyse, Berliner Modell, Hamburger Modell, Unterrichtsplanung, Unterrichtsanalyse, Wolfgang Klafki, Paul Heimann, Wolfgang Schulz, Primat der Didaktik, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen fundierten Einblick in die didaktische Theoriebildung. Sie definiert zentrale Begriffe und führt einen systematischen Vergleich zwischen zwei der einflussreichsten Strömungen der Pädagogik durch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder sind die Bildungstheoretische Didaktik, wie sie von Wolfgang Klafki geprägt wurde, und die Lerntheoretische Didaktik, vertreten durch das Berliner und das Hamburger Modell.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, die theoretischen Grundlagen beider Ansätze aufzuarbeiten, deren jeweilige Methoden zur Unterrichtsvorbereitung (Didaktische Analyse vs. Strukturanalyse) zu erläutern und ihre Vor- sowie Nachteile einander gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich der Literaturanalyse und des theoretischen Vergleichs. Sie reflektiert verschiedene pädagogische Modelle und setzt sich kritisch mit den jeweiligen theoretischen Konzeptionen auseinander.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Bildungstheoretische Didaktik, inklusive der Begriffe materialer, formaler und kategorialer Bildung sowie der Didaktischen Analyse, erläutert. Danach folgt die detaillierte Darstellung der Lerntheoretischen Didaktik mit dem Berliner und dem Hamburger Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Didaktik, Bildungstheoretische Didaktik, Lerntheoretische Didaktik, Didaktische Analyse, Berliner Modell, Hamburger Modell, Unterrichtsplanung und Emanzipation.
Was unterscheidet das Hamburger vom Berliner Modell?
Der Hauptunterschied liegt im Fokus: Während das Berliner Modell die wertfreie Analyse des Unterrichts betont, rückt das Hamburger Modell die Emanzipation der Beteiligten sowie die explizite Einbeziehung von Schülern und Eltern in die Unterrichtsplanung in den Vordergrund.
Warum ist die "Didaktische Analyse" für Klafki so wichtig?
Für Klafki ist sie der zentrale Bezugspunkt jeder Unterrichtsplanung, da sie als "Reflexionshilfe" dient, um zu prüfen, ob Unterrichtsinhalte für Schüler im Sinne der kategorialen Bildung einen echten Bildungsgehalt besitzen.
- Citar trabajo
- Annette Busch (Autor), 2004, Didaktische Modelle. Bildungstheoretische und Lerntheoretische Didaktik im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25161